Dodona also stand von Alters unter
den Thesprotern und so auch
der Berg Tomarus..., unter
welchem das Heiligtum liegt.
(Strab.7.7.11)

 

I.3    Historischer Abriß

Um die Entwicklung der Kultstätte von Dodona nachzuzeichnen, sind grundsätzliche historische Betrachtungen, die das gesamte epirotische Gebiet umfassen, vonnöten. Während allgemein in Epirus neolithische Funde, beispielsweise in der Ebene von Ioannina, nachgewiesen werden konnten, stammen die ältesten Siedlungsspuren, die in Dodona entdeckt wurden, erst aus der Bronzezeit. Der zeitliche Rahmen der bronzezeitlichen Besiedlung in Epirus entspricht dem für das übrige Griechenland, also etwa von 2500 - 1200/1100 v.Chr.47 Da aus der Frühen und Mittleren Bronzezeit keine architektonischen Überreste gefunden wurden, wird diese Zeitspanne in Dodona hauptsächlich durch Keramikfunde repräsentiert. In der Späten Bronzezeit ist die Fundsituation reicher und so können neben keramischen Funden auch Waffen, Werkzeuge und Schmuck aus Bronze nachgewiesen werden. Das Vorkommen mykenischer Keramik - wenn auch in geringer Anzahl - weist auf eine Verbindung zwischen Epirus und der mykenischen Welt hin. Dies steht im Widerspruch zu den Ausführungen von E. Simon, die schreibt: "Dodona war, wie die Ausgrabungen ergaben, von der mykenischen Kultur unberührt geblieben."48 Die Verbindungen zum Süden zeigen sich auch anhand anderer Fundstücke, wie beispielsweise in Doppeläxten und einem Bronzeschwert. Neben dem Import aus dem Süden sind in Dodona Gegenstände gefunden worden, die aus Mitteleuropa und Kleinasien stammen. Obgleich die Frage nach den Herstellungsorten im einzelnen noch nicht übereinstimmend geklärt ist, scheint die Annahme, daß es sich neben lokal-epirotischer Herstellung teilweise um Importstücke handelt, durchaus gerechtfertigt. Die frühesten architektonischen Spuren stammen aus der Späten Bronzezeit.49

Die Besiedlungs- und Bevölkerungsstruktur während der Bronzezeit ist aus der Fundsituation heraus nicht leicht zu klären. Dakaris ging davon aus, daß die Thesproter zu Beginn des 2. Jahrtausends v.Chr. im Zuge der ersten großen griechischen Einwanderung Epirus besiedelten. Ab der Mitte des 2. Jahrtausends v.Chr. ist eine mykenisch-achaiische Kolonisation im Gebiet des Epirus zu verzeichnen, was die mykenischen Funde auch in Dodona belegen. Während der großen Wanderbewegung um 1200 v.Chr. drangen die Molosser in das Gebiet der Thesproter vor, aber Dodona blieb wahrscheinlich bis zum Ende des 5. Jahrhunderts v.Chr. thesprotisch.50

Die Periode der sogenannten ‘Dark Ages’ zwischen 1200/1100 v.Chr. und 730/700 v.Chr. ist für das gesamte Gebiet von Epirus noch weitgehend unerforscht. Folgt man Dakaris in seinen Ausführungen zu Dodona, die allerdings in jeder Hinsicht nicht fundiert sind, so sind zu dieser Zeit keine Beziehungen zu Südgriechenland festzustellen. Diese Zeitspanne von etwa 500 Jahren wird seiner Ansicht nach nur durch Weihgeschenke einheimischer Herkunft ‘überbrückt’.51 Erst für das späte 8. Jahrhundert v.Chr. läßt sich eine verstärkte Wiederaufnahme der Kontakte zum südlichen Griechenland feststellen. Als Grund hierfür kann die griechische Kolonisation im Südepirus, besonders in der Kassopeia, in den Jahren 730/700 v.Chr. durch Elis und später durch Korinth (650/30 v.Chr.) gelten.52 Dodona selbst war bis ans Ende des 5. Jahrhunderts v.Chr. im Besitz der Thesproter geblieben, was für diesen Ort die Bewahrung und die Fortführung vieler alter Elemente des dortigen Kultes und der Tradition bedeutete, die bis in die hellenistische Zeit lebendig blieb.53 In architektonischer Hinsicht sind für jenen Zeitabschnitt die Befunde äußerst dürftig. So muß in vielem unklar bleiben, wie der "heilige Boden von Dodona" zu dieser Zeit ausgesehen haben mag.54

