Der Wandel des indischen Parteiensystems als Ausdruck gesellschaftlichen Wandels

Dissertation

zur Erlangung des Grades des Doktors der Philosophie im Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg

vorgelegt von

Andreas Anton Bloom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

aus Lingen / Ems

Hamburg 2000

Inhaltsverzeichnis:

Vorbemerkung ..............................................................................................

4

1. Globalisierung und Bürgerliche Gesellschaft

5

1.1. Kapitalismus ..................................................................................

7

1.2. Modernisierung in der Peripherie....................................................

13

1.3. Asiatische Werte ............................................................................

18

2. Indien bis zur Unabhängigkeit ..................................................................

23

2.1. Politische Herrschaft in Indien .......................................................

27

2.1.1. Die Herrschaft der East India Company .............................

28

2.1.2. Der autokratisch- repräsentative Staat ...............................

37

2.1.3. Doppelherrschaft ab 1919 ..................................................

42

2.2. Ökonomische Reproduktion ..........................................................

48

2.3. Rationalität und Sozialer Habitus ...................................................

57

3. Das unabhängige Indien ..........................................................................

61

3.1. Politische Herrschaft im unabhängigem Indien .............................

61

3.2. Industrialisierungsbemühungen seit der Unabhängigkeit...............

67

3.3. Sozialer Habitus .............................................................................

71

4. Wahlen als Indikator für Modernisierung ..................................................

77

4.1. Das Wahlsystem ...........................................................................

80

4.2. Die Wahlen zum Bundesparlament ...............................................

81

4.3. Wahlberechtigte .............................................................................

83

4.4. Wahlbeteiligung .............................................................................

84

4.5. Anzahl der Kandidaten ..................................................................

86

5. Die Parteienlandschaft ..............................................................................

88

5.1. Bundes- und Staatenparteien ........................................................

88

5.1.1. Bundesparteien ..................................................................

89

5.1.2. Landesparteien ..................................................................

90

5.1.3. Andere Parteien ..................................................................

93

5.1.3.1. Neugründungen und Abspaltungen .........................

94

5.1.3.2. Lokal begrenzte Parteien .........................................

94

5.1.3.3. Splitterparteien .........................................................

96

6. Die Parteien im Einzelnen ........................................................................

97

6.1. Die Congress Party ........................................................................

99

6.2. Die Bharatiya Janata Party ............................................................

108

6.3. Die Janata Dal .............................................................................

122

6.4. Regionalparteien ...........................................................................

130

6.4.1. Uttar Pradesh ....................................................................

130

6.4.1.1. Samajwadi Party ......................................................

130

6.4.1.2. Bahujan Samaj Party ...............................................

133

6.4.2. Bihar...................................................................................

136

6.4.2.1. Rashtriya Janata Dal ................................................

136

6.4.2.2. Samata Party ...........................................................

139

6.4.2.3. Jharkhand Multi Morcha ...........................................

142

6.4.3. Orissa ................................................................................

143

6.4.3.1. Biju Janata Dal .........................................................

143

6.4.4. Haryana .............................................................................

145

6.4.4.1. Haryana Vikas Party ................................................

145

6.4.4.2. Haryana Lok Dal (Rashtriya) (HLD-R) ......................

146

6.4.5. Punjab ...............................................................................

147

6.4.5.1. Shiromani Akali Dal ..................................................

147

6.4.6. Maharashtra ......................................................................

150

6.4.6.1. Shiv Sena .................................................................

150

6.4.6.2. Republican Party of India .........................................

152

6.4.7. Karnataka ..........................................................................

153

6.4.7.1. Janata Dal ................................................................

154

6.4.7.2. Lok Shakti ................................................................

155

6.4.8. Andhra Pradesh .................................................................

156

6.4.8.1. Telugu Desam Party ...............................................

156

6.4.8.2. NRTDP .....................................................................

158

6.4.9. Assam ................................................................................

158

6.4.9.1. The Asom Gana Parishad (AGP) .............................

159

6.4.10. West Bengal und Kerala ...................................................

160

6.4.10.1. CPI und CPI-M .......................................................

161

6.4.10.2. West Bengal Forward Bloc .....................................

168

6.4.10.3. Revolutionary Socialist Party ..................................

169

6.4.10.4. Trinamool Congress ...............................................

170

6.4.10.5. Muslim League .......................................................

171

6.4.11. Tamil Nadu .......................................................................

171

6.4.11.1. DK, DMK, AIADMK, TMC-M ...................................

7. Zusammenfassung Parteienlandschaft ....................................................

179

7.1. 1947 – 1969: Dominanz der Congress Party ................................

179

7.2. 1970 – 1977: Rettungsversuche und Notstand .............................

185

7.3. 1977 – 1980: Die erste große Koalition. Janata Party ...................

187

7.4. 1980 – 1998: Parteienkonkurrenz ..................................................

189

8. Schlußbetrachtung ....................................................................................

196

Literaturverzeichnis ......................................................................................

199

Lebenslauf ....................................................................................................

226

Vorbemerkung

Die berufliche Tätigkeit als Leiter der Wirtschaftsabteilung im Indischen Generalkonsulat in Hamburg seit 1995 regte mich zu einer vertieften Beschäftigung mit dem Untersuchungsgegenstand an. Im Rahmen meiner Tätigkeit war es mir nicht nur möglich, Indien zu besuchen und viele interessante Diskussionen vor Ort zu führen, sondern darüber hinaus auch mit zahlreichen indischen Besuchern aus Wirtschaft und Politik in Deutschland zu sprechen. Auch wenn die Ergebnisse dieser Diskussionen sich nicht in Form von Quellenhinweisen in der Arbeit wiederfinden, so unterstützten sie doch ein tieferes Verständnis.

Indien wird von der Politischen Wissenschaft nach wie vor kaum behandelt (Schworck 1997:14). Abhandlungen und Aufsätze über Indien werden zumeist von Indologen verfaßt und beschäftigen sich mit historischen Aspekten des Hinduismus. Veröffentlichungen zu indischen Parteien und zur indischen Parteienlandschaft existieren kaum, auch in Indien. Aus diesem Grunde stellten indische Tages- und Wochenzeitungen eine wichtige Quelle dar.

"Wenn etwas wichtig ist, gehört es in den Text. Ist es nicht wichtig, bedarf es keiner Erwähnung". Ich habe bewußt versucht, weitestgehend auf Fußnoten zu verzichten.

Die Arbeit wurde Anfang April 1999 abgeschlossen. Die aktuelle Regierungskrise in Indien findet daher keine Beachtung.

Bedanken möchte ich mich für ihre Unterstützung bei meiner Frau Kris, meinen Eltern und allen die mir erlaubten zu lernen.

1. Globalisierung und Bürgerliche Gesellschaft

"Globalisierung ist sicher das am meisten gebrauchte – mißbrauchte – und am seltensten definierte, wahrscheinlich mißverständlichste, nebulöseste und politisch wirkungsvollste (Schlag- und Streit-) Wort der letzten, aber auch der kommenden Jahre" (Beck 1997:42)

Kaum eine politische Diskussion, vom Stammtisch bis zum wissenschaftlichen Diskurs, kommt heute ohne das Wort Globalisierung aus. Mal wird es wie eine Zauberformel verwendet, neue Horizonte, Chancen und Hoffnungen verheißend. Oder es steht für etwas Bedrohliches, das Arbeitsplätze und Lebensperspektiven vernichtet. In aller Regel ist Globalisierung etwas Anonymes und Unverstandenes, das agiert, ohne direktem Einfluß zugänglich zu sein. Am ehesten noch sind es raffgierige Unternehmer, die Globalisierung inszenieren (Beck 1997:14). Die Welt wird für jeden spürbar interdependenter (Senghaas 1998:27). Herunterdekliniert auf die nationalstaatliche Ebene der entwickelten westlichen Gesellschaften, wird Globalisierung zur Postmoderne. Vielfach wird mit dem Ende des Ost-West Konfliktes ein Paradigmawechsel diagnostiziert, von der Moderne zur Postmoderne (Menzel 1998:25). Der Begriff "Postmoderne" harrt allerdings noch einer allgemeingültigen genauen Definition. "Seit die Auseinandersetzungen um die Postmoderne in die Feuilletons eingedrungen ist, sank der Klärungskoeffizient und noch immer lösen diffuse Stellungnahmen einander ab, die kaum mehr als Wortnebel produzieren" (Welsch 1994:5). Ungezählt die Beschreibungen von Krankheitssymptomen der entwickelten Staaten (Arbeitslosigkeit, Drogen, Kriminalität in den Städten, erneuter Analphabetismus, Migrationsprobleme etc.), von der Ethnisierung der Welt (ehemalige Sowjetunion, Jugoslawien, China, Indien etc.), vom allgemeinen Werteverfall und der Macht internationaler Spekulanten. Die Postmoderne wird von dieser Warte aus häufig als "neokonservative Gegenaufklärung" angesehen, die einmal erkämpfte soziale Standards negiert. Der Moderne wird nostalgisch als Höhepunkt des gebändigten Kapitalismus nachgetrauert. Auf der anderen Seite steht Postmoderne für die (zu begrüßende oder abzulehnende, jedenfalls aber neue) Pluralität in allen Bereichen der entwickelten bürgerlichen Gesellschaften.

Unübersehbar ist ein Wandel der Ökonomie sowohl innerhalb der westlichen Staaten als auch auf globaler Ebene, mit Auswirkungen auf jede Sphäre der Gesellschaften. Der Welthandel wuchs allein 1997 um 10%. Auch wenn er im ersten Halbjahr 1998 beträchtlich an Dynamik verlor (Scheide 1998:48), haben die weltweiten Waren-, Kapital- und Informationsströme im letzten Jahrzehnt stark zugenommen. Wirtschaftsakteure denken nicht mehr national, sondern global. Das internationale System hat einen quantitativen Schritt vom internationalen Handel zur Globalisierung getan (Barbier 1998:4). Dies bedeutet, daß "Nationalstaaten und ihre Souveränität durch transnationale Akteure, ihre Machtchancen, Orientierungen, Identitäten und Netzwerke unterlaufen und querverbunden werden" (Beck 1997:29). Entscheidend ist hier wieder der Prozeßgedanke. Die Tendenz ist absehbar, aber nicht determiniert. Eine "Globalisierung" findet dabei in den Sphären sowohl des Ökonomischen, des Politischen, des Sozialen als auch des Kulturellen statt.

1.1. Kapitalismus

Was meist unverstanden bleibt, ist der welthistorische Prozeß, der diesen strukturellem Änderungen zugrunde liegt. Es handelt sich um "die bis heute unabgeschlossene Durchsetzung des Kapitalismus" (Gantzel/Siegelberg 1991:3), die seit dem Ende des Ost-West Konfliktes eine neue Dynamik entwickelte, durch die nicht nur die ehemals staatssozialistischen Gesellschaften, wie unvollständig auch immer, stärker in den Prozeß der globalen Arbeitsteilung einbezogen wurden, sondern auch die entwickelten kapitalistischen Gesellschaften einen neuen Modernisierungsschub erlebten. Dies gilt ebenso für Staaten der Dritten Welt, und zwar um so stärker, je mehr sie in die Weltwirtschaft integriert waren. Es handelt sich um eine "Intensivierung der wechselseitigen Abhängigkeiten" (Beck 1997:88) bei gleichzeitig stärkerer Pluralisierung der Lebensstile.

Seinen Ausgang nimmt diese Entwicklung im europäischen Mittelalter. In einem nicht intendierten (Elias 1989b:312ff, Senghaas 1998:37), konfliktiven Prozeß hat sich hier im Laufe der letzten 500 Jahre die bürgerliche Gesellschaft herausgebildet. Es handelt sich um den "historisch fortschreitenden Prozeß globaler Vergesellschaftung ..., dessen Motor die Dynamik kapitalistischer Entwicklung ist, deren Wurzeln bis in das europäische Mittelalter zurückreichen, und die sowohl die Tendenz zur Schaffung eines kapitalistischen Weltmarktes als auch die Tendenz zur Ausweitung der bürgerlichen Gesellschaft zur Weltgesellschaft einschließt" (Siegelberg 1994:8). Die Entstehung der Bürgerlichen Gesellschaft (der Moderne) soll hier nicht noch einmal in aller Breite referiert werden. Dies ist an anderer Stelle profunder geleistet worden als es hier möglich wäre (Marx, Weber, Elias, etc.). Es geht vielmehr darum darzulegen, was Bürgerliche Gesellschaft ist und idealtypisch Merkmale zur Beschreibung derselben zu entwickeln.

Vorbürgerliche Gesellschaften sind durch die auf direkter personaler Gewalt gegründete Einheit politischer und ökonomischer Herrschaft gekennzeichnet; unmittelbare Gewalt und direkte Herrschaft bestimmen ihr Bild. Im Kapitalismus findet eine Verdoppelung von Gemeinschaft in Staat und Gesellschaft statt. Die entwickelte Bürgerliche Gesellschaft zeichnet sich hingegen gerade durch eine Trennung von ökonomischer und politischer Macht aus. Die Totalität der vorbürgerlichen Gemeinschaften löst sich in die Pluralität der Bürgerlichen Gesellschaften auf. Es lassen sich staatliche, ökonomische und individuelle Sphären voneinander abgrenzen.

Konstitutiv für die Entstehung der Bürgerlichen Gesellschaft in Europa war die Entstehung von Nationalstaaten (siehe Elias 1989). Erst mit der Entstehung der Nationalstaaten konnte ein (als legitim angesehenes) staatliches Gewaltmonopol entstehen, das den Ordnungsrahmen für die pazifizierte Bürgerliche Gesellschaft setzte. Politische und ökonomische Macht sind getrennt. Verrechtlichte und symbolische Formen der Auseinandersetzung lösen direkte (personale) Gewalt ab. Demokratie und Gewaltenteilung entstanden. Entwickelte Bürgerliche Gesellschaften sind durch einen Grundkonsens über die gesellschaftliche Entwicklung gekennzeichnet. Durch die selbstdisziplinäre Verinnerlichung von Herrschaft und Gewalt kann der staatliche Gewaltapparat zur Ordnungsmacht reduziert werden (Elias 1989b:312ff). Überzeugung und Konsens treten an die Stelle von Zwang und Gewalt. Selbst dort, wo staatliche Gewalt angewendet wird, geschieht dies meist im Konsens. Es geht nicht länger um Durchsetzung, Abwehr oder Überwindung bürgerlich-kapitalistischer Gewaltverhältnisse, sondern um deren Ausgestaltung. Mittel hierzu sind in allen entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften Parteien, Gewerkschaften, Unternehmensverbände, Vereinigungen etc. in der einen oder anderen Form. Die entwickelte Bürgerliche Gesellschaft ist in der politischen Sphäre durch Demokratie, Wahlen und freie Medien gekennzeichnet. Sie sind nun das Mittel, um politische Gestaltungsmacht zu erlangen. Dabei kommt es nicht darauf an, wie das Wahlsystem ausgestaltet ist oder welche Art von Parteien das politische Leben einer Gesellschaft bestimmen. Wichtig ist allein, daß die Gesellschaft durch einen Grundkonsens gekennzeichnet ist, der die kapitalistische Produktionsform als Basis akzeptiert bzw. Alternativentwürfe im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten, d.h. durch Wahlen, Streiks, Demonstrationen etc., zu realisieren versucht. Der staatliche Rahmen und die Monopolisierung der Gewalt durch staatliche Organe wird von allen relevanten Teilen der Gesellschaft nicht grundsätzlich angezweifelt. Zwar gibt es in allen entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften immer wieder kleine Splittergruppen, die andere Ordnungsvorstellungen mittels direkter Gewalt umzusetzen versuchen. Sie sind jedoch nicht in der Lage, den Grundkonsens der Gesellschaften ernsthaft in Frage zu stellen. "Grundlegende Konflikte über die Richtung gesellschaftlicher Entwicklung und insbesondere die Gestaltung öffentlicher Ordnung, also Kulturkonflikte im breitesten Sinne des Begriffes" (Senghaas 1998:44) finden nicht mehr statt. Es hat sich eine "Staatsklasse" gebildet, die der Tendenz nach neutral den Staat verwaltet.

Alle relevanten Gesellschaftsgruppen versuchen auf unterschiedlichen Ebenen, ihre Vorstellungen durch ritualisierte Formen der Auseinandersetzung durchzusetzen. In den entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften ist es nach dem Zweiten Weltkrieg gelungen, die "zivilisatorischen Seiten kapitalistischer Entwicklung in einer bis dahin weltgeschichtlich einzigartigen Weise zu entfalten und einen selbst in ökonomischen Krisensituationen ungefährdeten Konsens über die gesellschaftlichen Grundlagen zu etablieren" (Siegelberg 1994:87). Es erfolgte die "innere Landnahme" des Kapitalismus, die "Teilhabe der lohnabhängigen Bevölkerung an dem politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellem Gestaltungsprozeß" (ebenda). Dies führte zu einem "Emanzipationsschub auf Massenbasis" (Senghaas 1998:12).

Das Individuum in der entwickelten Bürgerlichen Gesellschaft ist durch Verinnerlichung von Werten und Normen und eine starke Affektkontrolle (Elias) gekennzeichnet. Die Freiheit von traditionellen Abhängigkeitsformen der Vergesellschaftung ermöglichte eine Pluralisierung der Lebensstile und eine Individualisierung der Menschen. Traditionell-kollektivistische Wertorientierungen lösen sich auf, Wertepluralität entsteht (Senghaas 1998:20f). Die Trennung von Staat und Kirche stellt nur ein Beispiel dar. Durch Zerstörung der bisherigen direkten Gewalt und Abhängigkeitsverhältnisse ist das Individuum gezwungen, seine Arbeitskraft zu verkaufen. Religiöse, standesmäßige oder andere soziale Abhängigkeiten, aber auch Schranken verschwinden. Die soziale Mobilität der Gesellschaft steigt. Urbanisierung charakterisiert die Gesellschaft. Mit dem Verschwinden der bisherigen Abhängigkeitsverhältnisse verschwinden natürlich auch die bisherigen sozialen Sicherungen der vorbürgerlichen Gesellschaft. Die Familie als kleinste soziale Absicherung verliert an Bedeutung. Religion als Orientierung wird unbedeutender. Senghaas faßt dies folgendermaßen zusammen: "Individualismus und Pluralismus als konstitutive Bedingungen moderner Gesellschaft, Gewaltenteilung als politisches Ordnungsprinzip, Öffentlichkeit als Eigenwert (einschließlich der modernen Vorstellung von den Medien als "Vierter Gewalt"), dazu Wissenschaft, Justiz und Verwaltung als in der Tendenz nicht parteiische, neutrale Sphären; der Markt und die Kultur als Handlungsräume mit eigenem Stellenwert und eigener Logik, und im ökonomischen Bereich: Marktpreise, Privateigentum und Orientierung an komparativen Kosten und Vorteilen" (Senghaas 1998:157).

Die ökonomische Sphäre ist durch industrialisierte Lohnarbeit und kapitalistische Warenproduktion gekennzeichnet. Traditionelle Produktionsformen werden durch die expandierenden industriell-marktwirtschaftlichen Sektoren absorbiert oder zerstört. Es kommt zur Industrialisierung der Landwirtschaft und der Haushalte. Es entstanden bei langfristig quantitativ rückläufiger Bauernschaft die für Industrie- bzw. Dienstleistungsgesellschaften typischen modernen Sozialschichten: "die öffentliche Verwaltung (Staatsklasse), das Unternehmertum, der Mittelstand, die Industriearbeiterschaft, ... die Dienstleister (professionals)" (Senghaas 1998:15). "Aus Bauern werden Arbeiter, aus Arbeitern werden Angestellte" (Menzel 1998:57). Freie Lohnarbeit bildet die Grundlage der Produktion. Die politische Sphäre verliert zunehmend Gestaltungs- und Kontrollmöglichkeiten gegenüber der ökonomischen Sphäre. Beziehungen der Marktakteure sind durch die (freie) Konkurrenz gekennzeichnet, die sich mehr und mehr von der Ebene des Nationalstaates auf die internationale Bühne verschiebt.

Der dieser Entwicklung zugrunde liegende Prozeß, wird er nun Entfaltung des Kapitalismus, Entstehung der Bürgerlichen Gesellschaft oder Modernisierung genannt, ist ein nicht abgeschlossener Prozeß (Senghaas 1998:28). Die derzeit in Wirtschaft und Gesellschaft beobachtbaren Veränderungen, kurz betitelt mit dem Wort Globalisierung, sind eine neue Phase der kapitalistischen Durchdringung der entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften. Anders ausgedrückt: Die Gesellschaften erleben einen Modernisierungsschub. Auch die entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften besitzen noch viele Elemente traditionaler Gesellschaften. Rituale, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in den Bürgerlichen Gesellschaften als radikale Neuerungen durchsetzten und mittlerweile zu liebgewonnenen Besitzständen zählen, werden von diesem neuerlichen Modernisierungsschub in Frage gestellt und modelliert oder gar hinweg gefegt. "Nach der Seite ihrer vertikalen Ausweitung betrachtet, setzt sich die kapitalistische Vergesellschaftung in eine Aus- und Umgestaltung des gesamten gesellschaftlichen Überbaus und verändert den gesamten sozialen, politischen, kulturellen und geistigen Lernprozeß, schafft neue Bedürfnisse und verändert die Herrschafts- und Legitimationsformen ebenso wie das Denken, die Wertvorstellungen und Gefühle, kurz, sie ergreift nach und nach die Gesamtheit aller Lebensverhältnisse" (Siegelberg 1994:142f). Beck betont die negative Seite dieser Entwicklung, indem er davon spricht, daß industriegesellschaftliche Institutionen wie Sozialstaat, Rentensystem, Sozialhilfe, Kommunalpolitik, Infrastrukturpolitik, die organisierte Macht der Gewerkschaften, das überbetriebliche Verhandlungssystem der Tarifautonomie etc. dank der Globalisierung "geknackt" werden können (Beck 1997:13).

1.2. Modernisierung in der Peripherie

Neben der vertikalen hat der Kapitalismus aber auch eine horizontale Dimension. Dies bedeutet, daß nicht nur die traditionalen Gesellschaften Europas und der USA von der Durchsetzung des Kapitalismus betroffen waren, sondern auch, bis auf unbedeutende Ausnahmen, jede andere Gesellschaft. Überall auf der Welt bewirkt dies den Umbau herkömmlicher Gesellschaften (Senghaas 1998:18). Mit dem ökonomischen Erfolg der asiatischen Länder hat sich auch die alte Entwicklungsdebatte, in der es um die Frage ging, ob ökonomische Entwicklung im westlichen Sinne in der Peripherie möglich sei, erledigt. Auch Diskussionen um die Frage, ob eher sozialistische oder kapitalistische Gesellschaftsformen der Modernisierung peripherer Gesellschaften zuträglich sind, ist obsolet (Menzel 1998:129). Man kann für Gesellschaften der Peripherie folgendes festhalten: "Sie alle sind, sei es über den Kolonialismus, Imperialismus oder über modernere Formen globaler Vergesellschaftung, mit dem Kapitalismus in Berührung gekommen, haben kapitalistische Elemente in sich aufgenommen, weiterentwickelt und verändert, ohne sich dabei schon zu entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften gewandelt zu haben. In den verschiedenen Varianten, sei es als Subsistenzproduktion, als traditionelle Familienformen oder Wertvorstellungen, leben in ihnen die alten vorkapitalistischen Verhältnisse fort, verschränken sich auf widersprüchliche Weise mit den kapitalistischen Elementen und prägen sich so zu den eigentümlichen Charakteristika aus, die der Dritten Welt heute ihr einheitlich uneinheitliches Gesicht verleiht" (Gantzel / Siegelberg 1991:3) .

Bei der Durchsetzung des Kapitalismus in der Dritten Welt gibt es zwei wesentliche Unterschiede zum Prozeß der kapitalistischen Durchdringung der europäischen Staaten. Während in Europa sich dieser Prozeß quasi "naturwüchsig" im Laufe der letzten 500 Jahre entwickeln konnte, wurde er den Gesellschaften der Dritten Welt von außen oktroyiert. Es ist eine "Zivilisierung wider Willen" (Senghaas). Der Rahmen dieser Entwicklung wurde durch Europa (den "Westen") definiert (Senghaas 1998:37). Zum zweiten traf hier der Kapitalismus auf andere Formen der Vergesellschaftung als sie im Europa des ausgehenden 15. Jahrhunderts herrschten.

"Denn es macht einen Unterschied, ob sich dieser Prozeß von innen heraus entwickelt oder von außen indiziert ist, ob er sich allmählich oder schnell vollzieht, ob er den Weltmarkt schafft oder von ihm ausgeht, ob die Staatsform gewachsen oder oktroyiert ist usw., es macht einen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form die kapitalistische Durchdringung beginnt, ob das Kapitalverhältnis schon entwickelt oder selbst noch in der Entwicklung begriffen ist usf.; es macht einen Unterschied, auf welche gegebenen Formen sozialen Lebens die gesellschaftsumgestaltenden Kräfte des Kapitalismus treffen. In all diesen Punkten unterscheidet sich der originär europäische Entwicklungsprozeß des Kapitalismus von den gegenwärtigen Formen seiner globalen Durchsetzung" (Siegelberg 1994:135). Auch in seiner horizontalen Dimension ist die Durchsetzung des Kapitalismus keine rein ökonomische Angelegenheit. Auch hier werden nach und nach alle Teile der Gemeinschaft bzw. der Gesellschaft einem permanenten Modernisierungsdruck unterworfen. "Der Prozeß globaler Vergesellschaftung ... ist nicht nur eine Veränderung von Produktions- und ökonomischen Austauschverhältnissen, sondern ein Prozeß, in dessen Verlauf alle Aspekte gesellschaftlicher Totalität – materielle Reproduktionsformen, politische Organisationsformen, Herrschafts- Legitimierts- und Wertvorstellungen – transformiert werden" (Jung 1995:39).

Zwar entwickelt sich hieraus tendenziell eine "Weltkultur". Begriffe wie "McDonaldisierung" verfehlen jedoch den Kern des Ganzen. Die Kultur der entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften beeinflußt im Zuge des oben beschriebenen Prozesses Kulturen in der Peripherie um so stärker, je mehr Gesellschaften in den Weltmarkt integriert werden. Es geht um Auflösung kultureller Identitäten und Neuaufbau derselben. Selbst der tiefste Fundamentalismus als Reaktion auf diese Auflösung entwickelt etwas Neues und trägt somit zum Untergang des Alten bei. Diese Tendenz verstärkt sich sogar noch durch die neuen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten. Hierzu zählen neben den modernen Kommunikationsmitteln wie E-mail und Internet vor allem Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten durch satellitengestützte Radio- und Fernsehprogramme (CNN, BBC, Voice of America, MTV, Sky Channel, Star TV, etc.). Sie vermitteln eben nicht nur Informationen, sondern auch Lebensentwürfe, Meinungen, Geschmäcker, Lebensstile und wecken Begehrlichkeiten. Doch auch im kulturellen Rahmen macht es einen Unterschied, ob sich etwas in einem langsamen Prozeß herausbildet oder exogen angestoßen und vorangetrieben wird. In einem dialektischen Prozeß vermischt und verschränkt sich das bereits bestehende Alte mit dem Neuen auf eine eigentümliche Weise, die Pluralität auch zwischen sich annähernden kulturellen Räumen garantiert. Bildlich gesprochen: Ein McDonalds in New York und Delhi sind beide Fast-Food Läden. Wer in beiden gesessen hat, kennt allerdings auch die Unterschiede. Umgekehrt beeinflussen auch nicht-westliche Kulturen die Kultur des Westens (Beck 1997:154) – und dies jenseits von Esoterik.

Der Kapitalismus hat in den Staaten der Dritten Welt häufig nur Teilbereiche der Gesellschaft erfaßt, während viele traditionale Vermeinschaftungsstrukturen in anderen Sektoren der Gesellschaft, räumlich getrennt oder nicht, weiterbestehen. Es besteht also nicht nur eine Ungleichzeitigkeit zwischen Gesellschaften, sondern auch in ihnen. Das zentrale Moment, die Überwältigung einer Gemeinschaft durch einen "exogenen Modernisierungsdruck" (Senghaas 1998:13), hat alle Teile der Welt erfaßt. Dieser Modernisierungsdruck erzeugte natürlich intellektuelle und politische Gegenreaktionen. Verläuft die Entwicklung der Gesellschaften nicht erfolgreich, erleben wir eine Akzentuierung des Kulturkampfes. Hier wird das scheinbar Traditionelle als Heilsweg betont. Derartige Reaktionen werden häufig unter dem Etikett "Fundamentalismus" geführt. Verläuft die Entwicklung erfolgreich, erleben wir eine "Modernisierung der kulturellen Sphäre mit der langfristigen Konsequenz der tendenziellen Herausbildung einer postmodernen Moderne" (Senghaas 1998:15f), sprich, einer entwickelten Bürgerlichen Gesellschaft. Dies trifft derzeit vor allem auf einige asiatische Länder zu.

Jung hat in seiner Dissertation in Anlehnung an Elias drei Elementarfunktionen menschlicher Gesellschaften – materielle Reproduktion, politische Herrschaft sowie formale Rationalität / Traditionalismus (sozialer Habitus) – unterschieden und anhand der Differenzierung Idealtypen für bürgerlich-kapitalistische Vergesellschaftung entwickelt (Jung 1995:123-134).

Konstitutiv für die materielle Reproduktion bürgerlich-kapitalistischer Vergesellschaftung ist nach Jung das große private Grundeigentum (nicht der bodenbesitzende Substistenzbauer), die freien Arbeiter und freie Lohnarbeit (keine Sklaverei oder Leibeigenschaft, kein Besitz von Produktionsmitteln – Arbeit wird zur Ware), Orientierung am Profit (statt Orientierung am Bedarf), freie Konkurrenz (ohne die Machtchance physischer Gewalt), Produkte als Ware und die Warenform der Produktion (Produkte werden für den Markt, nicht zum Konsum produziert).

Politische Herrschaft ist gekennzeichnet durch den modernen Staat (alleinige Quelle physischer Gewalt), legale Herrschaft (im Unterschied zu charismatischer oder traditionaler Herrschaft), eine formal rationale Ordnung (keine feudale, auf persönlicher Pietät beruhende Ordnung), formales Recht (bindet Beherrschten und Beherrscher), bürokratische Verwaltung (Herrschaft kraft Wissen), die Bürokratie als Behörde (rein sachliche amtliche Pflichten, Regelhaftigkeit und Planmäßigkeit). Die Grundlagen rationaler Herrschaft im modernen Staat sind "Kompetenzprinzip, Behördenprinzip, Amtshierarchie, Verfahrensregelung, Fachschulung, Trennung von Verwaltungsstab und Verwaltungsmitteln, keine Appropriation von Ämtern sowie das Prinzip der Aktenmäßigkeit" (Jung 1995:129).

Die dritte Elementarfunktion ist gekennzeichnet durch formale Rationalität (Verrechtlichung, Versachlichung, Rechenhaftigkeit), Berechenbarkeit, den Geist des Kapitalismus (Erwerben als Zweck des Lebens), Zweckrationalität, wertorientiertes Handeln, Weltbild mit allgemeinem und damit offenem Charakter, Ich-Identität statt Wir-Gruppe (Individualisierung).

Anhand der von Jung dargelegten Elementarfunktionen sollen Modernisierungserscheinungen in der indischen Gesellschaft dargestellt werden. Dabei soll zunächst auf einige andere asiatische, vor allem ostasiatische Länder eingegangen werden, in denen zweifellos eine Modernisierung stattgefunden hat.

1.3. Asiatische Werte

In Asien erleben wir, quasi im Zeitraffertempo, den Umbau von traditionalen zu entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften (Senghaas 1998:182f.). In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts schienen einige asiatische Staaten die These von der Allumfassendheit des Kapitalismus durch ökonomischen Erfolg ohne einen entsprechenden Umbau der Gesellschaft zu widerlegen. Ökonomischer Erfolg wurde scheinbar ohne gesellschaftliche Veränderungen im oben beschriebenen Sinne erreicht. Ja, gerade die traditionellen Werte des Konfuzianismus und des Buddhismus wurden und werden als Erklärung für das asiatische Wunder herangezogen. Mittlerweile kann man die wissenschaftlichen Beiträge mit entsprechendem Grundtenor aufgrund ihrer Anzahl nur noch schwer überschauen ("Huntington Debatte"). "Industrialisierung und Modernisierung in Ost- und Südostasien (verlaufen) nach einem anderen Muster .., als die liberalen Gesellschafts- und Markttheorien des Westens zu erklären vermögen" (Menzel 1998:44).

Das pro Kopf-Einkommen in Asien stieg von 1965 von 13% des entsprechenden Einkommens der USA auf 26% in 1995. In Südasien stieg das pro Kopf Einkommen sogar auf 57% des entsprechenden nordamerikanischen Wertes (Asian Development Bank 1997:1). "Die Zeit" widmete diesem Thema ein Sonderheft mit dem Titel "Nach uns die Asiaten – die pazifische Herausforderung". Theo Sommer stellte gleich zu Beginn die Frage: "Wird das 21. Jahrhundert zum Jahrhundert Asiens" (Sommer 1995:5). Max Webers Beobachtung der asiatischen "Entwicklungslosigkeit" schien von einem "konfuzianischem Kapitalismus" (Sommer 1995:8) abgelöst worden zu sein. Einige führende Staatsmänner Asiens (Lee Kuan Yew 1995; Mahbubani 1995) schienen die These Samuel Huntingtons vom "Kampf der Kulturen" (Huntington 1995) durch markige Sprüche zu bestätigen. Senghaas hat den schönen Begriff der "halbierten Modernisten" geprägt: Sie wollen das Fenster gegenüber dem Westen weit öffnen, um Know-how hereinzulassen, aber gleichzeitig möchten sie mit geistigen Fliegengittern alle wesensfremden Einflüsse fernhalten (Senghaas 1998:40). Auch der Umbau der entwickelten Bürgerlichen Gesllschaften mit vielfältigen negativen Erscheinungen (Entfremdung, Verlust an kollektiven, moralischen Maßstäben, sexuelle Permissivität und Laszivität, postmoderne Beliebigkeit, Kriminalität usf.) schien die These der Überlegenheit des asiatischen Modells, nur die ökonomischen Aspekte des Kapitalismus zu übernehmen, zu belegen.

Der Modernisierungsschub, der seit Beginn der neunziger Jahre die Weltgesellschaft erfaßt hat, zeigte auch in asiatischen Staaten gravierende innergesellschaftlichen Veränderungen auf. Die einsetzende Wirtschaftskrise läßt den "konfuzianischen Kapitalismus" in einem neuen Licht erscheinen. Dies zeigt sich nicht nur aufgrund der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, sondern auch durch zunehmende Individualisierung in asiatischen Staaten. "Das geistige Fundament des Asianismus ist brüchig. In modernen Gesellschaften kann die Familie nicht länger die zentrale gesellschaftliche Ordnungsrolle spielen... (Machetzki 1995:28). "As a consequence of rapid economic growth, Asia’s economic and social landscape has been transformed. Modernisation has left few areas of life untouched" (Asian Development Bank 1995:1). Durch die wirtschaftliche Entwicklung sank die Sterblichkeitsrate, eine Urbanisierung setzte ein, die Familien wurden kleiner, Scheidungen nehmen zu etc. (Asian Development Bank 1997:28). Die neue Produktionsweise und mit ihr die Integration in den Weltmarkt haben, ob man dies nun als Schritt zur Demokratisierung begrüßt oder als Verwestlichung der Gesellschaft verteufelt, begonnen, auch den Überbau zu verändern. In der Folge sozialer Mobilität entsteht die Forderung nach demokratischer Teilhabe (Senghaas 1998:33). Die krisenhafte Zuspitzung der gesellschaftlichen Konflikte in einigen asiatischen Staaten zeigte aber auch, daß die Durchdringung dieser Gesellschaften sie noch nicht zu voll entwickelten Bürgerlichen Gesellschaften gemacht hat.

"Als erfolgreich zu bezeichnen ist der ostasiatische Entwicklungsweg, der in eine grundlegende Modernisierung der jeweiligen Ökonomien mündete, begleitet von entsprechenden gesellschaftlichen Umschichtungen: aus traditionalen Gesellschaften wurden innerhalb von wenigen Jahrzehnten Gesellschaften mit modernem sozialem Profil. Die Modernisierung des politischen Systems, insbesondere seine Pluralisierung und Demokratisierung, ist auf dem Wege. Hier wiederholt sich in gewisser Hinsicht, wenngleich mit anderer Sequenz, die westeuropäische Erfahrung. Dennoch, warum werden heute in diesem Raum asiatische Werte den westlichen entgegengesetzt und zum Teil durchaus militant propagiert? Asiatische Werte (wie die hohe Bewertung von Familie, Gruppe und des Kollektivs, der Sinn für Ordnung und öffentliche Moral, die Achtung persönlicher und rollenbedingter Autorität sowie des Alters usf.) werden in Kombination mit einer modernen, effizienten und international wettbewerbsfähigen Ökonomie als Ausdruck einer spezifischen asiatischen Moderne begriffen. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch bei der Propaganda für sogenannte asiatische Werte um ein Rückzugsgefecht wider Willen von denjenigen Gruppierungen, die mit einer Mischung von Wirtschafts- und Erziehungsdiktatur die Gesellschaften dieses Raumes auf einen relativ erfolgreichen Entwicklungsweg brachten: Sich modernisierende und sich in der Folge tendenziell individualisierende Gesellschaften fordern inzwischen eine faire Teilhabe an den öffentlichen Angelegenheiten. Asiatische Werte dienen dazu, solche Anforderungen abzuwehren. Die Adressaten der Propaganda für asiatische Werte sind also eigentlich nicht der Westen und westliche Werte, sondern mündig gewordene Asiaten mit hoher Bildung, insbesondere der neue Mittelstand. Es handelt sich zuallererst um einen internen Konflikt, der – das ist das Bemerkenswerte – einen relativ erfolgreichen Entwicklungsweg zum Hintergrund hat" (Senghaas 1998:162f).

Entscheidende Grundlagen der kapitalistischen Entwicklung asiatischer Staaten wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts mit der verstärkten Integration der asiatischen Gesellschaften in die Weltwirtschaft gelegt. Den Anfang bildete nach dem zweiten Weltkrieg Japan. Es folgten die vier "kleinen Tiger" Südkorea, Taiwan, Hongkong, Singapur. 1978 reihte sich China mit Deng Xiao-pings Reformen in die Weltwirtschaft ein. Im letzten Jahrzehnt brachen auch Malaysia, Thailand und Indonesien in die neue Wirtschaftswelt auf (Sommer 1995:9). Die Grundlagen reichen jedoch bis zu den Einflüssen der Europäer seit dem 16. Jahrhundert zurück. Es gab "die vielfältigen modernisierungsfördernden Einflüsse des Westens seit der frühen Neuzeit, die, auch wenn sie nur punktuell erfolgten, bis heute ihre tiefen Spuren hinterlassen haben" (Menzel 1998:147).

Hier soll die Diskussion, ob die Entwicklung trotz der "asiatischen Werte" gelang oder ob diese notwendige Bedingungen waren, nicht geführt werden. Der Autor geht mit Senghaas, wie oben dargelegt, davon aus, daß "asiatische Werte" keine notwendige Bedingung der Entwicklung Bürgerlicher Gesellschaften in der Peripherie darstellen. Ob sie förderlich sind, sei dahingestellt. Daß sie keine notwendige Bedingung darstellen, soll anhand der Entwicklung Indiens dargestellt werden. Damit ist die Aussage verbunden, daß theoretisch die Entwicklung Bürgerlicher Gesellschaften auch in anderen Teilen der Welt möglich ist.

Die Kernthese der vorliegenden Arbeit ist, daß Indien, mit anderem traditionalem Hintergrund, sich auf dem Weg zu einer entwickelten Bürgerlichen Gesellschaft befindet. Es geht dabei nicht um die Übertragung des ostasiatischen Erfolgsmodells, sondern um die Modernisierung einer traditionellen Gesellschaft. Auch wenn der Ausgangspunkt der

Modernisierung die zunächst wirtschaftliche Penetration Indiens durch die Briten war, so modernisiert sich die indische Gesellschaft nicht durch eine Änderung der ökonomischen Reproduktion, sondern durch Veränderungen in der politischen Herrschaft. Es soll damit dargelegt werden, daß Modernisierung in der Peripherie nicht notwendigerweise von der ökonomischen Sphäre her ausgehen muß.

