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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-42974
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/4297/


Wüstling-Werwolf-Teufel. Medienbilder von Serienmördern in der deutschen Massenpresse 1918 bis 1945

fornicator-werewolf-devil. media images of seriekillers in the german mass media 1918 - 1945

Kompisch, Anne-Kathrin

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SWD-Schlagwörter: Gewaltkriminalität , Nationalsozialismus , Weimarer Republik , Gewaltdarstellung , Massenmedien , Medienpublizistik , Mörder
Freie Schlagwörter (Deutsch): Serienmord , Serienmörder
Freie Schlagwörter (Englisch): serialkiller , crime , mass media , germany
Basisklassifikation: 15.43
Institut: Philosophie und Geschichtswissenschaft
DDC-Sachgruppe: Nachrichtenmedien, Journalismus, Verlagswesen
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Schildt, Axel (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.06.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 02.10.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Anhand einer Untersuchung, wie Medien mit dem Phänomen Serienmord umgehen und welche Bilder des Bösen sie im Zuge dessen konstruieren und transportieren, kann viel über die Konstitution einer Gesellschaft – und ihrer Medien – und gesellschaftliche Ansichten in Bezug auf Gewalt, Ausgrenzung und Toleranz, die Einstellung zum Bösen, zum Anderen und Fremden gezeigt und somit Aufschluss über Mentalitäten der Menschen einer Epoche erreicht werden.
Es wird aufgezeigt, wie eine Gesellschaft auf das plötzliche Hereinbrechen des „unerklärlich Bösen“ reagierte, welcher Mittel sie sich zu seiner Beschreibung bediente und damit: Wie es dazu kommt, dass die personifizierte Scheußlichkeit des Serienmörders nicht nur zum Protagonisten, sondern häufig genug zu einem durchaus als faszinierend, wenn nicht sogar positiv gesehenen Helden der veröffentlichten Meinung gemacht werden konnte. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Serienmörder in modernen, säkularisierten Zeiten als Substitut einer Teufelsfigur herhält, auf den man seine verborgenen Ängste projizieren kann.
Zu einer Entmythisierung dieser modernen Teufelsfigur wird beizutragen, dass aufgezeigt wird, wer an diesem Mythos mitstrickte und welche Interessen dahinter standen. Denn der Serienmörder ist keinesfalls ein natürliches Zentrum des öffentlichen Diskurses. Er wird vielmehr dazu gemacht, etwa aus kommerziellen Gründen, weil die Kombination von Sex und Tod ein nahezu unschlagbares Verkaufsargument auf dem Boulevard darstellt; oder um eine bestimmte gesellschaftspolitische Ideologie zu befördern, wofür es noch immer von Vorteil war, die Zeitgenossen durch die Präsentation fürchterlicher Verbrechen tüchtig zu erschrecken. Deshalb ist es auch durchaus angemessen, von der Erfindung des Serienmörders zu sprechen.
Die Leitfrage der Untersuchung lautet, welches Bild sich die deutsche Gesellschaft von ihren Serienmördern machte und warum die Medien gerade zu dieser Art von Berichterstattung griffen. Der Fundus der Mörderimages blieb dabei stets der gleiche. Welche Bilder jedoch jeweils herausgegriffen wurden, war von den Umständen der Zeit abhängig. Ich werde infolgedessen erörtern, welche Bilder zu welcher Zeit dominierten und weshalb.
Zu diesem Zweck werden die Medienauftritte bestimmter Serienmörder in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus untersucht. Den Anfang machen dabei die 1920er Jahre, in denen vor dem Hintergrund des eben beendeten Weltkrieges, politischer Unruhen und der gesellschaftszerrüttenden Hyperinflation eine höchst spektakuläre Mordserie stattfand bzw. aufgeklärt wurden: Der Fall des Hannoveraners Fritz Haarmann, des heute noch bekanntesten deutschen Serienkillers, dem die Polizei 1924 auf die Schliche kam. Den Schwerpunkt bildet dabei die Analyse der Massenmedien, d.h. in dieser Periode: regionaler wie überregionaler Zeitungen und Illustrierten. Aber auch wissenschaftliche Meinungsäußerungen und fiktionale Medien wie Film und Belletristik sind einbezogen. Diese Darstellung ist eingebettet in ein Panorama der Zeit, um deutlich zu machen, vor welchem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Medienmacher die Morde deuteten.
Dem Fall Haarmann gegenüber stelle ich den Frauenmörder Carl Großmann, der heute nahezu vergessen ist, dessen Serienmorde an Frauen der Berliner Unterschicht Anfang der 1920er Jahre jedoch damals große Erregung auslösten. Ein Vergleich des öffentlichen Umgangs mit beiden Fällen verdeutlicht das absichtsvolle Schüren bestimmter „moral panics“. Zudem erlaubt die Viktimologie interessante Einblicke in die Sichtweise des mainstreams auf die Randgruppen und Außenseiter der Gesellschaft. Für die NS-Zeit wird die Mordserie des Adolf Seefeld betrachtet. Es müssen hier andere Untersuchungsmaßstäbe angelegt werden als für die Epoche Weimars. Schließlich existierte eine unabhängige Justiz jetzt ebensowenig wie eine freie Presse.
Kurzfassung auf Englisch: In the context of serial murder cases like Fritz Haarmann, Carl Großmann and Adolf Seefeld a discussion unfolded in the Weimar Republic and Nazi Germany on the genesis of serial murderers and the social counteraction against them. The explanations of these crimes were mostly biological (regression, “degeneration”, hereditary handicap), even though there were a few arguments regarding social problems. The link between criminality and biology and the assumption of hereditary crime led to approval for eugenical measures against criminals as a solution of the alleged crime problem of Weimar times. The mass media played an active role in advocating such measures by describing the perpetrators as monsters and devils, who were a danger to society.

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