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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-72866
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2015/7286/


An der Peripherie : Alltag und soziale Beziehungen im Kontext von Migration und Urbanisierung am Beispiel einer informell gegründeten Siedlung in Tirana, Albanien

At the periphery : daily life and social relationships in the context of migration and urbanisation at the example of an informal settlement in Tirana, Albania

Haas, Elke

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SWD-Schlagwörter: Albanien , Migration , Verstädterung , Alltag , Verwandtschaft , Vertrauen , Vorort
Freie Schlagwörter (Deutsch): informelle Siedlungen , soziale Beziehungen
Freie Schlagwörter (Englisch): informal settlement , social relationships
Basisklassifikation: 73.00
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Kokot, Waltraud (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.11.2012
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 21.04.2015
Kurzfassung auf Deutsch: In dieser Studie wird am Beispiel der informell gegründeten suburbanen Siedlung Bathore in Albaniens Hauptstadt Tirana untersucht, ob Alltag in einer postsozialistischen Gesellschaft im Kontext von Migration und Urbanisierung primär durch Bezug auf Vertrauensbeziehungen bestritten wird. Ihr liegt die allgemeine These zugrunde, dass in postsozialistischen Gesellschaften nicht soziales Vertrauen, sondern persönliches Vertrauen für die Bestreitung von Alltag bedeutsam sei, da sich auf personalisierte Beziehungen, aber weniger auf formale Strukturen verlassen werde.
Albanien erlebte unter dem Regime von Enver Hoxha eine extreme Auslegung des Sozialismus, unter der insbesondere nordalbanische Dorfbewohner zu leiden hatten. Nach dem Kollaps des Sozialismus verließen viele Nordalbaner ihre Heimatdörfer auf der Suche nach einem besseren Leben in der Hauptstadt. Am nördlichen Stadtrand fanden sie Freiflächen vor, die sie für ihre Familie und nachfolgende Verwandte einnahmen und bebauten, wodurch Bathore gegründet wurde. Doch ihre Erwartungen an die urbanen Ressourcen wie den Arbeitsmarkt wurden enttäuscht, so dass sie zur Sicherung der Existenzgrundlage auf Rücküberweisungen von Angehörigen aus dem Ausland angewiesen sind. Außerdem mussten sie die Nachbarschafts- und Haushaltskonstellatio-nen den neuen Bedingungen (Flächenknappheit und Nachfolgemigration unter gegengeschlechtlichen Geschwistern) anpassen. Während in den Dörfern Mitglieder einer patrilinearen Abstam-mungsgruppe (fis) einen Haushalt und patrilinear erweiterte Haushalte eine Nachbarschaft bilden, entstanden in Bathore auch bilateral erweiterte Haushalte und Unternachbarschaften mit Mischre-sidenzen aus Patri- und Matrilokalität sowie Nachbarschaften auf der Basis derselben Herkunfts-region. Daraus resultieren veränderte Beziehungen unter Verwandten und nicht-verwandten Nachbarn derselben Herkunft. Männer pflegen zwar tendenziell weiterhin Beziehungen zu Mitglie-dern ihrer fis, durch die sie ihre hohe soziale Position in ihrer Gruppe zu erhalten streben, doch Frauen schließen zunehmend neue Freundschaften zu Nachbarinnen, aber auch zu Angehörigen ihrer Herkunftsfamilie. Dadurch werden letztere, die herkömmlich nur als Freunde (miqtë) gelten, individuell und als Gruppe als Verwandte aufgewertet. So erweitern Frauen aktiv ihren auf den privaten Raum reduzierten Bewegungs- und Handlungsrahmen und fordern ihre Handlungsfreiheit heraus. Zudem wird die strukturelle Zweiteilung von Verwandtschaft in fis und miqtë wohl zugunsten einer bilateralen Verwandtschaft aufgelöst werden. Während Freundschaften in Bathore meist auf persönlichem Vertrauen aufbauen, entspricht Vertrauen in Verwandtschaft und dieselbe Herkunft sozialem Vertrauen, das an formale Rollen und nicht an gelebte Beziehungen gebunden ist.
Insgesamt ergibt diese Studie, dass Bewohner von Bathore sich je nach Kontext auf alte, adaptierte und neu etablierte Vertrauensbeziehungen berufen, um ihren Alltag zu bewältigen. Sie schließen nicht nur Mitglieder der fis ein, sondern auch angeheiratete Verwandte (miqtë) und Nachbarn derselben Herkunftsregion. Entgegen der zugrundeliegenden These spielt sowohl persönliches als auch soziales Vertrauen in Verwandtschaft und dieselbe Herkunft eine Rolle, wohingegen Vertrauen in formale Strukturen auch hier kaum bedeutsam ist. Diese Vertrauensarten sind keine entge-gengesetzten Pole eines Spektrums, sondern formen einen Vertrauenskreis, in dem sie sich gegenseitig beeinflussen, bestärken oder schwächen.

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