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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-79792
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2016/7979/


Nichtformale und informelle Lerngelegenheiten im Zusammenspiel mit familiären Sozialisationsmerkmalen und leistungsrelevanten Einstellungen : die Struktur-, Prozess- und Handlungsebene der innerfamiliären Sozialisation und deren Bedeutung für die Lesekompetenz

Rau, Anna

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SWD-Schlagwörter: Lernmotivation , Informelles Lernen
Freie Schlagwörter (Deutsch): außerschulisches Lernen , familiäre Sozialisation , Lesesozialisation , Strukturgleichungsmodelle
Freie Schlagwörter (Englisch): Learning Motivation , Informal Learning , Extracurricular Activities, Family based Socialization, Reading Socialization, Structural Equation Modelling
Basisklassifikation: 81.05
Institut: Erziehungswissenschaft
DDC-Sachgruppe: Erziehung, Schul- und Bildungswesen
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Schwippert, Knut (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.12.2014
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 29.07.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Ergebnisse der Bildungsforschung zeigen überwiegend einheitlich, dass neben der Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler auch institutionelle Rahmenbedingungen, das Instruktions- und Erziehungsverhalten der Lehrkräfte sowie das Erziehungsverhalten der Eltern einen Einfluss auf die Schulleistung nehmen (Helmke & Weinert, 1997). Deshalb sollte die Untersuchung leistungsrelevanter Einflussfaktoren auf mehrperspektivischen Analysemodellen beruhen, die möglichst verschiedene Bereiche der Schülerrealität abbilden. Trotzdem wurden die Bereiche Schule und Freizeit lange Zeit separat voneinander betrachtet, womit die Untersuchung sozialer Beziehungen auf einzelne Institutionen beschränkt wurde. Der von Bronfenbrenner (2000) vertretene ‚Ökologische Ansatz‘ verweist „auf die Notwendigkeit, den Schwerpunkt der Forschung breiter zu fassen und Beziehungen zwischen Systemen einzubeziehen, wie sie auf das Verhalten und die Entwicklung des Einzelnen einwirken“ (Bronfenbrenner, 2000, S. 87). Damit soll der Annahme entsprochen werden, dass die Einflüsse eines spezifischen Sozialisationsmilieus immer in Wechselbeziehungen zu weiteren Lebensbereichen stehen.
In der vorliegenden Arbeit wird anhand von Mediatoranalysen und Strukturgleichungsmodellen überprüft, inwiefern die außerschulischen Lerngelegenheiten (wie z.B. die Nutzung von Ganztagsangeboten, die Teilnahme an Angeboten zur Leistungsförderung, die Eingebundenheit in Gleichaltrigenkontakte und der Medienkonsum) in Zusammenhang mit den schulischen Leistungen stehen, wobei die motivationalen Einstellungen der Schülerinnen und Schüler als vermittelnde Faktoren in den Fokus genommen werden. Um die Sozialisationseinflüsse möglichst differenziert darzustellen und deren Bedeutung für leistungsrelevante Persönlichkeitsmerkmale herauszuarbeiten, werden neben den außerschulischen Lerngelegenheiten ebenso die familiären Sozialisationsbedingungen wie die soziale Herkunft, die lesesozialisatorischen Prozesse und Strukturen sowie die Erziehungspraktiken der Eltern bei der Überprüfung des Zusammenhangs von nichtformalen und informellen Lerngelegenheiten und Lernerfolg berücksichtigt. Anhand der nationalen IGLU-E 2006 Stichprobe wird dargestellt, inwiefern sich die außerschulischen Lerngelegenheiten in das Zusammenspiel von familiärer Sozialisation und Leseleistung einfügen und als weitere Dimension der familiären Sozialisation betrachten lassen.
Die empirischen Befunde zeigen, dass die außerschulischen Lerngelegenheiten als vermittelnde Faktoren den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Lernerfolg mediieren. Ebenso zeigen die Ergebnisse, dass vermehrt leistungsschwache, wenig motivierte Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Elternhäusern an Angeboten zur Leistungsförderung und Ganztagsangeboten teilnehmen. Damit zeigen die Analysen einerseits, dass diese Angebote offensichtlich die Schülerinnen und Schüler erreichen, die besonders davon profitieren können. Andererseits wird deutlich, dass das Potential der außerschulischen Lerngelegenheiten, welches unter anderem in der Schaffung vielfältiger Interaktionsmöglichkeiten durch heterogene Lerngruppen liegt, bislang nicht ausgeschöpft wird. Darüber hinaus weisen die Befunde darauf hin, dass die Eingebundenheit in Gleichaltrigenkontakte über das Leseinteresse in einem positiven Zusammenhang steht und sich des Weiteren unabhängig vom Sozialstatus zeigt. Damit erhält die Peergroup eine besondere Relevanz, wenn es um die Frage nach motivationsunterstützenden Maßnahmen geht.
Auch wenn die Ergebnisse mit einigen Einschränkungen betrachtet werden sollten, liefern sie empirische Hinweise auf die Bedeutsamkeit nichtcurricularen Lernens für leistungsrelevante Persönlichkeitsmerkmale und bestätigen die Wechselwirkung zwischen Struktur- und Prozessmerkmalen der Sozialisation und den außerschulischen Lerngelegenheiten. Für die schulische Praxis liefern die Ergebnisse Hinweise darauf, dass die Eingebundenheit in Peerkontakte in einem positiven Zusammenhang mit der Häufigkeit des Austausches über das Lesen steht, welcher wiederum in einem positiven Verhältnis zum Leseinteresse steht. Von daher sollte es Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, in eine Vielzahl an Gleichaltrigenkontakten eingebunden zu sein, was sich unter anderem durch ein flächendeckendes gebundenes Ganztagsschulsystem unterstützen ließe. Durch die Schaffung heterogener Lerngruppen in nichtformalen Lernzusammenhängen könnten die Schülerinnen und Schüler ihr Peerkapital (du Bois-Reymond, 2000) ausbauen und sich damit familienunabhängiges soziales und kulturelles Kapital aneignen, was zu mehr Chancengerechtigkeit führen könnte.