Einen Wendepunkt in der Geschichte Dodonas brachte die politische Berührung mit den Molossern, unter deren Herrschaft Dodona am Ende des 5. oder zu Beginn des 4. Jahrhunderts v.Chr. geriet.55 Die Molosser waren zur Zeit ihres Königs Tharyps (ca.430-385 v.Chr.) der wichtigste Stamm in Epirus und politisch und kulturell von Athen beeinflußt.56 Tharyps hatte als Kind in Athen Asyl genossen, weil er vor einer spartafreundlichen, oligarchischen Konspiration flüchten mußte. Unter seiner Führung wurden die vorher unbefestigten Dörfer zu größeren, ummauerten Niederlassungen zusammengefaßt (Synoikismoi). Es wurden neue Städte gegründet, er führte die Schrift und die Münzprägung ein und ordnete die Verfassung formell. Unter der Führung der Molosser wurde der Bund des Koinon twn Molosswn (Anfang 4. Jahrhundert - 330/325 v.Chr.) gegründet, dem zuerst zehn und später fünfzehn epirotische Stämme angehörten. Aus den Regierungsjahren des Neoptolemos I. (ca.370-360 v.Chr.) stammt die bisher älteste datierte molossische Inschrift. Es handelt sich hierbei um eine Urkunde, mit der zwei Frauen und deren Nachkommen das Bürgerrecht von Arronum, einem uns unbekannten Ort, verliehen wird. Durch die Nennung des Königs Neoptolemos I., Sohn des Alketas I., kann die Inschrift in die Jahre zwischen 370-368 v.Chr. datiert werden.57 Eine zweite Urkunde, die vom Koinon der Molosser ausgestellt wurde und die Verleihung von Politie, Atelie und Entelie zum Inhalt hat, gehört in das Jahrzehnt von 330 v.Chr. und nennt eine Reihe molossischer Teilstämme.58

Um die Mitte des 4. Jahrhunderts v.Chr. zeichnet sich eine politische Krise ab. Innere Wirren und dynastische Gegensätze, in die sich Athen einzumischen begann, drohten eine Gefahr für Makedonien zu werden, so daß Philipp II. in die epirotischen Verhältnisse eingriff.59 Bereits im Jahre 357 v.Chr. hatte er die molossische Königstochter Olympias geheiratet, von deren enger Beziehung zum Heiligtum von Dodona Hypereides berichtet (Q29).60 Philipp marschierte 352/50 v.Chr. in Epirus ein und kontrollierte die molossische Regentschaft des Königs Arybbas. Eine wichtige Person für die epirotische Politik wurde nun der Bruder Olympias, Alexander I., auch der Molosser genannt. Alexander verbrachte seine Jugend am makedonischen Hof zu Pella, an dem er seit 353 v.Chr. erzogen wurde. Als Philipp ein Jahrzehnt später Arybbas in die Flucht getrieben hatte, machte er seinen Schwager zum König (343/42 v.Chr.). Obwohl Alexander weiterhin eng mit dem makedonischen Herrscherhaus verbunden blieb, wozu insbesondere seine Heirat mit Philipps Tochter Kleopatra im Jahre 336 beitrug, erlangte Epirus unter diesem König vollständige Autonomie. Alexander stellte einen nicht unerheblichen Machtfaktor dar, der die molossische Vorherrschaft auf fast ganz Epirus ausdehnen konnte. 334 riefen ihn die unteritalischen Griechenstädte zur Hilfe. Daß er diesem Ruf folgte, wurde ihm allerdings zum Verhängnis, da er zwei Jahre darauf in Lukanien ermordet wurde: Wie aus Livius zu erfahren, war jenes Ende durch einen dodonäischen Orakelspruch vorhergesagt worden (Q60).61