2. Indien bis zur Unabhängigkeit

Indien bezeichnet sich selbst als größte Demokratie der Welt. Mit nahezu einer Milliarde Einwohnern und einem hohem Geburtenüberschuß ist es auf jeden Fall das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde. Derzeit liegt die Bevölkerungsdichte bei 267 Menschen pro qkm (Manorama Yearbook 1995:465). Es ist darüber hinaus – gemessen an den üblichen Indikatoren – auch eines der ärmsten Länder der Erde. Lediglich die Hälfte der Bevölkerung kann lesen und schreiben, die Lebenserwartung liegt nur wenig über 60 Jahre.

Die Bevölkerung Indiens wird allgemein in drei großen Ethnien eingeteilt. Es handelt sich dabei um Indo-Arier (hauptsächlich in Norden), Draviden (hauptsächlich Südindien) und große Minderheiten von Stammesangehörigen ("tribes"). Im Mittelalter entstand ein Gleichgewicht von regionalen Mächten, die regionale Kulturen (Kulke 1985:78) und Sprachen entstehen ließen. Neben Hindi und der vorläufigen Amtssprache Englisch sind weitere 18 Sprachen verfassungsmäßig anerkannt. Die Gesamtzahl der indischen Sprachen ist um ein vielfaches größer. Es gibt über 100 Sprachen und über 500 Dialekte (Wilke 1997:46).

Neben der großen Mehrheit von Hindus (83%) gibt es eine bedeutende islamische Minderheit (11%), sowie Sikhs, Buddhisten, Christen, Jains, Parsen.

Die Urbanisierung hat in den letzten Jahrzehnten langsam aber stetig auf 30% zugenommen. Diese Urbanisierung konzentriert sich auf wenige Städte. 60% der städtischen Bevölkerung leben in wenigen Millionenstädten und Städten mit über 250 000 Einwohnern. Städte mittlerer Größe fehlen in Indien fast ganz. Wie zu Beginn der Unabhängigkeit leben mehr als 2/3 der Inder auf dem Lande (Thiele-Krahnstöver 1992:19). Das Bevölkerungswachstum der Landbevölkerung ist größer als das der Stadtbevölkerung (Central Statistical Organisation 1997:11).

Eine regional stark ungleiche Verteilung der Produktionszuwächse in der Landwirtschaft korrelierte mit einer ebenso starken regionalen Differenzierung der Industrie. Generell läßt sich sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Industrie sagen, daß der Großteil des Bruttosozialproduktes im Westen des Landes erwirtschaftet wird. In der Landwirtschaft gilt dies vor allem für die Bundesländer Punjab und Haryana im Norden. Wirtschaftszentren sind die Gebiete um Neu Delhi, Ahmedabad in Gujarat, Bombay in Maharashtra und Madras in Tamil Nadu. Seit ca. 15 Jahren entwickelt sich auch Bangalore in Karnataka zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum. Der gesamte Osten des Landes, etwa östlich einer gedachten Linie Delhi – Madras, kann als unterentwickelt im indischen Vergleich bezeichnet werden. Hier lebt allerdings die Mehrheit der Bevölkerung. Die Staaten im Osten Indiens "haben heute alle ein deutlich unterdurchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen, einen hohen Anteil der Landwirtschaft an der Wirtschaftsleistung und eine schlechtere Infrastruktur als die westlichen Landesteile" (Pöll 1996:13). Akzentuiert und vorangetrieben wird diese Situation seit Beginn der Liberalisierung in den neunziger Jahren dadurch, daß ausländische Investoren den Westen des Landes bevorzugen.

Gerade in diesem gering entwickelten Land nach Anzeichen der Entstehung einer Bürgerlichen Gesellschaft zu suchen, erscheint auf den ersten Blick absurd. Indien, mit seinem Kastensystem, wird häufig als Synonym einer statischen Gesellschaft gesehen, in der die soziale Hierarchie eindeutig und unwiderruflich mit der Geburt festgelegt ist (Böck/Rao: 1995:111, Gupta 1996:60). Indien war stets das Land der "Magie und Mythen" (Sommer 1995:8).

Neben der Bedeutung als "Zielort für nach metaphysischem Sinngehalt suchenden religiösen Pilgern" (Schworck: 1997:14) wird Indien in der westlichen Öffentlichkeit darüber hinaus als potentielle Bedrohung des Weltfriedens gesehen. In diesem Zusammenhang wird häufig die Machtübernahme der rechtsgerichteten BJP als Vorbote eines sich ausweitenden Hindu-Fundamentalismus gesehen. Bestätigung findet diese These durch die im Frühjahr 1998 erfolgten Atomtests. (zur Wahrnehmung Indiens im Westen siehe Wieck 1998:145ff).

Im folgenden soll versucht werden, anhand der oben dargelegten drei Elementarfunktionen – ökonomische Reproduktion, politische Herrschaft sowie Rationalität und sozialer Habitus – Modernisierungsprozesse in Indien darzustellen. Ausgangs- und Schwerpunkt muß dabei im Falle Indiens die politische Herrschaft und nicht die ökonomische Reproduktion sein, da lediglich sie einen analytischen Zugriff auf fast das gesamte Staatsgebiet Indiens erlaubt. Auch die Rationalität und der soziale Habitus lassen sich, ob der Heterogenität des zu Betrachtenden, nicht für ganz Indien beschreiben. Lediglich die politische Sphäre in Indien ist ein mehr oder minder homogenes Gebilde, da sie nicht unmittelbar von gesellschaftlichen Kräften hervorgebracht, sondern einer heterogenen Gesellschaft übergestülpt wurde (Rothermund 1993:11). Im Laufe der britischen Kolonisation und vor allem seit der Unabhängigkeit hat sich die politische Herrschaft in die Gesellschaft eingegraben und diese mehr als die ökonomische Reproduktion verändert.

Aus diesem Grunde wird im folgenden zunächst die politische Herrschaft der Briten über den indischen Subkontinent und mit ihr die Konstituierung des Staates Indien dargestellt. Dies erfolgt in Anlehnung an Winterfeldt (1987) in drei Phasen. Weitere Abschnitte befassen sich mit der ökonomischen Reproduktion und dem sozialen Habitus bis zur Unabhängigkeit.

2.1. Politische Herrschaft in Indien

Indien ist kein im Laufe von Jahrhunderten gewachsener Nationalstaat. Vor der Kolonisierung durch Großbritannien war Indien eigentlich nicht existent. "Indien (war) – wie so manches nachkoloniale Staatsgebilde – trotz seiner besonderen geographischen, subkontinentalen Lage über Jahrhunderte nur bedingt eine historische Realität" (Wilke 1997:36). Selbst das Reich mit der größten räumlichen Ausdehnung, das Mogul-Reich (16.-18. Jahrhundert) war nicht deckungsgleich mit dem heutigen Indien. Großreiche in Indien blieben stets nordindische Reiche (Kulke 1985:77). Somit wurde Indien nicht, wie Förster schreibt, durch die Briten "erneut unter einer Zentralgewalt geeint" (Förster 1992:23), sondern erstmals. "Erst die imperiale Politik Großbritanniens hatte fast den gesamten indischen Subkontinent zu einer Einheit zusammengeschlossen" (Stietencron 1995a:25).

Die Grundlegung des politischen Integrationsprozesses, die Konstitution des Bürgerlichen Staates, fand in Indien durch die Kolonialisierung, also vor der Unabhängigkeit statt.

Die britische Herrschaft läßt sich dabei grob in drei Phasen einteilen. Zunächst wurde Indien durch die East India Company für britisches Kapital erobert und unter eine einheitliche Verwaltung gestellt. In einer zweiten Phase trat dann die britische Krone formal in die Rechte der East India Company ein. Dieser wurde jede kommerzielle Betätigung untersagt. In der dritten Phase wurde das System der politischen Herrschaft in Ansätzen demokratisiert und politische Macht an gewählte Volksvertreter übergeben.

2.1.1. Die Herrschaft der East India Company

Erst die britische East India Company schuf durch ihre Administration und das durch sie errichtete Gewaltmonopol ein – wie unvollständig auch immer – verbindendes Moment für alle Teile Indiens. Sie übernahm dabei zunächst lediglich die Funktion der Fürstentümer der mogulischen Herrscher als Steuereinnehmer. Ihr Verdienst ist es immerhin, dieses System durch horizontale Ausweitung ihres Herrschaftsgebietes auf ganz Indien ausgedehnt zu haben. Dieser Prozeß der horizontalen Ausbreitung des staatlichen Gewaltmonopols, beginnend mit dem ersten britischen Handelsstützpunkt in Surat im Jahre 1613, kann mit der "Indien Akte" des britischen Parlaments im Jahre 1833 als abgeschlossen betrachtet werden.

Der Niedergang der portugiesischen Handelsdominanz gegen Ende des 16. Jahrhunderts und der zunehmende Verfall indischer Territorialreiche (Förster 1992:53) ermöglichte es anderen europäischen Staaten (Dänemark, Holland, Frankreich), in einen Wettlauf um Indien einzutreten. Warum er von der East India Company gewonnen wurde, soll hier nicht dargelegt werden. Entscheidend ist die Tatsache der Integration der Gebiete des heutigen Indiens unter die Dominanz der East India Company. Erst sie veränderte die Strukturen der politischen Herrschaft, der ökonomischen Reproduktion und den sozialen Habitus von Teilen der Bevölkerung nachhaltig (Wilke 1997:19).

Die Herrschaft der East India Company in Indien ist durch die Einheit von politischer und ökonomischer Macht gekennzeichnet. Ihr oblag es, mit der handelskapitalistischen Ausplünderung des Subkontinents dessen territoriale Einheit herzustellen. Gebrochen war diese Einheit scheinbar durch die Fortexistenz von über 500 einzelnen Fürstenstaaten auf dem Gebiet des heutigen Staates Indien. Diese waren jedoch durch Verträge mehr oder weniger in den Herrschaftsbereich der East India Company eingegliedert.

Mit der Errichtung eines Handelsstützpunktes in Surat im Jahre 1613 galt erstmals britisches Recht auf indischem Boden. Es folgten Niederlassungen in Ahmedabad, Cambaya, Goga, Madras (1639), Bombay (1669) und Calcutta (1690). Obwohl sich die East India Company aufgrund von politischen Machtkämpfen in England zwischen König und Parlament ihres Handelsmonopols nie ganz sicher sein konnte, waren doch verschiedene Verordnungen Großbritanniens (Parlament oder König) die eine Quelle ihrer Hoheitsrechte in Indien. Diese wurden im Laufe der Jahre sukzessive erweitert. So erhielt sie z.B. 1683 das Recht auf "Kriegsführung gegen jede heidnische einheimische Nation in Asien" (Winterfeldt 1987:35). 1687 bekam sie das Recht auf munizipale Steuererhebung (1726 Bestätigung). Kurze Zeit später erhielt sie das Recht auf Aufstellung einer Marine und Seekriegsführung. Sie wurde zur militärischen Macht (Winterfeldt 1987:35). 1754 durfte die East India Company die Kriegsgerichtsbarkeit für ihre Truppen in Indien einführen.

Eine weitere Machtquelle der East India Company war die Delegierung von (Teil-) Kompetenzen durch die Mogul-Herrscher, bzw. andere indische Fürsten (Winterfeldt 1987:29). 1698 bekam die East India Company das Zamindari, das Recht der Steuereintreibung im Auftrage des Kaisers, von Sutani, Govindapur und Kalikat (Calcutta), 1717 wurde der politische Status von Madras und Calcutta durch Verhandlungen mit dem Mogulkaiser Farrukhsiyar neu geregelt. Der Nawab von Bengalen (Statthalter des Großmoguls), der sich durch das steigende Handelsvolumen und den daraus resultierenden Steuereinnahmen weitgehend unabhängig vom Großmogul in Delhi machen konnte, verlor 1757 einen Krieg gegen die Briten. Diese setzten einen ihnen genehmen Nachfolger als neuen Nawab ein. Die East India Company bekam in 24 "Parganas" (Distrikten) erweiterte Rechte in Bengalen. 1760 rundete die Übertragung von drei weiteren Distrikten ihr Herrschaftsgebiet in Bengalen ab. Mit einem zweiten Krieg (1764) konnte die East India Company ihre Stellung in Bengalen endgültig festigen. Der Großmogul in Delhi, der die faktische Verfügung über Bengalen bereits durch den Nawab verloren hatte, bot den Briten daraufhin das "Diwani" (zivile Regierungsgewalt und Steuerverwaltung) über Bengalen, Bihar und Orissa an (Rothermund 1985:27). Im Vertrag mit dem von der East India Company eingesetzten indischen Fürsten verpflichtete dieser sich, keine militärischen Stützpunkte auf dem Gebiet der Steuerhoheit der East India Company zu errichten. Nach der territorialen Ausdehnung des Herrschaftsgebietes im Osten des heutigen Indiens begann die East India Company mit der politischen und administrativen Reorganisation. "In konstitutioneller Hinsicht blieb sie zunächst formell der Autorität des zerfallenden Mogulreichs unterworfen, dessen bengalische Statthalterin in Bodensteuer- und Zivilrechtsangelegenheiten sie geworden war. Ihre politischen und verwaltungsmäßigen Schritte schufen jedoch allmählich neue verfassungsmäßige Tatsachen – den Kolonialstaat. Die mogulische Gesellschaft war nicht in der Lage, diese Entwicklung zu verhindern" (Winterfeldt 1987:49f).

Bereits in dieser Zeit besaß die Verwaltung der East India Company Kennzeichen einer modernen Bürokratie: hierarchische Gliederung, Versetzbarkeit, reguläre Beförderung, weitgehende Schriftlichkeit aller Vorgänge usw. (Rothermund 1985:28). Diese hier beschriebenen Entwicklungen trafen auch für die anderen beiden "Presidencies" der East India Company – Bombay und Madras – zu.

Wie gesehen, speiste sich die Autorität der East India Company zunächst aus den zwei Quellen Mutterland und indische Fürsten. Nach 1765 wurde die Übertragungen von Hoheitsrechten durch indische Fürsten formell zwar immer noch vorgenommen. Dies galt bis zur Unabhängigkeit, war jedoch politisch bedeutungslos. "Unbequeme" Potentaten wurden von der East India Company abgesetzt.

Neben weiterer horizontaler Ausweitung des Herrschaftsgebietes nach 1765 trat die vertikale Ausdifferenzierung der Herrschaftsorganisation in den beherrschten Gebieten in den Vordergrund. Dies geschah in Intervallen. Alle zwanzig Jahre mußte das Monopol der East India Company durch Großbritannien erneuert werden (Wilke 1997:38). Alle zwanzig Jahre sammelten sich die Gegner dieses Monopols in Großbritannien, um die Verlängerung zu verhindern. Durch deren Intervention nahm das britische Unterhaus alle zwanzig Jahre mehr oder minder gründliche Verfassungseinschnitte in die politische Organisation der indischen Kolonie vor (Winterfeldt 1987:58). 1758 sprach das britische Parlament der East India Company nicht nur das Recht auf Nutznießung der zukünftig zu erwerbenden Gebiete zu (die Gebiete wurden Eigentum der Krone), sondern gestattete ihr, Verteidigungskriege zu führen und mit indischen Fürsten Frieden zu schließen. Die East India Company mußte auf ihre Gewinne Steuern in London entrichten.

1773 war die East India Company in eine Finanzkrise geraten, die ihre Fähigkeit zur Steuerzahlung an Großbritannien gefährdete (Förster 1992:61). Als Folge hatte sie einer Zentralisierung und Straffung ihrer Verwaltung zuzustimmen. Dem vom Militär beherrschten, vorkolonialen Agrarstaat wurde ein moderner ziviler Verwaltungsstaat aufgepfropft (Rothermund 1993:12). Der "Regulation Act" von 1773 beließ zwar die regionalen leitenden Ebenen der East India Company in Bombay und Madras unangetastet, schuf allerdings in Calcutta das Amt des Generalgouverneurs, der mit mehr exekutiven Rechten ausgestattet wurde und im Auftrag der Krone die Kontrolle über Bombay und Madras erhielt. Das Parlament erhielt ein Vorschlagsrecht für die Posten des Generalgouverneurs, der Räte und Oberbefehlshaber der Truppen der East India Company.

Wenn auch nach wie vor die Einheit der politischen und ökonomischen Macht bestand, so war mit dem Generalgouverneur erstmals eine Position geschaffen, die es den Leitern der Presidencies Bombay und Madras schwerer machte, sich individuell zu bereichern. Er hatte Direktions- und Kontrollvollmachten. Faktisch war es den Presidencies in Bombay und Madras jedoch aufgrund der unzureichenden kommunikatorischen Infrastruktur möglich, sich der Kontrolle zu entziehen. Das Amt des Generalgouverneurs bestand bis zum Ende der Kolonialherrschaft fort. Weitreichende Kompetenzen des Generalgouverneurs wurden mit der Unabhängigkeit dem Präsidenten übertragen und spielen auch in aktuellen politischen Auseinandersetzungen eine wichtige Rolle (Rothermund 1993:33f).

Der zweite wichtige Schritt des "Regulation Act" von 1773 war die Etablierung einer parallelen Judikative zur East India Company in Calcutta. Es residierten nun vier vom britischen Parlament benannte Richter. Sie hatten die Aufgabe, über alle britischen Untertanen in der Presidency in Zivil-, Straf-, Admiralitäts- und Kirchenrechtssachen die judikative Autorität auszuüben. Damit setzte die Differenzierung zwischen ökonomischer Sphäre und politischer Herrschaft ein (Winterfeldt 1987:78).

Mit Pitts "India Act" von 1784 unterschied das Parlament erstmals zwischen der East India Company als Handelsgesellschaft, deren Rechte unangetastet blieben (Förster 1992:63), und der East India Company als Territorialmacht, zuständig für zivile und militärische Angelegenheiten. In dieser Funktion wurde sie einem in London ansässigen, vom Parlament eingesetzten Kontrollgremium unterworfen. Auch der Generalgouverneur war der Kontrolle des Gremium unterworfen. Er erhielt dafür erweiterte Kompetenzen gegenüber der Führungsebene der East India Company in Indien. Die Londoner Zentrale der East India Company durfte von nun an nur noch Vorschläge für Führungspersonal in Indien machen. Die Krone wurde die Entscheidungsmacht. "Der Souveränitätsanspruch des Mutterlandes war zur Bedingung der Herrschaft der (East India) Kompanie geworden" (Winterfeldt 1987:101).

(Aus: Rothermund 1965:3)

Obwohl Pitts "India Act" dem Generalgouverneur das Recht abgesprochen hatte, ohne Londoner Zustimmung Kriege zu erklären und Bündnisse abzuschließen, die zum Krieg führen könnten (Förster 1992:63), erweiterte sich das Herrschaftsgebiet der East India Company bis 1793 vor allem im Süden des Subkontinents. In vertikaler Hinsicht erweiterte die East India Company unter Zurückdrängung von indischen Elementen die Herrschaft durch die Ausweitung der Kompetenzen ihrer Angestellten (Civil Servants) auf der Distriktebene. Neben Steuerhoheit waren sie nun auch zuständig für Strafgerichtssachen. Nachdem die Funktionen der Strafgerichtsbarkeit und des Magistrates in einem ersten Schritt von indischen Bediensteten auf englische übertragen worden waren, wurden diese Aufgaben in einem zweiten Schritt rund zwanzig Jahre später britischen Kolonialrichtern übertragen. Hiermit wurden geplante Eingriffe in die traditionelle landwirtschaftliche Struktur (Permanent Settlement Act) vorbereitet. "Dem Aufbau zweier getrennter Apparate des Fiskus und des Rechts entsprach die Hierarchisierung ihrer jeweiligen Struktur. Der Dualismus von britischer und einheimischer Verwaltung wurde in den Dualismus von fiskalischer und sonstiger Verwaltung überführt" (Winterfeldt 1987:114). Mit turnusgemäßer Neugewährung des Monopols für weitere 20 Jahre 1793 wurde eine minimale Lockerung des Indien-Handels eingeführt: Die East India Company mußte jedes Jahr 3000 Tonnen Frachtkapazität an andere Bewerber abgeben (Förster 1992:67).

Mit dem endgültigen Verlust des Handelsmonopols im Jahre 1813 (Förster 1992:379) war eine förmliche Trennung zwischen kommerzieller und territorialer Haushaltsadministration notwendig geworden. In den folgenden 20 Jahren dehnte die East India Company das britisch beherrschte Territorium bis über die Grenzen des heutigen Indiens aus. Es gab in den heutigen Staatsgrenzen nur noch britisches Territorium und mit einem schönen Euphemismus betitelte Protected States.

Mit der "Indien Akte" von 1833 geht die Geschichte der Vorherrschaft der East India Company in Indien zu Ende. Sie bedeutete die Zurückdrängung und Ausschaltung der kommerziellen Gestaltungselemente aus der politischen Herrschaft der Kolonie und deren Eingliederung in die direkte politische Kontrolle der Londoner Staatsorgane. Der East India Company wurde jede weitere kommerzielle Tätigkeit untersagt. Sie blieb zwar als Verwaltungsorgan in Indien bestehen, aber nur noch als Stellvertreterin der Krone, nicht im eigenen kommerziellen Interesse. Das bisherige Recht der Kontrolle der Einreise wurde ihr entzogen. Erstmals war in der Akte von Indien als zusammenhängendem Staatsgebiet die Rede. Der Generalgouverneur war nun nicht mehr gleichzeitig Gouverneur von Calcutta. In seinen Händen wurden alle Außenbeziehungen der Kolonie (Krieg und Frieden, diplomatische Beziehungen mit den indischen Fürstenstaaten) vereint. Er besaß natürlich auch die Finanzhoheit (Bombay und Madras verloren ihre jeweilige Finanzhoheit). Damit war erstmals eine wirkliche all-indische Exekutive entstanden. Nach 1834 erlassene Gesetze erhielten erstmals für ganz Britisch-Indien Gültigkeit, sofern sie nicht für einzelne Provinzen erlassen wurden.

Mit einer weiteren Akte von 1853 verlor die East India Company auch das Recht der personellen Beschickung des Staatsapparates (Winterfeldt 1987:133). Es kam zu einer Funktionsteilung innerhalb der Regierung Calcuttas zwischen gesetzgeberischen und ausführenden Aufgaben.

Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts hatte die East India Company das Gebiet des indischen Subkontinents einer zentralen Verwaltung unterworfen.

2.1.2. Der autokratisch-repräsentative Staat

Am 2. August 1858 gab die Königin einem Gesetz ihre Zustimmung, mit dem die Existenz der East India Company beendet werden sollte. Die Kompetenzen der Londoner Zentrale der East India Company gingen auf einen Staatssekretär über, der einem 15 köpfigem "Council of India" vorstand. Dieses Organ bildete das sogenannte "Home Government". Der Staatssekretär war dem Kabinett unterstellt und dem Parlament verantwortlich. "Die Krone trat in alle vormaligen Rechte der East India Company ein: Territorium, Eigentum, politische Rechte..." (Winterfeldt 1987:161). Da der Generalgouverneur seine Rechte nun direkt von der britischen Krone ableitete, wurde er zum Vizekönig von Indien. Die britische Königin Victoria wurde mit dem "Royal Titles Act" von 1876 Kaiserin von Indien. Die britische Regierung beendete weitere territoriale Expansion im Innern von Britisch-Indien (Wilke 1997:43) zugunsten der Schaffung eines einheitlichen Marktes durch Verträge. "Ihrerseits pochte die Kolonie darauf, daß ihr das Gewaltmonopol zukomme. Die Fürstenstaaten selbst durften lediglich begrenzte lokale Kontingente unterhalten, die überdies nur aus der eigenen Bevölkerung ausgehoben werden konnten. Der Einsatz fremder Söldner war nicht gestattet. Beschränkungen bestanden ebenfalls für den Bau und die Besatzung lokaler, militärischer Befestigungen, für die Anschaffung und den Handel mit Waffen. Calcutta achtete letztlich darauf, daß der einheimische Militärapparat wesentlich nur die regionale Polizeigewalt ergänzte" (Winterfeld 1987:170). Der Generalgouverneur griff in die innere Verwaltung der Fürstenstaaten ein, sei es zur Nachfolgeregelung, zur Stabilisierung der inneren Verhältnisse oder um bestimmte Infrastrukturmaßnahmen zu ermöglichen. Er hatte die Aufgabe, die "Funktionalität der lokalen Regierungen zu erhalten, die Kontinuität der einheimischen Administration zu sichern und die örtlichen politischen Verhältnisse stabil zu gestalten" (Winterfeldt 1987:172). Die Fürsten waren Potentaten von Victorias Gnaden (Winterfeldt 1987:168). Englisch hatte Persisch als Amts- und Bildungssprache abgelöst (Stietencron 1995a:24), es gab flächendeckend britische Gerichte, gültige Gesetze waren vereinheitlicht worden (Rothermund 1985:44). Es galt die Rupie als einheitliche Währung (lokale Währungen blieben bestehen), der Geldexport war verboten um die Geldmenge zu kontrollieren, der Außenhandel wurde nur vom Generalgouverneur kontrolliert (Zölle). Das Salzmonopol bildete eine weitere Einnahmequelle der Briten. Die Leitung des Post- und Telegraphensystems lag – nicht zuletzt aus militärischen Gesichtspunkten – in britischen Händen. Die Fürstenstaaten mußten kostenlos Grund und Boden für den Eisenbahnbau zur Verfügung stellen. Briten, die in Fürstenstaaten gegen lokales Recht verstießen, unterstanden trotzdem der britischen Gerichtsbarkeit. Eisenbahntrassen, Verwaltungsbauten, überregionale Bewässerungskanäle, zivile Handelsniederlassungen, Militärstützpunkte und Häuser britischer Residenten am örtlichen Hof waren exteritorial und unterstanden dem Generalgouverneur. Obwohl die Briten die Freizügigkeit von Gütern und Menschen propagierten, erlaubten sie den Fürstenstaaten, Einfuhr- und Transitzölle zu erheben. Dieses Recht (Octroi genannt) bildet bis heute die nahezu einzige Einnahmequelle lokaler Gebietskörperschaften. So kann selbst eine Metropole wie Bombay diese moderne Form der Piraterie mangels anderer Einnahmequellen nicht abschaffen.

Der Executive Council wurde 1861 um ein fünftes Mitglied erweitert (Finance Member) und zur Effektivierung nach Muster eines Kabinetts umstrukturiert. 1874 wurde es nochmals um ein Mitglied erweitert. Nachdem 1910 eine eigenständige Kulturabteilung eingeführt wurde, bestand der Executive Council bis 1919 aus neun eigenverantwortlichen Abteilungen: 1. Legislative, 2. Inneres, 3. Militär, 4. Finanzen, 5. Öffentliche Arbeiten, 6. Landwirtschaft, 7. Handel und Industrie, 8. Kultur, 9. Ausland und Politisches.

Mit dem "Indian Councils Act" von 1861 wurde der Generalgouverneur ermächtigt, bestehende Verwaltungs-grenzen zu ändern (wovon er in den folgenden Jahrzehnten regen Gebrauch machte). Den regionalen Gliederungen wurden in begrenztem Maße gesetzgeberischer Kompetenzen gewährt. Diese waren an die Person der Vizegouverneure gebunden. In Haushaltsfragen waren die Provinzen lediglich ausführende Organe der Zentrale. Dies änderte sich in geringem Maße erst ab 1870, als die Provinzen aus einer ihnen zugewiesenen Pauschalsumme Haushalte bilden konnten. Auch die Provinzen erhielten Legislative Councils mit Beratungsfunktion. Die Anzahl der Mitglieder und die zu diskutierenden Fragen wurden auch hier 1892 und 1909 ausgeweitet (Rothermund 1965:47). Überregionale Themen standen nicht zur Debatte. Ab 1909 durften neue Executive Councils der Provinzen nach Kabinettsmuster gebildet werden. Ebenfalls 1909 wurde erstmals ein Inder Mitglied im Executive Council.

Der "Indian Council Act" von 1861 schuf auch einen Legislative Council, dem die gesetzgeberischen Aufgaben für Britisch-Indien oblagen. Er wurde aus den Mitgliedern der bisherigen Legislative, dem "Executive Council" (sieben Mitglieder, unter ihnen der Generalgouverneur und der Oberbefehlshaber) und weiteren mindestens sechs, höchstens zwölf Mitgliedern gebildet, die ausschließlich beratende Funktion hatten (Rothermund 1993:13). Er hatte kein Initiativrecht, durfte nicht eigenmächtig oder ohne Anwesenheit der Kolonialregierung zusammentreten. Der Generalgouverneur bestimmte die zusätzlichen Mitglieder. Der Generalgouverneur bekam ein Notverordnungsrecht an die Hand, das ihn ermächtigte, ohne Mitwirkung von Executive oder Legislative Council gesetzesgleiche Orders zu erlassen, die nur von der Krone angefochten werden konnten. Ausweitungen der Mitgliederzahl (1892, 1909) änderten nichts an der Allmacht des Generalgouverneurs oder der lediglich beratenden Funktion des Legislative Council. Immerhin durfte er ab 1892 den Haushalt diskutieren. Mit der Reform von 1909 wurde ihm gestattet, jede Angelegenheit von öffentlichen Interesse zu diskutieren, auch wenn der Generalgouverneur festlegte, was öffentliches Interesse war. Erstmals zogen gewählte Vertreter in das Executive Council ein (Rothermund 1993:13). Die Exekutive wurde durch den Ausbau des Indian Civil Service gestärkt. Der Dienst wurde in drei Ebenen geteilt. Die oberste Ebene, der Imperial Service, blieb zu 5/6 Engländern vorbehalten. Die beiden unteren Ebenen, Provincial und Subordinate Service, wurden zunehmend Indern geöffnet.

Unterhalb der Provinzebene entstanden zwischen 1882 und 1885 740 städtische Gemeindeverwaltungen (Local Boards), die zu 2/3 aus Indern bestehen sollten. Die Oberaufsicht nahmen lokale Funktionsträger des Civil Service, mithin Briten, wahr.

Mit dem "Indian Councils Act" von 1862 wurden erstmals englischsprachige Inder in den höchsten politischen Organen des Staatsapparates, den Legislative Councils auf Staats- und Provinzebene, zugelassen. Sie wurden auf Vorschlag von indischen Vereinigungen – Großgrundeigentümerverband, Handelskammern, Munizipalräte der großen Städte, Universitätssenate – vom Generalgouverneur ernannt. Mit der personellen Ausdehnung der Councils durch die Reformen von 1892 wurde auch ihre Anzahl erweitert. Die Mehrheit der Councils bestand weiterhin aus beamteten Briten.

Infolge der Reformen von 1909 gelangten erstmals Inder auch in die Executive Councils der Provinzen. Nach wie vor wurde die Mehrheit der Mitglieder ernannt, doch wurden nach 1909 über 40% gewählt. Die Mehrheit der beamteten Räte verschwand. Die Wählerschaft bestand aus Verbänden der Großgrundeigentümer, Vertretern der moslemischen Glaubensgemeinschaften, den Handelskammer und den District- und Munizipalräten. Mit den getrennten Wahlkörperschaften unter anderem für Moslems und Hindus führten die Briten eine Spaltung weiter fort, die mit der Gewährung unterschiedlichen Rechts für die Glaubensgemeinschaften in Bezug auf Heirat, Scheidung etc. 1772 vom damaligen Generalgouverneur Hastings eingeführt worden war (Stietencron 1995a:27).

Die zweite Phase der britischen Herrschaft über das Gebiet des heutigen Indiens ist gekennzeichnet durch die formale juristische Übernahme der Herrschaft durch die englische Krone einerseits und die Ausdifferenzierung und beginnende Demokratisierung der politischen Herrschaft anderseits. Neben den Generalgouverneur als Vertreter der britischen Krone traten sowohl auf bundesstaatlicher als auch auf provinzialer Ebene (zum Teil gewählte) politische Körperschaften als Vertreter der Bevölkerung.

Durch die Gewährung unterschiedlicher Wahlkörperschaften für unterschiedliche Religionen versuchten die Briten, unter dem Deckmantel des Minderheitenschutzes ihre Herrschaft durch Spaltung der Unabhängigkeitsbewegung zu stärken. Dieser zunächst erfolgreiche Schritt führte im Ergebnis zur Spaltung des von ihnen beherrschten Gebietes in die heutigen Staaten Indien und Pakistan. Es legte auch den Grundstein für gesonderte Wahlkörperschaften im unabhängigen Indien – diesmal allerdings nicht für Religionen, sondern für die unteren Kasten.

2.1.3. Doppelherrschaft ab 1919

Nachdem die Briten 1917 verkündet hatten, ihr Ziel sei "responsible government" (einem gewählten Parlament verantwortliche Regierungen) für Indien, veränderten sie die Verfassung mit der Reform von 1919 in einigen Punkten. "Responsible government" wurde ansatzweise in den Provinzen eingeführt, gebrochen durch weitreichende Befugnisse der eingesetzten Gouverneure, während die unabhängige, eben nicht "responsible" Exekutive in der Zentrale erhalten blieb (Rothermund 1993:41). Im Jahre 1935 erhielten zumindest die Provinzen weitreichende Befugnisse.

Der "Government of India Act" von 1919 richtete in Indien ein Zweikammernparlament ein. Es machte das Legislative Council zur Legislative Assembly. Von den nun 140 Mitgliedern wurden 100 gewählt und 40 ernannt. Die als Unterhaus fungierende Legislative Assembly hatte folgende gesetzgeberische Funktionen: Diskussion und Verabschiedung von Gesetzesvorlagen (nach Genehmigung durch den Generalgouverneur) und Diskussion und Abstimmungen im Rahmen von Haushaltsvorlagen des Generalgouverneurs, soweit es sich um zur Diskussion freigegebene Etatposten handelte. Der Legislative Assembly zur Seite wurde der Council of State gestellt. Der Council of State fungierte als Oberhaus und nahm die gleichen Rechte wie die Legislative Assembly wahr. Gesetze mußten von beiden Kammern gebilligt werden und bedurften der Zustimmung des Generalgouverneurs oder wurden direkt von ihm erlassen. Das Executive Council als Regierung war nach wie vor nicht an die Beschlüsse der beiden Kammern gebunden. Die Position des Generalgouverneurs wurde durch neue Befugnisse gegenüber den beiden neuen Gesetzgebenden Kammern abgesichert. Er hatte das Recht, die gesetzgebenden Kammern einzuberufen, zu vertagen, aufzulösen oder deren Amtszeit zu verlängern. Gesetze, die von den Kammern verabschiedet wurden, traten nur in Kraft, wenn der Generalgouverneur sie unterzeichnete. Mit Ausrufung des Notstandes konnte er Gesetze für sechs Monate erlassen und deren Gültigkeit anschließend verlängern. Ihm stand das alleinige Initiativrecht für Haushaltsgesetze zu. Die Stellung und Aufgaben des Executive Councils änderten sich kaum. Ihm gehörten nun drei Inder an. Ihre Anzahl in der Legislative Assembly betrug 116 (von 145 Mitgliedern). Im Council of State waren 40 von 60 Mitgliedern Inder.

Die Zahl der Wahlberechtigten wurde angehoben. Sie betrug nun etwa fünf Millionen oder 2% der Bevölkerung (Rothermund 1965:164). Das Wahlsystem wurde teilweise auf direkte Wahl umgestellt. Das Zensus-Wahlrecht mit kommunalistischem Prinzip wurde beibehalten. Neben den Gruppen der Moslems und Hindus gab es gesonderte Wahlkörper für Sikhs, Europäer, Anglo-Inder, indischen Christen, Grundeigentümer, indische Handelskammern und Universitätssenate. Hinzu kamen später die Arbeiterschaft und Minderheiten (sogenannte "depressed classes"). Je nach zu wählender Kammer waren lediglich zwischen 1% und 4% der Inder wahlberechtigt.

Bei der Besetzung der Posten der Verwaltung (Indian Civil Service) beschloß London, künftig die Hälfte aller Neuzugänge aus indischen Bewerbern zu wählen. Hinzu kam ab 1922 die Möglichkeit, die Eingangsprüfungen erstmals in Indien selber abzulegen. Dies war eine alte Forderung der indischen Elite. Somit standen 1947, als Indien unabhängig wurde, genug hohe indische Beamte zur Verfügung, um die wichtigsten Posten zu besetzen (Rothermund 1993:49).

Der "Government of India Act" von 1935 verfolgte die Linie der bisher eingeschlagenen Reformen weiter. Neben der Ausweitung repräsentativer Elemente sollte eine föderale Integration der Fürstenstaaten und der direkt beherrschten Gebiete erfolgen.

Diese föderalen Elemente traten jedoch nicht in Kraft, da die erforderliche Zustimmung der Fürstenstaaten nicht erfolgte. 1939 erklärte der Generalgouverneur die vorläufige Aussetzung der föderalen Verfassungsbestimmungen.

Den Fürstenstaaten wurden Sitze im Council of State angeboten. Die föderalen Elemente des Acts sollten erst dann Wirksamkeit erhalten, wenn die Fürstenstaaten mindestens 50% der ihnen zustehenden Sitze eingenommen hätten.

Die Struktur der politischen Herrschaft sollte umgebaut werden. Sie sollte nun dreigliedrig sein. Neben der Person des Generalgouverneur / Vizekönigs sollte es wie vorher das Executive Council geben. Die beiden wären lediglich der Krone und dem Parlament in London verantwortlich gewesen.

Aus: Rothermund 1965:203

Der Ministerrat als dritter Teil der Exekutive sollte dem Bundesrat gegenüber verantwortlich sein. Gebildet werden sollte der Bundesrat aus der ehemaligen Legislative Assembly, nun Federal House of Assembly. Von dessen 375 Mitgliedern sollten 125 von den Fürstenstaaten entsandt werden. Obwohl die Mitglieder gewählt werden sollten, behielt London das kommunalistische Wahlprinzip bei.

Der Generalgouverneur sollte auf Vorschlag des Federal House of Assembly die Minister ernennen. Sie konnten vom Federal House of Assembly abgewählt werden. Von den 260 Sitzen des Staatsrates (Council of State) waren 104 für die Fürstenstaaten reserviert. Ein Drittel sollte alle drei Jahre ausgetauscht werden. Nach wie vor war die Zustimmung beider Kammern nötig um Gesetze zu verabschieden, die sodann vom Generalgouverneur ratifiziert werden mußten.

Anders als auf Bundesebene erlangten die Änderungen auf provinzialer Ebene Gültigkeit. Der "Government of India Act" von 1935 hatte den Aufgabenbereich der Legislative in drei Bereiche geteilt: eine zentrale, eine gemischte und eine provinziale Liste. Damit waren die Aufgaben der Provinzen, die sich aus den letzten beiden Listen ergaben, erstmals in der Verfassung verankert. In den Provinzen wurde das System der unverantwortlichen Regierung nun gänzlich abgeschafft (Rothermund 1993:42). Lediglich der Gouverneur einer Provinz unterlag weiterhin keiner Kontrolle durch das Parlament. Dies wählte einen ihm verantwortlichen Premier und Ministerrat. In sechs Provinzen wurde ein Zweikammersystem eingeführt, in den fünf verbleibenden gab es eine Kammer. Gesetze mußten von beiden Kammern (soweit vorhanden) verabschiedet und vom Gouverneur ratifiziert werden.

Das Wahlrecht war an Alphabetisierung sowie gewisses Einkommen und Eigentum gebunden. Etwa 10% der Bevölkerung hatten das Wahlrecht (Rothermund 1965:164). Nach wie vor war es nach kommunalistischen Gesichtspunkten differenziert. Insgesamt gab es für alle elf Provinzparlamente 1585 Sitze zu vergeben. 808 entfielen auf allgemeine (hinduistische) Wählerschaft, 151 davon waren für "Scheduled Castes" reserviert. Es waren weiterhin folgende Gruppen vertreten: Sikhs (34 Sitze), Moslems (482 Sitze), Anglo-Inder (11 Sitze), Europäer (26 Sitze), indische Christen (20 Sitze), Kapitalvertreter (56 Sitze), Grundeigentümer (37 Sitze), Universitäten (8 Sitze), Arbeitnehmervertreter (38 Sitze), Frauen (40 Sitze), Abgeordnete unterentwickelter Gebiete und Stämme (24 Sitze) (Winterfeldt 1987:435).

Nach dem Rückzug der gewählten Regierungen der Congress Party in acht Provinzen im Jahre 1939 (Rothermund 1993:16) setzte die englische Administration Notstandsparagraphen in Kraft und regierte diese Provinzen wiederum direkt ohne Parlament. Im Jahr 1941 berief der Generalgouverneur acht indische Vertreter in das Executive Council. Am 15. Juli 1947 verabschiedete das britische Unterhaus den "Indian Independence Act". Einen Monat später wurde die Unabhängige Indische Union ausgerufen. Indien und Pakistan waren unabhängig. Im Dezember 1946 nahm die Verfassunggebende Versammlung ihre Beratungen auf. Der Congress stellte 206 von 296 Abgeordnete.

