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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-67127
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/6712/


Politische Tugendvorstellungen im 12. Jahrhundert : die Schriften Ottos von Freising und Bernhards von Clairvaux

Grzybowski, Lukas Gabriel

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SWD-Schlagwörter: Mittelalter , Tugend , Geschichte
Basisklassifikation: 15.07 , 15.33
Institut: Philosophie und Geschichtswissenschaft
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Goetz, Hans-Werner (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 31.03.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 17.04.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit ethisch-politischen Vorstellungen im 12. Jahrhundert. Dieses Thema lässt sich auch in die Fragen der Mentalitätsgeschichte einordnen. Die Vielfalt der menschlichen Mentalitäten kann aus unterschiedlichen Perspektiven analysiert werden. Hier ist aus diesem Grund der aus Beumanns politischer Ideengeschichte hervorgegangenen Vorstellungsgeschichte gefolgt worden. Dadurch gewinnt die Diskussion über die ethisch-politischen Vorstellungen im 12. Jahrhundert an Vielfalt. Die Studien zu dem Zusammenhang von politischen Tugendvorstellungen und politischen Idealisierungen sind, vor allem aber bezüglich dieses Jahrhunderts, aber selten. Daher ist die Thematisierung dieser Fragen wünschenswert.
Die Studie musste auf einige Elemente und Quellen beschränkt werden. Die klassischen politischen Schriften des 12. Jahrhunderts wurden in der Untersuchung übergangen. Das leitende Prinzip bei der Quellenauswahl war die Bedeutung des Autors in seinem Aktionsgebiet sowie dessen Behandlung von politischen Problemen in seinen Schriften. In dieser Hinsicht sind Otto von Freising und Bernhard von Clairvaux eine interessante Auswahl. Otto von Freising wird in erster Linie wegen seiner Geschichtsschreibung gepriesen, während Bernhard von Clairvaux wegen seiner Beiträge zur mönchischen Reformbewegung des 12. Jahrhunderts, zur christlichen Mystik und zu theologischen Diskussionen seiner Zeit angesehen wird. Indirekt aber haben beide Autoren politische Themen in ihren jeweiligen Schriften behandelt und dadurch ihre politischen Anschauungen und Vorstellungen vermittelt. Mithilfe der vorstellungsgeschichtlichen Analyse wurden einige Schriften dieser mittelalterlichen Autoren untersucht und wichtige Aspekte ihres Denkens herausgestellt. Analysiert wurden beide historiografische Werke Ottos von Freising sowie die Briefe und zwei Traktate – De consideratione und De laude novae militae – Bernhards von Clairvaux.
Die Kardinaltugenden stellen die Grundlage der politischen Tugendvorstellungen sowohl Ottos als auch Bernhards dar. Sie deuten aber dieses traditionelle Thema der politischen Ideen neu. Ihre Anschauungen bezüglich der politischen Tugenden sind von ihrer Weltanschauung und ihren Erfahrungen geprägt. Sie nennen die Kardinaltugenden Ciceros, liefern aber ein im 12. Jahrhundert angepasstes Bild dieser Tugenden, das den Erwartungen dieses Zeitalters entspricht und die Fragen ihrer Zeit in den Mittelpunkt stellt. Die Vorstellungen der beiden Denker weisen viele Gemeinsamkeiten auf. So erscheint die fortitudo als militärische Tugend bzw. als Tugend des Schlachtfelds. Sie ist politisch, indem sie zur Erzeugung und Erhaltung eines politischen Ideals durch die Kriegsführung beiträgt. Wie ein Herrscher gut regiert, wird ihm mithilfe der sapientia und der prudentia offenbart. Die iustitia soll anschließend die richtige Ordnung bewahren und jedem das Seine zuteilen, was erneut auf die Vorstellungen von gemeinem Wohl und auf die Erhaltung eines politischen Ideals hindeutet. Letztlich sollen Herrschaften in allen ihren Aspekten mit moderatio geführt werden, damit auch keine der anderen Tugenden im Übermaß geübt wird. Neben den Kardinaltugenden präsentieren beide untersuchten Denker andere Tugenden, die eine politische Bedeutung in Zusammenhang mit ihren Idealen und Erwartungen beinhaltet: Bernhard stellt seine Auffassung der humilitas als Grundlage seiner Idealanschauungen dar, sodass diese Tugend seine politischen Erwartungen bestimmt, wenngleich sie in politischen Schriften bzw. Kontexten zumeist nur indirekt erfasst wird. Otto von Freising schreibt dagegen in seinen Werken deutlich über die Rolle von fides, constantia und largitas in Zusammenhang mit seinen politischen Idealvorstellungen. Fides und largitas deuten auf Ottos Wahrnehmung der sozio-politischen Strukturen seiner Zeit und seine Versuche, diese in seinen Erwartungen und Idealisierungen zu berücksichtigen und einzublenden. Die constantia weist schließlich auf die Betonung der politischen Stabilität als ein zentrales Thema in den Vorstellungen des Freisinger Bischofs hin.
Diese Ergebnisse präsentieren neue Erkenntnisse über die politische Vorstellungswelt des 12. Jahrhundert. Sie lassen auf die Vorstellungen eines wichtigen Anteils der Zeitgenossen Ottos und Bernhards schließen. Wie herausgestellt wurde, sind die politischen Tugendvorstellungen dieser Denker kein Einzelfall, sondern repräsentieren eine bedeutsame Gedankenrichtung des 12. Jahrhunderts, die kaum in der aktuellen Forschung untersucht wurde. Insoweit stellt die vorliegende Studie über die politischen Tugendvorstellungen und ihre Rolle in den politischen Idealen des 12. Jahrhunderts einen Fortschritt in der historischen Forschung dar. Sie ergänzt die Kenntnisse über die politischen Ideen des Mittelalters und weist auf weitere Möglichkeiten zur Untersuchung dieses Themas, nicht nur in Hinsicht auf das 12. Jahrhundert, sondern bezüglich des ganzen Mittelalters hin.
