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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-29988
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2006/2998/


Die Auswirkungen von "bad" governance am Beispiel der argentinischen Wirtschaftsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung des Systemvertrauens

The effects of "bad" governance - the case of Argentina's economic development under special consideration of system reliance

Eberhart, David

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SWD-Schlagwörter: Staatskunst , Governance , Argentinien / Verfassung <1994> , Argentinien / Caja de Conversión , Argentinien , Vertrauen , Politisches System
Freie Schlagwörter (Deutsch): governance / bad , Systemvertrauen , Luhmann
Freie Schlagwörter (Englisch): Argentina , Economy , Development , stability
Basisklassifikation: 83.39 , 15.88 , 89.42
Institut: Sozialwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Wirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Nolte, Detlef (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 03.07.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 31.07.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Argentinien erlebte in der Jahren 2001 und 2002 die schwerste Wirtschaftskrise seiner jüngeren Geschichte. Doch auch diese schwere Krise war nur Teil eines Jahrzehnte alten Entwicklungsmusters. In seinem Verlauf führten chronische Inflation, Leistungsbilanzprobleme, Produktivitätsmängel und konjunkturelle Stop-and-Go-Erscheinungen - alle im Kern Folge einer anhaltenden Investitionszurückhaltung privater nationaler Wirtschaftssubjekte - zu einem Verfall der sozioökonomischen Leistungsfähigkeit des Landes. Auch wenn die argentinische Wirtschaft seit 2003 wieder stark wächst, deuten niedrige Investitionsquoten und ansteigender Inflationsdruck darauf hin, dass auch diese Erholung nicht nachhaltig ist.
Zu den Ursachen dieser besonderen Entwicklung gibt es eine umfangreiche Debatte. Bei den wirtschaftspolitisch besonders einflussreichen Strömungen vermögen aber weder die lange Zeit dominierenden strukturalistischen Ansätze, noch die neoklassischen Erklärungsbeiträge, die seit den 80er Jahren auch in Argentinien stark an Boden gewinnen, erschöpfende Erklärungen zu geben. Dabei sind es vor allem theoretische Schwächen, die ihre Anwendbarkeit für die Erklärung des Fallbeispiels Argentinien einschränken. Sie beleuchten zwar jeweils wichtige Aspekte des „argentinischen Wirtschaftsrätsels“, sind aber insgesamt zu technokratisch, ahistorisch und mechanistisch. Darüber vernachlässigen sie die Bedeutung des Staates in Entwicklungsprozessen und der gesellschaftlichen Dynamiken, die sein Funktionieren beeinflussen. Hier setzt diese Arbeit an.
Eine Möglichkeit zur Berücksichtigung dieser Einflüsse bietet die von der Weltbank initiierte Public-governance-Debatte. Im Rahmen der Untersuchung wird sie zu einer eigenen, systemvertrauensbasierten Definition von Governance erweitert, wofür Luhmanns Systemvertrauenskonzept, die Arbeiten von Putnam sowie der Political-Credibility-Ansatz von Borner, Brunetti und Weder hinzugezogen werden. Die Definition, die auf einem weit gefassten Eigentumsrechtsbegriff fußt, geht davon aus, dass die grundlegende Voraussetzung für eine stabile positive Entwicklung in Wirtschaft und Politik das Vertrauen in das staatliche System sowie in sein Funktionieren im Sinne eines Schutzes vor passiven und aktiven Enteignungen ist. ‚Bad’ governance ist in diesem Sinne ein Staatshandeln, das der Schaffung und Stärkung von Systemvertrauen zuwider läuft.
Das Systemvertrauen wurde in Argentinien über viele Jahrzehnte durch staatliche Maßnahmen erschüttert. Der Staat war im Rahmen von Erscheinungsformen institutioneller Degeneration und des Massenprätorianismus sowohl Quelle als auch Gegenstand geringen Systemvertrauens, das auf diese Weise stetig abnahm. Dies war wesentliche Ursache der geringen privaten Investitionstätigkeit, und darüber auch der weiteren Entwicklungsprobleme Argentiniens. Menems Wirtschaftsreformen in den 90er Jahren zielten deshalb im Kern darauf ab, personales Vertrauen in die Exekutive zu stärken sowie dem als vertrauensunwürdig empfundenen System Staat dauerhaft Kompetenzen zu entziehen. Da seiner Regierung aufgrund einer Fülle von Erscheinungsformen von ‚bad’ governance die Generierung von Systemvertrauen jedoch ebenfalls misslang, konnten die langfristigen Entwicklungsmuster nicht durchbrochen werden.
Auch die wirtschaftliche und politische Krise der Jahre 2001 und 2002 kann deshalb als Folge geringen Systemvertrauens interpretiert werden. Sie zeigt damit die große Bedeutung der systemvertrauensrelevanten Erfahrungen, die von privaten Wirtschaftssubjekten langfristig mit dem Staat gemacht werden.
Kurzfassung auf Englisch: Argentina´s long term economic decline stands in the core of this work. It starts from the observation that several development strategies didn´t show the desired outcomes. So, it studies different approaches and reaches the conclusion, that systemic confidence is low in Argentina. This is the root of developmental problems.

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