Die Phase der Doppelherrschaft seit 1919 ist gekennzeichnet durch einen allmählichen Übergang politischer Macht an Inder. Das System des Zweikammerparlaments hat sich ebenso wie die weitreichenden Befugnisse der Generalgouverneure bis heute erhalten. Die sukzessive Ausweitung des Wahlrechts und die Übernahme von Regierungsverantwortung durch Inder seit 1935 schufen Erfahrungen, die die Entwicklung der Demokratie im unabhängigen Indien nach 1947 prägten. Fast alle Bestimmungen des "Government of India Act" von 1935 wurden in die indische Verfassung übernommen. Selbst das kommunalistische Wahlprinzip wurde durch besondere Wahlkreise für Scheduled Castes / Scheduled Tribes modifiziert beibehalten. Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die Strukturen der politischen Herrschaft des unabhängigen Indiens in den letzten dreißig Jahren der britischen Herrschaft geprägt wurden.

2.2. Ökonomische Reproduktion

Das Eindringen islamischer Reiterheere auf dem indischen Subkontinent im 12. Jahrhundert einte größere Gebiete im Norden. Es führte zum Beginn der Monetarisierung durch Besteuerung der Landwirtschaft und Urbanisierung durch neue Militärzentren. Es entwickelte sich zwar ein bescheidender lokaler Handel, der es den Bauern ermöglichte, einen Teil ihrer Produkte zu verkaufen, um die nun in Geld eingetriebenen Steuern zu bezahlen. Die Bauern lebten allerdings weiterhin weitgehend in Subsistenzwirtschaft. Es fehlten regionale Märkte, um der Monetarisierung wirklich zum Durchbruch zu verhelfen. Der überregionale Handel mit Luxusgütern und deren Export war gut organisiert (Rothermund 1985:17). Von ihm ausgehend bildeten sich entlang der Küsten überregionale Handelszentren, die auch die ersten Zugriffsstationen der eindringenden Europäer waren. Es gab keinen einheitlichen Markt auf dem indischen Subkontinent.

Daran ändert sich auch unter dem Einfluß der Portugiesen nichts. Sie beschränkten sich darauf, Einkünfte aus Zöllen zu erzielen, die sie dem Handel zwischen den Handelszentren entlang den Küsten auferlegten. Die Holländer griffen tiefer in die Handelsstruktur ein, indem sie mit ihren Schiffen als Konkurrenten der bisherigen Händler auftraten. Die Engländer, hauptsächlich die East India Company, konzentrierten sich zunächst auf den lukrativen Export indischer Luxusgüter nach Europa. Der europäische Bedarf konnte weitgehend aus der laufenden Produktion gedeckt werden, so daß strukturelle Änderungen der Produktionsweise nicht erforderlich waren. Das Hauptexportprodukt der Briten war anfangs bedruckter Baumwollstoff, den sie in ihren Niederlassungen in Gujarat und Südindien ankauften. Erst das Verbot der Einfuhr bedruckter Stoffe nach England aufgrund von Protesten der englischen Handwerker verlagerte den Handelsschwerpunkt der Briten innerhalb des indischen Subkontinents nach Bengalen. Den nun erforderlichen unbedruckten Baumwollstoff gab es in bester Qualität vor allem dort. Der britische Handel mit Bengalen stieg ab 1725, während er in den anderen Gebieten zurückging. Dies förderte nicht nur das Einströmen von großen Silbermengen nach Bengalen, sondern veränderte auch die Produktionsstruktur. Viele Weber produzierten nun in erster Linie für den Export, nicht mehr für den lokalen Markt. Eine steigende Nachfrage bewirkte Produktionsausweitungen. Die Briten stießen immer weiter ins Hinterland vor, um Zwischenhändler auszuschalten.

Nachdem sie faktisch die politische Kontrolle über Bengalen übernommen hatten, finanzierten sie mit den aufgrund besserer Organisation steigenden, nun ihnen zufallenden Steuereinnahmen ihren China-Handel und die weitere Expansionen ihrer Territorialherrschaft. Die Reorganisation der Steuereinnahmen erfolgte in Bengalen vor allem durch den "Permanent Settlement Act" von 1793. Zunächst wurde das Steueraufkommen unabhängig von der Größe der Ernte festgeschrieben. Steuerpächtern (Zamindari) wurde das Eigentum an Grund und Boden übertragen (Rothermund 1965:5). Sie durften 10% der festgesetzten Steuereinnahmen behalten, gingen ihres Besitzes aber umgehend verlustig, wenn sie nicht zahlen konnten. Das gleiche galt für Bauern, die ihre Steuern nicht zahlen konnten. Der Zamindari konnte deren Ernte beschlagnahmen oder sie von Grund und Boden vertreiben. In anderen Teilen Indiens führten die Briten ein Steuersystem namens "Ryotwary-System" (Ryot = Bauer) ein, das die Steuer für jeden einzelnen Acker festlegte und den Bauer direkt in die Pflicht nahm (Heeks 1988:21, Rothermund 1965:6). Diese Maßnahmen führten zu einer Neuordnung der Eigentums- und Besitzverhältnisse (Wilke 1997:29). Dies geschah mit der territorialen Ausdehnung der britischen Herrschaft in unterschiedlichen Gebieten Indiens zu unterschiedlichen Zeiten (im Punjab erst ab 1848) und führte so zu regionalen Disparitäten (Rothermund 1985:35).

Die industrielle Revolution in Großbritannien kehrte den Handel mit Textilien um. Indien wurde vom Exporteur zum Importeur. Als indisches Exportprodukt wurde Baumwolle von Rohseide und Indigo abgelöst. Nachdem das Handelsmonopol der East India Company 1813 gefallen war, etablierten sich etliche britische Handelshäuser in Calcutta. Sie handelten in erster Linie mit Indigo. Der Preisverfall für Indigo um 1830 bedeutete für viele von ihnen den Ruin. Er bedeutete auch den Ruin für viele Bauern, die durch die Briten gezwungen wurden, trotz sinkender Preise weiterhin Indigo anzubauen. Der Anbau und Export von Indigo nach Großbritannien wurde durch Rohbaumwolle und Opium für China ersetzt. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde auch Jute zu einem wichtigen Exportprodukt.

Die Exportgüter wurden nach wie vor in erster Linie von Kleinbauern angebaut, so daß eine Veränderung, sprich Modernisierung der Landwirtschaft nicht stattfand. Alte Sozialbeziehungen blieben intakt.

Das indische Eisenbahnnetz von 1945

Aus: Mamoria 1996:488

Während Opium, Jute und Indigo vor allem von Briten in Calcutta gehandelt wurden (Agarwala 1985:183), bestimmten Inder den Handel mit Rohbaumwolle in Bombay (Rothermund 1993a:52). Das so angehäufte Kapital bildete später den Grundstock für indische Industrien.

Trotz einheitlichem Rechtssystem existierte kein funktionierendes Bankwesen in Indien. Buchgeld war nicht sehr verbreitet. Durch den Wegfall von Binnenzöllen stieg der innerindische Handel. Seine Grenzen fand er (und findet er bis heute) in der schlechten Infrastruktur. Die Briten investierten nur wenig in den Straßenbau. Die Handelsrouten verliefen hauptsächlich entlang der Flüsse und bevorzugten so z.B. Calcutta am Delta des Ganges. "Solange jedoch die Eisenbahn nicht das Innere des Landes erschloß, konnte trotz politischer Einigung von einem indischen Markt nicht die Rede sein" (Rothermund 1985:45).

Einen entscheidenden Impuls erhielt der indische Markt durch den Bau der Eisenbahnlinien. Da privaten Investoren der Bau von Eisenbahnlinien von der Regierung mit einer garantierten Rendite von 5% schmackhaft gemacht wurde, wurden Strecken ohne jede Rücksicht auf Wirtschaftlichkeit gebaut. Bereits 1869 hatte das indische Eisenbahnnetz eine Länge von 4255 Meilen (Rothermund 1985:47). Bis 1930 vergrößerte sich dieses Netz auf über 40 000 Meilen. Da fast alle benötigten Güter für den Eisenbahnbau und -betrieb aus Großbritannien eingeführt wurden, blieben die direkten Auswirkungen auf die indische Ökonomie gering. Dennoch entstand mit der Eisenbahn ein indischer Binnenmarkt. Auch wenn die tatsächlichen Transportmengen der Eisenbahn gering blieben, bestand zum ersten Male die Möglichkeit, Güter in ganz Indien zu verteilen. Parallel zu den Eisenbahnlinien wurden Telegraphenleitungen gezogen. Diese bessere Kommunikations- und Informationsinfrastruktur vereinheitlichte tendenziell den indischen Binnenmarkt (Preise, etc.), ermöglichte aber auch den Export von Nahrungsmitteln, da diese nun zu den Küsten transportiert werden konnten. Die zunehmende Ausrichtung der indischen Landwirtschaft auf den Export ging einher mit der Verschuldung der Bauern, zerstörte aber dennoch nicht die traditionellen dörflichen Strukturen. Kleinbauern dominierten weiterhin der Anbau von landwirtschaftlichen Gütern. Grund dürfte die hohe Risikoanfälligkeit der indischen Landwirtschaft durch Witterungseinflüsse gewesen sein. Die Aufkäufer landwirtschaftlicher Produkte fungierten gleichzeitig als Geldverleiher und konnten so die Kleinbauern in eine extreme Abhängigkeit bringen, ohne das erhöhte Risiko einer eigenen Produktion mit Lohnarbeitern einzugehen (Rothermund 1985:65). "Die volatilen Elemente des Weltmarktes ... fegten über Indien hinweg und drangen bis ins letzte Dorf ohne dort die kleinbäuerlichen Produktionsbedingungen zu verändern" (Rothermund 1985:103). Handelskapital wurde denn auch nicht in Industriekapital umgewandelt, sondern zum Ankauf von Grund und Boden verwendet, da dies eine einträgliche kontinuierliche Rente erwarten ließ. Lediglich Tee wurde auf Plantagen im Nordosten (Assam, Nordbengalen) erzeugt. Der Schwerpunkt der Produktion für den Export lag in Bengalen.

Neben einer stärkeren Ausweitung des Exports von Nahrungsmitteln ermöglichte die Eisenbahn auf der anderen Seite den stärkeren Import von Erzeugnissen aus Großbritannien. Indien importierte in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts hauptsächlich Baumwolltextilien besserer Qualität. Insgesamt erzielte Indien dennoch einen Exportüberschuß im Handel mit Großbritannien.

Eine nennenswerte Industrialisierung fand ab Mitte des 19. Jahrhunderts im Raum Bombay statt. Hier wurde grobes Baumwolltuch aus den kurzen indischen Baumwollfasern gesponnen und weiterverarbeitet. Dies war ein Bereich, in dem die indische Industrie nicht in Konkurrenz zur britischen trat. Konkurrenten waren eher die Handweber. Ein weiteres Zentrum der Textilindustrie entstand in Ahmedabad (heutiges Gujarat). Kleinere Textilindustrien entstanden bis 1920 in Kanpur (Nordindien), Solapur (heutiges Maharashtra), Madras und Madurei (beide im heutigen Tamil Nadu). Während Briten in Kanpur dominierten, waren in den anderen Zentren vor allem indische Geschäftsleute tätig. Die erhöhte Nachfrage nach Textilmaschinen wurde aus Großbritannien gedeckt. Es entstand keine einheimische Textilmaschinenindustrie. Die Arbeiter wurden nicht direkt vom Textilfabrikanten angeworben, sondern von einem Mittelsmann (mokkadam). Meist waren die Arbeiter nach Sprach- und sonstigen sozialen Gruppen organisiert. Sie kamen vom Lande und zogen sich oft zeitweilig oder ganz wieder dorthin zurück (Rothermund 1965:146).

Ebenfalls ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in Calcutta eine Juteindustrie. Sie war fest in der Hand von Briten. Anders als die Textilindustrie weitete sie sich nicht horizontal aus und hatte keinerlei größeren Einfluß auf die Produktionsweise in anderen Bereichen.

Die Textilindustrie in Bombay und die Juteindustrie in Calcutta, die zusammen Anfang des Jahrhunderts nicht mehr als 400 000 Arbeitskräfte beschäftigten, stellten Enklaven (Rothermund 1985:76) in einem weitestgehend traditionell bestimmten Land dar. Dies galt auch für die Kohlebergwerke (Zentrum in Bengalen), die um die Jahrhundertwende etwa
70 000 Menschen (Männer, Frauen, Kinder, Familien) beschäftigten. Besitzer der Kohlebergwerke waren Briten.

Der Erste Weltkrieg hatte Auswirkungen auf die indische Ökonomie: Zum einen stieg die Baumwolltextilienproduktion in Bombay und die Kohleproduktion, da Importbaumwolle und Importkohle aus England ausblieben, zum anderen stiegen die Exportchancen für verarbeitete Jute aufgrund des größeren Bedarfs. Das erste indische Stahlwerk, 1907 von der Tata-Familie errichtet, konnte durch den ausbleibenden Importstahl und eine größere, kriegsbedingte Nachfrage mit Gewinn arbeiten und die Produktion ausweiten (Rothermund 1985:87). Kurz vor dem ersten Weltkrieg entstand eine bescheidene Zementindustrie. Sie wurde, wie das Stahlwerk, mit Geldern der Textilindustriellen aufgebaut.

Die Baumwollindustrie weitete ihre Produktionskapazitäten in den 20er Jahren so stark aus, daß es zu Überkapazitäten kam, da die Binnennachfrage begrenzt blieb und Exporte durch japanische Konkurrenz erschwert wurden. Die Juteindustrie konnte ihre Produktion im gleichen Zeitraum ebenfalls stark steigern. Erstmals gelang es indischen Industriellen, erfolgreich Jutefabriken zu betreiben (Birla und Hukamchand). Das einzige indische Stahlwerk überlebte fallende Weltmarktpreise für Stahl durch protektionistische Zölle, die allerdings nicht für britischen Stahl galten. Da die Briten hochwertigen Stahl nach Indien exportierten, produzierte Indien Stahl minderer Qualität. Die indische Stahlindustrie konnte bis 1939 dank der Schutzzölle ihre Produktion ständig ausweiten und versorgte 1939 den einheimischen Markt zu 75%. Ein zweites, kleines indisches Stahlwerk (Mysore Iron and Steel Works) wurde 1936 errichtet. Die Steel Corporation of Bengal stellte ihren ersten Stahl 1939 her.

Auch für Baumwollprodukte wurden Anfang der dreißiger Jahre Schutzzölle eingeführt – wiederum mit Zollpräferenzen für britische Produkte. Dies führte zu Importsubstituierung mit entsprechendem Wachstum. Da der pro-Kopf-Verbrauch infolge mangelnder Kaufkraft nicht stieg, waren dem Wachstum enge Grenzen gesetzt. Lediglich eine steigende Bevölkerungszahl erhöhte den Absatz. Die Zahl der Arbeiter und der Webstühle in der Juteindustrie stieg nach einem Zwischentief Mitte der dreißiger Jahre bis zum Ende des Jahrzehnts leicht an.

Anfang der dreißiger Jahre wurde der Import von Zucker mit einem Schutzzoll von 190% belegt. Daraufhin stieg der Import von Maschinen für Zuckerraffinerien gewaltig an. Bis 1936 waren über 100 Zuckerraffinerien entstanden. Indien erreichte die Selbstversorgung. Die Anbaufläche für Zuckerrohr wurde stark ausgeweitet. Da Indien der Export von Zucker durch das "International Sugar Agreement" von 1937 verboten war (das Abkommen wurde durch die britische Regierung für Indien unterzeichnet), war ein Export nicht möglich. Die Zuckerproduzenten schlossen sich zu einem Kartell zusammen und erhielten gesetzliche Schutzrechte. Neben die zuckerverarbeitende Industrie auf dem Lande traten viele kleine Ölpressen und Reismühlen. Auch wurde die Verkehrsinfrastruktur besser. Der Import von Kraftfahrzeugen stieg. Das gleiche gilt für Näh- und Strickmaschinen. Dennoch waren die Importe insgesamt so gering, daß von ihnen keine entscheidenden Impulse für die Industrialisierung ausgingen.

Der Zweite Weltkrieg brachte der indischen Industrie (Baumwoll- und Stahlindustrie) Aufträge aus England. Die Juteindustrie konnte bei gleichbleibenden Rohstoffpreisen vor allem von höheren Preisen profitieren. Die Baumwoll- und Stahlindustrie, in indischen Händen, nutzten die Kriegsgewinne, um nach Kriegsende kräftig zu investieren, während die britischen Besitzer der Juteindustrie die Gewinne und die Erlöse aus dem Verkauf ihrer Jutefabriken angesichts der nahenden Unabhängigkeit nach England transferierten. Das gleiche gilt für die Kohlebergwerke. Profitierten bestehende Industrien durch Auslastung ihrer Kapazitäten vom Krieg, so war der Ausbau bestehender oder Aufbau neuer Industrien nicht möglich.

Der Krieg führte außerdem zu einem starken Anstieg der Reis- und Weizenpreise mit nachfolgenden Hungersnöten. Die britische Verwaltung schuf daraufhin ein Instrumentarium zur Rationierung, zum Ankauf und zur Verteilung von Reis.

2.3 Rationalität und sozialer Habitus

So wie von Indien vor der Kolonialisierung weder als ökonomischer Einheit noch als politischer Einheit gesprochen werden kann, so ist es auch nicht möglich, einen einheitlichen sozialen Habitus für den gesamten indischen Subkontinent zu beschreiben. Determinierend für den sozialen Habitus der Bevölkerung des indischen Subkontinents vor der britischen Kolonialisierung ist der Begriff der Kaste. Er bezeichnete ein gesellschaftliches System der klassifizierenden Zuordnung, nicht ein hierarchisches System (Chatterjee 1997:95), das auch von anderen Religionen auf dem indischen Subkontinent übernommen wurde. Sie wurden nicht in die bestehende Gesellschaft vergemeinschaftet, sondern "verkastet". (Rothermund 1994:233). Dies wirkt bis heute nach. Der Islam Indiens ist nicht mit dem der westlichen Nachbarn vergleichbar. In ihn wurden viele Elemente der Kastenstruktur aufgenommen.

Der Zugriff der Verwaltung der East India Company auf große Teile des indischen Subkontinents ermöglichte die teilweise Transformation des Hinduismus von einer durch Vielfalt geprägten traditionalen lokalen gesellschaftlichen Institution (Stietencron 1995b:51) zu einer Religionsgemeinschaft "an und für sich" (Wilke 1997:53). "There was thus no single "Hindu" tradition, to which sole allegiance was paid by all Hindus" (Stietencron 1995a:23). Das Ordnungsmodell "Kaste" war vor dem Eindringen der Briten auf die Dörfer beschränkt. Erst die Vereinheitlichung der Verwaltung machte ein Kastenbewußtsein über diese Grenzen hinaus möglich (Dumont 1997:44). Erst die Vereinheitlichung der geographischen Gebietes unter einer Verwaltung und einer politischen Herrschaft sowie die Herausbildung neuer Eliten erlaubte das Entstehen regionaler oder religiöser Identitäten. Mit den von den Briten durchgeführten Volkszählungen und der daraus resultierenden quantitativen Erfassung der Kastenverteilung wurde erstmals ein politisches Kastenbewußtsein geweckt (Rothermund 1994:223, Jones 1998b:242). Das Konzept "Religion" als Gemeinsamkeit großer Teile der Bevölkerung wurde erst durch die Briten nach Indien gebracht (Stietencron 1995b:72).

Dies bedeutet nicht, daß Kasten reine theologische Denkfiguren sind, die keinen Bezug zur reellen materiellen Reproduktion der Gesellschaft besitzen (Manor 1997:265). Aber dieser Bezug war lokaler Art. Das qualitativ neue Moment seit dem Eindringen der Briten war das übergreifende Kastenbewußtsein vor allem der oberen Kasten (Malik/Singh 1994:3).

Das von den Briten geweckte Kastenbewußtsein führte neben "Erneuerungsbewegungen" des Hinduismus (siehe z.B. die Beiträge von Lavan, Jones, Williams und Miller in Baird 1998) mit entsprechender politischer Mobilisierung und, als Reflex darauf zur Gründung von Moslemvereinigungen (Lavan 1998b:118), sowie auch zu neuen Spannungen zwischen verschiedenen Kasten innerhalb des nun entstandenen Hinduismus. In Ansätzen wurden auch politische Bewegungen der Unberührbaren gegründet. Innerhalb des säkularen Staates Indien bricht sich dies durch verschiedene politische Strömungen Bahn. Deutlich wird dies vor allem durch das Entstehen von gesamtindischen oder regionalen Verbänden zu Anfang dieses Jahrhunderts. Neben hinduistischen Erneuerungsbewegungen und muslimischen Verbänden betrifft dies dravidische Vereinigungen im Süden und die Organisationen der Sikhs im Punjab. Dies galt zunächst lediglich für die oberen Kasten.

Die Briten förderten diese Segmentierung der Gesellschaft durch das von ihnen nach und nach eingeführte Wahlrecht. Der "Indian Councils Act" von 1862 erlaubte es Indern erstmals, in politischen Vertretungen zu wirken. Sie wurden nach ständischen Gesichtspunkten ernannt. Das ständische Prinzip wurde von den Briten beibehalten, als die Vertreter ab 1892 zunächst gewählt und dann ernannt wurden.

Mit der Einführung von separaten Wählerschaften für Muslime im Jahre 1909 legten die Briten den Grundstein für ein kommunalistisches Wahlrecht entlang von Religions- oder Kastengrenzen. Mit den Reformen von 1919 vertieften sie den Prozeß der Mobilisierung der Gesellschaft entlang von Religion und Kaste weiter, indem sie separate Wählerschaften für Moslems, Hindus, Europäer, Anglo-Inder, Christen und "Depressed Castes" einführten. 1935 wurden nach heftigen innenpolitischen Auseinandersetzungen reservierte Sitze für "Scheduled Castes" geschaffen.

Das von den Briten zur eigenen Machterhaltung eingeführte neue Wahlrecht spaltete im Ergebnis die Unabhängigkeitsbewegung. Viel entscheidender aber war sein Beitrag zur Bildung von Identitäten, sowohl auf regionaler als auch auf gesamtindischer Ebene. Hatte die Einführung einer einheitlichen Verwaltung für Indien und die Kodifizierung von hinduistischem Recht unter Mitarbeit von Brahmanen deren politisches Bewußtsein geweckt, so führten die separaten Wählerschaften zu einem "trickle down"-Effekt. Nicht nur die Angehörigen der Glaubensgemeinschaften der Moslems, der Sikhs und der Christen wurden nun als Wählerpotential jeweils gesondert angesprochen, sondern auch die kastenlosen Hindus. Dies legte den Grundstein für eine Politisierung und das Entstehen der Gruppenidentität der Unberührbaren. Obschon es Bestrebungen zur Abschaffung der Kategorie der Unberührbarkeit seit langem gegeben hatte und auch politische Vereinigungen zur Vertretung der Rechte der Unberührbaren bestanden, war Gruppenbewußtsein für die Masse nicht vorhanden.

3. Das unabhängige Indien

Im folgenden Abschnitt werde ich wiederum anhand der von Jung verwendeten drei Kategorien die Entwicklung des unabhängigen Indien in groben Zügen nachzeichnen.

3.1. Politische Herrschaft im unabhängigen Indien

Entscheidende und prägende Kraft des nun unabhängigen Staates Indien war die Congress Party. Sie wurde 1885 als All-Indian National Congress gegründet und war bis 1905 nicht viel mehr als eine Honoratiorenpartei (Rothermund 1993:21), die eine Teilhabe an der Macht im legislativen Rahmen der Briten anstrebte (Woods 1996:39). Nachdem 1905 und 1906 erstmals radikale Forderungen im Rahmen der jährlichen Congresstagung laut wurden, kam es im darauffolgenden Jahr zur Spaltung zwischen gemäßigten Liberalen und Radikalen. Die Radikalen strebten eine Autonomie Indiens (Rothermund 1965:56ff). Eine religiös geprägte Argumentation gehörte durchaus zum Repertoire der Radikalen (Lütt 1985:220). Die verbliebenen Liberalen schotteten den Congress 1908 durch Bildung eines Delegiertensystems (All-Indian Congress Committee, AICC) ab (Rothermund 1993:21). 1916 vereinten sich beide Strömungen wieder. Den Radikalen gelang es, daß eine Resolution zur Zusammenarbeit mit der Moslem Liga verabschiedet wurde (Rothermund 1965:73). Damit waren Bestrebungen der Briten, eine einheitliche indische Front gegen ihre Herrschaft zu verhindern, zunächst gescheitert. Das neue Schlagwort es Congresses lautete "swaraj" (Selbstregierung). 1918 zogen die nun marginalisierten Liberalen aus dem Congress aus und gründeten die "All-India Moderate Party" (Woods 1996:84ff). Diese beherrschte dank eines Wahlboykotts des Congresses und der Moslem Liga bei den Wahlen von 1920-21 die Legislative Assembly der Provinzen.

Eine weitere Änderung des Parteistatuts erfolgte 1920 unter Leitung von Gandhi. Dem AICC wurde ein kleines "Working Committee" zur effektiveren Arbeit zur Seite gestellt. Die Landesverbände wurden nach Sprachprovinzen neu geordnet (Rothermund 1965:100). Ein bestimmter Anteil von Mitgliedern pro Landesverband mußte darüber hinaus aus ländlichen Gebieten stammen (Rothermund 1993:21). Mit diesem Konzept gelang es der Congress Party, neben den bisherigen Unterstützern (Mittelschicht, Kaufleute, Industrielle) auch die Bauern zu gewinnen. Sie wurde zur Massenpartei.

Die Congress Party ging aus den Wahlen 1923 als eindeutiger Sieger hervor. Sie hatte dafür das 1919 und 1920 von Gandhi verfolgte Konzept der Nichtzusammenarbeit mit den Briten zunächst aufgegeben. Die kommenden vier Jahre sahen Auseinandersetzungen sowohl innerhalb der Congress Party als auch zwischen der Congress Party und der Moslem Liga. Dabei näherten sich Fraktionen der Congress Party und der Liberalen wieder einander an. Die Congress Party beteiligte sich mit großen Erfolg an den Wahlen von 1937. Sie gewann 711 von 1585 Sitzen, da es ihr gelungen war ihre soziale Basis erheblich auszuweiten. Fallende Agrarpreise trieben viele Bauern Anfang der dreißiger Jahre in den finanziellen Ruin. Dies brachte der Congress Party starke Unterstützung unter der Bauernschaft ein (Rothermund 1985:118f). Sie stellte in sieben von 11 Provinzen die Regierung. Aus Anlaß des Kriegseintritts Großbritanniens, der vom Vizekönig für Indien sofort nachvollzogen wurde, traten die von der Congress Party gestellten Regierungen zurück (Betz 1995:10).

Die breite soziale Basis der Congress Party blieb über den Krieg hinaus intakt und bewährte sich auch bei den Wahlen von 1946 zur Verfassunggebenden Versammlung (siehe oben). Rothermund charakterisiert die Congress Party daher als "staatstragende und staatsgetragene Partei" (Rothermund 1993:22). Die Partei identifizierte sich mit der übernommenen Staatsstruktur. "Die junge Republik übernahm das koloniale Herrschafts- und Rechtssystem, den Verwaltungsapparat, das Erziehungswesen und die gesamte Infrastruktur" (Rothermund 1985:151). Der Anschluß der über 500 indischen Fürstenstaaten an die indische Union verlief überraschend schnell und problemlos – abgesehen von Kashmir.

Da der Congress innerhalb der Verfassunggebenden Versammlung eine beherrschende Stellung einnahm, kamen abweichende Meinungen nicht zum Zuge (Rothermund 1993:23). Die Moslems hatten die ihnen zugedachten 76 Sitze nicht eingenommen, die Unberührbaren wurden durch die Vergabe des Postens des Justizministers an ihren Führer Ambedkar integriert. Kommunisten und Sozialisten blieben marginalisiert.

In den zwei Jahren, die die Verfassunggebende Versammlung tagte, wurden im Prinzip die Vorgaben des "Independence of India Act" von 1947 und des "Government of India Act" von 1935 mit leichten Modifikationen übernommen. Die Phasen, in denen die Congress Party in den Provinzen Regierungen stellte, sollten prägend genug sein, um über Alternativen gar nicht erst nachzudenken (Rothermund 1993:31). Die starke Stellung der Zentrale gegenüber den Provinzen (Gouverneure wurden nach wie vor ernannt und nicht gewählt) wurde aufgrund der Auseinandersetzungen mit Pakistan beibehalten (Rothermund 1997:25). Ebenfalls beibehalten wurden die Notstandsbefugnisse des Generalgouverneurs, auch wenn sie nun auf den Präsidenten übergingen.

Die Verfassung des unabhängigen Indiens enthält anders als der "Independence of India Act" einen Grundrechtskatalog. Streitigkeiten der verschiedenen Fraktionen der Congress Party gab es über den § 31, der eine Enteignung nur gegen angemessene Entschädigung zuließ. Er wurde aufgenommen, obwohl linke Kritiker befürchteten, damit sei eine Bodenreform faktisch unmöglich geworden. Die Entwicklung der folgenden Jahre sollte ihnen Recht geben. Daraufhin wurde die Verfassung zweimal geändert, um Bodenreformen ohne eine marktgerechte Entschädigung zu ermöglichen. Diese Änderungen waren durch die 2/3 Mehrheit der Congress Party und dem Erlahmen innerparteilicher Opposition möglich. Der Führer der Rechten innerhalb der Congress Party war 1950 gestorben, Nehru hatte die alleinige Leitung übernommen (Betz 1995:12). Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem die Verfassung in den Folgejahren geändert wurde, war die Neuordnung der Bundesländer unter anderem nach regionalsprachlichen Gesichtspunkten (Bernstorff 1985:191) auf nunmehr 25.

Wie gesehen folgte die Etablierung einer zentralen politischen Herrschaft auf dem indischen Subkontinent durch die Briten stets dem Leitgedanken der Effizienz. Um ein Gebiet von der Größe Indiens zu beherrschen, bedurfte es einer rationalen, vereinheitlichten Verwaltung und einer Zentralisierung der politischen Entscheidungen. Nur da, wo es aus Gründen der Effizienz angebracht war, kam es zu einer Dezentralisierung und schließlich zu einer Demokratisierung der Entscheidungsstrukturen. Mit der Übernahme der direkten politischen Herrschaft durch Großbritannien von der East India Company war es zu einer Trennung der ökonomischen und politischen Herrschaft gekommen. Der Prozeß der Gewaltenteilung hatte seine Grundlegung erfahren. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts existierte eine kritische englisch- sprachige Presse (Rothermund 1965:35). Die Demokratisierung der politischen Entscheidungen verlief in Stufen seit 1919 und ermöglichte es den Indern, in von den Briten geschaffene politische Strukturen hineinzuwachsen und sie schließlich nach der staatlichen Unabhängigkeit nahezu unverändert zu übernehmen. Es stellte sich nicht die Frage nach Abwehr der durch die Briten in Teilsegmenten geschaffenen bürgerlich-kapitalistischen Verhältnisse. Die politische Klasse Indiens strebte eher nach einer Verbreiterung und Vertiefung dieser Verhältnisse als nach ihrer Überwindung. Eine moderne Bürokratie erlaubte eine rationale Verwaltung des Staatsgebietes. Eine unabhängige Justiz überwachte die gesetzten Rahmenbedingungen. Ein neutrales Militär und eine ausdifferenzierte Öffentlichkeit (Parteien, Gewerkschaften, Unternehmensverbände, Medien) begleiteten den Prozeß der Konsolidierung des Nationalstaates kritisch. Zwar wurden separatistische Bewegungen mit Hilfe des Militärs unterdrückt. Sie wurden allerdings auch immer wieder durch Zugeständnisse (neue Bundesstaaten) in das politische System integriert. Lediglich in den nordöstlichen Provinzen Assam, Nagaland und Manipur kämpfen tribal-sezessionistische Bewegungen noch einen blutigen Kampf gegen die Zentralregierung (Schworck 1997:150). In jüngster Zeit machte auch wieder die Naxaliten-Bewegung in Teilen von Andhra Pradesh und Orissa auf sich aufmerksam. Politisch motivierte Gewalt gibt es in Indien stets, vor allem auch als Begleitung von Wahlkämpfen. Sie wird aber nicht von politisch relevanten Kräften getragen.

Lediglich das Bundesland Jammu und Kashmir stellt heute noch einen nicht zu unterschätzenden Krisenherd innerhalb Indiens dar. Die Brisanz liegt hier allerdings in der Einflußnahme des Nachbarn Pakistan, der Separatisten ideologisch und materiell unterstützt.

Gesellschaftliche Auseinandersetzungen werden heute im Großen und Ganzen durch ritualisierte Formen der Auseinandersetzung ausgetragen. Immer wieder aufflammende gewaltsame Zusammenstöße von Anhängern unterschiedlicher Religionen oder anderer Gruppen können die staatliche Einheit Indiens nicht ernsthaft gefährden. Das Mittel der politischen Auseinandersetzung in Indien sind heute die Wahlen. "Daß in Indien bisher eine derartige Zuspitzung (gemeint sind Staatskrisen in Pakistan und Bangladesch; der Verf.) vermieden werden konnte, lag sicher nicht zuletzt daran, daß der hier praktizierte Föderalismus ... erlaubte, Konflikte auf mittlerer Ebene (relativ) demokratisch auszutragen. Der Föderalismus ist deshalb eine wesentliche Ursache, daß Indien – mit allen Einschränkungen – westlichen Vorstellungen von Demokratie entspricht" (Zingel 1994:29). Oder, anders ausgedrückt: "Politische Legitimität verleihen in Indien nur Wahlsiege. Die politischen Institutionen sind hoch angesehen (...), außerparlamentarische Wege sind auch bei den Kommunisten und rechtsextremen Parteien verpönt" (Betz 1997d:27).

 

3.2. Industrialisierungsbemühungen seit der Unabhängigkeit

Die Wirtschaftspolitik der indischen Regierung setzte in den ersten zwanzig Jahren nach der Unabhängigkeit auf eine forcierte Industrialisierung des Landes unter staatlicher Kontrolle. Die Industrie sollte die Landwirtschaft "mitreißen" (Lewis 191:68). Ende der sechziger Jahre kam es zu einem Umdenken und der verstärkten Förderung der Landwirtschaft mittels Subventionen. Dies steigerte die Erntemenge, veränderte allerdings nicht die Strukturen. Erste Wirtschaftsreformen hin zu mehr Liberalität in den achtziger Jahren wurden zu Beginn dieses Jahrzehnts, bedingt durch eine akute Zahlungsbilanzkrise, intensiviert. Indiens Inflation hatte 10% erreicht, die interne Staatsverschuldung 56% des BIP. Indien war nahezu zahlungsunfähig und mußte Auflagen des IWF erfüllen (Maitra 1996:171). Dies setzte einen Umbau der indischen Industrie in Gang, der bis heute nicht abgeschlossen ist.

Nach der Unabhängigkeit verabschiedete Indien 1951 seinen ersten Fünfjahresplan. Ziel war die Importsubstituierung (Maitra 1996:161). Während der Staat in kapitalintensive Industrien auf dem Investitionsgütersektor investierte, investierten die privaten Industriellen in die Konsumgüterindustrie. Da diese durch Schutzzölle protektioniert wurde, stellte sich rasch eine Importsubstitution ein – allerdings mit Produkten von schlechter Qualität zu hohen Preisen. Der zweite und dritte Fünfjahresplan legten das Hauptgewicht der staatlichen Investitionen auf die Schwerindustrie. Die Landwirtschaft wurde kaum gefördert. Darin bestärkt wurden die Planer durch eine längere Periode guter Ernten (Lewis 191:68). Die Landwirtschaft erhielt von Rs. 163 Milliarden gerade einmal Investitionen in Höhe von Rs. 19 Milliarden.

Neben einer Ausweitung der Stahlindustrie kam es durch staatliche Investitionen zum Aufbau des Maschinenbaus und weiterer Investitionsgüterindustrien. Ihnen stand kein Anstieg auf der Nachfrageseite gegenüber. War die Importsubstituierung erreicht, stieß die Konsumgüterindustrie an eine Grenze (Lewis 1991:11). Stiegen gar die Nahrungsmittelpreise, sank die Nachfrage nach Konsumgütern und in der Folge nach Investitionsgütern (Rothermund 1985:157).

Dürrekatastrophen in den Jahren 1965 und 1966 führten zu stark steigenden Agrarpreisen und Hungersnöten und zu einer Rezession. Die aufgebaute Industrie konnte ihre Kapazitäten nicht auslasten. Die Fünfjahrespläne wurden suspendiert.

Der Schwerpunkt der Wirtschaftsförderung verschob sich nun auf die Landwirtschaft oder der Landwirtschaft vorgelagerte Industrien wie z.B. der Düngemittelindustrie. Diese Entwicklung setzte bereits kurz nach Nehrus Tod mit Machtübernahme von Lal Bahadur Shastri ein (Lewis 1991:79f.). Die "grüne Revolution" (Bewässerung, verbessertes Saatgut, Kunstdünger) in der indischen Landwirtschaft beseitigte zwar das Versorgungsproblem für ganz Indien, es wurde zum Selbstversorger, jedoch nicht das Verteilungsproblem. Systeme von Preisgarantien für Bauern verschlangen große Summen. Ursprünglich konzipiert in Zeiten des Mangels und zum Aufbau von staatlichen Lebensmittelreserven, gehören sie mittlerweile zum Besitzstand der Landwirtschaft. Durch Ausweitung der Anbaufläche stieg der Ertrag der Landwirtschaft, ohne an den Produktionsverhältnisse und somit an den Sozialbeziehungen etwas zu ändern. Die steigenden Gewinne in der Landwirtschaft kamen nach wie vor nur wenigen Großbauern, die gleichzeitig als Zwischenhändler fungierten, zugute. Steigende Lebensmittelpreise belasteten die große Masse der Bevölkerung und schöpften Kaufkraft ab, die nicht mehr der Industrie zugute kam.

Dennoch steigerte die Industrie ihre Produktion kontinuierlich und wurde stärker diversifiziert. Indiens Erdölindustrie wurde nach dem Ölpreisschock von 1974 stark ausgeweitet. Lediglich die Textilindustrie konnte, behindert durch staatliche Vorgaben, an diesem Prozeß nicht teilhaben.

Die staatlichen Vorgaben überzogen die indische Wirtschaft wie ein Spinnennetz und machten die Bewegung und den Wandel der Ökonomie nahezu unmöglich. Zentraler Dreh- und Angelpunkt war neben für den Staat reservierten Wirtschaftsbereichen das Lizenzsystem. Für nahezu jede wirtschaftliche Tätigkeit in Indien benötigte ein Unternehmer ab einer bestimmten Obergrenze von Beschäftigten eine Lizenz. Für viele Bereiche war eine Lizenz nicht zu erhalten, weil sie entweder dem Staat oder Kleinstbetrieben vorbehalten waren. 1969 wurden die letzten 14 privaten Banken verstaatlicht (Lewis 1991:169). Sinn der Lizenzen war der Schutz der "Home Cottages" und der "Small Scale Industries". Heimarbeit und Industriebetriebe mit bis zu 50 Beschäftigten benötigten keine Lizenz. Vor diesem Hintergrund haben sich viele kleine und Kleinstbetriebe dem Prozeß der Konzentration entziehen können. Sie bilden bis heute einen wichtigen Beschäftigungsfaktor in Indien. Traditionale soziale Strukturen konnten sich so in gewandelter Form in den neuen Strukturen einnisten, ohne zerstört zu werden. Die Industrie, der sogenannte "Organised Sector", erwirtschaftet im heutigen Indien rund ein Viertel des Bruttosozialproduktes (BSP), beschäftigt aber nur rund 12% der Erwerbstätigen. Nur bei diesem geringen Prozentsatz der Bevölkerung kann von freien Arbeitern gesprochen werden. Dabei ist die Industrie nicht in der Lage, Arbeitskräfte zu absorbieren. Der Agrarsektor trägt 30% zum BSP bei, beschäftigt aber mindestens 60% der Bevölkerung. Andere Quellen sprechen sogar von bis zu 72% (Mamoria 1996:175). Das Bevölkerungswachstum zementiert die Verhältnisse in der Landwirtschaft, da durch ein entsprechend großes Arbeitskräftepotential keine Modernisierung stattfindet. Bis heute ist der Agrarsektor nicht vollständig monetarisiert, leben viele Inder in Subsistenzwirtschaft (Rothermund 1985:187). Der Dienstleistungssektor wird von der öffentlichen Verwaltung und Verteidigung dominiert (Alle Zahlenangaben Pöll 1996:7ff.).

