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URN: urn:nbn:de:gbv:18-84793
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8479/


Transnationale europäische Solidarität als Ressource der Stabilität der Europäischen Union : theoretische und empirische Annäherungen

Transnational European solidarity as a resource to the stability of the European Union : theoretical and empirical approaches

Braun, Sara

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SWD-Schlagwörter: Solidarität , Europäische Union , Systemtheorie , Faktorenanalyse , Regressionsanalyse
Freie Schlagwörter (Deutsch): Transnationalität , kollektive Identität , David Easton
Basisklassifikation: 89.73 , 89.50 , 15.38
Institut: Sozialwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Schnapp, Kai-Uwe (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.10.2016
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 08.05.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Die seit 2009 umgesetzten Rettungsmaßnahmen im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise, wie der Europäische Stabilitätsmechanismus (2011), stellen eine Form der zwischenstaatlichen Solidarität innerhalb der Europäischen Union dar und bedeuten eine neue Dimension der Ressourcenumverteilung zwischen ihren Mitgliedstaaten. Die Rettungsmaßnahmen haben damit die finanzielle Integration der EU unweigerlich vorangetrieben.
Es stellt sich die Frage, ob diese Maßnahmen durch eine ausreichende Solidaritätsbereitschaft der EU-Bürger gedeckt werden und ob sie sich bereits als die Solidargemeinschaft begreifen, zu der sie durch die zwischenstaatliche Solidarität faktisch gemacht werden. Die vorliegende Arbeit nimmt daher die transnationale Solidarität der EU-Bürger sowie deren Bedeutung für die Stabilität der EU in den Blick.
Dafür wird zunächst auf der Basis von theoretischen Ansätzen aus der Soziologie, der politischen Philosophie und der Ökonomie eine Definition der transnationalen europäischen Solidarität entwickelt. Um das Phänomen der transnationalen Solidarität in seiner Bedeutung für die Stabilität der EU beurteilen zu können, wird anschließend die Theorie des politischen Systems von David Easton herangezogen. Hier dient insbesondere der Ansatz der Unterstützung der politischen Gemeinschaft als Anknüpfungspunkt. Die zentrale Fragestellung der Arbeit widmet sich dem Zusammenhang zwischen transnationalen solidarischen Einstellungen der EU-Bürger, welche als Disposition zu transnationalem europäischen Solidarverhalten zusammengefasst werden, und ihrer Unterstützung der politischen Gemeinschaft der EU. Es wird die Hypothese aufgestellt, dass sich die Disposition zu transnationalem Solidarverhalten zwischen Europäern positiv auf die Unterstützung der europäischen Gemeinschaft als politische Schicksalsgemeinschaft und als Ressourcengemeinschaft auswirkt.
Diese Hypothese wird anhand von Umfragedaten aus dem Eurobarometer 79.3 von 2013 überprüft. Es zeigt sich zunächst, dass die EU-Bürger prinzipiell eine relativ ausgeprägte Disposition zu solidarischem Verhalten im Allgemeinen haben, allerdings kann diese Disposition nicht bedenkenlos auf den europäischen Rahmen übertragen werden. Für etwa die Hälfte der EU-Bürger ist transnationales Handeln insgesamt noch kein Teil ihres Alltags. Ein Großteil identifiziert sich stärker mit dem eigenen Land als mit der EU. Von einer ausreichenden Transnationalität und einer weit verbreiteten europäischen Identität der EU-Bürger, welche als Voraussetzungen für transnationales europäisches Solidarverhalten angesehen werden, kann daher nicht gesprochen werden. Eine explorative Faktorenanalyse zeigt, dass das Konstrukt der transnationalen Solidarität nur bedingt konsistent ist – die Disposition zu solidarischem Verhalten korreliert nur schwach mit einer europäischen Identität oder Transnationalität der EU-Bürger.
Die Unterstützung der politischen Gemeinschaft der EU ist gespalten: Eine Mehrheit der EU-Bürger sieht zwar eine engere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten infolge der Krise als notwendig an und befürwortet eine weitere politische Integration, beispielsweise in Form einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Auch eine weitere finanzielle Integration, zum Beispiel im Rahmen einer Vorabgenehmigung der nationalen Haushalte oder einer Überwachung des Bankensystems durch die EU wird mehrheitlich befürwortet. Die politische Gemeinschaft der EU wird also durchaus als Schicksals- und Ressourcengemeinschaft unterstützt. Andererseits denken rund ein Drittel der EU-Bürger, dass ihr jeweiliges Land besser für die Zukunft gerüstet wäre, wenn es nicht Mitglied der EU wäre. Dies impliziert eine mangelnde Bereitschaft, etwas für die europäische Gemeinschaft zu investieren, was definitiv als Mangel an Unterstützung für die politische Gemeinschaft der EU gewertet werden kann.