Die Zeitspanne vom Tode Alexanders I. bis zur zweiten Thronbesteigung des Pyrrhos war durch innere Zerrissenheit und Schwäche des molossischen Königtums bestimmt. Diese ist dokumentiert durch die Vertreibung der Aiakiden, die Ermordung Alketas II., und die Empörung gegen Pyrrhos. In dieser Zeit ist die Symmachie der Epiroten entstanden.62 Die Vorherrschaft der Molosser blieb wohl, wie Franke aufgezeigt hat, auch nach Alexanders Tod unangetastet.63 Allerdings gewannen die übrigen epirotischen Stämme seit der Gründung der epirotischen Symmachie - Summacoi twn Apeirwtwn (330/25 - 232 v.Chr.) - wieder an Gewicht, wobei in diesem Verband neben den Molossern vor allem die Thesproter und Chaonen von Bedeutung waren. Das derzeit einzig überlieferte inschriftliche Zeugnis für diesen Zusammenschluß stellt die Urkunde zu einer Verleihung von Atelie und Entelie an einen Atintanen durch die Summacoi twn Apeirwtwn dar. Die Inschrift ist nach dem König Neoptolemos II. datiert und fällt in die Zeit seiner Herrschaft zwischen 317-312 v.Chr.64 Während dieser epirotischen Liga ist jedoch besonders die Regentschaft des Pyrrhos zu erwähnen (297 - 272 v.Chr.).65 Seine Regierungsjahre waren durch weitreichende Eroberungspläne geprägt, die durch sein Bestreben, dem Vorbild Alexanders des Großen66 nachzueifern, bestimmt waren. Pyrrhos hatte die Absicht, sich ein Königreich zu schaffen, wie sie seinerzeit in Asien und Ägypten gegründet worden waren, wobei er auch in Großgriechenland Fuß zu fassen versuchte.67

Wie alle hellenistischen Herrscher bemühte sich Pyrrhos, seine militärische Stärke zu demonstrieren und bediente sich dabei des Mittels der persönlichen Selbstdarstellung, die sich in Dodona in einer regen Bautätigkeit äußerte.68 Die meisten und vor allem imposantesten Bauten, denen wir in Dodona begegnen, gehen auf seine Initiative zurück.69 Durch Weihungen unterstrich er einzelne Erfolge seiner weitläufigen Eroberungspläne, und er dokumentierte hier vornehmlich militärische Siege.70 Aber auch zahlreiche Weihgeschenke und Inschriften, darunter Freilassungs- und Proxeniedekrete der Molosser, des späteren Koinons der Epiroten sowie anderer griechischer Staatswesen wurden in Dodona aufbewahrt. Sie bezeugen ebenso wie die Funde von Gerichts-yhfoi die Bedeutung des Heiligtums als kultureller und politischer Mittelpunkt im damaligen Epirus.71

Die Symmachie der Epiroten hat offenbar, wenn auch mit heute nicht mehr erkennbaren strukturellen Änderungen, bis zum Sturz des molossischen Königshauses der Aiakiden 234/33 bestanden, bei dem die Mitglieder der Königsfamilie ermordet wurden. Das Ende der monarchischen Verfassung und die folgenden Wirren riefen in Nordepirus die Illyrer und im Süden die Ätoler auf den Plan. In der Folge entstand das republikanische Koinon der Epiroten - Koinon twn Apeirwtwn - (232 - 168 v.Chr.), das in seiner Struktur dem ätolischen Bund angeglichen war und zu Beginn auch die Anlehnung an diesen gesucht hatte. 224/23 schlossen sich die Epiroten allerdings dem panhellenischen Bund des Antigonos Doson an und unterstützten die Politik der Makedonen, was die Brandschatzung einzelner Landesteile (220 v.Chr.) und insbesondere die Zerstörung von Dodona (219 v.Chr.) zur Folge hatte. Polybios (Q37) berichtet, wie Dorimachos, der Feldherr der Ätoler, in Dodona große Verwüstungen anrichtete.72