Wie oben dargestellt, ist die kapitalistische Durchdringung Indiens nach wie vor nicht abgeschlossen. Wurden unter britischer Herrschaft große Teile auch der ländlichen Bevölkerung in die Produktion für den Weltmarkt eingespannt, so konnte sich unter den gegeben Umständen die traditionelle kleinbäuerliche Produktionsform für den Großteil der indischen Bevölkerung erhalten (Kaviraj 1997:13). Die Bauern wurden durch den Zwang zur Monetarisierung, ausgelöst vor allem durch die Steuer- und Pachterhebung in Geld, gezwungen, für den Weltmarkt zu produzieren. Dies ging nicht einher mit der Auflösung traditioneller Abhängigkeitsformen. Da es nicht zu einer Industrialisierung der Landwirtschaft kam, wurden aus Bauern auch keine Arbeiter. Die Trennung der Produzenten von ihren Produktionsmittel fand zwar statt, machte diese aber nicht zu Arbeitern, sondern Tagelöhnern (Maitra 1996:223f.) Freie Lohnarbeit bildet für sie nicht die Grundlage ihrer materiellen Reproduktion. Dies änderte sich auch mit Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit nicht. "Die kapitalistische Durchdringung der Gesellschaft, insbesondere die reelle Subsumption der Arbeit unter das Kapital, blieb begrenzt und die dorfgemeinschaftliche und berufsständische Organisation der Produktion trotz Monetarisierung und Inwertsetzung weitgehend unberührt" (Wilke 1987:61).

Nach bescheidenden Ansätzen der Industrialisierung bis zur Unabhängigkeit kam es zu einer Expansion und Diversifikation der industriellen Sektoren innerhalb der Gesellschaft. Selbst bei formell freier Lohnarbeit in diesem Bereich der indischen Ökonomie konnten sich traditionelle Formen der Vergemeinschaftung über Kasten- und Sprachsolidaritäten in den neuen Strukturen einnisten. Große Teile produzieren nicht marktwirtschaftlich in freier Konkurrenz, sondern sind Teil des Staatsapparates und somit indirekt Teil der Politischen Herrschaft.

Ungleichzeitigkeit kennzeichnet die ökonomische Reproduktion des heutigen Indiens. Während auf der einen Seite die Monetarisierung nicht abgeschlossen ist, produzieren andere Teile der Gesellschaft Trägerraketen, um Satelliten ins All zu schießen.

3.3. Sozialer Habitus

Wie oben gesehen veränderte das Eindringen der Briten den sozialen Habitus von Gruppen der Gesellschaft, indem die Briten diese Gruppen nicht zuletzt durch das Wahlrecht zu Gruppen "für sich" machte. Dies gilt in erster Linie für die Muslime und die oberen Kasten im Hinduismus.

Im unabhängigen Indien war der Prozentsatz der Moslems an der Bevölkerung von ca. 1/4 vor der Teilung auf rund 1/10 geschrumpft. Die moslemischen politischen Eliten hatten sich Pakistan zugewandt. Die verbleibenden Moslems waren nicht in dem Maße politisiert wie die abgewanderten. Ihre Identität war zwar eine Moslem-Identität, jedoch verwurzelt im unmittelbaren Umfeld, nicht in einem gesamtindischen Sinne.

Dies galt auch für die große Masse der hinduistischen Bevölkerung. Auch ihre Identität und ihr sozialer Habitus wurden nicht durch Unabhängigkeit oder Kolonialstatus bestimmt, sondern ganz konkret durch ihr Umfeld auf dem Dorf.

Ein wichtiges Merkmal der politischen Herrschaft im unabhängigen Indien ist die Durchbrechung der formellen Gleichheit aller vor dem Gesetz durch ein Quotensystem (Parikh 1997:159). Es ist in der Verfassung verankert, um die politische Repräsentation der "Scheduled Castes" (Unberührbare) zu gewährleisten. Mittlerweile gelten Quoten für den Zugang zu Schulen, Universitäten, der öffentlichen Verwaltung usw. Immer wieder war es die Frage nach Quoten, die gravierende innenpolitische Konflikte produziert hat (Rothermund 1994:234). Obwohl die Quoten für viele benachteiligte Gruppen der Gesellschaft erstmals Bildungs- und Aufstiegschancen schufen, zementieren sie andererseits auch die offiziell abgeschaffte Kastenstruktur (siehe Gupta 1996). Einmal entstandene Quoten sind als politische Besitztümer im heutigen Indien nicht mehr abzuschaffen. Dies gilt selbst da, wo von einer Benachteiligung keine Rede mehr sein kann. Die eingeführten Quoten wurden jedoch immer wieder von verschiedenen Parteien genutzt, um Wähler zu mobilisieren oder ihre Klientel zu bedienen (Parikh 1997:167). Die Quotenregelungen waren identitätsstiftend für die Scheduled Castes und später für die unteren und mittleren Kastengruppen. Erst die neuen Möglichkeiten wie Arbeit oder Bildung, gewonnen durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe (Kastengruppe / Unberührbarkeit / Stammeszugehörigkeit), vermittelte die neue Identität. Erst sie schuf ein Bewußtsein, das über den dörflichen Rahmen hinaus reicht.

Die Notwendigkeit, in einem formal demokratischen System Wähler zu mobilisieren, zwang die politischen Parteien, ob nun säkular oder nicht, vorhandene Strukturen innerhalb der Gemeinschaften zu nutzen. Die Fragmentierung innerhalb der indischen Bevölkerung in Tausende von Kasten auf Dorfebene bedingte die Notwendigkeit, sich an Kastengruppen zu wenden. Erst diese Mobilisierung durch politische Parteien und die Unterstützung durch das Quotensystem schufen allmählich das Bewußtsein, einer größeren Gruppe anzugehören (Malik/Singh 1994:6). Dies neue Bewußtsein wurde nach und nach in politische Forderungen umgesetzt.

Das Quotensystem, zunächst nur für die Scheduled Castes, später auch für andere Gruppen, bildete eine wichtige Voraussetzung für den Politisierungsprozeß der indischen Bevölkerung. Nach der Unabhängigkeit gab es nur auf nationaler Ebene reservierte Sitze für Scheduled Castes und Scheduled Tribes. Auf Landesebene fanden sich entsprechende Regelungen nur im Süden. Obschon auch hier für Kastenlose geschaffen, profitierten doch in erster Linie untere Kasten von diesen Regelungen, die in der Lage waren, sich politisch zu artikulieren. Die Quotenregelungen in der Madras Presidency, dem späteren Tamil Nadu, und in Mysore, dem späteren Karnataka, wurden schon in den zwanziger Jahren eingeführt und mit der staatlichen Unabhängigkeit Indiens beibehalten.

Solange die Congress Party die dominante Kraft war und sich auf breite Bevölkerungsteile stützte, konnte sie durch eine Debatte über Quoten für bestimmte Gruppen nur verlieren. Die Quotenfrage spielte daher in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit keine Rolle. Die in der Verfassung festgelegten Quoten für Unberührbare wurden nicht breit erörtert, da diese Bevölkerungsgruppe kein politisches Bewußtsein und dementsprechend kein Artikulationspotenzial besaß. Dies änderte sich jedoch im Laufe der Jahre. Noch 1965 konnte Rothermund zu Recht schreiben, daß alle politischen Parteien auf die gleiche Wählerbasis angewiesen waren – den mittleren Bauernstand (Rothermund 1965:227f.). Dieser war in der Lage, die Wahlentscheidung auch der landlosen Tagelöhner zu beeinflussen.

Erst das wachsende Bewußtsein der Unberührbaren änderte diese Situation ab Mitte der sechziger Jahre. Die Kastengruppen wurden politische Strukturelemente und traten als Machtgruppen gegeneinander an – und somit aus der 200 Jahre vorher geschaffenen hierarchischen Überordnung aus.

Dies läßt sich anhand der Veränderung der politischen Landschaft Indiens nachweisen. Die Congress Party verlor ihre Dominanz in dem Maße, wie breitere Bevölkerungsschichten ein politisches Bewußtsein entwickelten. Als direkte Folge schufen sie sich entsprechende Vertretungen auf politischer Ebene. Die entscheidenden Veränderungen im Sozialen Habitus der Bevölkerung Indiens wurden nicht durch eine Änderung der Rahmenbedingungen der ökonomischen Reproduktion breiter Bevölkerungskreise verursacht, sondern durch das demokratische System und die Notwendigkeit für Parteien, Unterstützung in Wahlen zu finden. Diese neue Bewußtseinslage führte zu politischen Forderungen nach Veränderung der Rahmenbedingungen der ökonomischen Reproduktion.

Nach: Rothermund 1965:224

Die Transformation und Modernisierung der indischen Gesellschaft ist von daher nur von Seiten der politischen Herrschaft zu analysieren. Modernisierung bedeutet zunächst nicht das Herausbilden einer Ich-Identität im Gegensatz zur Wir-Identität. Es bedeutet in erster Linie das Herausbilden einer übergreifenden Wir-Identität. Und diese Identität bricht sich Bahn in einer politischen Vertretung. Die mittleren Kasten sind vor allem Kleinbauern oder traditionelle Handwerker, in den Dienstleistungsberufen beschäftigt. Sie sind, mit Ausnahme von Uttar Pradesh, als letzte Bevölkerungsgruppe in die politische Entwicklung des Landes einbezogen worden.

In Uttar Pradesh waren sie durch die Briten als Zamindari eingesetzt worden und so schon zu kolonialen Zeiten nicht nur als Gruppe an sich, sondern auch als Gruppe für sich präsent.

4. Wahlen als Indikator für Modernisierung

Wie gesehen kann auch heute, mehr als 50 Jahre nach der Unabhängigkeit, nur bedingt von Indien als einer historischen Tatsache gesprochen werden. Eine Industrialisierung und somit eine Transformation der traditionellen Lebensverhältnisse hat nicht nur lediglich einen kleinen Teil der indischen Gesellschaft erfaßt, sondern ist darüber hinaus auch noch regional begrenzt. Für die Mehrheit der Inder stellt heute die ökonomische Reproduktion in kleinbäuerlichen traditionellen Dorfstrukturen die Realität dar. Selbst wenn die Monetarisierung als weitgehend abgeschlossen betrachtet wird und die Produktion für den Markt stattfindet, sind die Produktionsbedingungen unverändert. Mit ihnen blieb auch die soziale Realität, die Gefangenschaft und Geborgenheit der Wir-Gruppe erhalten. Diese kann und muß sich trotz aller externen Einflüsse reproduzieren, solange die Produktionsgrundlagen unangetastet bleiben. Selbst in industriellen Ballungszentren mit formal freier Lohnarbeit nisten sich überkommende Sozialstrukturen in den neuen Verhältnissen ein. Individualisierung taugt auch hier als Basis zur materiellen Reproduktion nur bedingt. Es ist nach wie vor entscheidend, sich der Beziehungen der eigenen sozialen Gruppe (Dorfgemeinschaft, Kaste, Sprachgruppe, etc.) zu bedienen und umgekehrt, diese zu bedienen.

Die politische Herrschaft hingegen hat sich über ganz Indien ausgebreitet. Es existiert eine unabhängige, rationale und funktionierende Judikative. Die lange Dauer von Verfahren (bis zu 20 Jahren) belegt lediglich ein Effizienzproblem. Die Unabhängigkeit der indischen Justiz ließe sich durch Urteile des Supreme Courts belegen, in denen selbst höchste Repräsentanten des Staates oder starke Wirtschaftsinteressen nicht als sakrosankt gelten. Als Beispiel sei auf die Verfahren gegen den von 1991 bis 1996 amtierenden Regierungschef P.V. Narasimha Rao verwiesen oder auf das totale Verbot des Holzeinschlags und Exports in 1997.

Die indische Bürokratie, auch weit von jedem Effizienzgedanken entfernt, ist trotz aller beklagenswerten Mängel eine moderne, unabhängige Verwaltung. Modern in dem Sinne, daß sie auf schriftlich fixierten Regeln beruht, die Hierarchie und Verantwortlichkeit benennen. Reguläre Beförderung und Versetzbarkeit sind weitere Merkmale.

Das politische System kann trotz aller Einschränkungen als ein westliches föderales und demokratisches System beschrieben werden. Eine Einschränkung im Hinblick auf das Attribut "föderal" besteht in der Möglichkeit der "Presidents Rule". Danach kann der Präsident auf Initiative des Prime Ministers das Parlament eines Bundeslandes suspendieren und direkt mit Notverordnungen regieren. Formelle Voraussetzung der Presidents Rule sind Unruhen oder die Unregierbarkeit eines Bundeslandes. Innerhalb von sechs Monaten müssen Neuwahlen anberaumt werden. Im letzten Jahr hat sich erstmals ein Präsident geweigert, den Wünschen des Prime Ministers entsprechend die Presidents Rule über ein Bundesland zu verhängen. Mißliebige politische Mehrheiten reichten nicht (mehr) aus, ein demokratisch legitimiertes Parlament aufzulösen, um unliebsame Mehrheiten oder Koalitionen zu kippen. Allein diese Tatsache zeigt einen gravierenden Wandel innerhalb des politischen Bewußtseins in Indien an. Der Föderalismus wurde durch diese Maßnahme gestärkt.

Das Attribut "demokratisch" gilt formal auf alle Fälle uneingeschränkt. Es herrscht gleiches, allgemeines Mehrheitswahlrecht, das von einer unabhängigen "Election Commission" überwacht wird. Eine bestimmte Anzahl von Sitzen sind für benachteiligte Gruppen reserviert. Entsprach dies zu Beginn der Unabhängigkeit einem Minderheitenschutz, der in etwa dem in Schleswig-Holstein praktiziertem entsprach, so werden heute einfach bestimmte Wahlkreise mit mehrheitlich "benachteiligter" Wahlbevölkerung als Sonderwahlkreise ausgewiesen. Die Möglichkeit, ohne Parlament mit Notverordnungen zu regieren, sehen neben Indien auch die meisten anderen demokratischen Staaten der Welt vor. Es wurde in Indien erst ein Mal (1975-1977) angewandt. Wahlfälschungen im großen Stil sind allein durch die Größe der Wählerschaft schwer zu verwirklichen. Das gleiche gilt für Bestechungen. Im Durchschnitt wählen ca. 1 Million Inder einen Sitz im Bundesparlament. Eine genügend große Anzahl von ihnen zu bestechen, um das Wahlergebnis zu beeinflussen, stellt schon ein technisches Problem dar. Die unabhängige Election Commission kann in Zweifelsfällen eine Wahlwiederholung anordnen und macht von diesem Recht auch Gebrauch. Seit einigen Jahren werden Wahlen nicht mehr an einem einzigen Tag abgehalten. Dies ermöglicht es Sicherheitskräften und Wahlbeobachtern, sich auf kleine Gebiete zu konzentrieren. So wurde z.B. im Bundesland Bihar, bekannt für Korruption, der Landesparlament während drei Wochen an fünf Tagen gewählt, um eine korrekte Wahl zu gewährleisten.

Für die Annahme einer gefestigten Demokratie sprechen auch wiederholte Regierungswechsel sowohl auf der Ebene einzelner Bundesstaaten als auch auf der Bundesebene. Politische Bewegungen versuchen, ihre Vorstellungen zu verwirklichen, indem sie durch Wahlen Macht erlangen. Lediglich kleinere Gruppen wie z.B. die Naxaliten beteiligten sich bisher nicht an den Wahlen.

Indien ist mit einem dichten Netzwerk von kritischen Medien überzogen. Dies gilt sowohl für die Medien Fernsehen (durch Satelliten-TV erheblich ausgedehnt) und Radio als auch für Print-Medien. Sie sind sowohl national als auch regional und lokal verortet. Speziell das Radio, neuerdings auch das Fernsehen, ermöglicht es der großen Anzahl von Analphabeten sich zu informieren. Dies hat seit der Unabhängigkeit zu einer Vertiefung und Transformation des politischen Bewußtseins der Inder geführt. Wie bereits erwähnt, haben sich die Kasten als konstitutives Element der Vergemeinschaftung der Menschen nicht aufgelöst. Sie bestimmen nach wie vor die soziale Realität der Menschen. Aber ihre Funktion als alleiniges Ordnungselement hat sich abgeschwächt. Sie sind nicht ersetzt worden, sondern wurden durch einen neuen Faktor ergänzt. Es handelt sich dabei um Kastenobergruppen, die die soziale Realität der Menschen in einer neuen Weise strukturieren. Dies soll im folgenden nachgewiesen werden.

4.1. Das Wahlsystem

In Indien herrscht, wie in Großbritannien, das einfache Mehrheitswahlrecht. Seit der Unabhängigkeit fanden zwölf Wahlen zum Bundesparlament und über 300 Wahlen in den Bundesländern statt. In ganz Indien gibt es über 4000 Wahlkreise. Bei Bundeswahlen werden im Durchschnitt sieben Landeswahlkreise zu einen Wahlkreis zusammengefaßt. Die Anzahl variiert allerdings von Bundesland zu Bundesland. Die indische Verfassung enthält Regularien (Art. 81 und 170), die verhindern sollen, daß die jeweils regierende Partei die Wahlkreise neu zuschneidet, um bei der nächsten Wahl einen Vorteil zu erhalten. Dies als "Gerrymandering" bekannte Verfahren wurde in Indien daher nur sehr selten angewendet (Ali 1996:82f.).

Der Austritt von Abgeordneten aus ihrer Fraktion und der Wechsel zu Oppositionsparteien sowie die Bestechung bei wichtigen Abstimmungen waren in Indien nicht gerade selten. Für jede Regierung, ob nun auf Bundes- oder Landesebene, war dieser Unsicherheitsfaktor ein großes Ärgernis, dem nur mit einer Vielzahl von Konzessionen für einzelne Abgeordnete begegnet werden konnte. Aus diesem Grunde wurde 1985 unter Rajiv Gandhi mit Zustimmung der Opposition die Verfassung dahingehend geändert (52. Verfassungszusatz), daß Abgeordnete ihr Mandat verlieren, sollten sie aus der Fraktion austreten oder gegen Anweisung der Partei stimmen bzw. sich entgegen dieser Anweisung enthalten. Dies gilt nicht, sollte mindestens ein Drittel der Abgeordneten einer Fraktion sich abspalten oder sich einer anderen Fraktion anschließen (Oesterheld 1989:126).

4.2. Die Wahlen zum Bundesparlament

Gemäß indischem Wahlgesetz muß der Zuschnitt der Wahlkreise nach jeder Volkszählung neu untersucht werden. Dies soll dazu dienen, Verschiebungen in der Wählerschaft durch unterschiedliches Bevölkerungswachstum und durch Wanderbewegungen zu reflektieren. Das indische Bundesparlament besteht heute aus 543 Abgeordneten. Die Anzahl stieg von 489 im Jahre 1952.

1952 wurde in 401 Wahlkreisen gewählt. 90 Wahlkreise stellten zwei Abgeordnete, da aus ihnen zusätzlich zu dem normalen Sitz reservierte Sitze für "Scheduled Castes" oder "Scheduled Tribes" kamen. Ein Wahlkreis stellte auf diese Weise sogar drei Abgeordnete. Die Anzahl der Abgeordneten betrug demnach 1952 489. Der Wahlkreis mit drei Abgeordneten wurde nach 1952 aufgeteilt, die Anzahl der Wahlkreise mit zwei Abgeordneten auf 91 erhöht. Die Gesamtzahl der Abgeordneten lag somit 1957 bei 494. 1962 wurden die 91 Doppelwahlkreise geteilt. Die Gesamtzahl der Abgeordneten im Parlament blieb gleich. Bedingt durch Bevölkerungswachstum wurden die Wahlkreise 1967 neu zugeschnitten und die Anzahl der Sitze auf 520 erhöht. Vier Jahre später wurde Himachal Pradesh ein Bundesstaat und verlor dadurch 2 von bisherigen sechs Sitzen. Die Gesamtzahl sank auf 518 Abgeordnete. Die Teilung des Punjab in Punjab und Haryana sowie eine erneute Überprüfung des Bevölkerungswachstums führte zu 542 Sitzen im Jahr 1977. Seither sind keine neuen Wahlkreiszuschnitte gemacht worden, um den Politikern nicht einen falschen Anreiz zu geben, Bevölkerungswachstum zu fördern. Die Wahlkreisgrenzen wurden bis zum Jahr 2001 festgeschrieben. Lediglich eine Erhöhung der Abgeordnetenzahl um einen Sitz fand 1989 statt, als Goa als eigenes Bundesland anerkannt wurde. Zu den 543 gewählten Abgeordneten kommen noch zwei, die der Präsident bei Bedarf ernennt. Sie sollen eine Vertretung für Anglo-Inder darstellen.

Der Neuzuschnitt der Wahlkreise in den Jahren vor 1977 macht es nahezu unmöglich, Wahlanalysen auf Wahlkreisebene vorzunehmen. Wahlanalysen auf der Ebene der Bundesländer sind ebenfalls nur bedingt möglich, da Aufteilungen und Neugründung die Betrachtungsgebiete wesentlich verändert haben.

4.3. Wahlberechtigte

Die Zahl der Wahlberechtigten bei Bundeswahlen ist, wie der Anstieg der Bevölkerung, am steigen. Das Wahlalter wurde 1988 von 21 Jahren auf 18 Jahre gesenkt. Hierdurch stieg die Zahl der Wahlberechtigten um ca. 10% auf

Quelle: Election Commission of India

450 Millionen. Da durch das Bevölkerungswachstum die Wahlbevölkerung durchschnittlich nicht nur immer jünger, sondern im Schnitt jedes Jahr um 2% größer wird, waren 1998 schon 605 Millionen Menschen wahlberechtigt.

 

4.4. Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung bei Bundeswahlen in Indien lag stets zwischen 55% und 65%. Die Wahlbeteiligung in urbanen Wahlkreisen war stets rund 6% bis 8% höher als in ländlichen Regionen (Butler /Lahiri/Roy 1995:8). Die Wahlbeteiligung ist bei Männern höher als bei Frauen (Laux 1997:176). Der höchste Wert wurde 1984 nach der Ermordung Indira Gandhis erreicht. Die Wahlbeteiligung weist insgesamt keine steigende Tendenz auf, die als Beleg für eine fortschreitende Modernisierung herhalten könnte.

Quelle: Election Commission of India

Betrachtet man die Wahlbeteiligung auf der Ebene der Bundesstaaten nach 1977, so fällt zunächst auf, daß die Beteiligung in den südlichen Staaten stets über dem Durchschnitt lag. In diesen Staaten sind die Menschen dravidischer Abstammung in der Mehrheit. Dabei handelt es sich um Karnataka (lediglich 1991 unter dem Durchschnitt), Andhra Pradesh (seit 1984 über dem Durchschnitt), Kerala und Tamil Nadu (lediglich 1998 unter dem Durchschnitt). In Gujarat und Maharashtra, in denen die Industrialisierung am weitesten fortgeschritten ist und die zusammen mehr als ¼ der gesamten Industrieproduktion Indiens erbringen, lag die Wahlbeteiligung unterhalb des Durchschnitts. West Bengal, ein industrielles Zentrum des vorkolonialen Indiens, fällt mit einer stark überdurchschnittlichen Wahlbeteiligung seit 1980 ebenfalls aus dem Rahmen. Das gleiche gilt seit 1991 für die Nachbarprovinz Bihar. Das Hindi-Herzland in Uttar Pradesh und Madhya Pradesh lag in den letzten Jahren unter dem gesamtindischen Durchschnitt.

Bis auf Arunchal Pradesh weisen die kleineren nordöstlichen Bundesländer ebenfalls überdurchschnittliche Wahlbeteiligungen auf. Die Wahlbeteiligung in Manipur und Nagaland lag nur 1998 unterhalb des Durchschnitts.

Wahlbeteiligung in % der Wahlberechtigten bei Bundeswahlen

1977

1980

1984

1989

1991

1996

1998

Gesamt

60,5

57

64,1

62

56,7

57,9

62,0

Tripura

70,1

80

77,3

83,9

67,3

79,09

80,9

West Bengal

60,2

70,7

78,6

79,7

76,7

82,66

79,2

Meghalaya

49,9

51,2

54,5

51,9

53,6

61,62

74,4

Kerala

79,2

62,2

77,1

79,3

73,3

71,11

70,7

Mizoram

49,9

56,1

58,3

58,6

73,41

69,6

Haryana

73,3

64,8

66,8

64,4

65,8

70,48

69,0

Sikkim

44,7

57,6

72

71,6

77,43

67,2

Himachal Pradesh

59,2

58,7

61,5

63,9

57,4

57,58

66,4

Andhra Pradesh

62,5

56,9

69

70,4

61,4

63,02

66,0

Karnataka

63,2

57,7

65,7

67,5

54,8

60,22

64,9

Bihar

60,8

51,9

58,8

60,2

60,4

59,45

64,6

Madhya Pradesh

54,9

51,9

57,5

55,2

44,4

54,06

61,7

Goa

62,8

69,5

71,8

58,2

42,4

56,33

61,2

Assam

54,9

53,4

79,9

75,3

78,5

61,1

Punjab

70,1

62,7

67,6

62,7

62,25

60,7

Rajasthan

56,9

54,7

57

56,5

47,2

43,4

60,3

Gujarat

59,2

55,4

57,9

54,6

44

35,92

59,3

Arunchal Pradesh

56,3

68,6

75,5

59,2

51,3

55,04

59,2

Orissa

44,3

46,3

56,3

59,3

53,8

59,22

58,0

Tamil Nadu

67,1

66,8

73

66,9

63,9

66,93

58,0

Maharashtra

60,3

56,8

61,7

59,9

48,8

52,45

57,1

Manipur

60,1

81,7

85,7

71,8

69,7

75,04

56,8

Uttar Pradesh

56,4

50

55,8

51,3

49,2

46,5

55,5

Nagaland

52,8

63,9

66,5

74,7

77,1

88,32

45,4

Jammu & Kaschmir

57,9

58,7

66,4

31,6

48,96

44,2

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri / Roy 1995

Einen direkten Zusammenhang zwischen den Grundlagen der ökonomischen Reproduktion und der Wahlbeteiligung gibt es nicht. Dies gilt sowohl im Hinblick auf den Grad der Industrialisierung als auch im Hinblick auf das Pro-Kopf-Einkommen. Auch die Alphabetisierungsrate oder der Grad der Urbanisierung spielen keine große Rolle. Maharashtra liegt hier mit einen Pro-Kopf-Einkommen von fast 11 000 Rupien, einer Alphabetisierungsrate von 64,9% und einer Urbanisierungsrate von 38,7% an der Spitze der indischen Bundesstaaten und weist dennoch eine unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung auf. Eine 1989 von Rothermund aufgestellte Rangliste der indischen Bundesstaaten sowohl in ökonomischer Hinsicht als auch in sozialer Hinsicht (Rothermund 1989:31ff.) korreliert in keiner Weise mit der Wahlbeteiligung.

4.5. Anzahl der Kandidaten

Die Anzahl der Kandidaten ist seit den ersten Wahlen von 1952 stark angestiegen. Dies ist ein Hinweis auf eine weitere Ausdifferenzierung der politischen Sphäre. Im Jahr 1952 bewarben sich lediglich 1.874 Personen um die Parlamentssitze. Dies bedeutet ein Verhältnis von 3,8 Bewerbern pro Sitz. Nach einem Rückgang 1957 (insgesamt 1.518 Kandidaten) auf 3,1 Bewerber pro Sitz stieg die Anzahl 1962 auf 4 Bewerber pro Sitz (insgesamt 1985 Kandidaten ) und 1967 auf 4,6 Personen pro Sitz (insgesamt 2.369 Kandidaten). 1971 betrug die Anzahl der Bewerber 2.784 (5,4 Bewerber pro Sitz). 1977 hatte sich fast die gesamte Opposition zum Congress zusammengeschlossen und keine Bewerber gegeneinander aufgestellt. Die Anzahl der Bewerber pro Sitz sank auf 4,5 (insgesamt 2.439 Kandidaten). 1980 gab es 8,5 Bewerber pro Sitz (insgesamt 4.620 Kandidaten), 1984 10,3 Bewerber pro Sitz (insgesamt 5.574 Kandidaten), 1989 11,6 Bewerber pro Sitz (11,6 Bewerber pro insgesamt 6.160 Kandidaten ) und 1993 16,7 Bewerber pro Sitz (insgesamt 8.699 Kandidaten). Die Wahlen von 1996 brachen jeden Rekord: Es bewarben sich 13.952 Kandidaten. Dies waren 26,7 Bewerber pro Sitz. Daraufhin erhöhte die Wahlkommission die zu hinterlegende Sicherheitssumme, die verfällt, falls eine bestimmte Prozentzahl nicht erreicht wird, von Rs. 500 auf Rs. 10 000. Die Anzahl der Kandidaten sank daraufhin bei den letzten Wahlen auf 4.750 (8,7 Bewerber pro Sitz).

Der Anstieg der Bewerberzahlen ist um so erstaunlicher, als beim Mehrheitswahlrecht mit lediglich einer großen "Zentrumspartei" wie dem Congress die Chancen der Opposition mit ihrer Uneinigkeit sinken.

5. Die Parteienlandschaft

5.1. Bundes- und Landesparteien

Das indische Wahlsystem unterscheidet formal drei Arten von Parteien. Es gibt Bundesparteien (National Parties), Landesparteien (State Parties) und registrierte Parteien (registered unrecognised Parties). Die Kriterien für die Einordnung der Parteien sind im Laufe der Jahrzehnte geändert worden. Aktuell wird eine Partei als Bundespartei anerkannt, falls sie in mindestens vier Bundesländern als Landespartei anerkannt wurde. Hierzu muß sie mindestens fünf Jahre aktiv gewesen sein und mindestens 4% bei den Bundeswahlen in den jeweiligen Bundesländern oder 3,33% bei den Landeswahlen errungen haben. Ist sie weniger als fünf Jahre aktiv, liegt die Hürde bei 6%.

 

Landesparteien

Bundesparteien

1952

60

14

1957

12

4

1962

16

-

1967

21

-

1971

17

8

1977

15

5

1980

19

6

1984

19

7

1989

20

8

1991

25

9

1996

30

8

1998

30

7

Quelle: Election Commission of India

Die hohe Zahl von Parteien im Jahr 1952 erklärt sich dadurch, daß vorher kaum Wahlen stattgefunden hatten. Viele politische Gruppierungen traten mit einer eigenen Partei und großen Hoffnungen an. Seit der Bereinigung der Parteienlandschaft durch die ersten Wahlen 1952 ist die Anzahl der Landesparteien deutlich gestiegen. 1998 gab es insgesamt 654 politische Parteien, von denen sich 176 an den Bundeswahlen beteiligten.

5.1.1. Bundesparteien

Sieben der Parteien waren bei den Bundeswahlen im Frühjahr 1998 Bundesparteien: Bahujan Samaj Party (BSP), Bharatiya Janata Party (BJP), Communist Party of India (CPI), Communist Party of India (Marxist) (CPI-M), Indian National Congress (INC), Janata Dal (JD) und Samata Party (SAP).

Von diesen sieben registrierten Bundesparteien sind lediglich der Indian National Congress und die BJP wirkliche nationale Parteien, also Parteien, die in ganz Indien vertreten sind. Die anderen fünf Parteien erfüllen zwar die formalen Kriterien der Anerkennung als Bundesparteien, bleiben jedoch entweder auf ihren regionalen Hochburgen begrenzt oder sind, wie im Fall der Janata Dal, ein eher lose zusammenhängendes Konglomerat von Regionalparteien (Paulose/Kaur 1996:131).

Die BSP ist eine Partei der Kastenlosen mit Schwerpunkt im Norden, vor allem Uttar Pradesh. Sie trat zwar bei den Wahlen 1998 in 17 Bundesstaaten an, hatte jedoch nur im Norden einigen Erfolg. Sie kann damit als Regionalpartei des Hindi-Gürtels gelten.

Die kommunistischen Parteien (CPI und CPI-M) versuchen ebenfalls in ganz Indien präsent zu sein, sind aber weitestgehend auf West Bengal und Kerala beschränkt.

Die Janata Dal stellt einen organisatorischen Zusammenschluß von mehreren Regionalparteien dar, denen außer dem Willen zur Macht eine eigentliche politische Klammer fehlt, um sich als gesamtindische Partei zu etablieren (Paulose/Kaur 1996:131).

Die SAP ist eine Abspaltung der Janata Dal. Sie trat in 14 Bundesstaaten an. Erfolge erzielte sie aber nur in Bihar und in zwei Bezirken von Uttar Pradesh.

5.1.2. Landesparteien

Von den bei den Bundeswahlen 1998 angetretenen Parteien waren 30 als Landesparteien anerkannt, d.h. sie waren entweder mindestens seit fünf Jahren aktiv und hatten in den jeweiligen Ländern mehr als 3,3% der Stimmen erreicht oder hatten im Falle kürzerer Existenz sechs Prozent der Stimmen bekommen.

Die bekannteren Landesparteien im Süden Indiens sind die All India Anna Dravida Munnetra Kazagham (AIADMK), die Dravidian Munnetra Kazagham (DMK) und der Tamil Manila Congress "Moopanar" (TMC-M) in Tamil Nadu. In Andhra Pradesh gibt es die Telugu Desam Party (TDP), in Kerala die Muslim League (MUL) und Revolutionary Socialist Party (RSP). In Karnataka gab es vor den letzten Landeswahlen nur die lokale Gliederung der Janata Dal. Eine Abspaltung namens Lok Shakti dürfte nach den nächsten Landeswahlen als Landespartei in Karnataka anerkannt werden.

Im Osten Indiens sind Landesparteien in erster Linie in den kleinen Ländern östlich von Bangladesch anerkannt. Es handelt sich in Assam um die Asom Gana Parishad (AGP) und das Autonomous State Demand Committee (ASDC), in Manipur die Manipur Peoples Party (MPP), in Meghalaya um die Hill State Democratic Party (HSDP) und die United Democratic Front (UDF). In Sikkim ist nur die Sikkim Democratic Front als Landespartei anerkannt, in Arunchal Pradesh nur der Arunchal Congress. In West Bengal gibt es zwei kommunistische Splittergruppen, die den Status als Landespartei genießen: der All India Forward Bloc (FB) und die Revolutionary Socialist Party (RSP). Auch hier dürfte durch eine Abspaltung demnächst eine neue Partei diesen Status erlangen. Es handelt sich um den Trinamool Congress. Die Jharkhand Mukti Morcha (JMM) hat ihre Schwerpunkte in Jharkhand, einem Stammesgebiet, das in den Bundesländern Bihar und Orissa liegt. In Orissa trat eine Abspaltung der Janata Dal mit Namen Biju Janata Dal an. Auch ihr dürfte nach der kommenden Landeswahl der Status Landespartei verliehen werden. Das gleiche gilt für die Rashtriya Janata Dal aus Bihar.

Im Norden Indiens sind die Samajwadi Party in Uttar Pradesh, die Shiromani Alkali Dal im Punjab, die Haryana Vikas Party in Haryana, die Jammu und Kashmir National Conference in Kashmir und der All India Indira Congress (Secular) in Rajasthan anerkannt. Die Haryana Lok Dal wird voraussichtlich nach den kommenden Landeswahlen in Haryana als Landespartei anerkannt werden.

Im Westen gibt es United Goans Democratic Party und die Maharashtrawadi Gomantak Party (MAG) in Goa, die Shiv Sena (SHS) und die Republican Party of India (RPI) in Maharashtra.

Die Janata Party (nicht zu verwechseln mit der Janata Dal) war bei den Wahlen 1977 und 1980 nationale Partei, bevor sie an Bedeutung verlor.. Sie besitzt keinen regionalen Schwerpunkt. Sie bildete das organisatorische Zentrum der gesammelten Opposition bei den Bundeswahlen 1977. Nach und nach verließen viele Politiker die Partei, um ihre ursprünglichen Parteien neu zu gründen oder wieder zu beleben. Die letzte große bedeutende Gruppe verließ die Janata Party 1988, um der Janata Dal beizutreten. Seitdem erzielte die Janata Party nur noch bei einer Landeswahl in Haryana 1993 relevante Stimmenanteile. Es ist davon auszugehen, daß ihr der Status der Landespartei demnächst aberkannt werden wird, sollte sie nicht in mindestens einem Bundesland Erfolg haben. Bei den Bundeswahlen errang sie einen Sitz in Tamil Nadu.

Auch in den Ländern Karnataka, Madhya Pradesh, Gujarat, Himachal Pradesh, Tripura und Nagaland traten bei den Bundeswahlen 1998 als Landesparteien anerkannte Parteien an. Es handelte sich aber um Parteien, die in diesen Bundesländern keine Hochburgen haben, sondern auf diese Art und Weise versuchen, ihre gesamtindischen Ambitionen zu verwirklichen. Sie konnten jedoch außerhalb ihrer originären Länder keine oder nur geringe Erfolge erzielen.

Liste der anerkannten Landesparteien und Ergebnisse bei Bundeswahlen 1988

Wahlergebnisse der Landesparteien bei Bundeswahlen 1998

Partei

Hauptland

Sitze

% in Hauptland

Süden

NTR Telugu Desam Party (Lakshmi Parvathi)

Andhra Pradesh

1,2

Telugu Dessam Party

Andhra Pradesh

12

31,97

Kerala Congress

Kerala

2,2

Kerala Congress (M)

Kerala

1

2,4

Muslim League Kerala State Committee

Kerala

2

5,01

Revolutionary Socialist Party

Kerala

1

2,67

All India Anna Dravidian Munnetra Kazhagam

Tamil Nadu

18

25,89

Dravida Munnetra Kazhagam

Tamil Nadu

5

20,08

Pattali Makkal Katchi

Tamil Nadu

4

6,05

Tamil Maanila Congress (Moopanar)

Tamil Nadu

3

20,19

 

Osten

Arunchal Congress

Arunchal Pradesh

2

52,47

Asom Gana Parishad

Assam

12,72

Autonomous State Demand Committee

Assam

1

2,2

Manipur Peoples Party

Manipur

15,44

Hill State Peoples Democratic Party

Meghalaya

7,41

United Democratic Party

Meghalaya

25,49

Mizo National Front

Mizoram

26,85

Sikkim Democratic Front

Sikkim

1

65,72

All India Forward Bloc

West Bengal

2

3,3

Revolutionary Socialist Party

West Bengal

4

4,48

Jharkhand Mukti Morcha

Bihar + Orissa

2,45

Norden

Shiromani Akali Dal

Punjab

8

32,93

Haryana Vikas Party

Haryana

1

11,6

Jammu & Kashmir National Conference

Kashmir

3

36,35

Samajwadi Party

Uttar Pradesh

20

28,7

All India Indira Congress (Secular)

Rajasthan

1

1,92

Westen

Republican Party of India

Maharashtra

4

4,14

Shiv Sena

Maharashtra

6

19,66

Maharashtrawadi Gomantak

Goa

13,17

United Goans Democratic Party

Goa

24,88

 

Janata Party

Gesamt Indien

0,12

Quelle: Election Commission of India

5.1.3. Andere Parteien

Die restlichen Parteien lassen sich in drei Gruppen teilen: Zum einen solche, die als Neugründungen mangels Wahlbeteiligung noch keine Anerkennung als Landespartei erlangen konnten, aber erfolgreich an den Bundeswahlen teilnahmen. Zum zweiten Lokalparteien mit begrenzter Mobilisierungsmacht und zum dritten Splitterparteien.

5.1.3.1. Neugründungen und Abspaltungen

Bei der ersten Gruppe handelt es sich um Abspaltungen von größeren Parteien. Hierzu gehören die Rashtriya Janata Dal in Bihar, die Biju Janata Dal in Orissa, die Haryana Lok Dal in Haryana und die Lok Shakti in Karnataka. Diese Parteien spalteten sich von der Janata Dal ab. Der Trinamool Congress in West Bengal ist eine Abspaltung von der Congress Party. Die Manipur State Congress Party, ebenfalls eine Abspaltung von der Congress Party, erreichte in ihrem Bundesland immerhin über 25% der Stimmen.

Weitere Abspaltungen vom Congress erfolgten zwar, konnten jedoch keine Erfolge verbuchen. Sie werden deshalb als Splitterparteien behandelt.

Wahlergebnisse von neu gegründeten Parteien 1998

Partei

Hauptland

Sitze

% in Hauptland

Rashtriya Janata Dal

Bihar

17

26,58

Biju Janata Dal

Orissa

9

27,5

Trinamool Congress

West Bengal

7

24,43

Haryana Lok Dal

Haryana

4

25,9

Lok Shakti

Karnataka

3

11,5

Manipur State Congress Party

Manipur

1

25,39

Quelle: Election Commission of India

5.1.3.2. Lokal begrenzte Parteien

Die zweite große Gruppe bilden lokale Parteien, die zwar Sitze im Bundesparlament gewinnen, deren Basis aber über einige Wahlbezirke nicht hinaus geht.

