FAQ
© 2017 Staats- und Universitätsbibliothek
Hamburg, Carl von Ossietzky

Öffnungszeiten heute10.00 bis 24.00 Uhr alle Öffnungszeiten

Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-64470
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6447/


Von der Improvisation zur Komposition : der musiktherapeutische Einsatz des Computers zur Emotionsregulation bei schizophrenen Patienten

Unterberger, Johann

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (1.177 KB) 


Basisklassifikation: 24.49
DDC-Sachgruppe: Musik
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Decker-Voigt, Hans Helmut (Prof. Dr. Prof. h.c. Dr. h.c.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.11.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 14.11.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Bei der schizophrenen Erkrankung wird nach heutigem Wissensstand von multifaktoriellen Ursachen ausgegangen. Genetische Faktoren spielen ebenso eine Rolle wie äußere Einflüsse. Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell erklärt, wie biologisch bedingte Dysfunktionen durch Stress erzeugende Umweltfaktoren die Bewältigungsstrategien der Betroffenen überfordern, und wie sich diese Effekte in einer Feedbackschleife bis zum Ausbruch schizophrener Symptome addieren können.
Musiktherapie als Teil der Soziotherapie wird im besonderen Maße eingesetzt, um die Negativsymptomatik mit sozialem Rückzug, Sprachverarmung, Affektverarmung, Antriebsarmut oder Interessensverlust zu behandeln. Die Möglichkeit, Emotionen zum Ausdruck zu bringen, ist einer der musiktherapeutischen Grundpfeiler und Ausgangspunkt für die vorliegende Studie.

Wut, Ärger, Zorn sind bei schizophrenen Patienten häufig vorhandene Emotionen. Diese werden aber oft unterdrückt und zurückgehalten. Aus diesem Grund sind sie in Absprache mit den behandelnden Teams in den Fokus der Studie gerückt. Die Improvisation als musiktherapeutische Interventionstechnik erlaubt ein direktes Umsetzen der bewusst vorgestellten Emotionen in Töne und Klänge. Sie reguliert damit die inneren Prozesse mittels des Handlungsimpulses. Eine Intensivierung soll in der vorliegenden Studie das nochmalige Durcharbeiten des musikalischen Materials bringen. Die Komposition als bewusstes Verdichten der eher dem unbewussten Handeln entspringenden Improvisation betont dabei den Einfluss des kognitiven Anteils der Emotionsverarbeitung.

Im vorliegenden Studiendesign ist die Komposition der Bereich, in dem Experimental- und Kontrollgruppe sich unterscheiden. Die Versuchsgruppe setzt hierbei den PC als Instrument ein. Die operationalisierte Durchführung der Untersuchung ist so gestaltet, dass die Ergebnisse unmittelbar den musiktherapeutischen Interventionen zugeschrieben werden können. Jeder Teilnehmer an der Studie hat einen Termin. Was physiologisch, psychologisch und mittels Textanalyse des semi-strukturierten Interviews gemessen wird, bezieht sich auf Improvisation, Komposition und Hören.

Ziel der Studie ist die Bestätigung folgender vier Hypothesen: Improvisation und Komposition der Gefühle Wut, Ärger, Zorn senken Blutdruck, Pulsfrequenz der Probanden, sie führen ebenso zur Verbesserung der momentanen Befindlichkeit. Der Einsatz des Computers als Instrument verstärkt die Ergebnisse der Hypothesen I + II, und Improvisation und Komposition der erwähnten Gefühle sind für schizophrene Patienten eine Möglichkeit zur Emotionsregulation.

An der monozentrischen Interventionsstudie mit Kontrollgruppe nahmen 83 Patienten teil, 42 in der Experimentalgruppe mit dem Einsatz des PC in der Kompositionsphase, 41 in der Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse der Untersuchungen der physiologischen Variablen beziehen sich zum einen auf die vorher/nachher Messungen von Blutdruck und Pulsfrequenz. Signifikant gesunken ist die Pulsfrequenz, systolischer und diastolischer Blutdruck sind ebenfalls, aber nicht signifikant zurück gegangen. Die musiktherapeutischen Interventionen haben Veränderungen zur Folge, die Experimentalgruppe liegt dabei mit den Messergebnissen meist deutlich unter denen der Kontrollgruppe.

Die kontinuierlichen Messungen zu Sauerstoffsättigung und Pulsfrequenz bringen bezüglich letzterer signifikante Senkungen für beide Gruppen. Dabei liegt die Experimentalgruppe bei allen Messpunkten deutlich unter der Kontrollgruppe, die Hypothesen I + III sind bestätigt.

Die Veränderungen in der Befindlichkeit sind für Experimental- und Kontrollgruppe jeweils signifikant, bei beiden verbessert sich die Befindlichkeit innerhalb der durchschnittlich 14 Minuten musiktherapeutischer Intervention deutlich. Hiermit ist auch Hypothese II verifiziert.

Die Textanalyse der Aussagen zu den drei Fragen des semi-strukturierten Interviews ergibt für die Improvisation und den Höreindruck ein klares Votum für eine gelungene Emotionsregulation. Die Komposition als vertiefendes Verfahren wurde nicht eindeutig bestätigt.

Die eindeutigen Veränderungen physiologischer und psychologischer Variabeln mittels Improvisation und Komposition bestätigen die Musiktherapie als wesentlichen Teil der Soziotherapie. Diese Techniken sind geeignet, schizophrenen Patienten geeignete Bewältigungsstrategien im Zusammenhang mit Emotionsregulation in die Hand zu geben.


Zugriffsstatistik

keine Statistikdaten vorhanden
Legende