In die Zeitspanne vor der ätolischen Zerstörung gehören neben Bürgerrechtsurkunden Inschriften, die sich in situ auf Steinsockeln vor der Ostseite der Stoa des Bouleuterions finden (Taf.23, Nr.1-6 / Taf.24 oben).73 Bei der ersten Inschrift handelt es sich um ein Ehrendekret für Krison Sabyrtius, das von dem Koinon der Bylliones verfaßt wurde (Taf.23, Nr.1).74 Die Bylliones, die auch auf einem Inschriftentäfelchen (i41) genannt sind, waren ein Stamm, der in der Gegend zwischen Apollonia und dem Golf von Aulon lebte, also zu den weit im Norden der epirotischen Liga ansässigen Stämmen gehörte.75 Die zweite Sockelinschrift ist ein Ehrendekret des epirotischen Koinons zu Ehren des Menelaus, Sohn des Krison (Taf.23, Nr.5).76 Beide Inschriften überliefern den Namen des Künstlers Athenogenes. Da in der Umgebung der Steinsockel Fragmente von Bronzestatuen gefunden wurden (F1-F50), nimmt Dakaris an, daß der inschriftlich Genannte als Bronzebildner Athenogenes aus Argos zu identifizieren ist, der auch durch zwei Inschriften aus Epidauros bekannt ist. Die Zeit seiner Tätigkeit in Dodona setzt Dakaris in die Jahre zwischen 230 und 220 v.Chr.77

Die ätolischen Verwüstungen von 219 v.Chr. (Q38) rächte Philipp V. ein Jahr später durch einen Feldzug gegen Thermos, mit dessen Beute das Heiligtum Dodona wieder aufgebaut wurde. Auch im ersten Makedonischen Krieg (215-205 v.Chr.) sympathisierte der Bund der Epiroten mit Philipp V., aber sie bemühten sich um Vermittlung zwischen den beiden kriegsführenden Parteien. So kam es im Jahre 205 v.Chr. zur Friedenskonferenz von Phoinike, in der sich Römer, Makedonen, Epiroten und Ätoler zu arrangieren versuchten, jedoch stritten sich die Hauptkontrahenten Rom und Makedonien weiterhin um Einflußzonen. Während des zweiten Makedonischen Krieges (200-197 v.Chr.) wollten die Epiroten Neutralität bewahren und zwischen Römern und Makedonen vermitteln, was ihnen allerdings nicht gelang. Von den Kriegsgeschehnissen selbst wurde Epirus nicht berührt. Unmittelbar vor Ausbruch des dritten Makedonischen Krieges (172-168 v.Chr.) wurden die Epiroten zur Unterstützung Roms aufgerufen, was eine Spaltung des Bundes zur Folge hatte. Während die Molosser den Makedonen beistanden, stellte sich Charops mit den Thesprotern und Chaonen auf die römische Seite.78

Bei dem prorömischen Charops handelt es sich wahrscheinlich um den Chaonenfürsten, der letztlich für die Plünderung und die Versklavung von 150 000 Menschen nach dem Sieg der Römer im Jahre 167 v.Chr. mitverantwortlich war.79 In Dodona ist der Name Charops durch eine Altarweihung im Innern des Bouleuterions vertreten (Taf.22, Nr.8 / Taf.24 unten).80 Bemerkenswert ist bei der Weihinschrift insbesondere die gemeinsame Erwähnung des Zeus Boulaios mit Zeus Naios und Dione. Der Beiname Boulaios ist bereits seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. aus dem Bouleuterion in Athen und später auch aus anderen Rathäusern bekannt und zeigt die Verbindung des Gottes mit politischen Versammlungen auf. Die Verknüpfung von Zeus Boulaios mit Zeus Naios und Dione verdeutlicht die Assoziation der beiden wichtigsten dodonäischen Gottheiten mit den politischen Versammlungen für die Abgesandten der epirotischen Bünde.81 Außerdem sind auf zwei Statuenbasen, die in Dodona noch in situ erhalten sind, aufmerksam zu machen. Sie zeigen Inschriften aus der Zeit nach der ätolischen Zerstörung. Die erste Basis (Taf.23, Nr.1) weist ein Ehrendekret des epirotischen Bundes für Kallimelus aus Böotien auf.82 Die zweite Basis (Taf.23, Nr.2) erwähnt die Ehrung eines Milon aus Thesprotien und dessen Wohlwollen gegenüber den Epiroten.83