Die Marummalarchi Dravida Munnetra Kazhagam aus Tamil Nadu erzielte bereits bei den Bundeswahlen 1996 mit 1,2 Millionen Stimmen 4,5% in Tamil Nadu, auch wenn sie keinen Sitz errang. Bei den Wahlen 1998 erzielte sie 6,26% der Stimmen in Tamil Nadu und errang vier Sitze.

Die All India Majlis-E_Ittehadul Muslimeen (AIAIM) sind auf einen Wahlbezirk in Uttar Pradesh beschränkt, auch wenn der Name anderes suggerieren soll.

Bei der All India Rashtriya Janata Party hat der Namenszusatz "All India" in etwa die gleiche Bedeutung. Sie trat zwar 1998 mit 38 Kandidaten in sieben Bundesländern an, erlangte jedoch nur in Bihar einen Sitz.

Die Peasants and Workers Party of India ist eine kommunistische Splittergruppe, die mit schöner Beständigkeit einen Sitz in Maharashtra gewinnt.

Die Samajwadi Janata Party (Rashtriya) trat mit 20 Kandidaten in 11 Bundesländern an, konnte jedoch nur in einem Wahlkreis in Uttar Pradesh einen Sitz erringen.

Die United Minorities Front in Assam ist auf drei Bezirke beschränkt. Hier erzielt sie seit 1989 mehr oder weniger große Erfolge.

Die lokalen Parteien sind zwar unter Umständen in der Lage, bei bestimmten Parteikonstellationen in Parlamenten die Rolle des Königsmachers zu übernehmen oder die Mehrheit einer Koalition zu vergrößern. So ist zum Beispiel die MDMK momentan Regierungspartei. Darüber hinaus sind diese Parteien von geringer Bedeutung. Sie hatten bei den letzten Bundeswahlen einen Anteil von 1,6% aller abgegeben Stimmen.

 

 

 

 

Lokalparteien und ihr Abschneiden bei den Bundeswahlen 1998

Partei

Hauptland

Sitze

% in Hauptland

Marummalarchi Dravida Munnetra Kazhagam

Tamil Nadu

3

6,26

All India Majlis-E_Ittehadul Muslimeen

Andhra Pradesh

1

1,52

All India Rashtriya Janata Party

Bihar

1

0,95

Peasants and Workers Party of India

Maharashtra

1

0,86

Samajwadi Janata Party (Rashtriya)

Uttar Pradesh

1

0,47

United Minorities Front, Assam

Assam

1

4,27

Quelle: Election Commission of India

5.1.3.3. Splitterparteien

Die verbleibenden 128 Parteien hatten bei den letzten Bundeswahlen zusammen einen Stimmenanteil von unter 2% aller abgegebenen Stimmen. Darunter finden sich Parteien wie die Indian Republican Front (IRF). Sie trat lediglich mit einem Kandidaten an. Dieser erhielt ganze 118 Stimmen. Obschon andere Splitterparteien bessere Ergebnisse erzielten, ist keine von ihnen von Bedeutung. Sie werden deshalb im folgenden genau wie die lokalen Parteien nicht weiter behandelt.

6. Parteien im Einzelnen

Im folgenden werde ich die relevanten indischen Parteien im einzelnen darstellen. Dies geschieht anhand ihrer Geschichte und ihres Abschneidens bei den Bundes- und Landeswahlen, an denen sie teilgenommen haben.

Wie bereits erwähnt, verdienen die Congress Party und die Bharatiya Jana Party (BJP) aufgrund ihrer Stellung besondere Beachtung. Die Janata Dal (JD) war in der Vergangenheit zeitweise in der Rolle, eine dritte politische Kraft zu sein. Aus diesem Grunde wird sie ähnlich ausführlich wie die beiden Bundesparteien dargestellt.

Von der Unabhängigkeit bis mindestens Mitte der achtziger Jahre konnte man in Indien fast von einem Einparteiensystem sprechen. Der durch den Unabhängigkeitskampf bekannte Indian National Congress (INC) dominierte die politische Landschaft. Er stellte nicht nur, von kurzen Ausnahmen abgesehen, die Bundesregierungen, sondern fast immer auch die Regierungen der jeweiligen Länder. Die Congress Partei war bis 1996 nur in den kurzen Zeiten der sechsten (28 Monate) und der neunten Wahlperiode (14 Monate) in der Opposition.

Dies änderte sich auf Länderebene erst ab Anfang der siebziger Jahre. Zunehmend waren Oppositionsparteien in der Lage, die Regierungen zu stellen. Auch auf der Bundesebene ist der Indian National Congress nicht länger die "dominant party" (Bernstorff 1989:46). Die Einigung der Opposition unter dem Namen Janata Party 1977 kann als Kristallisationspunkt gesehen werden. Die Congress Party war erstmals in der Opposition, die Hindu-Nationalisten wurden politisch aufgewertet und die Regionalparteien waren in einem Bündnis mit den Linken zusammengeschlossen. Nach den Wahlen 1989 kam erneut ein Bündnis der linken Parteien mit einer Anzahl von Regionalparteien zustande. Diese konnte bis 1991 eine Minderheitsregierung stellen.

Quelle: Election Commission of India

Nach den Wahlen im Frühjahr 1998 stellt sich die indische Parteienlandschaft als dreigeteilt dar. Neben die traditionelle Regierungspartei Indian National Congress hat sich auf der rechten Seite des politischen Spektrums die hinduistische Partei BJP etabliert. Sie stellte bis April 1999 zusammen mit einigen kleineren Parteien die Regierung.

Die Janata Dal war zeitweilig die zweitgrößte Partei im Land und schien eine gesamtindische Alternative zur Congress Partei zu sein. Sie war von 1996 bis 1998 die drittgrößte Partei im Bundesparlament und Hauptkraft der regierenden Parteienkoalition. Abhängig von der Duldung durch den Congress, mußte sie während der Regierungszeit einmal den Premierminister auswechseln. Während dieser Zeit zerfiel sie in ihre Bestandteile und machte klar, daß sie eher ein loser Zusammenschluß von Regional- und Partikularparteien war als eine dritte politische Kraft.

Dem Congress und der BJP als großen gesamtindischen politischen Parteien stehen also lediglich eine enorme Anzahl von Regional- und Partikularparteien gegenüber. Die Macht dieser Parteien beruht darauf, daß die meisten von ihnen prinzipiell mit jeder der beiden großen Parteien Koalitionen eingehen können. Damit sind sie in der Lage, weit über ihren prozentualen Anteil am Wahlergebnis hinaus Macht zu erlangen.

6.1. Die Congress Party

Die Congress Party errang niemals 50% der Stimmen, konnte aber aufgrund des Mehrheitswahlrechts, von kurzen Ausnahmen abgesehen, bis Anfang der neunziger Jahre eine Mehrheit der Sitze erringen.

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri / Roy 1995

In den ersten drei Wahlen errang der Congress unter dem charismatischen Parteiführer Nehru eine 2/3-Mehrheit und konnte somit die Verfassung beliebig ändern. In den Jahren 1967 und 1971 verfehlte die Partei unter der Tochter von Nehru, Indira Gandhi, diese Marke. Indira Gandhi regierte das Land von 1975 bis 1977 mittels Notverordnungen und verlängerte so ihre Amtszeit. Bei den Wahlen 1977 einigte sich die Opposition kurzfristig (alle Oppositionspolitiker saßen bis 2 Wochen vor der Wahl im Gefängnis) und stellte gegen jeden Congress Kandidaten nur einen Gegenkandidaten auf (Rothermund 1993:36f). Der Congress verfehlte die Mehrheit der Sitze. 1980 errang der Congress erneut die Mehrheit und verfehlte die 2/3-Mehrheit um nur 9 Sitze. In den darauffolgenden Wahlen nach der Ermordung Indira Gandhis gewann der Congress unter ihrem Sohn Rajiv Gandhi erneut die 2/3-Mehrheit. Mit der Machtübernahme von Rajiv Gandhi wurde der Niedergang der Congress Party auch bei Wahlen offensichtlich. 1989 verfehlte der Congress die Mehrheit deutlich. Dies galt auch für 1991. Er konnte allerdings eine Minderheitsregierung bilden. In den letzten beiden Wahlen stürzte der Congress unter die 30% Marke.

Rothermund bezeichnet den Indian National Congress als "Omnibus"-Partei (Rothermund 1993:34). Am linken oder rechten Rand der Partei steigen immer wieder Politiker ein oder aus. Die Congress Party war durch den Unabhängigkeitskampf gegen die Briten als bestimmende politische Kraft des Landes anerkannt. Sie besaß eine breite soziale Basis, die vom Mittelstand bis zu den Unberührbaren und Minderheiten wie den Muslimen reichte (Bernstorff 1989:47). Diese breite soziale Basis spiegelte sich innerhalb der Congress Party durch Fraktionen und Flügel wieder. Diese Flügel und Fraktionen basieren auf Kasten-, Stammes- oder persönlicher Loyalität. Es entwickelte sich ein "kleines Parteiensystem" innerhalb der Congress Party (Malhotra 1990:251f.). Darüber hinaus war die Congress Party lange die einzige Partei, die nahezu Landesweit vertreten war. Erst die derzeitige Regierungspartei BJP kann einen ähnlichen Anspruch erheben. Mittlere Kader ermöglichen es dem Congress, die Sprachhürde zwischen den Bundesstaaten zu überwinden (Bernstorff 1989:47).

Die umsichtige Leitung der Congress Party verstand es, je nach Bedarf linken oder rechten oppositionellen Kräften den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wurde bis 1957 ein eher linker politischer Kurs gefahren um die Kommunisten und Sozialisten zu marginalisieren (Alexander 1995:50), so erfolgte nach 1957 ein Rechtsruck. Das Erstarken der Swatantra-Party am rechten Rand des Parteienspektrums machte dies erforderlich. Die Swatantra-Party wurde 1959 in Madras von ehemaligen Congresspolitikern gegründet, um konservativen Kräften eine neue Heimat zu bieten. Sie sahen die gemischte Wirtschaft (mixed economy) durch den Congress als Anzeichen für wachsenden Kommunismus in Indien (Malhotra 1990:267f). Die Partei ging nach mäßigen Wahlerfolgen 1971 in die BLD auf. Auch die Neueinteilung der Bundesländer nach Sprachgrenzen hatte unter anderem den Hintergrund, kommunistischen Agitatoren den Wind aus den Segeln zu nehmen (Rothermund 1965:225).

Nach dem Tode Nehrus und seines direkten Nachfolgers als Führer der Congress Party, Lal Bahadur Shastri, vor den folgenden Wahlen ernannte der Congress die Tochter Nehru´s, Indira Gandhi, zur Premierministerin. Sie wurde als schwache Kompromißkandidatin gewählt, die den unschlagbaren Vorteil der Bekanntheit im ganzen Land besaß. Die Wahlen zum Bundesparlament 1967 wurden vom Congress knapp gewonnen. In mehreren Bundesländern im Norden verlor die Partei jedoch die Mehrheit bei den gleichzeitig stattfindenden Landeswahlen. Indira Gandhi nutzte in der Folgezeit das Mittel des Presidents Rule um mißliebige Landesregierungen abzulösen und Neuwahlen abzuhalten. Diese fielen allerdings nicht zu ihrer Zufriedenheit aus. Daraufhin löste sie das Bundesparlament vorzeitig auf, um die damit fälligen Neuwahlen zum Plebiszit über ihre Person zu machen. Hierdurch entkoppelte sie die Termine der Landeswahlen und der Wahl des Bundesparlaments, die bis dato immer am gleichen Tag stattgefunden hatten. Durch diese Entkoppelung ("delinking") war es Regionalparteien seitdem möglich, ohne den störenden Faktor von gesamtindischen Wahlen einen komplett regionalisierten Wahlkampf zu führen. Im politischen Bewußtsein breiter Bevölkerungskreise waren die verschiedenen politischen Ebenen nun deutlich getrennt (Bernstorff 1989:49).

Unter Indira Gandhi kam es wieder zu einem deutlichen Linksrutsch der Congress Party. Am rechten Flügel spaltete sich unter Führung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Moraji Desai der "Indian National Congress (Organisation)" ab. Die Partei ging 1977 in die Janata Party ein. Der rechte Flügel der Congress Party war vor allem von höherkastigen Hindus unterstützt worden. Desai hoffte, daß diese Unterstützung auch die Stimmen der abhängigen Kasten einschließen würde (Parikh 1997:191).

Unter der Leitung von Indira Gandhi verlor der Congress seine Funktion als Sammelpartei. Nach dem Austritt des rechten Flügels konnte Indira Gandhi sich voll auf die Bedürfnisse der unteren Kasten konzentrieren, um sie als Wähler zu gewinnen (Parikh ebenda). Sie setzte den innerparteilichen Meinungsbildungs- und Wahlprozeß außer Kraft (Betz 1997d:36) und bestimmte über Chefminister (Ministerpräsidenten) und Kabinettsmitglieder nicht nur in der Bundesregierung, sondern auch in den vom Congress gestellten Landesregierungen. Distriktvorsitzende der Congress Party und Wahlkreiskandidaten wurden von ihr ausgewählt (Bernstorff 1989:50). Damit untergrub sie das "kleine Parteisystem" innerhalb der Congress Party. Die mangelnde Integrationsfähigkeit konnte, trotz schwerer Wirtschaftskrise, zunächst durch ihre charismatische Persönlichkeit ersetzt werden.

1975 rief sie den Notstand aus und regierte bis zu den Wahlen 1977 mit diktatorischen Vollmachten. Die Zeit des Notstandes hatte die Opposition im Widerstand gegen Indira Gandhi geeint, nicht im politischen Programm. Das breite politische Bündnis, daß 1977 durch Wahlabsprachen die Wahlen gewann und bis 1980 die Regierung stellte, hatte keine gemeinsame politische Basis (Bhambhri 1996:35). Indira Gandhi gewann nach einer weiteren Spaltung der Congress Party überraschend die Wahlen von 1980. Die Opposition war wieder zerfallen (Rothermund 1993:37).

Während ihrer zweiten Amtszeit versuchte Indira Gandhi, bis in die Oppositionsparteien hinein zu wirken und diese zu spalten. So versuchte sie z.B. durch Unterstützung des radikalen Sikh-Führers Bhindranwale die Sikh-Gemeinschaft im Punjab zu spalten. Dies führte letztendlich zu ihrer Ermordung im Oktober 1984.

Ihr Sohn Rajiv, vom Staatspräsidenten unter Mißachtung aller parlamentarischer Regeln zum Nachfolger ernannt, gewann durch den Mitleidsbonus die Wahlen 1984 (Malik/Singh 1994:69). Unter seiner Führung wurden von der scheinbar revitalisierten Congress Party die ersten zaghaften Wirtschaftsreformen verabschiedet. Da er jedoch nicht das Charisma seiner Mutter besaß und die Verankerung der Partei in der Bevölkerung durch den diktatorischen Regierungsstil Indira Gandhis gelitten hatte, verlor der Congress 1989 die Wahlen. Das saubere Image Rajiv Gandhis wurde während seiner Regierungszeit durch Korruptionsskandale in Mitleidenschaft gezogen (Malik/Singh 1994:78). Zwar nach wie vor stärkste Partei, mußte die Congress Party eine Minderheitsregierung unter Vishwanath Pratap Singh dulden.

V.P. Singh versuchte die Basis seiner Partei (Janata Dal) zu stärken, indem er die Quoten für den Staatsdienst für "other backward castes" erhöhen wollte (Parikh 1997:187). "Other backward castes" sind Kasten oberhalb der Unberührbaren, aber unterhalb der hochkastigen Hindus. Die hindu-nationalistische Partei BJP intensivierte daraufhin ihre Kampagne zur Errichtung eines Tempels in Ayodhya zu Ehren des Gottes Ram an der Stelle, wo der erste Großmogul eine Moschee errichtet hatte. Sie wandte sich dabei übergreifend an alle Hindus. Ein Marsch zur Moschee wurde durch die Verhaftung des BJP-Führers Lal Advani gestoppt. Da die BJP daraufhin die Duldung der Minderheitsregierung von V.P. Singh beendete, mußte eine neue Regierung gebildet werden. Der neue Premierminister Chandrashekar wurde bis zum Frühjahr 1991 vom Congress gestützt.

Als es der Führung der Congress Party um Rajiv Gandhi günstig erschien, entzog die Partei der Regierung die Unterstützung, um Neuwahlen herbeizuführen. Im Wahlkampf wurde Rajiv Gandhi ermordet. Diesmal konnte auch ein Mitleidsbonus keine Mehrheit für die Congress Party bewirken. Die Partei gewann zwar mehr Sitze, verlor aber an Prozenten. Die Erosion der Basis der Congress Party war nicht zu übersehen. Durch den Zuwachs an Sitzen war die Congress Party in der Lage, eine Minderheitsregierung zu bilden und die unter Rajiv Gandhi begonnenen wirtschaftlichen Reformen zu forcieren. Die Reformen schwächten die Integrationskraft der Partei weiter, da die Beschäftigten im Staatssektor und der bisher protektionierten Industrie durch Konkurrenz sozialen Abstieg befürchten mußten. Politische Skandale und eine weitere Spaltung der Partei 1994 schadeten der Partei zusätzlich.

Die letzten beiden Wahlen machten deutlich, daß der Indian National Congress seine Funktion als Zentrumspartei oder Omnibuspartei verloren hat. Deutlich wird dies vor allem bei Betrachtung der Bundesländer. Im Westen und Norden ist die BJP der Hauptkonkurrent. Da die BJP tendenziell eher von den oberen Kasten gewählt wird, versucht die Congress Party, sich hier als Partei der Unterprivilegierten zu positionieren. Sind linke Parteien mit Unterstützung der Unterprivilegierten die Hauptgegner, ist die Congress Party Vertreterin der oberen Schichten.

Prozente der Congress Party in den jeweiligen Bevölkerungsgruppen

Bundeswahlen 1996

... vs BJP

... vs LF

... vs UF

... vs BJP,

Rajasthan,

West Bengal,

Assam,

UF & BSP

Maharashtra,

Kerala

Karnataka,

Uttar Pradesh,

Gujarat, MP

Andhra,

Tamil Nadu

Bihar

Obere Kasten

29

41

32

7

Mittlere Kasten

28

27

26

5

Untere Kasten

43

24

43

11

Stämme

47

39

32

23

Muslime

53

34

38

11

Quelle: India Today, 2.2.1998

Im Süden ist sie mit Regionalparteien konfrontiert. Hier versucht sich die Congress Party als Vertreterin der Mittelschichten. In Uttar Pradesh und Bihar hat sie jede klar umrissene soziale Basis verloren.

Betrachtet man die Ergebnisse des Indian National Congress während der Bundeswahlen in den wichtigsten Ländern, so fällt (gerechnet nach der Anzahl der zu vergebenden Sitze) auf, daß diese in zwei Gruppen zerfallen. Der Congress ist in den Bundesländern Uttar Pradesh (6%) und Bihar (7,3%) fast nicht mehr existent. Uttar Pradesh war stets eine Hochburg der Congress Party und stellte den Premierminister, da dieses Bundesland mit 82 Sitzen die größte Vertretung im Bundesparlament hat.

In Uttar Pradesh und Bihar setzte der Niedergang der Congress Party bereits ab 1989 ein, verschärfte sich aber deutlich mit den Wahlen 1996 und 1998. Diese Länder gehören, relativ gesehen, zu den Modernisierungsverlieren. Wie bereits oben erwähnt, zählen Uttar Pradesh und Bihar zu den wenig industrialisierten, dichtbevölkerten Bundesländern. In ihnen herrscht große ländliche Armut. Sie spielen als Standorte ausländischer Investitionen eigentlich keine Rolle. Die Bevölkerung dieser Länder erlebt somit eine relative soziale Deprivation, verglichen mit der Bevölkerung anderer Bundesländer. Durch verstärkten Zugang zu den sich ausdifferenzierenden Medien (Satelliten-TV) wird der Bewußtseinswandel verstärkt. Vor diesem Hintergrund fand eine Polarisierung der Bevölkerung statt. Auf der einen Seite stehen die höheren Kasten vertreten von der BJP, auf der anderen Seite die Parteien der landbesitzenden Bauern (SP) und der niederen Kasten und Kastenlosen (BSP). Eine Polarisierung der Bevölkerung muß eine Zentrumspartei wie den Congress zerreiben. In Bihar gelang es dem örtlichen Janata Dal Führer, die unteren Kasten und Kastenlosen für sich zu mobilisieren. Auch dies führte zu einer Polarisierung, deren Nutznießer die BJP war (Paulose/Kaur 1996:99).

In West Bengal ist der Congress auch stark geschwächt (1998: 15,2% gegenüber 40,1% in 1996). Ein Teil des Stimmenverlustes geht auf die Abspaltung des Trinamool Congresses zurück. Er errang 1998 mit knapp 9% der Stimmen sieben Sitze.

Mit 4,8% ist der Congress in Tamil Nadu faktisch nicht mehr vertreten. Tamil Nadu gehört zu den Gewinnern der Modernisierung seit 1991. Hier konzentriert sich ein Großteil der neu entstehenden indischen Automobilindustrie. Der Niedergang des Congresses setzte hier bereits relativ früh ein. Die Gründe für den Niedergang liegen in einem starken Regionalbewußtsein. So konnte der Congress nur bis 1967 den Prime Minister stellen, danach wechselten sich zwei Regionalparteien, die Dravida Mumnatra Kazagham (DMK) und die Anna Dravida Munnetra Kazagham (ADMK), ab. Konnte der Congress bei den Wahlen zu den Länderparlamenten schon seit den siebziger Jahren nur noch mit Not 20% erreichen, so ist der Rückgang bei Bundeswahlen erst in den letzten beiden Wahlen zu beobachten. In diesem Zeitraum konnten sich allerdings auch die Regionalparteien bundesweit profilieren. Darüber hinaus spaltete sich die regionale Congress-Führung unter Moopanar ab, um sich als eigenständige Partei (TMC-M) neu zu konstituieren. Entscheidend für den Congress in Tamil Nadu dürfte die Frage sein, ob er diese Dissidenten erneut einbinden kann.

In Karnataka erhielt die Congress Party zwar 36,2% der Stimmen, verlor aber in den letzten beiden Wahlen mehr als die Hälfte ihrer Sitze. Karnataka zählt ebenso wie Tamil Nadu zu den Modernisierungsgewinnern. Speziell in Bangalore ist eine große urbane Mittelschicht entstanden. Hier ist die indische Software Industrie konzentriert. Aber auch hier, wie in Tamil Nadu, entwickelten sich frühzeitig Regionalparteien. Die Janata Party konnte bereits Anfang der achtziger Jahre kurze Zeit die Regierung stellen. Nach kurzem Intermezzo der Congress Party stellt die Janata Dal seit 1994 die Regierung. Der erste Premierminister der United Front, die von 1996 bis 1998 in New Delhi regierte, kam aus dieser Partei. Die Janata Dal war 1996 die stärkste Partei in Karnataka und stellte 16 von 28 Abgeordneten des Bundesstaates. In der Rolle als stärkste Partei wurde sie 1998 von der BJP abgelöst. Diese zog mit 13 Abgeordneten aus Karnataka ins Bundesparlament ein.

Im Rest der Bundesländer sind zum Teil zwar ebenfalls Rückgänge zu beobachten, jedoch nicht in so starken Maße.

6.2. Die Bharatiya Janata Party

Die Vorläufer der heutigen Regierungspartei lassen sich bis zu den Anfängen dieses Jahrhundert verfolgen. Die hinduistischen Bewegungen haben im Laufe der Geschichte die verschiedensten Elemente in sich aufgenommen und dabei ihren Charakter mehrmals verändert. Der gemeinsame Nenner war ein vager Begriff von Hinduismus (Lütt 1985:220). Einige existierten nur kurz, andere über Jahrzehnte; auch gab es liberale und radikale Strömungen (Jones 1998b:242f).

1909 wurde im Punjab eine hinduistische Vereinigung namens Punjab Hindu Sabha gegründet. Punjab war neben Bengalen die einzige Provinz in Britisch-Indien, in denen die Hindus in der Minderheit waren (30%). Sie waren in der Mehrzahl Händler und Geldverleiher. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelangte immer mehr Land in ihre Hände. Die Briten begegneten dieser Entwicklung, die für sie in Aufständen enden konnte, durch den "Punjab Land Alienation Act" von 1900. Dieses Gesetz teilte die Bewohner des Punjab in landwirtschaftliche und nicht-landwirtschaftliche Gruppen auf. Nicht-landwirtschaftlichen Gruppen war es in der Folge verboten, Land zu erwerben (Rothermund 1965:14f). Die um Hilfe gebetene Congress Party lehnte es aufgrund seiner säkularen Position ab, zu diesem Problem, seiner Meinung nach kommunalistischer Natur, Stellung zu beziehen. Die Punjab Hindu Sabha bezog sich bei ihrer Gründung speziell auf den "Punjab Land Alienation Act". Eine in Lahore gehaltene Konferenz der Organisation verurteilte ihn nicht nur und warnte vor religiösen Wahlkörperschaften der Briten, sondern forderte auch, erfolglos, zur Gründung von Hindu-Vereinigungen in ganz Indien auf. 1915 kam eine gesamtindische Hindu Sabha zustande, da die Congress Party und die 1906 gegründete Muslim Liga sich angenähert hatten (Jones 1998b:245). Die Hindu Sabha trat erst in den zwanziger Jahren unter dem Namen Hindu Mahasabha (HMS) ins politische Rampenlicht (Lütt 1985:220, Rothermund 1965:121). Ihre erste Blütezeit erlebte die Bewegung 1923 - 1927, allerdings nicht im Punjab, sondern im heutigen Uttar Pradesh und Teilen Nordindiens. Hier gab es schon seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts Kuhschutzbewegungen, Bewegungen für die Anerkennung des Hindi und eine Kampagne zur Gründung einer Hindu-Universität. Auf den Sitzungen der HMS ging es nicht um politische Machterringung, sondern um eine Reformation des Hinduismus, Fragen der Unberührbarkeit, Hindu-Erziehung, Schutz und Verwaltung von Hindu-Tempeln etc. Die HMS wurde dadurch zu einer, bisher nicht vorhandenen, zentralen Instanz im Hinduismus. Erstmals gab es eine Plattform für alle Hindus, um Probleme der Religion zu besprechen. Hierzu gehörte vor allem das Problem der Unberührbaren. Wenn auch Reformen generell von allen befürwortet wurden (Stietencron 1995a:24), so gab es doch erhebliche Differenzen über Reichweite und Tempo. Die Reformwilligen siegten 1926 in einer entscheidenden Abstimmung über die Konservativen. Dabei ließen sich die zwei Fraktionen auch regional verorten: Die Konservativen, die zu einer Zusammenarbeit mit den Briten bereit waren, hatten ihre regionale Schwerpunkte im heutigen Uttar Pradesh und Bengalen. Für sie war Hinduismus der religiöse Status Quo. Die Radikalen in diesen Provinzen hatten sich eher dem Marxismus zugewandt. Sie, die gleichzeitig gegen Briten und Moslems kämpften, hatten ihre Hochburgen vor allem im Punjab und in Maharashtra (Rothermund 1965:163), obwohl hier lediglich kleine Moslem-Minderheiten lebten. Die Konservativen verließen daraufhin die HMS. Verschiebungen in der Führung der HMS führten zur Verlagerung des inhaltlichen Schwerpunktes der HMS. Sie positionierte sich gegen die Muslim Liga, während der Congress versuchte, eine Spaltung der Unabhängigkeitsbewegung entlang religiöser Grenzen, die nach Ansicht der Congress Party nur den Briten nutzen konnte, zu verhindern. Nachdem sich die HMS zur politischen Partei umgewandelt hatte, nahm sie 1937 an den Kommunalwahlen teil. Durch Wahlniederlagen wurde die HMS quasi bedeutungslos (Jones 1998b:266f). Ihre Bedeutung bestand vor allem darin, Hindus erstmals organisiert zu haben, wenn dies auch lediglich für die höheren Kasten gilt (Stietencron 1995a:27). Ein Teil der Mitglieder ging 1952 in der Bharatiya Jana Sangh auf.

Der direkte Vorläufer der Bharatiya Jana Sangh, die seit 1952 zu den Wahlen zum indischen Bundesparlament antrat, war der Verband der Nationalen Freiwilligen "Rashtriya Soem Sewak Sangh" (RSS), der 1925 von Keshav Baliram Hedgewar in Andhra Pradesh gegründet wurde (Malik/Singh 1994:158). Unter seiner Führung wuchs der RSS sehr schnell. Er bildete junge Männer paramilitärisch aus. Der RSS lehnte das säkulare Prinzip der Congress Party ab und strebte die Gründung eines Hindu-Staates an, in dem sich Anhänger anderer Religionen entweder zu assimilieren hatten oder auswandern sollten. Der RSS unterstützte die HMS bei Wahlen, da beiden die Haltung der Congress Party gegenüber den Moslems und Pakistan als zu liberal erschien. Der Mörder Gandhis kam aus den Reihen der RSS. Sie wurde daraufhin von 1948 bis 1951 verboten (Malik/Singh 1994:30).

Der RSS kann als "autoritär geleiteter, extrem hierarchisch strukturierter Kampfverband" (Schworck 1997:145) gekennzeichnet werden. Schon früh unterhielt er eigene Zeitungen, Forschungsinstitute, Krankenhäuser und war aktiv in der Sozialfürsorge. Die Ausrichtung des Verbandes hin zur breiten Öffentlichkeit hängt eng mit der Person des Hedgewar-Nachfolgers Gowalkar zusammen. Er war, wie sein Vorgänger, eine charismatische Führungspersönlichkeit, und versuchte, durch eine publizistische Offensive vor allem auch die niederen Kasten anzusprechen. Diese Ausrichtung wurde unter dem nächsten Führer des RSS, Balasaheb Deoras, weitergeführt. Über Kampagnen und Demonstrationen sollten neue Schichten angesprochen werden. Damit einhergehend wandelte sich die Mitgliederstruktur des RSS. Bis vor einigen Jahren kamen die Mitglieder hauptsächlich aus urbanen Mittelschichten mit brahmanischem Hintergrund. Durch sozialkaritative Aktivitäten (Primärschulen etc.) in den großstädtischen Problemzonen werden mittlerweile auch andere Schichten angesprochen (Schworck 1997:148). Der RSS besitzt mittlerweile ein differenziertes Netzwerk von Schwesterorganisationen (Gewerkschaften, Studentenbund etc.).

Im Anschluß an die Wiederzulassung beschloß die RSS-Führung 1951 die Gründung einer politischen Partei namens "Bharatiya Jana Sangh" (Allindischer Volksbund) (Kumar 1990:24), in der auch Moslems und Angehörige anderer Minoritäten Mitglied werden konnten. Die Aufnahme von Moslems und anderen Minoritäten war in erster Linie eine programmatische Maßnahme (Schworck 1997:159). In Dr. Shyama Prasad Mookherjee, bis 1948 Präsident der HMS, dann bis 1950 Congress Minister für Industrie, fanden die Gründungsmitglieder den geeigneten Vorsitzenden (Malik/Singh 1994:29f). Offizielles Hauptanliegen der Partei war die Etablierung des Hindi als alleiniger Landessprache und Sanskrit als Pflichtfach. Darüber hinaus wollte die Partei die territoriale Integrität Indiens bewahren, Kühe schützen und die Armee mit Nuklearwaffen ausrüsten. Mit diesem Programm blieben die politischen Erfolge der BJS allerdings beschränkt (Hasan 1997:164).

Mit der Übernahme der Parteiführung durch A.B. Vajpayee 1968 setzte sich ein moderaterer Kurs in der BJS durch (Schworck 1997:159f). Dies führte im Ergebnis zur Spaltung der Partei in Modernisten und Traditionalisten in den frühen achtziger Jahren (Malhotra 1990:355).

Hochburgen der Bharatiya Jana Sangh

bei Bundeswahlen bis 1971

(Ergebnisse mit über 10% Stimmenanteil nach Bundesländern)

1952

1957

1962

1967

1971

Bihar

11,1

12,1

Haryana

19,9

11,2

Himachal Pradesh

10,7

19,1

10,6

Jammu & Kashmir

20,3

12,2

Madhya Pradesh

14,0

17,9

29,6

33,6

Punjab

16,0

15,2

12,5

Rajasthan

11,1

10,3

12,4

Uttar Pradesh

14,8

17,6

22,2

12,3

Chandigarh

48,7

23,3

Delhi

25,9

19,7

32,7

46,7

29,6

Quelle: Butler/Lahiri/Roy 1995 / eigene Berechnungen

Wie die Tabelle zeigt, hatte die BJS lediglich in Nordindien, im Hindi-Gürtel, einigen Erfolg. Der gesamte Süden und Osten blieb der Partei weitestgehend verschlossen. Betrachtet man die Ergebnisse der Landeswahlen ergibt sich das gleiche Bild. Die Bharatiya Janata Singh kann damit als regionale Partei charakterisiert werden, die lediglich in den nördlichen Bundesländern, in denen Hindi die Hauptsprache ist und in denen in der Mehrzahl höherkastige Hindus leben, Erfolge erzielte. Selbst dort blieb sie eine Partei mittlerer Größe.

Das moderatere Image, gewonnen und geprägt durch den neuen Parteivorsitzenden Vajpayee seit 1968, ermöglichte es der Partei, 1977 Teil der Parteienkoalition Janata Dal zu werden. Vajpayee wurde Verteidigungsminister. Ein anderer Führer der Partei, Lal Krishan Advani, Vertreter der Radikalen innerhalb der Partei, wurde Minister für Information.

Nach dem Zerfall des Parteienbündnisses 1980 wurde die BJS unter dem Namen Bharatiya Jana Party (BJP) neu gegründet. Die Popularität und gewonnene säkulare Glaubwürdigkeit der beiden ehemaligen Bundesminister ermöglichten es der BJP, neue Wählerschichten zu erschließen. Sie verfolgte dabei bis 1986 mit einem durchaus offenen Programm das Ziel, sich als nationale Alternative zur Congress Party darzustellen. Damit sollte der Fehler der Vorläuferpartei BJS, die Ausrichtung auf eine zu kleine Wählerklientel, vermieden werden (Schworck 1997:164). Bei den Wahlen 1984 erhielt die Partei lediglich 7,4% der Stimmen und zwei Sitze. Die Programmänderung hatte sich nicht ausgezahlt.

Mit dem Wechsel der Parteiführung von Vajpayee zu Advani 1986 war auch ein Wechsel in der politischen Ausrichtung verbunden (Malik/Singh 1994:76). Die BJP griff latente religiöse Spannungen auf, spitze sie zu und kanalisierte sie in Richtung des Ayodhya-Themas. Dies sollte sich auch bei Wahlen auszahlen.

Nach 1989 war V. P. Singh Chef einer Minderheitsregierung und auf die Duldung anderer Parteien angewiesen. Unter diesen war die Hauptkraft die BJP, die mit 86 Abgeordneten nach der Congress Party und der JD die drittstärkste Partei im Bundesparlament war. V.P. Singh versuchte, sein Wählerklientel bei kommenden Wahlen zu stärken, indem er "other backward castes" (unterhalb der hohen Kasten aber oberhalb der Unberührbaren) einen höheren Anteil an reservierten Stellen im Regierungsdienst zusichern wollte (Parikh 1997:187). Daraufhin entbrannte eine große innenpolitische Kontroverse, bis hin zur Selbstverbrennung von Studenten höherer Kasten (Oberdiek 1991:127, Parikh 1997:188). Diese Kontroverse wurde von der BJP geschickt genutzt, um die entfachten Emotionen auf das Thema Ramjanmabhumi (Geburtsstätte des legendären Königs Rama, an der bis 1992 eine Moschee stand) zu lenken. Indem die Partei sich nicht an der Kontroverse zwischen den Kasten beteiligte, sondern sich an alle Hindus wandte, gewann sie an Profil (Malik/Singh 1994:87). Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Kampagne, als sich der Führer der BJP, Lal Advani, nach den Wahlen 1989, die der Partei bereits Stimmengewinne gebracht hatten, an die Spitze einer großen Prozession (rath yatra) stellte, die die Befreiung von Ramjanmabhumi zum Ziel hatte. Der Regierungschef Singh ließ ihn dabei verhaften. Die BJP entzog der Minderheitsregierung die Unterstützung. V.P. Singh mußte abdanken (Rothermund 1993:39, Parikh 1997:188). Bei den darauf fälligen Neuwahlen gelang es der BJP, ihren Stimmenanteil zu steigern und erstmals auch außerhalb der nördlichen Bundesstaaten Erfolge zu erzielen (Malik/Singh 1994:90).

Am 6. Dezember 1992 wurde die Moschee in Ayodhya schließlich in Anwesenheit von Lal Advani zerstört. Die Folge war eine politische Ächtung der Partei, sie wurde zum politischen Paria. Bei Landeswahlen in Uttar Pradesh, Madhya Pradesh, Rajasthan und Himachal Pradesh schnitt die BJP schlechter ab als in den vorangegangen Wahlen (Paulose/Kaur 1996:110). Sie hatte in allen vier Ländern die Regierung gestellt. Dieser waren nach der Zerstörung des Tempels von der Zentralregierung mittels der Presidents Rule abgelöst worden. Lediglich in Rajasthan konnte die BJP wiederum die Regierung stellen.

Vajpayee übernahm daraufhin 1994 wieder die Führung der Partei und versuchte in der Folgezeit, die politische Isolierung der Partei zu durchbrechen.

Die BJP wurde 1996 zur stärksten politischen Partei des Landes, war aber nicht in der Lage, eine Mehrheit im Parlament zu finden. Zusammen mit ihren Verbündeten stellte sie 194 Abgeordnete im neuen Bundesparlament. Der Präsident ernannte den Parteiführer der BJP, Vajpayee, zum Premierminister und beauftragte ihn mit der Bildung einer Regierung. Trotz intensivster Bemühungen gelang es Vajpayee nicht, die politische Isolierung zu durchbrechen. Nach dreizehn Tagen trat er zurück, ohne sich der erforderlichen Vertrauensabstimmung gestellt zu haben.

Die öffentlichen Auftritte der Partei wurden daraufhin moderater, sie versuchte neue Partner zu finden. Im Vorfeld der Wahlen von 1998 traf sie Wahlabsprachen mit der AIADMK in Tamil Nadu, der Biju Janata Dal in Orissa und dem Trinamool Congress in West Bengal. 1998 wurde sie wieder stärkste Partei und stellt nun seit dem Frühjahr die Regierung.

Nachdem sie 1984 infolge des Mitleidseffektes für Rajiv Gandhi lediglich zwei Sitze erringen konnte (Landesweit 7,4% der Stimmen), erzielte sie 1989 86 Sitze (Landesweit 11,5% der Stimmen) und war somit drittstärkste Kraft des Landes. 1991 steigerte sie ihr Ergebnis abermals und erzielte 120 Sitze (Landesweit 20,1% der Stimmen). 1996 wurde sie mit 20,29% der Stimmen und 161 Sitzen im Parlament zur stärksten politischen Kraft des Landes. Dies Ergebnis konnte sie 1998 nochmals verbessern (25,59% und 182 Sitze).

Schaut man sich die Wahlergebnisse der BJP in den Bundesländern an, so sieht man, daß Hochburgen der Partei BJS bis 1977 auch Hochburgen der BJP sind. In Madhya Pradesh erreichte die BJS schon 1971 über 30%. Die BJP knüpfte nahtlos an diesen Erfolg an und weitete ihren Stimmenanteil auf 45,7% in 1998 aus. In Rajasthan erreichte die BJS 1971 12,4%. Die BJP verdoppelte diesen Stimmenanteil 1984 und erzielte ab 1991 jeweils Ergebnisse über 40%. Das gleiche gilt für Himachal Pradesh, wo sie 1998 sogar über 50% erzielte. In den Bundesstaaten Bihar, Haryana, Kashmir, Punjab und Uttar Pradesh tat sich die BJP zunächst schwer, obwohl die BJS hier 1971 jeweils über 10% der Stimmen erhalten hatte. Erst mit der Forcierung der Ayodhya-Kontroverse gelang es der BJP, spätestens 1991 auch in weiteren Bundesländern verstärkt Fuß zu fassen. Dies gilt vor allem für Uttar Pradesh, das aufgrund seiner großen Bevölkerungszahl und der damit verbundenen Anzahl von Abgeordneten enorm wichtig ist. Hier erhielt die BJP seit 1991 jeweils über 30% der Stimmen und konnte über 50 Abgeordnete in das Bundesparlament entsenden. Trotz steigender Wahlerfolge auch in anderen Bundesländern kommt nach wie vor mehr als ein Viertel der Abgeordneten aus diesem Bundesland. Neue Basen konnte die BJP in Gujarat aufbauen (auch wenn sich ein Teil der Partei vorübergehend abspaltete um mit der Congress Party die Regierung zu stellen und die nächsten Landeswahlen zu verlieren) (Jürgenmeyer 1998:81). Das gleiche gilt für Maharashtra und überraschenderweise auch für das im Süden gelegene Karnataka. In den anderen dravidischen Ländern gelang ihr dies nicht (Kerala, Tamil Nadu) oder nicht in dem Maße (Andhra Pradesh). Auch in West Bengal (starke linke Tradition) und im Punjab (Mehrheit der Bevölkerung Sikhs) scheint die BJP schwer Fuß zu fassen.

