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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-83011
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8301/


Sozialtheorie und politisches Engagement. Eine Auseinandersetzung mit der Rezeption des Werks Pierre Bourdieus in der deutschen Soziologie

Dogan, Semra

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Basisklassifikation: 71.01
Institut: Sozialwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Lambrecht, Lars (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.02.2016
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 08.02.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den charakteristischen Merkmalen der Rezeption Pierre Bourdieus in der bundesdeutschen Soziologie.
Dahinter steht die Annahme, dass die Rezeption seiner Schriften hierzulande äußerst selektiv erfolgte, wodurch wesentliche Aspekte seiner soziologischen Theoriebildung unreflektiert blieben.
Übergeordnetes Ziel der Arbeit ist es daher, die Wirkungen der strukturellen Feld-Bedingungen der hiesigen Fachdisziplin auf die Rezeption hin für den Zeitraum von 1960 bis 2002 zu analysieren und deren Produkte zu klassifizieren. Insofern geht es um die Rekonstruktion des epistemologischen Hintergrundes, was die Reflexion der eingenommenen Positionen der Rezipienten im Feld notwendig mit einschließt. Komplementär geht es um die Nachzeichnung und Analyse der Art und Weise der Rezeptionspraxis im Zeitverlauf, die stets in Beziehung zum Rezeptionsfeld als Ort der Wissensproduktion und –legitimation gesetzt wird.
Die gesellschaftspolitische Relevanz des Projektes liegt vor allem in Bourdieus intellektuellem Engagement begründet, in seinem Apell für eine Autonomie der Wissenschaften, die durch den Vorstoß neoliberaler think tanks zunehmend ausgehöhlt wird und stattdessen zu einer Ökonomisierung relevanter gesellschaftlichen Bereiche führt. Damit ist gleichzeitig der kritisch-reflexive Anspruch des Projektes formuliert, der für eine Repolitisierung der Wissenschaften eintritt.
Die Datenbasis setzt sich aus exemplarischen Rezeptionstexten (Monographien, Sammelbände, Aufsätze und Rezensionen in repräsentativen soziologischen Fachzeitschriften) zusammen. Maßgeblich für die Selektion der Schriften war, dass es sich bei ihnen um zentrale Bezugnahmen auf Bourdieus Werk und Produkte der soziologischen Rezeption in Deutschland handelte.
Die Arbeit ist in einen theoretischen und einen empirischen Teil untergliedert. In dem theoretischen Abschnitt soll Einblick in die Erkenntnis- und Denkweise Bourdieus gewährt werden, um die Zusammenhänge und Wirkungen der von Bourdieu beschriebenen Theoreme nachvollziehbar zu machen und die Leserschaft für die Analyse der Rezeption theoretisch auszurüsten.
Der empirische Teil ist in drei Rezeptionsphasen unterteilt und am umfangreichsten angelegt. Darin werden die ausgewählten Rezeptionstexte interpretativ kontextualisierend untersucht und stets in Beziehung zu den jeweils aktuellen gesellschaftspolitischen Fachdiskursen gestellt.
Als zusammenfassendes Fazit kann festgehalten werden, dass die Anfänge der Rezeption bis Ende der 1980er Jahre noch völlig dominiert von der Struktur des Rezeptionsfeldes waren. In den 1990er Jahren änderte sich dies grundlegend, weil sich Bourdieus methodologische und theoretische Positionen in das Feld der Rezeption eingeschrieben hatten. Das führte dazu, dass sich Bourdieus Praxistheorie immer weniger durch reine Textexegese genähert wurde, sondern an einer produktiven Auseinandersetzung interessiert war und sie an vorhandene Forschungskonzeptionen anschlussfähig zu machen versuchte.
In der Analyse der letzten Rezeptionsphase konnte eine deutliche Ambivalenz in der Aufnahmepraxis aus dem Rezeptionsfeld herausgearbeitet werden: Auf der einen Seite wurde Bourdieu zum zeitgenössischen Klassiker erklärt, auf der anderen Seite ernteten seine politischen Interventionen in den 1990er Jahren immense Kritik und führten dazu, dass Bourdieu Gefahr lief, sein wissenschaftliches Renommee zu verlieren.

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