Eine logistische Regressionsanalyse bestätigt schließlich weitgehend die Hypothese, dass die Disposition zu transnationalem europäischen Solidarverhalten eine positive Wirkung auf die Unterstützung der politischen Gemeinschaft der EU hat, was ein zentrales Ergebnis der Arbeit darstellt. Transnationale Solidarität ist damit als ein wichtiger Faktor für die Stabilität der EU zu betrachten. Der Mangel an transnationaler Solidarität zwischen EU-Bürgern könnte für die Legitimation einer weiteren politischen und finanziellen Integration der EU zum zentralen Problem werden.
Kurzfassung auf Englisch: The political actions that were taken to rescue struggling member states of the Eurozone during the economic and financial crisis beginning in 2008 can be seen as a form of interstate solidarity. Programs like the European Stability Mechanism represent a new dimension of resource redistribution between EU member states. Inevitably, financial integration of the EU has been pushed forward thereby.
This raises the question of whether these measures are covered by a sufficient sense of solidarity by EU citizens. Do they already understand themselves as a strong community or did the political authorities practice intergovernmental solidarity too early? This dissertation addresses these questions. It focuses on transnational solidarity of EU citizens and its importance for the stability of the EU.
Firstly, a definition of transnational European solidarity is developed on the basis of theoretical approaches to solidarity from sociology, political philosophy and economics. Secondly, David Easton’s theory of the political system is used to assess the importance of transnational European solidarity for the stability of the EU. Easton’s concept of support for the political community is seen as a link between solidarity and the persistence of a system. The research question of the dissertation asks whether there is a causal relationship between transnational solidarity and EU citizens’ support for the political community of the EU. It is hypothesized that the disposition to transnational solidarity between Europeans has a positive effect on the support of the political community of the EU.
This hypothesis is tested based on survey data from the Eurobarometer 79.3 of 2013. It is shown that EU citizens have a pronounced tendency to solidary behaviour in general. But this disposition cannot be transferred to the European framework automatically. Two main prerequisites for transnational solidarity between EU citizens – transnationalism and a European identity – cannot be considered as sufficient. For about half of the EU citizens transnational action is still not part of their daily lives. Many Europeans have a stronger identification with their own country than with the EU. In addition, an exploratory factor analysis shows that the construct of transnational solidarity is only partly consistent: The disposition to solidary behaviour is only weakly correlated with a European identity or transnationality of EU citizens.
The support of the EU’s political community among EU citizens is divided: On the one hand, a majority of them see closer cooperation between the EU Member States as necessary to take effective actions against the outcomes of the financial and economic crisis. Most citizens support a stronger political integration, for example in the form of a common foreign or security policy. Even further financial integration is supported, for example in the form of prior authorization of national budgets by the EU or a central supervision of the banking system at EU level. On the other hand one third of the EU citizens think that their country could better face future problems if it was not a member of the EU. This implies an unwillingness to invest in the community of EU member states, which is a strong sign for the lack of support for the political community of the EU.
By using logistic regression models, the hypothesis that the disposition to transnational solidary behaviour has a positive effect on the support of the political community of the EU can be confirmed at large.
This constitutes a central finding of the dissertation. Transnational solidarity between EU citizens is thus to be regarded as an important factor for the stability of the EU. On the contrary, a lack of transnational solidarity could become a central problem for the legitimacy of the political and financial integration of the EU in the future.

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