Wahlergebnisse der Bharatiya Jana Party bei Bundeswahlen (in wichtigen Bundesländern)

1984

1989

1991

1996

1998

Andhra Pradesh

2,2

2

9,6

5,65

18,3

Sitze

1

0

1

0

4

Assam %

0,4

9,6

15,92

24,47

Sitze

0

2

1

1

Bihar %

6,9

13

16

20,54

24,03

Sitze

0

9

5

18

20

Gujarat %

18,6

30,5

50,4

48,52

48,28

Sitze

1

12

20

16

19

Haryana %

7,5

8,3

10,2

19,74

18,89

Sitze

0

0

0

4

1

Himachal Pradesh %

23,3

45,3

42,8

39,62

51,43

Sitze

0

3

2

0

3

Karnataka %

4,7

2,6

28,8

24,85

26,95

Sitze

0

0

4

6

13

Kerala %

1,8

4,5

4,6

5,61

8,02

Sitze

0

0

0

0

0

Madhya Pradesh %

30

39,7

41,9

41,32

45,73

Sitze

0

27

12

27

30

Maharashtra %

10,1

23,7

20,2

21,81

22,49

Sitze

0

10

5

18

4

Orissa %

10,2

1,3

9,5

13,42

21,19

Sitze

0

0

0

0

7

Punjab %

3,4

4,2

17

6,48

11,67

Sitze

0

0

0

0

3

Rajasthan %

23,7

29,6

40,9

42,36

41,65

Sitze

0

13

12

25

5

Tamil Nadu %

0,1

0,3

1,7

0

6,86

Sitze

0

0

0

2,93

3

Uttar Pradesh %

6,4

7,6

32,8

33,44

36,49

Sitze

0

8

51

52

57

West Bengal %

0,4

1,7

11,7

6,88

10,2

Sitze

0

0

0

0

1

Gesamt %

7,4

11,5

20,1

20,29

25,59

Sitze

161

182

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri / Roy 1995

Bis zu den Wahlen 1991 war der radikale Flügel der Partei um Lal Advani tonangebend. Bis zu diesem Zeitpunkt blieb die Wählerbasis, trotz Erfolgen in Maharashtra und Karnataka, weitgehend im Norden verhaftet. Erst ein erneuter Kurswechsel unter Vajpayee seit 1992 öffnete die Partei nicht nur für enttäuschte Wähler der Congress Party aus anderen Landesteilen, sondern auch für enttäuschte Politiker der Congress Party. Die BJP bot sich darüber hinaus als neuer Bündnispartner für eine Anzahl von Regionalparteien an. Außer mit ihren traditionellen Bündnispartnern mit gleichem Politikverständnis und gleichen Politikzielen ging die BJP vor den Wahlen 1998 Bündnisse mit Parteien ein, ohne auf Programm oder Personen zu achten. Wichtig war allein die Tatsache, daß Regionalparteien mit ihren Sitzen eine Mehrheit im neuen Parlament ermöglichen würden. Die nationale Parteiführung der BJP überging die Leiter ihrer Partei in den Ländern, wo sie nach bisherigen Erfahrungen keine Chancen hatten.

In der neuen Fraktion der BJP im Bundesparlament stammen 60% der Abgeordneten aus den nördlichen Bundesländern Uttar Pradesh, Bihar, Madhya Pradesh und Rajasthan, in denen Hindi gesprochen wird. Diese Bundesstaaten weisen geringe Alphabetisierungsraten, geringe Urbanisierungsraten und ein unterdurchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen auf. Gujarat (Sprache: Gujarati), Maharashtra (Sprache: Marathi) und Karnataka (Sprache: Kanada) liegen nach allen drei Indikatoren (Alphabetisierung, Urbanisierung und Pro-Kopf-Einkommen) am anderen Ende der innerindischen Vergleichsstatistik. Gujarat und Maharashtra erwirtschaften 60% der indischen Industrieproduktion. Karnataka beherbergt die am schnellsten wachsende Industriemetropole Indiens (Bangalore). Aber auch in diesen Bundesstaaten konnte die BJP in relevantem Maße Fuß fassen. Anders als in den traditionellen Hochburgen setzt sich ihre Wählerklientel hier allerdings eher aus Modernisierungsverlieren zusammen.

In der "National Agenda", der Basisübereinkunft der an der Regierung beteiligten politischen Parteien, tauchen die radikalen Programmpunkte der BJP (z.B. Ayodhya) nicht auf (Debashish Apr. 1998).

Insgesamt konnte die BJP bei den letzten Wahlen ihren Stimmenanteil von 20,7% in 1996 auf 25,4% in 1998 steigern. Dies ist um so bemerkenswerter, als sie in nur 380 Wahlbezirken gegenüber 471 bei den vorhergehenden Wahlen kandidiert hat. Zugewinne an Sitzen konnte die BJP in den Ländern verbuchen, in denen sie regionale Parteien als Bündnispartner gewinnen konnte – Orissa, Karnataka, Tamil Nadu und Andhra Pradesh. Hier hatte sie, mit Ausnahme von Karnataka, in den vorangegangenen Wahlen keinen Sitz gewonnen.

Die BJP konnte sich neben der Congress Party als nationale Alternative etablieren, da sie, anders als die Regionalparteien oder die Bündnisse von Regionalparteien, ein politisches Projekt für ganz Indien verfolgt. Ihr "Hindutva" Programm in der einen oder anderen Spielart vermochte Wähler in ganz Indien zu erreichen. Anders als ihre Vorgängerin, die BJS, gelang es der BJP, verstärkt Wähler aus den unteren Kasten und von Stämmen zu erreichen.

Ihre straffe Führung erlaubte es ihr darüber hinaus, Wahlabsprachen mit regionalen Parteien zu schließen, ohne auf die Wünsche und Forderungen der Vertreter der eigenen Partei vor Ort Rücksicht nehmen zu müssen.

 

Wähler der BJP bei Bundeswahlen 1996

Hohe Kasten

40%

Untere Kasten

24%

Kastenlose

13%

Stammesangehörige

18%

Moslems

2%

Quelle: India Today, 9. Februar 1998

Trotz des Widerstandes der regionalen Eliten schloß sie z.B. in Tamil Nadu und Andhra Pradesh Bündnisse mit Regionalparteien und gewann auf diese Art dort sieben Sitze.

Die Wahlerfolge der BJP sind somit nicht nur auf ein Erstarken der fundamentalistischen Strömungen innerhalb der Bevölkerung als Reaktion auf den exogenen Modernisierungsdruck zu sehen. Nach wie vor liegen die Hochburgen der BJP in den nördlichen Bundesländern. Es gelang ihr darüber hinaus, durch Wahlabsprachen Stimmengewinne außerhalb ihrer Stammwählerschaft in anderen Bundesländern zu gewinnen. Diese Zugewinne dürften jedoch nicht von Dauer sein, sondern bei anderen Machtkonstellationen erneut zur Disposition stehen. Erste Anzeichen hierfür sind die Wahlniederlagen der BJP bei den Landeswahlen im November 1998 in Delhi, Rajasthan, Madhya Pradesh. Grund für die Niederlagen dürften steigende Lebensmittelpreise gewesen sein. Die Wählerschaft der BJP ist nicht ideologisch fundamentalistisch an die BJP gebunden. Obschon sie sich als nationale Alternative zur Congress Party positionieren konnte, gelingt es ihr nicht, die Wähler mit ihrem Programm dauerhaft an sich zu binden. Hierzu bedürfte es realer Verbesserungen der Lebenssituation der Wähler.

6.3. Janata Dal

Die Führer der 1988 gegründeten Janata Dal kommen aus den sozialistischen Parteien. Deshalb soll zunächst in einem kurzen Rückblick die Geschichte dieser Parteien referiert werden.

1934 wurde innerhalb der Congress Party durch Jaya Prakash Narayans eine Fraktion mit Namen Congress Socialist Party gegründet. Aufgrund des Drucks des rechten Flügels unter dem Congress Vize-Präsidenten, V.B. Patel, verließ die Socialist Party die Congress Party 1948. Vor den ersten allgemeinen Wahlen wurde durch ein anderes ehemaliges Mitglied der Congress Party, Archaya Krilani, die Kisan Mazdoor Praja Party (KMPP – Bauern- und Arbeiter Volkspartei) als zweite sozialistische Partei gegründet. Somit traten zwei sozialistische Parteien mit großen Hoffnungen zu den ersten Wahlen an. Sie erzielten 16,4% der Stimmen und entsandten 21 Abgeordnete. Die Socialist Party (SOC) erhielt 10,6% der Stimmen und 12 Abgeordnete, während die KMPP mit 5,8% der Stimmen 9 Abgeordnete stellte. Anders als die kommunistischen Parteien verstanden es die Sozialisten nicht, sich frühzeitig auf wenige Wahlkreise zu beschränken, um ihren Stimmenanteil in Sitze zu verwandeln (Rothermund 1965:226). Die beiden Parteien schlossen sich zur Samyukta Socialist Party zusammen (SSP) (Brass 1997:207) und blieben bei den folgenden Bundeswahlen mit lediglich 10,4% und 19 Abgeordneten hinter ihrem vorherigen Ergebnis zurück. Differenzen über den Umgang mit der Congress Party (Bündnis ja oder nein?) führten 1965 zur erneuten Spaltung. Die neu gegründete Praja Socialist Party (PSP) lehnte jedes Bündnis mit dem Congress ab und ging 1969 ein Bündnis mit der von Indira Gandhi vertriebenen Minderheitsfraktion der Congress Party ein. Die SSP blieb unabhängig. Bei den Wahlen 1971 mußten beide Parteien herbe Verluste hinnehmen. Daraufhin vereinten sie sich wieder zur Socialist Party (SP). Diese ging 1977 in der neu gegründeten Janata Party auf. Nachdem die fehlende gemeinsame politische Basis zum Ende der Regierung der Janata Party und zum Austritt der meisten Bündnispartner geführt hatte, bildeten die Sozialisten den Kern der Restpartei.

In der Großkoalition 1977 waren als wichtigste vormalige Oppositionsparteien die von Indira Gandhi 1969 vertriebene Congress Opposition unter Morarji Desai, die Bhartiya Lok Dal (BLD) unter Charan Singh, die hinduistische BJS unter Vajpayee und die Sozialisten unter Chandra Shekar, Mohn Daria und George Fernandez vertreten. Unterstützt wurde diese Koalition von vielen kleinen Regionalparteien.

Die Heterogenität der neuen Regierung führte jedoch bald zur ersten Abspaltung namens Janata Party Secular unter Charan Singh. Charan Singh wurde 1979 mit Unterstützung der Congress Party für kurze Zeit Premierminister. Der Entzug der Unterstützung durch den Congress führte 1980 zu Neuwahlen.

Die Janata Party trat nach außen unverändert unter Chandra Shekar zu diesen Wahlen an, erreichte jedoch nur 19% der Stimmen und stellte 31 Abgeordnete.

Die Janata Party Secular (JPS) von Charan Singh schnitt mit 9,4% der Stimmen zwar schlechter ab, stellte aber 41 Abgeordnete und wurde damit größte Oppositionspartei. Der Schwerpunkt der Partei lag in Uttar Pradesh, von wo allein 29 Abgeordnete kamen. Unterstützung fand die Partei hier vor allem bei Großbauern.

Im März 1980 lösten sich die Vertreter der Bharatiya Jan Sangh unter Vajpayee von der Janata Party und formierten sich als BJP neu. Nach und nach trennten sich auch andere Bundesgenossen von der Janata Party. Die Wahl 1984 brachte keine großen Erfolge.

1988 fanden sich die Janata Party, die von ihr nach 1980 getrennte Lok Dal und die von V.B. Singh 1987 als Abspaltung von der Congress Party gegründete Jan Morcha unter dem Namen Janata Dal zusammen (Mohan 1998). Ihre Gemeinsame politische Basis lag vor allem in ihrer Gegnerschaft zur Congress Party (Paulose/Kaur 1996:126). Sie erreichte bei den Wahlen von 1989 17,7% der Stimmen und errang 142 Sitze im Bundesparlament. Geduldet durch die BJP und durch die kommunistischen Parteien wurde V.P. Singh zum Regierungschef gewählt. Die Ayodhya-Kontroverse mit der BJP führte 1990 zum Ende dieser Duldung. Eine Abspaltung der Janata Party unter Chandra Shekar wurde nun für einige Monate durch den Congress geduldet (Parikh 1997:189).

Bei den dann fälligen Neuwahlen 1991 erreichte die Janata Dal 11,8% und errang 59 Sitze. 1994 spaltete sich die Samata Party unter George Fernandez von der Partei ab. 16 der 40 Abgeordneten im Bundesparlaments traten der neuen Partei bei (Paulose/Kaur 1996:121).

1996 verzeichnete die Partei mit nur 8,08% und 46 Abgeordneten ihr bis dato schlechtestes Ergebnis, konnte aber als drittstärkste Fraktion zusammen mit den linken Parteien und Regionalparteien unter Duldung der Congress Party die Regierung stellen. Ihre Schwerpunkte lagen in Bihar (31,88% - 22 Sitze), Karnataka (34,91% - 16 Sitze) und Orissa (30,05% - 4 Sitze).

In Bihar verdankte sie ihr gutes Abschneiden dem charismatischen Laloo Prasad Yadav. Bereits bei den Bundeswahlen 1989 errang die Janata Dal unter Yadav 32 der 54 Sitze in Bihar. Nach den Landeswahlen in Bihar im März 1990 wurde Yadav Ministerpräsident. Die Janata Dal errang mit 25,7% 123 von 324 Sitzen und wurde stärkste Fraktion. Daraufhin wurde Laloo Prasad Yadav zum Präsidenten der Janata Dal. Bei den Bundeswahlen 1991 kam die Janata Dal auf 34,1% der Stimmen und entsandte 31 Abgeordnete aus Bihar ins Bundesparlament. Unter George Fernandez spaltete sich 1994 die Samata Party von der Janata Dal ab, um gegen die "Yardavisierung" der Janata Dal zu protestieren. Trotzdem errang die Janata Dal bei den Landeswahlen 1995 mit 28,7% der Stimmen und 163 Abgeordneten (absolute Mehrheit) einen noch größeren Sieg.

Erst bei den Bundeswahlen 1996 machte sich die Konkurrenz der Samata Party bemerkbar. Die Janata Dal-Abgeordneten aus Bihar stellten mit 22 zwar immer noch die größte Landesgruppe der Janata Dal im Bundesparlament, hatten aber durch Austritte und die Konkurrenz der Abspaltung von George Fernandez 9 Sitze eingebüßt.

Korruptionsvorwürfe und Arrestierung des Janata Dal-Leiters in Bihar, Laloo Prasad Yadav, führten im Juli 1997 zu seinem Ausschluß aus der Janata Dal. Er gründete daraufhin die Rashtriya Janata Dal. Die neue Partei gewann bei den Bundeswahlen 1998 mit 26,58% der Stimmen 17 Sitze, während die Rest Janata Dal in Bihar lediglich 8,72% erhielt und einen Sitz gewann.

Das gute Abschneiden der Janata Dal in Karnataka war ebenfalls mit dem Engagement einer charismatischen Persönlichkeit verbunden. Die Janata Party gewann bereits 1983 unter Ramakrishna Hedge 33,1% der Stimmen und 95 Sitze bei Landeswahlen und konnte in einer Koalition bis 1989 regieren. Eine große Gruppe der Janata Party unter Hedge trat dann der Janata Dal bei. Kurz vor den Wahlen spaltete sich die Janata Dal. Die Janata Dal unter Hedge erreichte bei den Wahlen 1989 24 Sitze, die Abspaltung unter Deve Gowda 2 Sitze. Von 1989 bis 1994 regierte deshalb die Congress Party in Karnataka. Kurz vor den Landeswahlen 1994 vereinten sich die Janata Dal Fraktionen wieder, diesmal unter Gowda (Mohan 1998). Bei den Landeswahlen 1994 gewann die Janata Dal mit 33,5% der Stimmen 115 Sitze im Parlament und konnte mit absoluter Mehrheit regieren. Bei den folgenden Bundeswahlen errang sie 34,91% der Stimmen und entsandte 16 Abgeordnete nach Delhi. Der Führer der Janata Dal in Karnataka, H.D. Gowda, wurde zum ersten Premierminister der United Front. Ein zentrales Anliegen in der öffentlichen Präsentation der United Front war die Korruptionsfreiheit der beteiligten Parteien. Der frühere Premierminister Hedge und innerparteilicher Widersacher von Gowda, wurde der Korruption bezichtigt und aus der Partei ausgeschlossen. Am 16. Februar 1997 gründete er die Partei Lok Shakti (Wagner 1998c:297) und ging vor den Wahlen 1998 ein Bündnis mit der BJP ein. Seine politische Basis liegt vor allem in Nord-Karnataka. Hier hatte die Janata Dal 1996 sieben Sitze errungen. Durch Gegenkandidaten der Lok Shakti, die mit 11,5% der Stimmen drei Sitze erhielt, gelang es der Janata Dal nicht, in Nord-Karnataka wiederum Sitze zu erringen. Insgesamt errang die Janata Dal 1998 in Karnataka nur 3 Sitze.

Am 15. Dezember 1997 spaltete sich die Janata Dal in Orissa. Auslöser waren Nachfolgekämpfe nach dem Tod des bisherigen Parteiführers Biju Patnaik. Bei den Bundeswahlen 1989 hatte die Partei 49,5% der Stimmen in Orissa gewonnen und 16 der 21 Abgeordneten des Bundeslandes gestellt. Bei den Landeswahlen ein Jahr später war der Partei ein noch größerer Erfolg gelungen. Mit 53,7% der Stimmen gewann sie 123 von 147 Sitzen. Biju Patnaik wurde Premierminister. Seine harte Haltung in Finanzfragen (Kürzung von Zuschlägen, Ausgabensperre, Einstellungsstop etc.) (Pattajoshi 1998) führten 1991 zu nur noch sechs Abgeordneten im Bundesparlament und 1995 zu einem Wahlsieg der Congress Party. Die Janata Dal erreichte 35,5% der Stimmen, stellte aber nur 46 Abgeordnete. Die Congress Party gewann die Wahlen und konnte dank ihrer 80 Abgeordneten den Premierminister stellen. Sie hatte im Wahlkampf die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Neueinstellungen des staatlichen Sektors und der Staatsbetriebe versprochen. Dies sollte sich auch in den kommenden Bundeswahlen 1996 auszahlen.

Die Janata Dal erzielte 30,05% der Stimmen und konnte nur noch 4 Abgeordnete nach Delhi schicken, während die Congress Party 16 Sitze gewann. Die Abspaltung eines Flügels der Janata Dal unter Makkal Munnetram und Naveen Patnaik's reduzierte die Partei bei den Bundeswahlen 1998 auf nur noch 4,32% der Stimmen. Sie konnte keinen Sitz gewinnen. Die neue Partei ging vor den Wahlen eine Allianz mit der BJP ein und erzielte 27,5% der Stimmen in Orissa und entsandte 9 Abgeordnete nach New Delhi.

 

 

 

Ergebnisse der Janata Dal bei Bundeswahlen 1989 bis 1998

1989

1991

1996

1998

%

Sitze

%

Sitze

%

Sitze

%

Sitze

Gesamt

17,7

142

11,8

59

8,08

46

3,24

6

Andhra Pradesh

1,6

0,5

0,87

1

Arunchal Pradesh

24,7

1,89

Assam

5,2

0,65

0,12

Bihar

36,4

31

34,1

31

31,9

22

8,72

1

Goa

18,1

1

Gujarat

27,8

11

3,4

0,42

2,94

Haryana

38,9

6

12,5

1,54

0,38

Himachal Pradesh

7,2

7

0,22

0,88

Jammu & Kashmir

30,1

0,50

Karnataka

28,3

1

18,5

34,9

16

21,69

3

Kerala

1,9

4,5

4,4

1

3,9

Madhya Pradesh

8,3

4

4,2

1,05

1,22

Maharashtra

11

5

9,9

3,3

1,67

Manipur

1,5

18,6

1,76

Mizoram

23,4

Orissa

49,5

16

34,6

6

30,1

4

4,93

Punjab

5,5

1

2,2

2,66

4,18

1

Rajasthan

25,7

11

6,2

2,63

2,31

Sikkim

Tamil Nadu

1,4

2,9

1,53

Tripura

0,29

Uttar Pradesh

35,9

54

21,3

22

4,26

2

0,47

West Bengal

0,5

1,1

0,4

A&D

Chandigarh

42,1

1

2,8

0,93

D&N

D&D

18,4

2,7

Delhi

16,3

1

14,2

4,24

2,46

Laksweep

49,4

48,3

48,45

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri / Roy 1995

In Uttar Pradesh fand die Abspaltung bereits vor 1996 statt. 10 Abgeordnete aus Uttar Pradesh der Janata Dal im Bundesparlament traten der Samajwadi Party bei, vier andere dem Congress (Paulose/Kaur 1996:122).

Die Geschichte der Janata Dal präsentiert sich, wie schon bei den sozialistischen Parteien vor 1977, als eine sinnlose Folge von Zusammenschlüssen und Abspaltungen. Obschon in mehreren Bundesstaaten vertreten, kann die Janata Dal nicht als nationale Alternative gesehen werden. Ohne ein originäres politisches Subjekt und eine nationale Führungspersönlichkeit ist die Janata Dal nicht mehr als eine Ansammlung von Regionalpolitikern mit ihrer jeweiligen Hausmacht. Dies wird an den Abspaltungen der letzten Jahre deutlich. Paulose/Kaur sprechen in diesem Zusammenhang vom "bizarre death wish" (Paulose/Kaur 1996:122). Das Programm der Janata Dal-Führer besteht aus Machterhalt oder Machterlangung.

6.4. Regionalparteien

6.4.1. Uttar Pradesh

6.4.1.1. Samajwadi Party (SP)

Die Samajwadi Party (SP) wurde 1990 von Chandra Shekar und Devi Lal als Absplitterung der Janata Dal gegründet (Paulose/Kaur 1996:125). Als die älteste Vorläuferpartei ist die Uttar Pradesh Praja Party (UPPP) zu sehen, die gegründet wurde, um die Interessen der ehemaligen Zamindari zu vertreten. Sie nahm nur an den Wahlen 1952 teil. Die Swatantra-Party, die 1959 in Madras von ehemaligen Politikern der Congress Party gegründet wurde, richtete sich an die gleiche Zielgruppe. Sie trat etwas weiter gefaßt für die Interessen der landbesitzenden Bauern ein. Im November 1967 wurde, wiederum in Uttar Pradesh, die Bharatiya Kranti Dal (BKD) gegründet (Brass 1997:207). Sie erreichte bei den Landeswahlen in Uttar Pradesh 1969 auf Anhieb 21,3% der Stimmen und errang 98 Sitze im Parlament. Die BKD vertrat ebenfalls die Interessen der landbesitzenden Bauern und versuchte darüber hinaus durch ihre Kandidatenauswahl auch Stimmen der kastenlosen Hindus zu bekommen. Der Erfolg der Partei ging nicht zu Lasten der Congress Party, sondern von unabhängigen Kandidaten und einer Vielzahl kleinerer Parteien (Oesterheld 1989:136). Bei den Bundeswahlen 1971 erzielte die BKD in Uttar Pradesh 12,7% der Stimmen.

1974 schloß sich die BKD mit der Swatantra Party, der Samyukta Socialist Party, der Bharatiya Kethihar Sangh, der Harijan Sangarah Samiti und der Lok Tantrik Dal zur Bharatiya Lok Dal zusammen. Die neue Partei konnte bei Landeswahlen in Uttar Pradesh 1974 mit 21,2% der Stimmen 106 Abgeordnete stellen (Brass 1997:207).

1977 wurde die Bharatiya Lok Dal Teil der Janata Party. Nach deren Scheitern fungierte die alte BLD um Charan Singh zunächst als Janata Party Secular, anschließend als Janata – S (Charan Singh). Bei den Bundeswahlen 1980 errang sie 41 Sitze und wurde stärkste Oppositionspartei. Wie schon zuvor lag der Schwerpunkt der Partei in Uttar Pradesh, von wo allein 29 Abgeordnete kamen. Nach Zusammenschlüssen mit anderen Regionalparteien trat sie 1984 unter dem Namen Lok Dal zu den Bundeswahlen an. Sie hatte einigen Erfolg in Uttar Pradesh und Bihar. 1988 verschmolz die Lok Dal mit anderen Parteien zur Janata Dal. Nachdem deren erster Premierminister V.P. Singh mangels Unterstützung durch die BJP 1990 zurücktreten mußte, wurde Chandra Shekar mit Duldung der Congress Party 1990 Premierminister Indiens. Zu diesem Zweck spaltete er sich von der Janata Dal ab. Die neue Partei hieß Samajwadi Party. Im März 1991 entzog der Congress der neuen Regierung die Unterstützung.

Bei den darauffolgenden Wahlen erzielte die SP in Haryana mit 25% ihr bestes Ergebnis, konnte allerdings keinen Sitz gewinnen. In Uttar Pradesh errang sie 4 Sitze mit 10,5% der Stimmen. In anderen Bundesländern konnte sie keinen Sitz erringen. In einigen Bundesländern bekam sie mehr als 1% der Stimmen (Bihar 5,3%, Karnataka 3,8%, Rajasthan 3,2%, Maharashtra 1,4% und Himachal Pradesh 1,1%). In Uttar Pradesh war es der Partei möglich, zusammen mit der BSP von Dezember 1993 bis Juni 1995 die Regierung und den Ministerpräsidenten Mulayam Singh Yadav zu stellen.

Daraufhin verdoppelte sie ihr Ergebnis bei den Bundeswahlen 1996 in Uttar Pradesh auf 20,84% der Stimmen (16 Sitze). Außerdem gewann sie mit 1,34% einen Sitz in Bihar. In anderen Bundesstaaten hatte sie keinen Erfolg. Sie wurde als Teil der United Front Regierungspartei und stellte den Verteidigungsminister Mulayam Singh Yadav. Die große Anzahl der Abgeordneten seiner Partei ermöglichten es Mulayam Singh Yadav, sich auch auf der nationalen Ebene zu profilieren. Bei den Wahlen 1998 errang die SP in Uttar Pradesh sogar 28,7% der Stimmen (20 Sitze).

Die SP muß als Partikularpartei Uttar Pradeshs bezeichnet werden. Sie steht hier in Konkurrenz zur BJP und zur BSP. Während die BJP vor allem von höherkastigen Hindus gewählt wird und die BSP als Vertreterin der unteren Kasten gelten kann, ist die SP die Vertretung der mittleren Kasten und sehr stark der landbesitzenden Bauern. Sie steht damit in der Tradition ihrer Vorgängerparteien. Eine Ausweitung ihrer Stimmenanteile in Uttar Pradesh gelang ihr durch Einbeziehung von unteren Kasten und Kastenlosen.

Wahlergebnisse der SP bei Bundeswahlen 1996 & 1998

1996

1996

1998

1998

Sitze

%

Sitze

%

Andhra Pradesh

0,01

0,07

Assam

0,29

1,11

Bihar

1

1,34

2,09

Goa

0,08

Gujarat

0,22

0,53

Haryana

1,13

0,21

Himachal Pradesh

0,72

0,16

Jammu & Kashmir

0,2

Karnataka

0,68

0,03

Madhya Pradesh

0,08

0,65

Maharashtra

2,06

2,62

Meghalaya

0,55

Orissa

0,1

Rajasthan

0,34

0,44

Tamil Nadu

0,07

Uttar Pradesh

16

20,84

20

28,7

Chandigarh

1,61

Delhi

0,32

0,3

Quelle: Election Commission of India

6.4.1.2. Bahujan Samaj Party (BSP)

Die BSP ist die Vertretung der unteren Kasten. Sie wurde Anfang der achtziger Jahre gegründet. Ihr Programm lautet schlicht: "Power to the Majority". Ihre Hochburgen liegen in Uttar Pradesh und im Punjab, wo sie bereits 1989 bei den Bundeswahlen 9,9% (Uttar Pradesh) bzw. 8,6% erzielte. Sie entsandte drei Abgeordnete nach Delhi. Bei den Bundeswahlen 1991 trat sie außerdem in Madhya Pradesh an (3,5% der Stimmen). Im Punjab konnte sie ihren Stimmenanteil auf 19,3% steigern, während er in Uttar Pradesh leicht sank (8,7%).

Auf Landesebene erzielte sie relevante Stimmenanteile in Uttar Pradesh, Madhya Pradesh, Haryana und im Punjab. Da sie in vier Ländern im Landesparlament vertreten ist, fungiert sie als Bundespartei. Nationale Aufmerksamkeit erregte die Partei 1995, als sie in einer Koalition mit der BJP für drei Monate den Premierminister in Uttar Pradesh stellte. Bei den Bundeswahlen 1996 beteiligte sich die BSP in 14 Ländern. Ihre besten Ergebnis erzielte sie mit über 20,61% in Uttar Pradesh (6 Abgeordnete), 9,35% im Punjab (3 Abgeordnete), 8,18% in Madhya Pradesh (2 Abgeordnete) und 6,59% in Haryana (kein Abgeordneter). In Rajasthan kam sie auf 1,35% der Stimmen, ohne einen Sitz zu gewinnen. In den anderen Ländern blieb sie unter 1%.

Bei den Bundeswahlen 1998 erzielte sie ihr bestes Ergebnis wiederum in Uttar Pradesh (20,9%). Sie konnte diesmal nur 4 Sitze aus diesem Bundesland gewinnen. Obwohl sie ihr Ergebnis im Punjab auf 12,65% steigerte, konnte sie hier keinen Sitz erringen. Ihr Ergebnis in Haryana verbesserte sich leicht auf 7,68% (1 Abgeordneter), in Rajasthan auf 2,12%. Im Bundesland Jammu & Kashmir erreichte die Partei 4,98%, ohne einen Sitz zu gewinnen.

Wahlergebnisse der BSP bei Bundeswahlen

1996 und 1998

1996

1998

%

Sitze

%

Sitze

Andhra Pradesh

0,04

0,21

Bihar

0,63

0,53

Gujarat

0,38

Haryana

6,59

7,68

1

Himachal Pradesh

0,69

1,15

Jammu & Kashmir

0,15

4,98

Karnataka

0,56

Kerala

0,15

0,13

Madhya Pradesh

8,18

2

8,70

Maharashtra

0,29

0,75

Orissa

0,32

Punjab

9,35

3

12,65

Rajasthan

1,35

2,12

Tamil Nadu

0,23

Uttar Pradesh

20,61

6

20,9

4

West Bengal

0,11

0,24

Chandigarh

4,10

Delhi

2,34

Pondicherry

0,87

0,63

Quelle: Election Commission of India

Die Partei spielt trotz ihres Status‘ als Nationalpartei mit ihren 5 Abgeordneten auf nationaler Ebene derzeit keine große Rolle. Auch in den Bundesstaaten ist sie eher klein, da sie trotz hoher Stimmenanteile kaum Sitze erringt. Lediglich in Uttar Pradesh erlaubt ihr die spezielle politische Konstellation, zum bestimmenden Faktor der Politik zu werden. Außer der BSP gibt es als große Parteien dort nur noch die BJP und die Samajwadi Party, die als Mitglied der United Front nicht mit der BJP koalieren kann. Der BSP fällt somit die Rolle des Königsmacher zu. Da ihre Wählerbasis relativ gleichmäßig über das gesamte Bundesland verteilt ist, kann sie durch Wahlabsprachen auch den Ausgang der Bundeswahlen in Uttar Pradesh beeinflussen.

Kleinere Parteien in Uttar Pradesh sind der Congress, die Janata Dal, der Uttar Pradesh Loktantrik Congress (UPLC), die Janatantrik Bahujan Samaj Party (JBSP) und die Bharatiya Kisan Kamgar Party (BKKP).

Gemäß ihrer Rolle und ihrem Programm läßt sich die BSP lediglich von machttaktischen Überlegungen leiten. Nachdem das Bundesland vom Herbst 1995 bis zum Frühjahr 1997 unter Presidents Rule stand, bildete die BSP als Juniorpartner eine Koalition mit der BJP (Betz 1997c:22). Die ersten sechs Monate stellte sie den Regierungschef und sollte dann für einen BJP-Kandidaten Platz machen. Kaum war dieser gewählt, entzog ihm die BSP entgegen der Absprache die Unterstützung, um Neuwahlen zu fordern. Der Premierminister der BJP fand zur Überraschung aller die Unterstützung von Dissidenten anderer Oppositionsparteien. Versuche der im Bund regierenden United Front, die Regierung mittels der Presidents Rule abzulösen, scheiterten am Widerstand des Präsidenten. Ein bisher einmaliger Vorgang in der indischen Geschichte.

Die Wählerschaft der BSP findet sich in den unteren Kasten und unter den Kastenlosen in den von höheren Kasten dominierten Staaten des Nordens. Da diese Bevölkerungsgruppe in anderen Staaten die Mehrheit stellt und hier von anderen Regionalparteien vertreten wird, kann es der BSP nicht gelingen, dort Fuß zu fassen.

6.4.2. Bihar

6.4.2.1. Rashtriya Janata Dal in Bihar

Die Rashtriya Janata Dal in Bihar ist eine Abspaltung von der Janata Dal. Auslöser der Abspaltung waren Korruptionsvorwürfe und ein Machtkampf innerhalb der Partei (Sharma 1998).

Sharad Yadav und Laloo Prasad Yadav kandidierten 1997 beide für den Vorsitz der Janata Dal, um dadurch im Falle eines Wahlsieges indischer Premierminister zu werden. Durch die Abspaltung der RJD wurde der Kampf zugunsten von Sharad Yadav entschieden.

Die Janata Dal in Bihar erlangte bei den Bundeswahlen 1989 unter Laloo Prasad Yadav 37,7% der Stimmen und stellte 32 von 54 Abgeordneten des Landes. 1991 erreichte sie bei Bundeswahlen 34,1% der Stimmen des Landes und stellte wiederum 32 Abgeordneten. Bei den Bundeswahlen 1996 erreichte die Janata Dal in Bihar 31,88% der Stimmen und stellte 22 Abgeordnete. Eine Abspaltung von der Janata Dal unter George Fernandez verhinderte daß sich der prozentuale Wahlerfolg in ebenso vielen Sitzen wie in den vorangegangenen Wahlen widerspiegelte.

Bei Landeswahlen gewann die Janata Dal unter Laloo Prasad Yadav 1990 25,7% der Stimmen und konnte 123 Abgeordnete stellen. Laloo Prasad Yadav wurde Premierminister einer Koalitionsregierung. 1995 erreichte die Janata Dal bei Landeswahlen 28,7% und errang mit 163 Sitzen die absolute Mehrheit.

Die Verwicklung des nationalen Präsidenten der Janata Dal und Ministerpräsidenten von Bihar, Laloo Prasad Yadav, in einen Schmiergeld-Skandal wurde 1997 aufgedeckt. Am 10. Mai beantragte das CBI (Central Bureau of Investigation) beim Gouverneur des Bundesstaates Bihar die Immunität von Yadav und zwei seiner Minister aufzuheben. Am 17. Juni 1997 gab der Gouverneur grünes Licht für die Anklage des Premierministers. Am 23. Juni verlangte der Premierminister des Bundes, Inder Kumar Gujral, den Rücktritt von Laloo Prasad Yadav. Dieser lehnte ab und trat am 5. Juli mit seinen Anhängern aus der Janata Dal aus, um die RJD zu gründen. Er gewann einige Tage später mit Unterstützung von Dissidenten der Jharkhand Multi Morcha (JMM) und der Congress Party eine Vertrauensabstimmung im Parlament. Trotzdem entschied die United Front, daß die RJD nicht Teil der Koalition werden könne. Nachdem am 25. Juli ein Haftbefehl gegen Laloo Prasad Yadav vorgelegt wurde, trat dieser zurück. Rabri Devi, seine Ehefrau, wurde seine Nachfolgerin. Es ist jedoch klar, daß Laloo Prasad Yadav, mittlerweile wieder auf freiem Fuß, die treibende Kraft der RJD war und bleibt. Bei den Bundeswahlen 1998 gewann die RJD mit 26,58% der Stimmen in Bihar 17 Sitze.

Die Versuche der RJD unter Laloo Prasad Yadav, sich über Bihar hinaus auszudehnen, können als gescheitert betrachtet werden. In Bihar ist die Partei hingegen fest verankert und wird aus diesem Grunde auch in der Lage sein, auf Bundesebene Einfluß zu gewinnen. Die RJD wird in erster Linie von Kastenlosen und unteren Kasten gewählt.

Konkurrenz erhält sie hier zum Teil durch die Samata Party (SAP). Die BJP konnte starke Stimmengewinne vor allem unter den höherkastigen Hindus erzielen. Der Congress ist in Bihar fast nicht mehr existent.

Wahlergebnisse der RJD bei Bundeswahlen 1998

%

Sitze

Andhra Pradesh

0,04

Assam

0,11

Bihar

26,58

17

Gujarat

0,02

Jammu & Kashmir

0,13

Karnataka

0,01

Madhya Pradesh

0,02

Maharashtra

0,04

Manipur

6,13

Meghalaya

0,57

Mizoram

0,32

Orissa

0,26

Punjab

0,05

Rajasthan

0,39

Tamil Nadu

0,07

Tripura

0,09

Uttar Pradesh

0,04

West Bengal

0,13

Chandigarh

0,18

Delhi

0,03

Pondicherry

0,34

Gesamt

2,78

Quelle: Election Commission of India

Die Loyalität wichtiger Kastengruppen zu Laloo Prasad Yadav konnte auch durch die Korruptionsvorwürfe nicht beschädigt werden. Das Wahlergebnis 1998 blieb nur unwesentlich hinter dem Ergebnis von 1996 zurück. Der Grund für die Unterstützung der RJD durch die Bevölkerung kann nicht in der guten Politik liegen, die sie im Lande vollbracht hat. Gemessen an allen ökonomischen und sozialen Indikatoren rangiert Bihar ganz eindeutig am unteren Ende der Rangliste der indischen Bundesstaaten. Die einzigen prosperierenden Gebiete liegen im Süden Bihars. Diese als Jharkhand bekannte Region soll nach dem Willen der Zentralregierung baldigst zu einem weiteren eigenständigem Bundesland werden.

6.4.2.2. Samata Party (SAP)

Die Samata Party wurde 1994 als Absplitterung der Janata Dal in Bihar von deren Generalsekretär George Fernandez als Janata Dal (G) gegründet. 10 der 22 Abgeordneten im Bundesparlament der Janata Dal aus Bihar traten der neuen Partei bei (Paulose/Kaur 1996:121). 1996 wurde sie in Samata Party umbenannt. Die Geschichte der Partei und ihre ideologische Ausrichtung hängen eng mit dem Parteiführer Fernandez zusammen.

George Fernandez politisches Programm ist das der Partei. Er war bereits in den sechziger Jahren in verschiedenen sozialistischen Parteien und Gewerkschaften tätig, deren Sozialismus eine stark nationale Komponente aufwies und von daher in Opposition zu den beiden kommunistischen Parteien Indiens stand. 1977 wurde er Industrieminister der ersten Nicht-Congress Regierung. In dieser Funktion brachte er ein Gesetz auf den Weg, gemäß dem ausländische Unternehmen nicht mehr als einen Anteil von 40% an einem indischen Unternehmen besitzen durften. Als Folge verließ die Firma Coca Cola Indien. Ende der achtziger Jahre war er wiederum Minister in verschiedenen Funktionen für die zweite Nicht-Congress Regierung und anschließend Generalsekretär der Janata Dal in Bihar, dem zweitgrößten indischen Bundesstaat. Diese erreichte 1989 einen großen Wahlerfolg in Bihar mit 37,7% und stellte 32 von 54 Abgeordneten des Landes. Diesen Wahlerfolg wiederholte sie 1991 mit 34,1% der Stimmen und 32 Abgeordneten. Zu verdanken hatte sie dies nicht zuletzt ihrem charismatischen Führer Laloo Prasad Yadav. Er konnte vor allem Teile der unteren Schichten und Kasten für sich einnehmen. Auseinandersetzungen über Korruptionsvorwürfe, das Thema Ayodhya und wirtschaftliche Reformen sowie der Personenkult um Yadav führten dann 1994 zur Abspaltung von George Fernandez. Fernandez hatte die Wahlen zum Fraktionsvorsitz der Janata Party verloren (Mohan 1998). Er verfolgt mit seiner neuen Partei nach wie vor einen Kurs der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und ist entschiedener Gegner von Reformen (OAV/FAZ 1998:3). Unterstützung findet er bei unteren Kasten (Kumri und Koeri Kasten).