Insgesamt bestätigt die vorliegende Arbeit, dass die nichtformalen und informellen Lerngelegenheiten der Schülerinnen und Schüler bei der Untersuchung von leistungsrelevanten Einflussfaktoren nicht unberücksichtigt bleiben sollten und in das Zusammenspiel von Individuum, Familie und Schule in zukünftigen Forschungsvorhaben integriert werden sollten.
Kurzfassung auf Englisch: The school achievement of students is not only influenced by their personality, but also by institutional parameters, teacher’s instructional and educational behavior, and parental educational behavior, as the predominant majority of educational researches show (Helmke & Weinert, 1998). Therefore, the study of performance relevant influences should be grounded on multi-perspectival analysis models which cover a broad range of the student’s reality (e.g. the class climate and the instructional behavior of the teacher, motivational attitudes, the domestic conditions of socialization as well as the curricular and extracurricular activities). However, school and leisure have been examined separately for a long time and the survey of social relations was restricted to single institutions. The “ecological approach” of Bronfenbrenner (2000) indicates the “necessity to extend the research focus and to include the relations between the systems – how they influence the individual behavior and development” (Bronfenbrenner, 2000, p. 87). Hence he ratifies the assumption of an interrelation between a specific milieu (e.g. family, class room, peer group) and other areas of life (Bronfenbrenner, 1981).
This paper examines, in applying a mediator analysis and a structural equation model, to what extend extracurricular activities (full-time school activities, participation in performance enhancement activities, the embeddedness in peer groups and the use of media) correlate with school achievements, focusing on motivational attitudes of the students as mediating factors. The various influences on socialization should be differentiated and their importance for personal traits of student performance needs to be pointed out. So, beside the extracurricular activities, also domestic conditions of socialization like the social origin, processes and structures of reading socialization as well as the parental educational practices will be taken into account to examine the connection between formal and informal educational opportunities and achievements. Based on the representative national IGLU-E 2006 random sample it will be demonstrated, in what way extracurricular activities are another dimension of domestic socialization and how they are part of the interaction between reading performance (mediated by motivational attitudes) and domestic socialization.
The empirical results show, that extracurricular activities mediate the connection between social origin and educational success. Moreover, the findings reveal how an increasing number of students with a deprived social background and low motivation tend to join in activities for performance enhancement and activities of full-time-schooling. Thereby the analysis on the one hand shows that these activities reach the students who particularly benefit from them. On the other hand it exemplifies that the potential of extracurricular activities, which amongst other things create diverse possibilities for interactions between heterogeneous groups of learners, is still not exploited. Furthermore, the results point out the relationship between being embedded in peer groups and reading performance mediated by the reading interest, which is independent from the social status. Thus, concerning the question of motivation supporting measures, the peer group is highly relevant.
Even though the study has some restrictions (e.g. the cross-sectional design) the results give empirical indications for the relevance of extracurricular learning for performance relevant personal traits and confirm the interaction between structural and processual features of so-cialization and extracurricular activities. For scholastic practices, the results provide an indication for a positive correlation between the embeddedness into the peer group and the frequency of talking about what was read, which positively correlates with the reading interest. Consequently, the students should have the possibility to be included into a variety of peer groups, which among other things could be achieved by an extensive full-time school system. The equality of opportunity could be increased, by creating heterogeneous groups of leaners in informal educational environments. In these informal educational environments the students could extend their peer capital (du Bois-Reymond, 2000, based on Bourdieu) and thus acquire social and cultural capital independent of their family background.
In conclusion, this paper confirms that non-formal and informal educational opportunities should not be neglected in the examination of students’ performance relevant factors and therefore, the interaction between the individual, the family and school should be included in future research projects.

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