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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-65076
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6507/


Ferdinand Möller und seine Galerie : ein Kunsthändler in Zeiten historischer Umbrüche

Engelhardt, Katrin

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SWD-Schlagwörter: Kunsthandel , Kunsthändler , Kunstgalerie , Nationalsozialismus , Entartete Kunst , Kunstpolitik
Freie Schlagwörter (Deutsch): Ferdinand Möller
Basisklassifikation: 20.14
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Fleckner, Uwe (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.04.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 09.12.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Der Galerist Ferdinand Möller spielt in der heutigen Forschung zur Erfassung der Zeit des Nationalsozialismus eine wichtige Rolle, weil er einer der vier beauftragten Kunsthändler war, die für die Nationalsozialisten die Bestände der Entarteten Kunst ins Ausland verkaufte. Außerdem existierte seine Galerie von Beginn der Weimarer Republik an bis in die Nachkriegszeit in den besetzten Gebieten Deutschlands und konnte aufgrund des vorhandenen Nachlasses eine nahezu lückenlose Betrachtung des Ablaufes der Entwicklung des deutschen Kunsthandels möglich machen.
Ferdinand Möller gründete die Galerie bereits 1917, in den letzten Kriegsjahren des Ersten Weltkrieges, in Breslau. Während der Weimarer Republik existierte der Kunstbetrieb in der wachsenden Metropole Berlin und erlebte die wirtschaftlichen Krisen und zunehmende Radikalisierung der Gesellschaft. In dieser Zeit konzentrierte sich Möller auf die Kunst des deutschen Expressionismus rund um die Künstlergruppe Brücke. Karl Schmidt-Rottluff und Otto Mueller gehörten zum Repertoire der Galerie. Künstler des Verismus oder der Neuen Sachlichkeit waren dagegen nicht vertreten oder wurden es nur in Ausnahmefällen. Diese Auswahl begründet sich nach heutigem Forschungsstand auf den hohen Marktwert der Künstler in dieser Zeit aber auch die persönliche Präferenz des Galeristen.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte sich Möllers Künstlerbestand deutlich. Zwar behielt er die Künstler in der Galerie, die seit langem den Bestand prägten, doch öffnete Möller vor allem für die jungen nationalsozialistischen Künstler seine Tür. Die Künstlergruppe Der Norden erhielt von Möller eine besondere Unterstützung und wurde umfassend ausgestellt. Diese Tendenz der Geschäftsleitung hielt einige Jahre an und auch der Handel mit den Werken der deutschen Moderne blieb weiterhin bestehen.
Im Jahr 1937 stellte Möller überraschend seinen Ausstellungsbetrieb ein. Offenbar schätzte der Galerist das Risiko, wider den NS-Vorgaben expressionistische Kunst auszustellen, als hoch ein, obwohl Möller über ein umfangreiches Netzwerk zum Propagandaministerium und einzelnen Regierungsvertretern verfügte und Mitglied im Kampfbund für deutsche Kultur war.
Ab 1938 stand Möller in Verhandlungen mit der Verwertungskommission, die den Verkauf der \"Entarteten Kunst\" ins Ausland beschlossen hatte und vorantrieb. Ein Kaufvertrag von 1939 über mehrere expressionistische Werke ist einer von 10 nachgewiesenen Verträgen, durch die Möller bis 1941 Kunstwerke aus ehemaligem Museumsbesitz übernahm.
Die letzten Kriegsjahre verbrachte die Familie in ihrem Sommerwohnsitz in Zermützel bei Neuruppin. Von dort aus versuchte Möller nach 1945 in der Berliner Kunstszene wieder Fuß zu fassen, doch gelang es nicht. Andere Ausstellungsprojekte in Dresden und Halle verliefen ebenso ungünstig, sodass Möller 1949 nach Köln in die britische Besatzungszone ging. Der oft als Flucht beschriebene Umzug gelang mit der vollständigen Kunstsammlung und Teilen der Bibliothek.
In Köln angekommen baute Ferdinand Möller erneut eine Galerie auf und konzentrierte sich wieder auf die deutschen Expressionisten, deren Marktwert einen enormen Anstieg erfuhren. 1956 starb Möller unerwartet, die Galerie wurde geschlossen.
Die Galerie Ferdinand Möller war ein solider Kunstbetrieb, der „mit dem Strom schwamm“. Möllers bodenständige Art, mit Kunst umzugehen, brachte seine Galerie unspektakulär durch turbulente Zeiten und vermied durch politisch opportunistisches Verhalten hohe Risiken. Als Kunsthändler auf Profit bedacht, war er bereit, für die Nationalsozialisten zu arbeiten und dabei ausschließlich eigene Interessen zu verfolgen.
Sein konsequenter Entschluss, seinem Kunsthandel den Expressionisten zu widmet, bedeutete für viele Künstler eine sichere Existenzgrundlage, auch in schwierigen Zeiten. Somit war Ferdinand Möller ein wichtiger Förderer der deutschen „klassischen Moderne“, wenn auch nicht uneigennützig.

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