Wahlergebnisse der Samata Party bei Bundeswahlen 1996 und 1998

1996

1996

1998

1998

Andhra Pradesh

0,04

0,02

Bihar

14,45

6

15,74

10

Gujarat

0,09

0,07

Haryana

19,01

Himachal Pradesh

0,04

Karnataka

0,08

Kerala

0,01

Madhya Pradesh

0,06

0,38

Maharashtra

0,05

Manipur

1,74

0,59

Orissa

1,55

1

0,08

Rajasthan

0,85

0,06

Tamil Nadu

0,01

0,01

Uttar Pradesh

0,93

1

0,79

2

West Bengal

0,01

Quelle: Election Commission of India

Bei den Wahlen zum Landesparlament in Bihar in 1995 bekam die neu gegründete Partei 5 von 324 Sitzen. Bei den Wahlen zum Bundesparlament 1996 gelang es der SAP mit 14,45% in Bihar, 1,55% in Orissa und 0,93% in Uttar Pradesh 8 Abgeordnete zu entsenden. In Haryana hatte wie in Bihar die regionale Gliederung der Janata Dal die Partei verlassen. Sie trat dort 1996 als Gliederung der SAP zu den Wahlen an, konstituierte sich allerdings später als Haryana Lok Dal (Rashtriya). Die SAP trat in 10 weiteren Bundesstaaten an, erreichte jedoch nirgendwo mehr als 1% der Stimmen.

1998 errang sie 12 Mandate im Bundesparlament. 10 davon errang sie in ihrem Stammland in Bihar mit 15,74% der Stimmen. Die anderen beiden Sitze gewann sie in Uttar Pradesh (0,73%). In weiteren 8 Bundesländern blieb sie jeweils unter 1% der Stimmen und ohne Sitz.

Trotz bundesweiter Optionen gelingt es der Partei nicht, bei Bundeswahlen über ihr Stammland Bihar hinaus Unterstützung zu finden. Konsequenterweise versucht die Partei in der neuen Regierungskoalition möglichst große Unterstützung für Bihar zu mobilisieren. Obschon sie eine der sieben nationalen Parteien ist, dürfte ihr auch in Zukunft die Expansion bei Bundeswahlen nicht gelingen.

In Bihar sind die Hochburgen der Partei vor allem im Norden und in den Zentralen Gebieten. Der Süden (Jharkhand) wird in der Mehrheit von Stammesangehörigen bewohnt. Hier ist die Samata Party kaum vertreten. Diskussionen um die Teilung des Bundeslandes Bihar in einen größeren nördlichen Teil und einen südlichen Teil für die Angehörigen der Stämme werden von der Samata Party dann auch mit finanziellen Forderungen für ihr Wählerklientel im Norden beantwortet.

Darüber hinaus versucht die Parteiführung, in Landeswahlen bisher unterlegen, über den Umweg des Bundesparlamentes die Landesregierung abzulösen. Mittel hierzu ist unter anderem die Forderung nach der Presidents Rule für Bihar. Das Bündnis der Samata Party mit der BJP muß als taktisches Bündnis bezeichnet werden, daß es der Samata Party ermöglichen soll, Unterstützung für ihr Klientel zu mobilisieren. Darüber hinaus dürften auch politische Animositäten des Parteiführers, der sein Leben lang gegen die Congress Party agitiert hat, eine Rolle gespielt haben (Paulose/Kaur 1997:128).

6.4.2.3. Jharkhand Mukti Morcha

Jharkhand ist eine Region im Grenzgebiet von Bihar, Orissa und West Bengal, die in erster Linie von Angehörigen von Stämmen bewohnt wird (siehe Devalle 1992). Zu deren Vertretung wurde 1980 die JMM gegründet. Sie erreichte ihr bestes Ergebnis 1991 als sie als Teil der United Front mit 4,5% der Stimmen in Bihar sechs Sitze gewann. Die Parlamentsabgeordneten der JMM stimmten 1993 gegen einen Mißtrauensantrag gegen den damaligen Premierminister der Congress Party Rao. Die durch diese Abstimmung entstandene neue Allianz mit der Congress zahlte sich für die Partei nicht aus. Sie erzielte 1996 lediglich 3,1% der Stimmen und gewann einen Sitz. Bei den letzten Wahlen reduzierte sich ihr Stimmenanteil auf 2,45% in Bihar. Die Partei verlor auch den letzten Abgeordneten im Bundesparlament. In Orissa und West Bengal war sie ebenfalls nicht sehr erfolgreich. Die Rolle der Partei könnte sich ändern, falls die derzeitige Bundesregierung sich mit Plänen für einen neuen Bundesstaat im Süden Bihars durchsetzt.

Wahlergebnisse der JMM bei den Bundeswahlen

1996 und 1998

1996

1996

1998

%

Sitze

%

Bihar

3,01

1

2,45

Orissa

1,55

2,13

West Bengal

0,51

0,34

Quelle: Election Commission of India

Auf Länderebene kann die JMM vor allem in Bihar entscheidende Sitze gewinnen. Sie ging in den letzten Jahren stets eine Allianz mit den kommunistischen Parteien und der Janata Dal, nun der Rashtriya Janata Dal, ein.

6.4.3. Orissa

6.4.3.1. Biju Janata Dal in Orissa,

Die Biju Janata Dal ist eine jüngere Partei. Am 15. Dezember 1997 spaltete sich die Janata Dal in Orissa. Auslöser waren Nachfolgekämpfe nach dem Tod des bisherigen Parteiführers Biju Patnaik.

Die Janata Dal errang dank ihres charismatischen Führers bei den Bundeswahlen 1989 in Orissa 49,5% der Stimmen und stellte 16 der 21 Abgeordneten des Landes. Bei den Landeswahlen ein Jahr später stieg der Prozentsatz der für sie abgegebenen Stimmen sogar auf 53,7%. Die Partei stellte 123 von 146 Abgeordneten. Biju Patnaik wurde Premierminister. Bei den Bundeswahlen von 1991 erreichte sie hingegen nur noch 34,6% der Stimmen und konnte sechs Abgeordnete stellen. Die Landeswahlen 1995 brachten den Verlust der Macht für die Janata Dal in Orissa. Sie erreichte ähnlich wie bei den Bundeswahlen vier Jahre zuvor 35,3% der Stimmen und konnte nur noch 46 Abgeordnete stellen. Grund war, wie oben ausgeführt, die harte Haltung des Parteichefs in Finanzfragen des Staates.

Nach dem Tod von Biju Patnaik kam es innerhalb der Janata Dal in Orissa zu einem Flügelkampf. Während eine Mehrheit aufgrund der Dominanz der Congress Party im Bundesland eine Allianz mit der BJP anstrebte, sah sich eine Minderheit der alten Konfrontationslinie gegen "kommunalistische Kräfte" verpflichtet (Mohan 1998). 29 der 49 Abgeordneten der Janata Dal im Landesparlament spalteten sich ab und traten der Biju Janata Dal bei.

Geführt wird die Partei von Makkal Munnetram und Naveen Patnaik, dem Sohn des charismatischen Führers Biju Patnaik (Mohan 1998). Die Partei ging vor den Wahlen eine Allianz mit der BJP ein. Sie erzielte 27,5% der Stimmen in Orissa und entsandte 9 Abgeordnete nach New Delhi. Die Janata Dal erreichte bei den Bundeswahlen lediglich 4,93% und konnte keinen Sitz gewinnen.

Anders als andere Abspaltungen von der Janata Dal verfügt die neue Partei nicht über einen charismatischen Führer. Sie versuchte daher bisher auch keine Ausweitung über Orissa hinaus. Die Partei trat lediglich in Orissa an.

Ihre Wahlabsprache mit der BJP muß vor dem Hintergrund der Parteienkonstellation in Orissa gesehen werden. Sie stellt keinesfalls ein ideologisches Bekenntnis dar. Neben der Biju Janata Dal gibt es als große Parteien nur noch die Congress Party und die BJP. Da die Congress Party momentan mit absoluter Mehrheit regiert, erscheint ein temporärer Zusammenschluß mit der BJP logisch. Diese Strategie zahlte sich bei den letzten Bundeswahlen aus. Während die BJD 9 Abgeordnete stellen konnte, wurde die Congress Party auf 5 Abgeordnete reduziert.

Die Biju Janata Dal konnte im Juni 1998 bei Nachwahlen zum Landesparlament Stimmengewinne verbuchen. Seit August 1998 stellt sie zusammen mit der BJP die Landesregierung. Interne Richtungskämpfe hatten die Position der Congress Party im Landesparlament untergraben.

6.4.4. Haryana

6.4.4.1. Haryana Vikas Party (HVP)

Die Haryana Vikas Party ist eine Neugründung durch den ehemaligen Congresspolitiker Bansi Lal. Vor allem mit einer Prohibitionskampagne gewann die Partei die letzten Landeswahlen in Haryana. Sie regiert in Haryana zusammen mit der BJP. 1996 errang die HVP drei Sitze im Bundesparlament (15,19%). Mit nur noch 11,6% bei den Bundeswahlen in 1998 stellt sie einen Abgeordneten im Bundesparlament.

Da infolge der Prohibition die Staatseinnahmen drastisch zurückgingen (Alkoholsteuer), mußte die Partei unpopuläre Steuererhöhungen durchsetzen. Dies dürfte sie bei den nächsten Wahlen spüren.

Wahlergebnisse der HVP bei

Bundeswahlen 1991 bis 1998

%

Sitze

1991

5,4

1

1996

15,19

4

1998

11,6

1

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri / Roy 1995

Die HVP ist keine klassische Regionalpartei, eher die Partei eines populären Politikers. Dennoch muß sie als Regionalpartei betrachtet werden, da sie lediglich in Haryana Erfolge verbuchen konnte. Bei der derzeitigen politischen Stimmung in Haryana könnte sie sich in die lange Liste der Abspaltungen vom Congress einreihen, die ohne dauerhaften politischen Erfolg blieben.

Sollte es gelingen, politisch zu überleben, könnte sie sich als regionale Alternative zur HLD-R und zu den beiden großen Parteien Congress und BJP etablieren.

6.4.4.2. Haryana Lok Dal (Rashtriya) (HLD-R)

Die Haryana Lok Dal (Rashtriya) ist eine Abspaltung von der Janata Dal. Sie nahm 1996 als Gliederung der SAP an Bundeswahlen teil und erreichte 19,01%, konnte jedoch keinen Sitz gewinnen. 1998 nahm sie erstmals als HLD-R an den Bundeswahlen teil. Sie erzielte 25,9% der Stimmen und errang 4 Sitze im Bundesparlament. Dies dürfte der Unpopularität der derzeitigen Regierungspartei HVP geschuldet sein.

Die HLD-R unterstützt die BJP Regierung in New Delhi mit ihren vier Abgeordneten. Sie verlangt dafür in erster Linie den Bau eines großen Bewässerungskanals in Haryana. Dieses Projekt wurde von Politikern, die nun der HLD-R angehören, bereits angeregt, als sie als Mitglieder der Janata Dal Regierung 1990 an der Macht waren.

Neben den nationalen Parteien und diesen beiden Regionalparteien spielt nur noch die in Uttar Pradesh beheimatete BSP als Vertreterin der unteren Kasten eine Rolle. Sie erzielte 1996 6,59% der Stimmen und 1998 7,68%. Einen Sitz konnte sie nicht gewinnen.

6.4.5. Punjab

Im Punjab gibt es vier wichtige Parteien. Neben den beiden nationalen Parteien erreichen eine Gliederung der BSP sowie die Shiromani Akali Dal als Vertreterin der Sikhs regelmäßig relevante Stimmenanteile und Sitze.

6.4.5.1. Shiromani Akali Dal

Die Shiromani Akali Dal ist eine Regionalpartei im Bundesland Punjab und wurde bereits 1920 gegründet (Brass 1974:283). Sie ist vor allem eine Partei der Sikhs. Die Sikhs sind eine Glaubensgemeinschaft, die vom ersten Guru Nanak (1465-1539) zur Verteidigung des Hinduismus gegenüber den moslemischen Eroberern gegründet wurde. Die Religion stellt eine Mischung aus Hinduismus und Islam dar. Auf den ersten Guru folgten bis 1708 neun weitere Gurus, deren Schriften die Grundlage des Glaubens bilden. Der zweite Guru schuf eine eigene Schrift der Sikhs. Der zehnte Guru gab seinen Anhängern den Beinamen "Singh" (Löwe) und führte fünf Zeichen ein (Kesh: ungeschnittenes Haar; Kanga: einen hölzernen Kamm; Katchera: eine Baumwollunterhose; Kara: einen Stahlarmreif; Kirpan: ein kleines Schwert), die ein Sikh tragen muß (Barrier 1998:194). Diese Vorschriften führten zur Entwicklung von zwei Strömungen: zum einen der eher militanten Sikhs, die die Gebote aller zehn Gurus befolgen und einer eher gemäßigten Strömung, die sich nur an die Gebote der ersten neun Gurus halten.

Fünf Jahre nach Gründung der Sikh Partei Shiromani Akali Dal wurde das Tempelkomitee der Partei gegründet. Dieses erhielt nach blutigen Kämpfen (Rothermund 1965:106) von den Briten das Recht zur Kontrolle ihres Tempeleigentums (Brass 1974:283). Ähnlich wie der RSS zur BJP stellt das Tempelkomitee eine radikal religiöse Gruppe innerhalb und außerhalb der Partei dar, die die Politik der Partei zu dominieren versucht. Dies gelang ihr im Laufe der Geschichte der Partei in unterschiedlichem Maße.

Separatistische Forderungen von Seiten der Shiromani Akali Dal zur Gründung eines eigenen Staates Punjab oder zumindest einer eigenen Provinz Punjab, um in ihr die eigene Schrift pflegen zu können, wurden von den Hindu-Nationalisten der Bharatiya Jana Sangh und der Hindu Mahasabha mit der Forderung nach Vergrößerung des Punjab beantwortet. Im ersten Falle wären die Sikhs in der neuen Provinz in der Mehrheit gewesen, im zweiten Falle hätte sich ihr prozentualer Anteil an der Bevölkerung und somit ihr Einfluß reduziert. 1966 wurde der Punjab gemäß der Forderungen der Sikh-Führer in die Bundesstaaten Punjab und Haryana mit der gemeinsamen Hauptstadt Chandigarh geteilt.

Die Shiromani Akali Dal erzielte daraufhin in den Wahlen zum Bundesparlament im Bundesland Punjab 1971 30,9% der Stimmen, 1977 42,3%, 1980 23,4% und 1984 37,2%. Auf Landesebene war es ihr möglich, von 1967 bis 1972 und von 1977 bis 1980 den Premierminister zu stellen. Ein Wahlbündnis bei Bundeswahlen mit der Janata Party 1980 erwies sich als Fehlschlag. Der Congress gewann die Bundes- und Landeswahlen und stellte den Premierminister im Punjab.

Eine Abspaltung von der Shiromani Akali Dal, die Khalistan Party unter Dr. Jagit Singh, kämpfte von 1982 bis 1994 in einem Bürgerkrieg für einen unabhängigen Sikh Staat Khalistan. Dieser Kampf blieb auch für die Shiromani Akali Dal nicht ohne Auswirkungen. Ein militanter Flügel übernahm die Kontrolle der Partei, deren Wahlergebnisse daraufhin bei den Bundeswahlen 1989 und 1991 auf unter 2% abstürzten. Bei Landeswahlen erreichte sie 1992 lediglich 5,1% der Stimmen. Der Grund war eine Zersplitterung der Partei in unabhängige Fraktionen. Sechs von ihnen (Akali Dal-Kabul, Mann Dal, Panthic Akali Dal, Manjit Fraktion, Babbar Akali Dal und Talwandi Dal) schlossen sich 1994 zur Shiromani Akali Dal zusammen. Eine weitere Fraktion blieb als SAD(M) unabhängig (Paulose/Kaur 1996:134). 1996 konnte die Partei mit 28,72% der Stimmen an ihre alte Stärke anknüpfen. Bei den Wahlen 1998 erzielte sie 32,93%. Auf Landesebene regiert die Shiromani Akali Dal derzeit zusammen mit der BJP. Die unabhängige SAD(M) erreichte 1996 lediglich 3,85% der Stimmen und 1998 2,73%.

Der Punjab ist heute nach den Indikatoren Alphabetisierung und Urbanisierung im oberen Drittel der indischen Bundesstaaten angesiedelt. Das Pro-Kopf Einkommen ist nach Maharashtra das zweithöchste in Indien. Die Akali Dal ist eine klassische Regionalpartei, die nie versuchte, über die Grenzen ihres Bundeslandes hinaus zu expandieren. Sie vertritt die Interessen der wohlhabenden Sikhbauern und hat in ihnen eine nach wie vor solide Wählerbasis. In der neuen Regierung versucht sie wie andere Regionalparteien, klientelistische Politik zu betreiben. Auch die SAD kann aufgrund ihrer Programmatik nicht zu einer nationalen Partei werden (Gupta 1997:239). Die Forderung nach Unabhängigkeit oder zumindest größerer Autonomie mögen zwar noch geäußert werden, werden aber nicht mit Nachdruck verfolgt. Dazu profitiert die Bevölkerung des Punjab zu sehr von der Liberalisierung innerhalb der Indischen Union.

Wahlergebnisse der SAD bei Bundeswahlen 1952-1998

%

Sitze

1952

11,4

2

1962

12,3

3

1971

30,9

1

1977

42,3

9

1980

23,4

1

1984

37,2

7

1989

1,3

1991

1,9

1996

28,72

8

1998

32,93

8

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri / Roy 1995

6.4.6. Maharashtra

Neben den nationalen Parteien gibt es in Maharashtra zwei Regionalparteien mit einigem Gewicht: die Shiv Sena und die Republican Party of India.

6.4.6.1. Shiv Sena

Die Shiv Sena wurde 1966 von Bal Thackeray in Bombay gegründet und wird bis heute von ihm geführt. Sie ist zum einen eine sozialkaritative Bewegung, die vor allem im Großraum Bombay lokalisiert ist, zum anderen Regionalpartei. Sowohl als Bewegung als auch als Partei ist sie stark hierarchisch strukturiert. Nach anfänglicher Bezugnahme auf die hinduistische Marathi sprechende Bevölkerung Maharashtras, die es gegen Arbeitsmigranten vor allem aus dem Süden Indiens zu schützen galt (Malhotra 1990:301), öffnete sich die Partei, um sich auf weitere Teile Indiens ausdehnen zu können. Seit Anfang der siebziger Jahre sind die Hauptgegner der Partei die Moslems und Sikhs.

Schon zwei Jahre nach ihrer Gründung erreichte die Partei bei Kommunalwahlen beachtliche Erfolge. 1971 stellte sie den Bürgermeister Bombays. Infolge ihrer großen sozialkaritativen Aktivitäten (Arbeitsvermittlung, Rechtsberatung, Funktion als Friedensrichter) (Naipaul 1990:15ff.) konnte sie ihre Wahlerfolge ausdehnen und bildete 1995 zusammen mit der BJP die Landesregierung von Maharashtra.

Bei Landeswahlen in Maharashtra konnte die Shiv Sena ihren Stimmenanteil von 1,8% in 1972 auf 16,5% in 1995 ausbauen. Bei Bundeswahlen stieg der Stimmenanteil analog. Die Partei konnte 1989 erstmals einen Sitz erringen. 1991 errang die Shiv Sena mit 9,5% der Stimmen in Maharashtra drei Sitze im Bundesparlament, 1996 errang sie mit 16,83% der Stimmen in Maharashtra 15 Sitze. In 1998 gelang es der Partei 19,66% der Stimmen zu erringen, aber nur noch 6 Sitze. Ihr Stimmenanteil in Maharashtra stieg kontinuierlich.

Versuche, auch in anderen Bundesstaaten Fuß zu fassen, waren dagegen bisher nicht von Erfolg gekrönt. Die Shiv Sena mußte hier sogar Rückschläge hinnehmen. Trat die Partei 1996 noch in 16 Ländern an, so versuchte sie es 1998 nur noch in 13 Ländern. Sowohl 1996 als auch 1998 erreichte die Shiv Sena dabei außerhalb Maharashtras selten mehr als 0,1% der Stimmen in den jeweiligen Bundesstaaten.

Es bleibt festzuhalten, daß es der Shiv Sena als originärer single-issue-Partei (Schutz der Einwohner Maharashtras vor Arbeitsmigranten) trotz neuer programmatischer Ausrichtung nicht gelingt, neue Wählerschichten außerhalb Maharashtras zu erschließen. Die Partei kann als Reaktion auf die Modernisierung im Melting-Pot Bombay gekennzeichnet werden.

Wahlergebnisse der Shiv Sena bei den Bundeswahlen 1998

Sitze

%

Andhra Pradesh

0,01

Bihar

0,05

Gujarat

0,02

Haryana

1,93

Kerala

0,02

Madhya Pradesh

0,1

Maharashtra

6

19,66

Orissa

0,19

Rajasthan

0,26

Uttar Pradesh

0,05

West Bengal

0,01

Dadra & Nagart Haveli

41,71

Delhi

0,08

Quelle: Election Commission of India

Hier, wo sie über eine solide Wählerbasis verfügt, verdankt sie ihre Erfolge in erster Linie ihren sozialkaritativen Bemühungen. Wo diese klientelistische Wählerbindung nicht funktioniert, gelingt es eher der BJP, sich als wahre Vertreterin des Hinduismus darzustellen. Dies gilt nicht nur für andere Bundesländer, sondern auch für große Bereiche Maharashtras.

6.4.6.2. Republican Party of India (RPI)

Die Republican Party of India wurde vom Führer der Unberührbarenbewegung Dr. Ambedkar gegründet, um die "Scheduled Castes", die Unberührbaren, zu vertreten. Mittlerweile ist deren Förderung in der Verfassung festgeschrieben und wird auch von vielen anderen Parteien betrieben, da sie ein großes Wählerpotential sind. Die Hochburgen der RPI befanden sich in den nördlichen Ländern, in denen die Anzahl der höherkastigen Hindus größer ist als im Rest des Landes (Malhotra 1990:300). Mittlerweile besitzt die RPI nur noch in vier Bezirken in Maharashtra Einfluß. Hier mobilisierte sie bei den letzten beiden Bundeswahlen immerhin jeweils 1,3 Millionen Wähler und erzielte ca. 4% der Stimmen des Landes. 1996 gelang es der Partei nicht einen Sitz zu gewinnen, 1998 stellte sie vier Abgeordnete. Die RPI hat ein festes Bündnis mit der Congress Party und kann daher, obschon formal eigenständige Partei, als lokale Gruppe der Congress Party betrachtet werden.

Wahlergebnisse der RPI bei Bundeswahlen 1996 und 1998

1996

1998

1998

%

%

Sitze

Andhra Pradesh

0,00

Gujarat

0,09

0,13

Haryana

0,03

Jammu & Kashmir

0,13

Karnataka

0,02

Madhya Pradesh

0,06

0,06

Maharashtra

4,92

4,14

4

Punjab

0,06

Tamil Nadu

0,02

Uttar Pradesh

0,05

0,00

West Bengal

0,00

Quelle: Election Commission of India

6.4.7. Karnataka

In Karnataka spielen neben dem Congress und der BJP auch noch die Janata Dal und eine Abspaltung von der Janata Dal, die Lok Shakti, eine Rolle.

6.4.7.1. Janata Dal

Bereits 1983 gewann eine Vorläufer-Partei der Janata Dal in Karnataka 33,1% der Stimmen und erlangte 95 Sitze im Landesparlament. Ihr Parteivorsitzender Ramakrishna Hedge war von 1983 bis 1985 Premierminister in Karnataka. Bei Neuwahlen 1985 konnte die Janata Party ihren Stimmenanteil auf 43,9% ausbauen und stellte 137 von 224 Abgeordneten. S.R. Bommai wurde Ministerpräsident. Er regierte bis 1989. Eine große Fraktion der Janata Party unter Hedge trat dann der Janata Dal bei. Kurz vor den Wahlen spaltete sich die Janata Dal in zwei Gruppen. Die Janata Dal unter Hedge erreichte bei den Wahlen 1989 24 Sitze, die Abspaltung unter Deve Gowda 2 Sitze. Von 1989 bis 1994 regierte deshalb die Congress Party in Karnataka.

Ergebnisse der Janata Dal in Karnataka bei Bundeswahlen 1989 bis 1998

1989

1991

1996

1998

%

Sitz

%

%

Sitze

%

Sitze

Karnataka

28,3

1

18,5

34,9

16

21,69

3

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri/ Roy 1995

Kurz vor den Landeswahlen 1994 vereinten sich die alten Janata Dal Fraktionen wieder, diesmal unter Gowda (Mohan 1998). Bei den Landeswahlen 1994 gewann die Janata Dal mit 33,5% der Stimmen 115 Sitze im Parlament und konnte wieder mit absoluter Mehrheit regieren. Bei den folgenden Bundeswahlen errang sie 34,91% der Stimmen und entsandte 16 Abgeordnete nach Delhi. Der Führer der Janata Dal in Karnataka, H.D. Gowda, wurde zum ersten Premierminister der United Front. Persönliche Animositäten zwischen Gowda und Hedge führten zum Ausschluß des letzteren aus der Janata Dal aufgrund von Korruptionsvorwürfen.

Die Janata Dal verlor damit ihre Basis in Nord-Karnataka. Sie konnte ins neue Bundesparlament nur noch 3 Abgeordnete entsenden, obwohl sie 21,69% der Stimmen erzielte. Bemühungen um eine Revitalisierung der Janata Dal schließen ein Werben um einen erneuten Beitritt Hegde´s mit ein.

6.4.7.2. Lok Shakti in Karnataka

Am 16. Februar 1997 gründete Ramakrishna Hedge aufgrund seines Parteiausschlusses aus der Janata Dal die Partei Lok Shakti und ging vor den Wahlen 1998 ein Bündnis mit der BJP ein. Die Lok Shakti erzielte 11,5% der Stimmen in Karnataka und entsandte drei Abgeordnete ins Bundesparlament. Anders als die Biju Janata Dal trat die Lok Shakti noch in 11 weiteren Bundesländern an. Einen Teilerfolg erzielte sie lediglich in Nagaland, wo sie 13,3% der Stimmen erhielt, ohne jedoch einen Sitz zu gewinnen.

Die politische Basis der Partei liegt vor allem in Nord-Karnataka. Hier hatte die Janata Dal 1996 sieben Sitze errungen. Durch Gegenkandidaten der Lok Shakti, die mit 11,5% der Stimmen drei Sitze erhielt, gelang es der Janata Dal nicht, hier wiederum Sitze zu erringen.

Wahlergebnisse der Lok Shakti bei den Bundeswahlen 1998

%

Sitze

Andhra Pradesh

0,01

Bihar

0,11

Haryana

0,04

Jammu & Kashmir

0,22

Karnataka

11,5

3

Manipur

0,15

Nagaland

13,3

Orissa

0,03

Punjab

0,02

Uttar Pradesh

0,01

West Bengal

0,01

Chandigarh

0,22

Quelle: Election Commission of India

6.4.8. Andhra Pradesh

In Andhra Pradesh gibt es eine starke Regionalpartei namens TDP sowie eine Abspaltung von dieser Partei, die 1996 und 1998 unter dem Kürzel NTRTDP zu den Wahlen antrat. Weitere bedeutende politische Parteien sind die Congress Party und seit 1998 die BJP. Die beiden kommunistischen Parteien erringen regelmäßig 2% bis 4% der Stimmen und gewinnen Sitze.

6.4.8.1. Telugu Desam Party

In Andhra Pradesh bildete sich erst Anfang der achtziger Jahre eine Regionalpartei im Stile von Tamil Nadu. Die Telugu Dessam Party wurde 1982 vom Schauspieler N.T. Rama Rao, gegründet, um der Telugu sprechenden Bevölkerung ihren "Stolz" zurückzugeben. Er gewann mit dieser Parole auf Anhieb die Landeswahlen 1983 mit 46,3%. Die Partei stellte 203 von 294 Abgeordneten. Auch bei den Bundeswahlen des darauf folgenden Jahres war sie erfolgreich. Sie erzielte in Andhra Pradesh 44,8% der Stimmen und stellte 30 der 44 Abgeordneten des Bundeslandes. Bei Landeswahlen 1985 errang die TDP erneut die absolute Mehrheit (46,2% - 202 Abgeordnete). Im März 1989 ging der Prozentsatz ihrer Stimmen auf 36,8% zurück. Sie konnte nur noch 74 Abgeordnete ins Landesparlament entsenden. Der Congress übernahm wieder die Landesregierung. Bei den Bundeswahlen im November des gleichen Jahres erreichte sie 34,5% und stellte lediglich 2 Abgeordnete. Die Bundeswahlen 1991 sahen einen erneuten leichten Rückgang bei den Stimmen auf 32,3%. Dennoch konnte die Partei 13 Abgeordnete stellen. Die Landeswahlen 1994 bescherten der Partei nach vier Jahren Congress Regierung wieder einen überragenden Wahlerfolg. Mit 43,9% stellte sie 213 der 292 Abgeordneten. N.T. Rama Rao wurde erneut Ministerpräsident.

Wahlergebnisse der TDP bei Bundeswahlen

in Andhra Pradesh

%

Sitze

1984

44,8

30

1989

34,5

2

1991

32,3

13

1996

32,59

16

1998

31,97

12

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri / Roy 1995

Eine innerparteiliche Revolte brachte Chandrababu Naidu im September 1995 auf den Sessel des Premierministers (Sidhva 1998:22).

Chandrababu Naidu errang mit der TDP 1996 32,59% der Stimmen in Andhra Pradesh und konnte 16 Abgeordnete nach Delhi schicken. Er ist einer der führenden Persönlichkeiten der United Front, die von 1996 bis 1998 die Bundesregierung stellte. 1998 erreichte die Partei 31,97% der Stimmen und stellte 12 Abgeordnete. Seine Wählerschaft findet Naidu hauptsächlich in den unteren Schichten und Kasten sowie, aufgrund der von ihm eingeführten Prohibition, unter Frauen. Die große Moslem Minderheit unterstützt ihn ebenfalls.

Wahlergebnisse der TDP bei Landeswahlen

in Andhra Pradesh

%

Sitze

1983

46,3

203

1985

46,2

202

1989

36,8

74

1994

43,9

213

Quelle: Election Commission of India und Butler / Lahiri / Roy 1995

Nach den Wahlen 1998 und der Niederlage der United Front entschloß sich Naidu, die BJP-Regierung zu tolerieren, um die Congress Party in der Opposition zu halten. Die 12 Abgeordneten der TDP nahmen auf Geheiß von Naidu nicht an der Vertrauensabstimmung über die neue Regierung teil. Erst dies ermöglichte der BJP, eine Mehrheit im Parlament zu finden (Mukerji 1998).

6.4.8.2. NRTDP

Nach dem Tode von N.T. Rama Rao führte seine Frau Lakshmi Parvathi die Minderheitsfraktion der TDP unter dem Kürzel NRTDP. Sie ging ein Bündnis mit der BJP ein. Die von ihr geführte Fraktion erreichte bei den Bundeswahlen 1996 noch 10,66%, 1998 aber nur noch 1,2% der Stimmen in Andhra Pradesh. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Partei mit einem Mißerfolg bei den kommenden Landeswahlen aus dem ernst zu nehmenden politischen Spektrum Andhra Pradeshs verabschiedet.

6.4.9. Assam

Die Congress Party ist nach wie vor, trotz Bürgerkriegs, die größte Partei in Assam. Sie erreichte bis 1983 Stimmenanteile zwischen 40% und 50%. In den Jahren 1985 bis 1991 kam sie nur noch auf 20% bis 30%. Bei den letzten beiden Wahlen erreichte sie 31,64% (1996) bzw. 38,97% (1998). Die BJP konnte ihren Stimmenanteil von 1,1% bei den Landeswahlen 1985 auf 24,47% bei den Bundeswahlen 1998 steigern.

6.4.9.1. The Asom Gana Parishad (AGP)

Die Asom Gana Parishad (AGP), dritte große politische Kraft in Assam, ging aus All Assam Students Union (AASU) hervor. Diese hatte von 1983 bis 1985 einen Bürgerkrieg gegen Bengalis geführt, die nach der Staatsgründung Bangladeschs nach Assam immigriert waren (Wilke 1997:99). Durch ein (nicht umgesetztes) Abkommen mit der indischen Bundesregierung wandelte sich die militante Bewegung in eine Partei. Bei den Landeswahlen 1985 erreichte sie auf Anhieb 35% der Stimmen und mit 65 Abgeordneten die absolute Mehrheit. Die Bundeswahlen 1984 konnten in Assam aufgrund des Bürgerkrieges nicht abgehalten werden. Sie wurden im Dezember 1985 nachgeholt und brachten der AGP 33,4% der Stimmen und sieben von vierzehn Sitzen im Bundesparlament. Die AGP schloß sich vor den Wahlen der Nationalen Front an. Die mangelnde Umsetzung des Abkommens mit der indischen Zentralregierung förderte wachsende Militanz, so daß zum einen die Bundeswahlen 1989 nicht stattfinden konnten und zum anderen im Dezember 1990 die Presidents Rule über den Bundesstaat verhängt wurde.

Eine Abspaltung von der AGP, die Nutan Assam Gana Parishad (NAGP), sorgte dafür, daß der Congress die Wahlen 1991 gewann. AGP und NAGP schlossen sich 1992 wieder zusammen. Sie gewannen die Landeswahlen 1995 und stellen seitdem erneut die Regierung. Ins Bundesparlament 1996 entsandten sie 5 Abgeordnete (27%) und wurden Mitglied der regierenden Nationalen Front. Die AGP stellte den ersten Bundesminister aus Assam. Korruptionsvorwürfe und eine erneute Spaltung der Partei führten zu einem Mißerfolg bei den Wahlen 1998. Die AGP erhielt 12,72% der Stimmen, konnte aber keinen Sitz gewinnen.

6.4.10. West Bengal und Kerala

West Bengal wird seit 1977 ununterbrochen von der CPI-M regiert. In Kerala gab es 1957 die erste kommunistische Landesregierung in Indien. Seitdem wechseln sich kommunistische Landesregierungen mit vom Congress geführten Landesregierungen ab.

Neben den beiden kommunistischen Parteien (CPI und CPI-M) gibt es in West Bengal noch zwei kommunistische Splittergruppen (FB und RSP), die ebenfalls regelmäßig Abgeordnete ins Landes- und Bundesparlament entsenden. Lange Jahre war die Congress Party die einzig ernst zu nehmende Opposition. Von ihr spaltete sich 1997 der Trinamool Congress ab und schloß eine Wahlallianz mit der BJP. Dies ermöglichte es der BJP, ihren Stimmenanteil auf 10,20% zu steigern.

In Kerala ist die Congress Party mit jeweils rund 40% der Stimmen die größte Partei. Die CPI-M erreicht stets rund 20%, die CPI rund 8%. Die BJP errang 1998 lediglich 8,02% der Stimmen. Neben diesen Hauptakteuren gibt es noch eine Reihe von lokal verankerten Parteien, die regelmäßig Sitze im Landes- und Bundesparlament erringen und über Bündnisse mit den großen Parteien die Politik des Landes mitbestimmen. Die wichtigste ist die Muslim League, die einzige erfolgreiche Moslem Partei in Indien.

Die Kommunistischen Parteien CPI und CPI (M)

Mehrere kommunistische Splittergruppen in Indien wurden 1925 durch M.N. Roy zur Communist Party of India zusammengefaßt. Da kommunistische Parteien aufgrund eines Attentates seit 1924 verboten waren, agierte die CPI zunächst im Untergrund. Sie schuf sich mit der Peasants- and Workers Party (PWP) ein offizielles Sprachrohr. Die PWP existiert noch in einigen Distrikten in Maharashtra (Malhotra 1990:294). Bei den letzten Bundeswahlen errang sie einen Sitz.

Die Politik der CPI folgte bis Mitte der sechziger Jahre streng den Vorgaben aus Moskau. So arbeiteten die PWP und die mittlerweile wieder erlaubte CPI zunächst mit dem Congress zusammen. Nach einem Beschluß der Komintern von 1928, gemäß dem die Zusammenarbeit mit nationalen, nicht-revolutionären Kräften abzulehnen sei, kündigten die Kommunisten ihre Zusammenarbeit mit dem Congress auf. Auf die Bildung eines Zentralkomitees der CPI im Jahre 1933 in Calcutta und einer Streikwelle folgte ein erneutes Verbot der Partei (Rothermund 1965:147), das bis 1942 Gültigkeit behielt. In die Zeit des Verbotes fiel ein erneuter Kurswechsel der Partei. Aufgrund einer geänderten Haltung Moskaus versuchte sie, sich nach 1935 wieder der Congress Party anzunähern. Die Frage, ob die britischen Kolonialherren im Zweiten Weltkrieg zu unterstützen seien, entzweite die Bewegungen allerdings endgültig. Während der Congress eine Unterstützung der Briten von deren Zustimmung zur Unabhängigkeit oder zumindest Schritten in diese Richtung abhängig machte (Rothermund 1965:182), unterstützte die CPI die Briten nach Hitlers Einmarsch in die UdSSR nahezu bedingungslos. Sie wurde daraufhin von 1942 bis 1945 an der britisch-indischen Regierung beteiligt. Dies brachte ihr durch die Besetzung von wichtigen Positionen große Vorteile und eine steigende Mitgliederzahl.

Bei der ersten Bundeswahl 1952 (3,3% - 16 Abgeordnete) trat die Partei nicht überall an. Sie erzielt gute Ergebnisse im Osten (Manipur – 8,6%; Orissa – 5,8%, Tripura – 61,3%; West Bengal – 9,5%) und im Süden (Tamil Nadu – 8,9%). In Kerala (damals Travancore-Cochin) trat sie nicht an. Im Punjab erzielte sie 5%. Dieses Ergebnis ließ die Frage nach dem Verhältnis zum Parlamentarismus virulent werden. Während ein linker Flügel nach wie vor die Revolution als einzig möglichen Weg ansah, trachtete der rechte Flügel danach, die Macht auf parlamentarischem Wege zu erringen. Weitere Unterschiede in beiden Fraktionen gab es über die Frage der Einstellung zu Moskau und zur indischen Regierung unter Nehru. Auf dem 4. Parteikongreß 1956 setzte sich zunächst der rechte Flügel durch. Die Befolgung des parlamentarischen Weges zur Erreichung der CPI Ziele wurde festgelegt.

1957 konnte die CPI in Kerala mit 35% der Stimmen fast die Hälfte aller Sitze gewinnen (60 Abgeordnete von insgesamt 126). Da der Congress lediglich 43 Sitze erreichte und Unabhängige 14 Sitze errangen, konnte die CPI zusammen mit den Sozialisten (Praja Socialist Party) die Regierung bilden. Es führte zu einem weiteren Auseinanderdriften der Flügel innerhalb der CPI. Während der rechte Flügel eher Moskau treu war, neigten die Sympathien des linken Flügels eher China zu.

Das Experiment einer kommunistischen Landesregierung wurde zwei Jahre später durch die Bundesregierung unter Nehru mittels der Presidents Rule abgebrochen. Die kommunistische Regierung hatte versucht, die Bildungseinrichtung unter ihre Kontrolle zu bringen. Die bisherigen Träger der Schulen, katholische Kirche und Kastenorganisationen, protestierten so heftig, daß sich die Bundesregierung zum Eingreifen gezwungen sah (Rothermund 1965:226).

Bei den zweiten Bundeswahlen 1957 konnte die CPI ihr Ergebnis verbessern (8,9% - 27 Abgeordnete). Ihre Hochburgen blieben der Osten (Assam – 10,2%; Bihar – 5,1%; Manipur – 11,1%; Orissa – 4,8%; Tripura – 45,2% und West Bengal – 9,5%) und der Süden (Andhra Pradesh – 12%; Kerala – 37,5%, Maharashtra – 6,3% und Tamil Nadu – 10,1%). Im Punjab erzielte die Partei 16,8% der Stimmen, in Rajasthan 4,8%. Bei den Bundeswahlen 1962 konnte die CPI ihr Ergebnis wiederum leicht verbessern. Sie erzielte 9,9% der Stimmen und stellte 29 Abgeordnete. Die Hochburgen waren wie gehabt im Osten (Assam – 7,1%; Bihar – 6,4%; Manipur – 8,1%; Orissa – 5,1%; Tripura – 51,3% und West Bengal – 29,4%) und im Süden (Andhra Pradesh – 21%, Kerala – 35,5%; Maharashtra – 4,1% und Tamil Nadu – 10,2%).