Kurzfassung auf Englisch: This study addresses the topic of ethical and political ideas of the 12th century. The present study follows the German Vorstellungsgeschichte, which developed from Beumann’s politische Ideengeschichte. Through this methodological option the discussion of ethics and politics in the 12th century is enriched by diversity. This period is regarded among medievalists as one of the most important of the Middle Ages: the Renaissance of the 12th century. This renaissance also pertains to the political thought of the period, which has already, though insufficiently, been researched. Studies on the relation between political ideals and political virtues in this century are also rare. The discussion of these topics is therefore desirable.
It was necessary to reduce this study to the research of specific elements and sources of the 12th century, however, avoiding the classical political treatises of this period, though the De consideratione from Bernard of Clairvaux is regarded by some historians as a central piece of political writing for this century. The guiding principle, however, in this source selection was the authors dealing with political problems in their writings. In this regard, Otto of Freising and Bernard of Clairvaux were an interesting choice. Both were influential churchmen in their time and attained important positions inside the ecclesiastical hierarchy. They were supporters of the 12th century reform movements in the Church, were considered politically very active and were highly regarded in their respective circles. However, neither of them produced writings whose core was the discussion of political ideas. Their significance is due to their contribution to other areas. Otto of Freising is mainly praised on account of his historical writing, while Bernard of Clairvaux is celebrated for his contributions on the monastic reform, Christian mysticism, and theological debates of his time. Yet both authors touched indirectly on political issues in their writings and thus presented their own views and ideas on such matters. Through an analysis based upon the Vorstellungsgeschichte, some of the writings of these medieval thinkers were examined and important aspects of their thinking were pointed out. These complement the knowledge about the political views of these authors and contribute to the research of the (political) mentalities of the 12th century. Both historical works of Otto of Freising – Historia de duabus civitatibus and Gesta Friderici – were analysed as well as the Letters of Bernard of Clairvaux and two of his treatises: De consideratione and De laude novae militae.
The cardinal virtues – iustitia, fortitudo, sapientia/prudentia, temperantia/moderatio – represent the basis upon which the entire idea of political virtues is built in the writings of both authors. They are therefore part of a tradition which reaches back to the Ciceronian origins of the cardinal virtues theme. Both thinkers interpret however this traditional theme of political thought in a new way. Their beliefs about political virtues are determined by their own experiences and shaped by their own worldview. They mention Cicero’s cardinal virtues, but deliver particular interpretation of them, meeting the expectations of their own age and putting them into focus. The ideas of both Otto and Bernard show similarities which point to a typical tendency for a significant part of 12th century thought. For example, fortitudo appears as a military or battlefield virtue and it turns political when in connection with the creation and preservation of an ideal government. According to both authors, one needs sapientia and prudentia to become a good ruler. Primarily, however, the government is considered good if it seeks the common good. The iustitia looks further to the maintenance of the right order of the world and finds its application in the just distribution of all things, referring again to the common good and the political ideals of these medieval thinkers. Finally, all rulers should govern with moderatio by avoiding all excesses.
In addition to the cardinal virtues, both thinkers present other virtues which can be applied to their political ideals and expectations. Thus Bernard sets humilitas as the foundation of his concept of (political) virtue and Otto shows the connection between fides, constantia and largitas in his political expectations.
These results offer new insight into the political thought of the 12th century. The ideas on political virtue presented by these thinkers represent a significant trend of thought of the 12th century, which so far has scarcely been studied. In this respect, applying the ideas of political virtue to political thought of the 12th century represents an advance in historical research. It complements current knowledge of political ideas and presents them in a new perspective, taking into consideration not only the 12th century, but the whole of the Middle Ages.

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