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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-71707
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2015/7170/


Bartholomäus Voet und die Freibeuter der Hansezeit : Untersuchungen zum Kaperwesen im Nordeuropa des frühen 15. Jahrhunderts

Bartholomew Voet and the freebooters of the Hanse-era : Investigations on privateering in early 15th century Northern Europe

Clarus, Nicolai

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SWD-Schlagwörter: Kaperei , Seeräuberei , Vitalienbrüder
Freie Schlagwörter (Deutsch): Piraterie , Freibeuter , Bartholomäus Voet , Störtebeker
Freie Schlagwörter (Englisch): piracy , freebooters , privateers
Basisklassifikation: 15.33 , 15.08 , 15.62 , 15.50
Institut: Philosophie und Geschichtswissenschaft
DDC-Sachgruppe: Geschichte Europas
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Hergemöller, Bernd-Ulrich (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.03.2013
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 02.06.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Die Begriffe „Freibeutertum“ und „Kaperfahrt“ im sogenannten Hanseraum des späten Mittelalters sind sowohl in literarischer als auch in wissenschaftlicher Hinsicht auf das Engste mit dem Namen Klaus Störtebeker verbunden. Der legendäre Seeräuber, welcher angeblich im Jahre 1400 auf dem Hamburger Grasbrook hingerichtet wurde, mutierte zum identifikationsstiftenden Merkmal ganzer nordeuropäischer Regionen und musste im Verlauf seiner Rezeptionsgeschichte immer wieder als politisches Propagandawerkzeug hinhalten.
Bei der Betrachtung der historischen, von allen Mystifikationen befreiten, Gestalt „Störtebekers“ stellt sich jedoch heraus, dass dieser höchstwahrscheinlich weder mit Vornamen Klaus hieß noch im Jahr 1400 in Hamburg enthauptet wurde. Vielmehr existieren Belege über einen Kaperfahrer namens „Störtebeker“ bis in die 1430er Jahre hinein, noch dazu nicht als erklärter Feind aller „Pfeffersäcke“, sondern in Diensten der wendischen Hansestädte. Da diese Quellenbelege seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sogar in gedruckter Form vorliegen, stellt sich die Frage, warum selbst die moderne Forschung sich immer noch davor scheut, eine Neuinterpretation der Gestalt Störtebekers vorzunehmen und stattdessen an dem konservativen, von Propaganda und Sageninhalten verklärten Bild dieser Person und ihres historischen Umfelds festhält.
Ein erklärtes Ziel der Dissertation ist es daher, die Diskussion um die Themenbereiche Seeraub, Freibeuterwesen und Kaperfahrt zur Hansezeit von der Legendengestalt „Störtebeker“ loszukoppeln und auf neue Pfade wissenschaftlicher Erkenntnis zu führen. Hierzu wird dem schon von Friedrich Benninghoven 1979 geäußerten Desiderat Rechnung getragen, endlich die „magische Schwelle“ des Jahres 1400 zu überschreiten und sowohl chronologisch als auch geographisch weitere Räume in die Untersuchung einzubeziehen. Die Dissertation fußt hierbei auf der 2006 erschienenen Magisterarbeit unter dem Titel „Kämpfer zur See in der Nord- und Ostsee im frühen 15. Jahrhundert“, in welcher bereits grundlegende Erkenntnisse zu den Strukturen des Kaperwesens „nach Störtebeker“ gewonnen werden konnten. So steht bereits fest, dass die mit dem Namen „Vitalienbrüder“ belegten Gruppierungen keineswegs mit dem Jahr 1400 ein kollektives Ende fanden, sondern im Rahmen der friesischen Fehden, in Holland, Oldenburg und der Grafschaft Holstein weiterhin existierten – schon dies ein Indiz für die fatale Verquickung des Ablebens Störtebekers mit dem Ende „der Vitalienbrüder“ innerhalb der Literatur!
Im Gegensatz zu der innerhalb der Forschung gängigen Praxis, das Jahr 1400 als künstlichen Bruch zu werten und somit den Abschluss des Untersuchungszeitraums zu rechtfertigen, werden im Rahmen der Dissertation Belege für eine Kontinuität innerhalb der Entwicklung von Freibeutertum, Kaperfahrt und Seesöldnerwesen angeführt. Ausgehend von der rechtlichen Grauzone der Seefehde des mecklenburgischen Adels gegen Dänemark in den 1390er Jahren, in denen sich der Begriff der „Vitalienbrüder“ konstituierte, gewann das Freibeuterwesen über eine Phase der Kriminalisierung und Verfemung als bloßer Seeraub in den Jahren 1398-1426 schließlich im Verständnis der hansischen Autoritäten und deren Chronistik wieder an Legitimation, als die wendischen Hansestädte 1426 in den Krieg der Holsteiner Grafen gegen den nordischen Unionskönig Erich von Pommern eintraten. In den Jahren 1429-1435 entwickelte sich aus dem „ursprünglichen“ Freibeutertum und dem Einsatz von regulär geheuerten „Söldnern zur See“ die Mischform des Ausliegerwesens, welches seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bis in die frühe Neuzeit hinein fester Bestandteil hansischer Seesicherungspolitik blieb.
Das Dissertationsvorhaben wird methodisch vor allem durch eine systematische, prosopographische Untersuchung aller in den Schriftquellen genannten Kaperfahrer und Seesöldner des 15. Jahrhunderts erschlossen. Hierbei stellt sich heraus, dass eine Reihe von Kaperfahrern besonders im Kontext des Krieges der wendischen Hansestädte mit dem skandinavischen Unionsreich verstärkt auftritt, die an Prominenz der Sagengestalt Störtebekers in nichts nachsteht.
Eine dieser Personen war der aus England angeworbene Bartholomäus Voet, dessen Lebensweg sich bis zum Jahr 1458 aus den Quellen derart gut nachvollziehen lässt, dass sich die Erstellung seiner Biographie als Leitfaden für den gesamten Ablauf der Untersuchung geradezu anbietet.

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