Der Streit zwischen Rom und Makedonien eskalierte im Jahre 168 v.Chr. mit der Schlacht von Pydna, in der Perseus von Makedonien den Römern unter Aemilius Paullus unterlag. Mit dem Strafgericht der Römer über die mit Perseus verbündeten epirotischen Gebiete fand auch die Münzprägung ein Ende.84 Für Dodona, das bei den römischen Vergeltungsmaßnahmen ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde, hatte dieser Umstand eine besondere Konsequenz zur Folge: In dem Heiligtum kamen auch nach den Verwüstungen große Pilgerscharen zusammen, die das Orakel um Rat angingen, oder an den Naia-Festspielen85 teilnahmen. Durch diesen Besucherstrom machte sich naturgemäß bald ein Mangel an gemünztem Geld bemerkbar, weshalb in Dodona mit einer eigenen Münzprägung begonnen wurde. Aus dem Fund von vorgegossenen Schrötlingen läßt sich mit Sicherheit schließen, daß diese Münzen in Dodona geprägt wurden. Der Prägezeitraum umfaßt die Zeitspanne zwischen 168-148 v.Chr.86

Auch wenn das Koinon der Epiroten nach 167 v.Chr. weiter bestand, hatte es inzwischen jegliche politische Bedeutung verloren und wurde 148 v.Chr. Teil der römischen Provinz Makedonia. Hiervon konnte auch die Tatsache, daß spätestens zu diesem Zeitpunkt die Bronzeprägungen des Koinons wieder einsetzten, nicht ablenken.87 Für das Heiligtum in Dodona hatte die römische Herrschaft in Epirus ebenfalls Folgen. Wie uns Cassius Dio berichtet (Q83), erlitt Dodona während des ersten Mithridatischen Krieges im Jahre 86 v.Chr. durch die Thraker eine weitere Zerstörung, und um Christi Geburt schreibt Strabon (Q52), daß das Heiligtum "fast verschwunden" war. In der römischen Kaiserzeit, als Epirus Teil der selbständigen Provinz Achaia mit der Hauptstadt Korinth geworden war, siedelte Augustus nach dem Sieg von Actium Veteranen in Epirus an. Ein Dekret zu Ehren Livias, das im Bereich südlich der Anlage E1 in der Nähe des Sockels Nr.8 (Taf.14 oben) gefunden wurde, zeugt davon, daß das Heiligtum nicht vollständig in Vergessenheit geraten war.88 Auch nachfolgende römische Kaiser interessierten sich für Dodona. So stattete Hadrian im Jahre 132 n.Chr. dem Ort einen Besuch ab, und Kaiser Julian Apostata hat vor seinem Perserfeldzug 362 n.Chr. das Orakel sogar um einen Rat gebeten.89

Im späten 4. Jahrhundert n.Chr., unter Theodosius I., wurden alle antiken Kulte verboten und die Tempel zerstört oder in Kirchen umgewandelt. Auch die Orakelstätte Dodona war hiervon betroffen. 391 n.Chr., zur Zeit des Konsulats des Symmachus, wurde die heilige Eiche von Dodona von einem Illyrer gefällt (Q46).90 In diesem Zusammenhang ist auf ein von Symmachus in Auftrag gegebenes Diptychon hinzuweisen, das auf einer der beiden Seiten einen Baum zeigt. Falls dieser Baum die Eiche aus Dodona darstellt, wären damit Gewicht und Einfluß der heidnischen Religion, die vor allem im Senatsstand ein hohes Ansehen genoß, noch im 4. Jahrhundert n.Chr. dokumentiert.91 Mit jenem Zeitpunkt aber erlosch Dodona als Orakelstätte für immer. Es blieb jedoch ein religiöses Zentrum, was auf die bereits jahrtausend alten Kultverknüpfungen und die infrastrukturelle Lage als Passzugang nach Thessalien zurückzuführen ist. Dodona wurde Bischofssitz, wie den Dokumenten einzelner Konzile zu entnehmen ist. Zu welchem Zeitpunkt der Bischofssitz nach Ioannina verlegt wurde, ist bisher nicht geklärt, spätestens jedoch im Jahr 879 n.Chr.92 Seit dieser Zeit hat Dodona als religiöses Zentrum keine Bedeutung mehr. Als beliebtes kulturelles Ausflugsziel dient heutzutage das Theater von Dodona für sommerliche Aufführungen, und nicht zuletzt ist das sehr schön gelegene Tal von Dodona ein geeignetes Arbeitsfeld für Archäologen.

 

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