Der indisch-chinesische Krieg von 1962 riß die beiden Flügel endgültig auseinander. Während der rechte Flügel eine nationalistische Haltung einnahm und den chinesischen Angriff verurteilte, drückte der linke Flügel lediglich sein Bedauern über den Tod von Soldaten aus, ohne jedoch China zu verurteilen. Zwei Jahre später spaltete sich der linke Flügel ab und konstituierte sich als neue Partei unter dem Namen Communist Party of India (Marxist) (Malhotra 1990:256ff.).

Die Communist Party of India blieb zunächst die größere der beiden Parteien. Bei den Bundeswahlen 1967 erreichte sie 5% und stellte 23 Abgeordnete. Über 5% der Stimmen erreichte sie in Andhra Pradesh (11,4%), Assam (8,3%), Bihar (9,9%), Maharashtra (5,1%), Manipur (28,9%) und West Bengal (9,1%). Die neue Partei CPI-M hatte ihre Schwerpunkte ebenfalls in Andhra Pradesh (7,4%), Kerala (24,9%) und West Bengal (15,7%). Darüber hinaus gewann sie mehr als 5% der Stimmen in Tamil Nadu (6,9%) und Tripura (41,7%).

Wahlergebnisse der CPI bei Bundeswahlen

1980 bis 1998

CPI

CPI

CPI

CPI

CPI

CPI

1980

1984

1989

1991

1996

1998

%

%

%

%

%

%

Andhra Pradesh

3,7

1,9

2

1,9

2,39

2,56

Assam

1,4

2,2

0,95

Bihar

7,3

8,2

7,9

7,6

5,08

3,4

Goa

0,9

1,5

0,92

Gujarat

0,2

0,1

0,09

0,09

Haryana

0,9

0,3

0,36

0,15

Himachal Pradesh

1,9

0,9

1,3

0,7

0,42

0,56

Karnataka

0,3

1

0,8

0,6

0,38

0,06

Kerala

6,5

7,4

6,2

8,1

8,22

8,32

Madhya Pradesh

0,6

0,9

0,6

0,4

0,73

0,66

Maharashtra

0,5

1

1,9

1

0,61

0,07

Manipur

9,7

9,5

5,6

4,01

20,47

Meghalaya

6,3

3,7

4,8

1,2

1,41

1,44

Orissa

0,8

1,5

3,7

3,1

0,34

0,99

Punjab

1,3

3,8

2,1

1,6

1,6

3,4

Rajasthan

0,5

0,3

0,2

0,1

0,19

0,62

Sikkim

1

Tamil Nadu

3,6

3,4

2

2

2,33

2,45

Tripura

Uttar Pradesh

1,6

1,7

1,4

1

0,38

0,18

West Bengal

4,3

3,8

3,9

3,7

3,81

3,64

Quellen: Election Commission of India und Butler/Lahiri/Roy 1995

Während die CPI-M ihre Wahlergebnisse bei den folgenden Wahlen nach und nach auf 5% bis 6% steigern konnte, gingen die Ergebnisse der CPI auf rund 2% zurück. Wendepunkt war die Unterstützung der CPI für den von Indira Gandhi ausgerufenen Notstand 1975. 1977 ging die CPI ein Bündnis mit dem Congress ein, während die CPI-M sich der Janata Dal anschloß. Die Regierung der United Front von 1996 brachte wieder eine gewisse Annäherung der Parteien. Während die CPI-M als Mitglied der Regierung zwei Minister stellte, unterstützte die CPI die Regierung von außen.

Bei den letzten Wahlen zum Bundesparlament erhielt die CPI neun Sitze. Sie gewann jeweils zwei Sitze in Kerala und Andhra Pradesh, einen Sitz in Tamil Nadu und 3 Sitze in West Bengal. In keinem der Bundesländer ist die CPI Mehrheitspartei. In Kerala reduzierte sich ihr Stimmenanteil von rund 40% vor der Spaltung auf rund 8%. In Andhra Pradesh, eine ihrer Hochburgen, reduzierte sich der Stimmenanteil von rund 20% auf 7% direkt nach der Spaltung. In den folgenden Jahren ging der Anteil der CPI weiter auf 3% zurück. Dies gilt allerdings auch für die CPI-M und hängt mit dem Entstehen der Regionalpartei TDP zusammen. In Tamil Nadu spielen beide kommunistischen Parteien keine große Rolle. Trotz marginaler Ergebnisse von unter 2% konnten sie sowohl 1996 (2 Sitze) als auch 1998 (3 Sitze) Wahlkreise gewinnen. In West Bengal ist die CPI lediglich in drei Wahlkreisen fest verankert. Die CPI tritt in West Bengal nur hier an und gewinnt sie in schöner Regelmäßigkeit seit 1980.

Die CPI-M ist die stärkste Partei in Kerala, West Bengal und Tripura. Tripura, im äußersten Osten gelegen, ist fest in der Hand der CPI-M. Sie erzielt hier bei Bundes- und auch bei Landeswahlen jeweils Ergebnisse um die 50% und stellt auch mit kurzen Ausnahmen seit 1977 den Premierminister. Bis auf die Jahre 1989 und 1991 gewann die CPI stets die zwei zu vergebenden Parlamentssitze des Bundeslandes. Außer ihr spielt in diesem Bundesland nur noch die Congress Party eine Rolle. In West Bengal regiert die CPI-M unter Jyoti Basu ununterbrochen seit 1977. Ihre Wahlergebnisse bei Bundeswahlen in diesem Bundesland schwanken immer in etwa um 35%. Sie entsandte stets zwischen 20 und 30 der 42 Abgeordneten des Bundeslandes. Im Landesparlament reichten ihr jeweils rund 40% zu einer absoluten Mehrheit. Ihr Hauptkonkurrent in West Bengal war bis zu deren Spaltung die Congress Party. Sie erreichte ebenfalls jeweils rund 40% der Stimmen, wenn sich dies auch seit 1989 nur noch in einer geringen Anzahl von Sitzen ausdrückt. Der vom Congress abgespaltene Trinamool Congress errang 1998 sieben Sitze.

Wahlergebnisse der CPI-M bei Bundeswahlen 1980 bis 1998

CPI-M

CPI-M

CPI-M

CPI-M

CPI-M

CPI-M

1980

1984

1989

1991

1996

1998

%

%

%

%

%

%

Andhra Pradesh

3,6

1,8

2,4

2,4

2,91

2,89

Assam

9,2

3,6

4,7

3,94

3,27

Bihar

0,9

1,1

1,4

1,4

0,84

0,4

Goa

Gujarat

0,1

0,02

Haryana

0,34

Himachal Pradesh

0,5

0,95

Karnataka

0,2

0,1

0,2

0,38

0,04

Kerala

19,1

22,3

22,9

20,7

21,16

21

Madhya Pradesh

0,1

0,1

0,1

0,05

0,11

Maharashtra

1,4

1,5

1,2

1,3

1,1

0,61

Manipur

Meghalaya

Orissa

0,9

1,8

3

2,1

1,69

0,41

Punjab

2,5

3

3,9

4

2,68

1,06

Rajasthan

0,2

0,2

2,1

0,7

0,44

1,28

Sikkim

2,9

Tamil Nadu

3,2

2,8

3,7

2,5

1,82

0,63

Tripura

47,5

50,4

41,7

6,5

52,41

48,8

Uttar Pradesh

0,1

0,5

0,7

0,66

0,23

West Bengal

39,9

35,9

38,4

35,2

36,7

35,4

Quellen: Election Commission of India und Butler/Lahiri/Roy 1995

In Kerala konnte die erste kommunistische Regierung schon 1957 gebildet werden. Nach der Verhängung der Presidents Rule gewann der Congress zunächst die Wahlen und regierte mittels Koalitionen bis 1967. In den folgenden Jahren lösten sich linke Regierungen und Regierungen der Congress Party ab. Bei Bundeswahlen konnte die Congress Party stets mehr als die Hälfte der 20 Sitze des Bundeslandes gewinnen. Erst bei den letzten beiden Wahlen gelang dies nicht mehr.

Die beiden kommunistischen Parteien sind eine feste Größe in der indischen Politik. Sie konzentrierten sich, bedingt durch das Mehrheitswahlrecht, von Anfang an auf einige wenige Wahlkreise, in denen sie bis heute Sitze erringen. Während sie in West Bengal, dem alten industriellen Zentrum, durch Gewerkschaftsarbeit die Industriearbeiterschaft mobilisierten, besteht ihre Wählerschaft in Kerala eher aus Bauern (Kaviraj 1997:258).

Durch die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Reformen ist ihnen die Ideologie mittlerweile abhanden gekommen. Auf Landesebene buhlen die kommunistisch geführten Regierungen ebenso wie alle anderen um ausländische Direktinvestitionen. So rühmen sich Delegationen der jeweiligen Wirtschaftsförderungsorganisationen auch auf deutschen Messen, mittlerweile ein ideales Klima für Auslandsinvestitionen geschaffen zu haben. Auf Bundesebene konnten die Kommunisten während ihrer Mitregierung einige Reformen (so z.B. im Versicherungswesen) stoppen und das allgemeine Reformtempo etwas drücken, die Richtung jedoch nicht verhindern. Sie betreiben in erster Linie Politik für ihr Klientel aus Beschäftigten der (unrentablen) Staatsbetriebe und Bauern.

6.4.10.2. West Bengal Forward Bloc (WBFB)

Die RSP und der WBFL sind kommunistische Splittergruppen. Der West Bengal Forward Bloc ist lediglich in West Bengal und einigen Teilen von Bihar vertreten. Gegründet wurde er in den dreißiger Jahren von Subhas Chandra Bose, zeitweilig Präsident der Congress Party, um sich für eine Wiederwahl als Präsident der Congress Party eine Hausmacht zu schaffen (Rothermund 1965:178). Der Forward Bloc erzielt seit der Unabhängigkeit rund 4% der Stimmen in West Bengal und sendet seit 1977 3 Abgeordnete nach Delhi. In Bihar konnte er keinen Sitz erringen. 1996 tolerierte er die Regierung der United Front in New Delhi.

Wahlergebnisse des Forward Bloc bei Bundeswahlen in West Bengal

%

Sitze

1952

4,5

0

1962

6,3

1

1967

4,9

2

1971

2,7

0

1977

4,3

3

1980

4,6

3

1984

4,1

2

1989

3,9

3

1991

3,7

3

1996

3,4

3

1998

3,3

2

Quellen: Election Commission of India und Butler/Lahiri/Roy 1995

6.4.10.3. Die Revolutionary Socialist Party (RSP)

Die RSP ist ebenfalls in West Bengal vertreten. Sie wurde 1940 gegründet, um gegen den Imperialismus und den Krieg zu kämpfen (Malhotra 1990:302). Auch sie hat ihren festen Wählerstamm und erringt regelmäßig 4 Sitze im Bundesparlament. Darüber hinaus erlangte sie in den letzten Jahren auch jeweils einen Sitz in Kerala. Genau wie der WBFL tolerierte sie die Regierung der United Front.

Wahlergebnisse der RSP bei Bundeswahlen 1952-1998

West Bengal

West Bengal

Kerala

Kerala

%

Sitze

%

Sitze

1952

2,4

2

6,3

1

1957

5,1

0

1962

2,6

1

3,6

1

1971

2

1

6,4

2

1977

3,8

3

3,1

1

1980

5,2

4

2,3

0

1984

4,6

3

1989

4,7

4

2,4

0

1991

4,5

4

2,4

0

1996

4,7

4

2,5

1

1998

4,4

4

2,6

1

Quellen: Election Commission of India und Butler/Lahiri/Roy 1995

6.4.10.4. Trinamool Congress in West Bengal

Der Trinamool Congress in West Bengal entstand erst Ende Dezember 1997. Er ist eine Abspaltung von der Congress Party unter Leitung von Mamata Banerjee. Wie andere Regionalparteien verlangt auch der Trinamool Congress die Ausübung der Presidents Rule gegen politische Gegner auf Landesebene. Bei den Bundeswahlen 1998 erreichte der Trinamool Congress mit 24,43% der Stimmen sieben Sitze.

6.4.10.5. Muslim League

Die Muslim League wurde 1906 gegründet. Geführt wurde sie lange Zeit von Ali Jinnah, dem späteren ersten Präsident des unabhängigen Pakistans. Nach der Teilung Britisch-Indiens in zwei Staaten wurde sie in beiden Staaten relativ bedeutungslos. In Indien ist sie bis heute in Jammu und Kashmir, in Westbengalen und in Kerala in einigen Bezirken aktiv. Dabei konnte sie nur in Kerala einigen Einfluß gewinnen. Da der Hinduismus hier weniger Einfluß hat, hatte auch die Trennung Britisch-Indiens in zwei Staaten keine großen Auswirkungen auf die Moslems. Sie sind in Kerala hauptsächlich im Schiffbau tätig (Hasan 1997:220).

In Kerala agierte die Muslim League über Jahre als Königsmacher entweder für die CPI oder die Congress Party. Bei Bundeswahlen errang die Muslime League seit 1962 jeweils zwei Sitze. Bei den letzten Wahlen erreichte sie 5,01% in Kerala und gewann wie gewohnt zwei Sitze in den Wahlkreisen Kozhikode und Malappuram. Bei Landeswahlen erringt sie regelmäßig 14 Sitze. Sie trat darüber hinaus noch erfolglos in Karnataka, Uttar Pradesh und West Bengal an. Auf Bundesebene ging sie stets eine Allianz mit der Congress Party ein.

Wahlergebnisse der MUL bei Bundeswahlen 1996 und 1998

%

Stimmen

Sitze

%

Stimmen

Sitze

Karnataka

0

889

Kerala

5,08

730809

2

5,01

745070

2

Uttar Pradesh

0

2651

West Bengal

0,07

26507

0,14

52155

Quelle: Election Commission of India

 

6.4.11. Tamil Nadu

6.4.11.1. Die Regionalparteien in Tamil Nadu

(DK, DMK, AIADMK, TMC-M)

Die Wurzeln all dieser dravidischen Regionalparteien in Südindien lassen sich bis in das letzte Jahrhundert zurückverfolgen. Die Hinduisierungsprozesse in Südindien setzten im Gegensatz zu Nordindien erst relativ spät ein und wurde hier, ebenfalls anders als in Nordindien, nicht durch die Mogul-Kaiser unterbrochen. Dies sicherte den Brahmanen, die nur etwa 2% der Bevölkerung ausmachen, unter der Herrschaft der Hindu-Fürsten bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein überproportionalen Einfluß (Beteille 1997:78). Da auch die Briten während ihrer Herrschaft aufgrund der besseren Bildung Brahmanen bevorzugten, entstand eine Protestbewegung der wohlhabenden Nichtbrahmanen (Malhotra 1990:282). Auch in den lokalen Gliederungen der Congress Party hatten Brahmanen führende Positionen inne (Oesterheld 1989: 148).

Kleinere Vereinigungen waren die 1873 gegründete "Satya Shoodak Samaj", das erste Studentenwohnheim für Nichtbrahmanen 1914 und die 1916 gegründete "Dravidian Association". Im Kern ging es um eine Auseinandersetzung zwischen wohlhabenden urbanen Brahmanen und wohlhabenden landbesitzenden Nicht-Brahmanen.

Erst die Gründung der "South Indian Liberal Federation" im November des gleichen Jahres bildete die Grundlage für den Massencharakter der Bewegung. Die Partei veröffentlichte Tageszeitungen in Englisch, Telugu und Tamil. Der Titel der englischen Ausgabe gab der Partei ihren populären Namen Justice Party. Ihr Gegner waren in erster Linie die Congress Party und nicht die Briten. Die Partei strebte unter britischer Oberhoheit eine autonome dravidische Provinz in Südindien an. Dank des Wahlboykotts der Congress Party im Jahre 1920 war die Gerechtigkeitspartei in der Lage, bis 1926 die Regionalregierung der damaligen Provinz Madras zu stellen (Beteille 1997:83). 1925 wurde das "Self Respect Movement" gegründet (Rothermund 1965:129). Seine Forderungen waren die Beseitigung von Kasten und Unberührbarkeit und die Reservierung von Stellen für Nichtbrahmanen in der öffentlichen Verwaltung. Hinduismus wurde von dieser Bewegung als "ausländische" Religion betitelt.

Die Justice Party konnte den Wahlerfolg 1930 wiederholen. 1937 gewann die Congress Party die Wahlen und führte Hindi als lingua franca und Pflichtfach in den Schulen ein. Starke Proteste der Justice Party und des Self Respect Movements waren die Folge.

Die Partei benannte sich 1942 in Dravida Kazagham um. 1944 schloß sich das Self Respect Movement der Partei an. Sie beging den indischen Unabhängigkeitstag 1947 als Trauertag. Ihre Anhänger verbrannten am Gründungstag der Republik Indien 1950 indische Flaggen.

Auseinandersetzungen in der Führungsebene der Partei hatten 1949 zur Abspaltung der Dravida Mumnatra Kazagham (DMK – Progressive Vereinigung) geführt. Maßgebliche Politiker der DK wie Annadurai, Natarajan, Karunanidhi und Sampath gingen zur DMK. Die Führungsschicht der neuen Partei bestand vor allem aus sozial besser gestellten Vertretern nichtbrahmanischer Kasten (Oesterheld 1989:150). Zunächst war der Kampf gegen die Brahmanen noch der zentrale Programmpunkt der neuen Partei. Mit dem zunehmenden Gewicht der kleinbürgerlichen und bürgerlichen Kasten in der Partei verschob sich der Schwerpunkt allmählich. Die Anti-Haltung trat in den Hintergrund und Brahmanen durften Mitglieder werden. Bei den ersten beiden Wahlen zum Bundes- bzw. zum Landesparlament nahm die DMK nicht oder nur mit geringem Erfolg teil. Die Rest-DK, unter Führung des Gründers des Self Respect Movements Naicker attackierte in der Folgezeit in erster Linie andere Regionalparteien und näherte sich der Congress Party an. Durch diese Wahltaktik wurde die Partei zunehmend bedeutungsloser.

Eine weitere wesentliche Änderung des Programmes der DMK bewirkte der indisch-chinesische Grenzkrieg von 1962. Waren Forderungen nach einem unabhängigem Staat aller 1956 geschaffenen südindischen Bundesländer schon vorher nicht auf Gegenliebe in den anderen südindischen Bundesländern gestoßen, so schien diese Haltung nun gänzlich diskreditiert. Die DMK forderte nun statt dessen die Föderation des südindischen Gebietes innerhalb der indischen Union. Die Tamil Sprache wurde als Gegengewicht zu Hindi stark betont.

Bei den Wahlen zum Bundesparlament 1962 kam die DMK auf 18,5% der Stimmen im Bundesland und entsandte 7 Abgeordnete nach Delhi. Bei den gleichzeitig stattfindenden Landeswahlen errang sie durch Wahlabsprachen mit kleineren Parteien sogar 27,1% und stellte ein Viertel der Abgeordneten. 1967 konnte sie sogar mit 35,8% der Stimmen in Tamil Nadu 25 Abgeordnete nach Delhi senden. Bei den Landeswahlen erzielte sie durch Wahlabsprachen mit der Swatantra Party, der CPI-M und der Muslim League 40,8% der Stimmen und erhielt die absolute Mehrheit. Die DMK war programmatisch dem Schutz der kulturellen und sprachlichen Werte des Südens verpflichtet und sah sich als Interessenvertreter von unterdrückten und benachteiligten Klassen, nicht Kasten. Sie verstand sich als säkularistische Partei und lehnte eine Unterscheidung der Menschen nach Glaube, Rasse oder Kaste ab. Laut Oesterheld bestand die Wählerschaft der DMK zum überwiegenden Teil aus landbesitzenden Bauern (45%), Angestellten (11%), Arbeitslosen (11%) und Fabrikarbeitern (9%) (Oesterheld 1989: 156).

Feindschaften innerhalb der Führung der DMK, vor allem zwischen Karunanidhi und Annadurai, führten 1972 zur Spaltung. Die neue Partei trug den Namen des verstorbenen Annadurai und nannte sich Anna Dravida Munnetra Kazagham (ADMK). 1976 wurde sie in All India Anna Dravida Munnetra Kazagham (AIADMK) umbenannt. Die neue Partei wollte sich streng an das von Annadurai aufgestellte Programm halten. Das Programm umfaßte Verstaatlichung, Umverteilung der Güter und, im Unterschied zur DMK, Prohibition. Unter der Führung des ehemaligen Filmschauspielers M.G. Ramaswamy gewann die AIADMK 1977 30,5% der Stimmen bei der Bundeswahl (18 Abgeordnete). Die DMK erzielte lediglich 18% der Stimmen (1 Abgeordneter). Auch bei den im gleichen Jahr stattfindenden Landeswahlen unterlag die DMK mit 24,9% und 48 Sitzen der AIADMK mit 30,4% und 130 Abgeordneten. Damit hatte die AIADMK die absolute Mehrheit gewonnen. Diese behielt sie auf Landesebene auch in den Wahlen von 1980 und 1984. Nach dem Tod ihres Führers M.G. Ramaswamy im Dezember 1987 verlor sie, durch Nachfolgestreitigkeiten gelähmt, die Landeswahlen gegen die DMK. Die AIADMK erzielte 1989 lediglich 0,4% der Stimmen. Eine vorübergehende Abspaltung unter der späteren Parteiführerin Jajalitha, die ADMK Jajalitha Gruppe, erreichte 21,5% der Stimmen. Die DMK erzielte wenig mehr Stimmen als 1984, konnte aber die Anzahl ihrer Abgeordneten mehr als versechsfachen und den Premierminister stellen. In den darauffolgenden Wahlen 1991 gewann die AIADMK, nun unter der Führung von Jajalitha, mehr Stimmen als je zuvor (44,4% - 164 Abgeordnete).

Wahlergebnisse der DMK und AIADMK

bei Landeswahlen 1977 bis 1991

DMK

DMK

AIADMK

AIADMK

%

Sitze

%

Sitze

1977

24,9

48

30,4

130

1980

22,5

38

38,7

128

1984

29,5

24

37,1

133

1989

33,3

151

0,4

2

1991

22,5

2

44,4

164

Quelle: Butler / Lahiri/Roy 1995

Bei Bundeswahlen fielen die Ergebnisse nicht so eindeutig aus. Bei den Wahlen 1980 verlor die AIADMK rund 5% und 16 von ihren 18 Abgeordneten, während die DMK 5% gewann und die Anzahl ihrer Abgeordneten im Bundesparlament von 1 auf 16 steigern konnte. Bei den Wahlen 1984 steigerte die DMK ihre Stimmenzahl abermals auf 25,9%, konnte aber nur noch 2 Sitze gewinnen. Die AIADMK verlor weitere 7% auf 18,4%, entsandte aber 12 Abgeordnete. Die Führungskrise der AIADMK wirkte sich auf das Bundesergebnis nicht aus (17,1% - 11 Abgeordnete). Die DMK steigerte nochmals ihre Prozente (26,7%) gewann allerdings keinen Sitz. Bei den Wahlen 1991 gab es keine großen Unterschiede zu 1989.

 

 

Wahlergebnisse der DMK und AIADMK bei Bundeswahlen 1977 bis 1998

DMK

DMK

AIADMK

AIADMK

%

Sitze

%

Sitze

1977

18

1

30,5

18

1980

23

16

25,4

2

1984

25,9

2

18,4

12

1989

26,7

0

17,1

11

1991

22,7

0

18,1

11

1996

25,77

17

7,84

0

1998

20,08

5

25,89

18

Quellen: Election Commission of India und Butler/Lahiri/Roy 1995

Die erste Amtszeit von Jajalitha war gekennzeichnet durch Korruption. Als die Congress Party unter Rao eine Wahlabsprache und Koalition mit der AIADMK einging, spaltete sich eine neue Partei namens Tamil Maanila Congress (Moopanar) (TMC-M) von der Congress Party ab. Der Führer der Partei, Moopanar, war unter Indira Gandhi Generalsekretär der Congress Party und später Leiter des Congresses in Tamil Nadu. Die TMC-M gewann bei den Landeswahlen 39 Sitze und tolerierte eine Regierung der DMK. Bei den Bundeswahlen gewann sie 20 Sitze (27%) und stellte mit Chidambaram den Finanzminister. Bei den Wahlen 1998 errang sie lediglich 3 Sitze (19,8%). Ihre Herkunft als Abspaltung des Congresses und eine seit zwei Jahren zu beobachtende Annäherung zwischen TMC-M und Congress könnten der Partei den Rückweg in den Congress weisen.

Wahlergebnisse der TMC-M bei Bundeswahlen

1996 und 1998

1996

1996

1998

1998

%

Sitze

%

Sitze

Tamil Nadu

27,00

20

20,19

3

Quelle: Election Commission of India

Ähnlich wie bei den Landeswahlen 1996 konnte die DMK sich auch bei den Bundeswahlen 1996 gegen die AIADMK durchsetzen. Während die AIADMK mit lediglich 7,84% der Stimmen keinen Sitz erhielt, brachte es die DMK mit 25,77% auf 17 Abgeordnete. Bei den letzten Wahlen drehte sich die Stimmung wiederum. Die DMK konnte mit 20,08% der Stimmen nur 5 Sitze gewinnen, während die AIADMK mit 25,89% der Stimmen 18 Sitze errang.

Tamil Nadu bildet die Keimzelle für die indischen Regionalparteien. Die lange Vorgeschichte einer pazifizierten separatistischen Massenbewegung ermöglichten es der Regionalpartei DMK, 1969 die Macht im Staat zu erobern. Durch die Abspaltung der AIADMK erhielt der Wähler die Möglichkeit, Zustimmung oder Ablehnung zu einer bestimmten Politik zu signalisieren, ohne sich einer nationalen Partei, die nicht originär die Interessen des Landes vertritt, zuzuwenden. Die Wahlergebnisse zeigen, daß die Wähler in Tamil Nadu auch wiederholt für einen Wechsel votierten. Durch die Korruptionsvorwürfe und eine ausbleibende Besserung der Lebensverhältnisse verlor die AIADMK die Wahlen 1996. Die DMK verlor die Wahlen 1998, weil sie gegebene Versprechen nicht halten konnte. Eine Erhöhung der Fahrpreise der öffentlichen Verkehrsmittel, auf deren Benutzung fast die gesamte Bevölkerung angewiesen ist, tat ein übriges (Vijayalakshmi 1998). Versuche der DMK, Jajalitha mittels gefälschter Fotos mit den Attentätern von Rajiv Gandhi in Verbindung zu bringen, um sie endgültig zu diskreditieren, schlugen ins Gegenteil um. Eine Sympathiewelle erfaßte das Bundesland.

Die Entscheidung der AIADMK, als Bündnispartner der BJP an den Bundeswahlen teilzunehmen, darf daher nicht als Ausdruck einer programmatischen Nähe mißverstanden werden. Dies Bündnis dient einzig und allein der Machterringung und soll über den Umweg des Bundes die Übernahme der Regierung in Tamil Nadu ermöglichen (OAV/FAZ 1996:3). Dies soll auch dazu dienen, ein in Madras (Chennai) gegen Jajalitha anhängiges Gerichtsverfahren zu stoppen (Vijayalakshmi 1998). Der Austritt der AIADMK aus der Regierungskoalition im April 1999 und der Versuch, eine eigene Regierung mit neuen Partner zu etablieren, dient dem gleichen Ziel.

Hier findet sich eine ähnliche Konstellation wie in Bihar, wo die Samata Party trotz programmatischer Nähe zu einigen Forderungen der BJP in erster Linie ein Bündnis einging, um im Bundesland Macht zu erhalten. Die TMC-M, obschon eine Abspaltung der Congress Party, kann ebenfalls als Regionalpartei charakterisiert werden, da eine Ausweitung in andere Bundesländer unterbleibt.

Quelle: Election Commission of India

Die Congress Party konnte bis nach den Wahlen 1991 in Tamil Nadu bei Bundeswahlen stets mit Ergebnissen über 40% rechnen. Bei Landeswahlen gelang ihr dies schon seit Anfang der siebziger Jahre nicht mehr. Mit der Abspaltung des TMC-M verlor die Congress Party gleichsam ihre Vertretung auf Landesebene.

7. Zusammenfassung Parteienlandschaft

7.1. 1947 – 1969: Dominanz der Congress Party

Die Congress Party konnte sich während des Unabhängigkeitskampfes ein positives Image aufbauen. Sie gab sich als die wahre Vertreterin der Belange der Bevölkerung. Sie verstand es dabei geschickt, nicht nur die Interessen von bestimmten Wählergruppen, sprich Kasten, bestimmten sozialen Schichten oder Wirtschaftsinteressen zu bedienen, sondern darüber hinaus auch noch den Eindruck zu vermitteln, die Interessen aller Teile der Bevölkerung wahrzunehmen (Alexander 1995:49).

Zentraler Punkt innerhalb der Programmatik und der öffentlichen Darstellung der Partei war der Säkularismus. Er diente dazu, den Minderheiten, vor allem der großen Gruppe der Moslems (immerhin über 11% der Bevölkerung), ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Die Greueltaten während der Teilung Britisch-Indiens waren noch gut im Gedächtnis verhaftet. Das von den Briten übernommene Mehrheitswahlrecht machte es dieser doch relativ großen Gruppe der Bevölkerung unmöglich, sich eine eigene politische Vertretung aufzubauen. Wie gesehen gibt es nur in Kerala einige Bezirke in denen eine relevante Moslempartei existiert.

Gleichzeitig bediente die Congress Party auch die Vertreter der Wirtschaft und sicherte sich deren Unterstützung. Die Wirtschaftspolitik mit ihren Fünfjahresplänen führte nicht zu einer Enteignung der Wirtschaft. Wirtschaftsbereiche die zunächst nicht lukrativ sein konnten, wurden vom Staat übernommen. Die gesamte Konsumgüterindustrie blieb in den Händen von privaten Unternehmern. Die Konsumgüterindustrie wurde durch Zölle protektioniert. Das System der Lizenzen ermöglichte es den Kleinbetrieben und den Gewerbetreibenden zu überleben. Vor allem in den Siebzigern wurden die Kleinbetriebe durch Kredite unterstützt (Malhotra 1990:80).

Die wichtigste politische Gruppe zu Beginn der Unabhängigkeit waren die landbesitzenden Bauern. Rothermund nannte sie die "soziale Basis des gesamten politischen Lebens in Indien" (Rothermund 1965:242). Diese Gruppe war deshalb so wichtig, weil es ihr gelang, auch die von ihr abhängigen Kasten in ihrer Wahlentscheidung zumindest zu beeinflussen, wenn nicht gar direkt anzuweisen (Oesterheld 1989:112). Landbesitz war in Indien eine der wichtigsten machtpolitischen Ressourcen (Dumont 1997:46). Zwar wurde bei verschiedenen Landreformen vor allem in Nordindien großer Grundbesitz verteilt, jedoch nie ohne Entschädigung und ohne den ehemaligen Großgrundbesitzern Land zu belassen. Die Landreformen schafften eher das Steuersystem der Zamindari ab (Brass 1997:202). Mit der Krise in der Landwirtschaft ab Mitte der sechziger Jahre setzten auch verstärkt die Bemühungen der Congress Party in Form von Subventionen und Preisgarantien ein. Die Bauern profitierten vom besseren Binnenmarkt und von der "Grünen Revolution" (Kaviraj 1997:16).

Waren die Kastenlosen und unteren Kasten zunächst aufgrund ihrer Abhängigkeit von den landbesitzenden Bauern ein Wählerreservoir für die Congress Party, so änderte sich dies bis in die siebziger Jahre. Sozialprogramme, Entwicklungsprogramme und die Reservierung von bestimmten Posten im wirtschaftlichen und politischen Leben der Gesellschaft erlaubten nicht nur einigen Mitgliedern der Kastenlosen eine bis dato unbekannte soziale Mobilität, sondern schufen auch die Grundlage für ein sich allmählich herausbildendes politisches Bewußtsein. Dennoch gelang es bis zum Anfang der siebziger Jahre keiner politischen Gruppierung, in dieser größten Gruppe der Bevölkerung ein politisches Bewußtsein zu wecken. Dies änderte sich mit den Kampagnen von Indira Gandhi.

In den ersten 20 Jahren der Unabhängigkeit funktionierte Demokratie nach "Congress Art" durch die Mobilisierung möglichst breiter Wählerschichten, ohne ein konkretes politisches Programm. Der Congress war die ersten zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit tatsächlich die von Rothermund beschriebene "Omnibus" Partei (Rothermund 1993:32). Das Mehrheitswahlrecht ermöglichte es dem Congress durch jeweils die Hälfte aller Stimmen, eine komfortable Mehrheit in den Bundes- und Landesparlamenten zu erringen. Weit entfernt von innerparteilicher Demokratie war es die Congressführung, die durch geschickte Auswahl von Kandidaten Pluralität innerhalb des Congresses ermöglichte. Sie bediente sich dabei der vorgefundenen Strukturen innerhalb der Gesellschaft. Das heißt, daß Mobilisierung entlang von Kasten stattfand. Das von den Briten eingeführte Prinzip der kommunalistischen Wählerschaften wurde in Grundzügen beibehalten.

Dies geschah auf zwei Wegen: Zum einen sorgte die Congressführung dafür, daß Minderheiten bei der Auswahl der Kandidaten in angemessenem Rahmen berücksichtigt wurden; zum anderen enthielt die Verfassung einen Zusatz, der eine Anzahl von Sitzen in den Parlamenten den Unberührbaren und den Stämmen vorbehielt, sowie eine Liste von Kasten, die als "Scheduled Castes" betrachtet werden sollten.

Dieses System wurde auch auf die öffentliche Verwaltung übertragen. 1963 wurde es dahingehend ergänzt, daß es nun den Landesregierungen, alle vom Congress geführt, gestattet war, zusätzliche Quoten für "Other Backward Castes" festzulegen. Bis zu 50% der Stellen konnten durch Quoten vergeben werden.

Dieses Quotensystem mobilisierte die unterprivilegierte Wählerschaft für den Congress. Es hatte jedoch noch ganz andere, weitreichendere Folgen. Es verwandelte eine ganze Anzahl von unteren Kasten und Kastenlosen, die isoliert in den hierarchischen sozialen Strukturen der Dörfer lebten, in Kasten "für sich". Erst die Förderung durch die Regierungen, und die direkte Ansprache als Gruppe bei Wahlen, initiierte einen bis heute unabgeschlossenen Bewußtseinsprozeß.

Gefördert wurde dieser Prozeß noch, nachdem Indira Gandhi das kleine Parteiensystem innerhalb der Congress Party durch Ausschluß des rechten Flügels unter Desai zerstört hatte. Sie versuchte anschließend ganz bewußt, die bis dahin gering politisierte, aber wählende Menge der Unberührbaren anzusprechen. Deutlich wird dies am Slogan des Wahlkampfes 1971 "Garibi Hatao" (Besiegt die Armut) (Sommer 1998:21).

Außer der Congress Party, gelang es eigentlich nur noch den Kommunisten, die Regeln des Mehrheitswahlrechts für sich zu nutzen, indem sie starke Hochburgen in Kerala, West Bengal und Teilen Andhra Pradeshs aufbauten. Die sozialistischen Parteien beschäftigten sich statt dessen lieber damit, sich zu spalten und wieder zu vereinen. Beim Wahlsieg Indira Gandhis 1971 hatte das Congress System jedoch schon Risse bekommen. In einigen nördlichen Bundesländern und Tamil Nadu erstarkten regionale Parteien. In der Literatur wird häufig zu unrecht auf die BKD in Uttar Pradesh, als erste dieser Parteien bezug genommen (Brass 1997:207, Oesterheld 1989:135). 1967 gelang es der Swatantra Party in Orissa und Rajasthan, über 20% der Stimmen zu erringen, in Gujarat sogar 38,2%. Die BJS errang 28,3% in Madhya Pradesh, 17,9% in Uttar Pradesh und 15,6% in Bihar. Eine Sikh Partei (ADS) errang im Punjab 20,5% der Stimmen. Am besten schnitt jedoch die DMK mit 40.8% der Stimmen in Tamil Nadu ab. 1969 konnte eine Abspaltung vom Congress, die BKD, in Uttar Pradesh mit 21,3% der Stimmen ein Viertel aller Abgeordnetensitze erringen.

Die Mobilisierung der Wähler erfolgte in den Bundesländern unterschiedlich. In Tamil Nadu über die Identifikation der gemeinsamen Sprache. Natürlich diente auch das Feindbild "Brahmanen" demselben Ziel. Möglich wurde dies durch die lange Vorgeschichte der Bewegung (Justice Party seit 1920). Die Voraussetzungen für den Erfolg der Partei in Tamil Nadu verhinderten gleichzeitig die Ausweitung auf andere Bundesländer, da damit unweigerlich die Identität als tamilische Partei verloren gegangen wäre. Zum gleichen Parteityp gehört die TDP in Andhra Pradesh, die Shiv Sena in Maharashtra und die AGP in Assam. Die SAD im Punjab gehört nur bedingt in diese Kategorie, betrachtet man ihren religiösen Hintergrund. Dennoch kann auch sie als klassische Regionalpartei verstanden werden, da in ihrem Falle Religion und Bundesland nahezu identisch sind.

Die Swatantra Party und die BKD sind beide Abspaltungen vom rechten Rand der Congress Party. Beide versuchten mit unterschiedlichem Erfolg, die landbesitzenden Bauern für sich zu gewinnen. Selbstverständlich wurde von beiden Parteien auch die Kastenzugehörigkeit ihrer Wähler benutzt. Die beiden Parteien lassen sich als Partikularparteien beschreiben, die die Interessen einer bestimmten Klientel vertreten. Anders als bei den Regionalparteien ist ihnen eine Ausdehnung über ein Bundesland hinaus möglich. Die Swatantra Party hatte Erfolge in mehreren Bundesländern (Gujarat, Rajasthan, Orissa). Die BKD nur in Uttar Pradesh, da ihr Klientel hauptsächlich aus den ehemaligen Zamindari bestand. Durch das Aufstellen von Kastenlosen als Kandidaten war sie in der Lage, ihre Basis etwas zu verbreitern. Die Nachfolgepartei der BKD, die SP, trat auch in anderen Bundesländern an.

Die BJS ist eine Partei mit religiösem Hintergrund. Die BJS konnte Erfolge in mehreren Bundesländern erzielen. Sie blieb allerdings auf die Bundesländer im Hindi-Herzland beschränkt (Uttar Pradesh, Bihar und Madhya Pradesh), da ihre Ideologie in erster Linie für höherkastige Hindus interessant war. Da ein Teil ihrer Programmatik die Etablierung von Hindi als Hauptsprache war, konnte sie in anderen Teilen des Landes alleine aus diesem Grunde nicht mit einer großen Anhängerschaft rechnen.

Anders als der DMK in Tamil Nadu, gelang es der Swatantra Party nicht, ihre Erfolge zu konsolidieren. In Gujarat wurde sie von einer weiteren Abspaltung der Congress Party verdrängt; in Orissa und Rajasthan verlor sie in den folgenden Landeswahlen die Hälfte ihrer Stimmen. Die BKD konnte durch einen großen Zusammenschluß von Parteien 1974 ihr Ergebnis wiederholen. Es gelang ihr aber nicht, außerhalb von Uttar Pradesh Erfolge zu erzielen. Basis ihres Erfolges bildeten die ehemaligen Zamindari. Diese gab es aber nur im Nordwesten Indiens, da die Briten in anderen Teilen des Landes die Besteuerung der Bauern in anderer Weise geregelt hatten.

Zusammenfassend läßt sich für die Zeit von der Unabhängigkeit bis zum Anfang der siebziger Jahre festhalten, daß die fraglose Fragmentierung der Gemeinschaften in Indien sich nicht in einer Fragmentierung der Parteienlandschaft widerspiegelte. Dem entgegen stand zum einen die Isolierung der einzelnen Kasten in den Dörfern, und zum anderen die Strategie der Congress Party, nahezu alle sich artikulierenden Gruppen einzubinden. Es handelte sich hierbei zunächst vor allem um die landbesitzenden Kleinbauern. Mit ihnen war der Congress Party auch die Unterstützung weiter Teile der Tagelöhner sicher. Sie verstand es darüber hinaus, sich auch als Vertreterin der größten Teile der Wirtschaft zu etablieren. Große Teile der Bevölkerung waren bis zu den siebziger Jahren nicht in der Lage, sich politisch zu artikulieren oder gar zu organisieren.

7.2. 1970 – 1977: Rettungsversuche und Notstand

Anfang der siebziger Jahre hatten sich also neben der Congress Party zwei Regionalparteien (DMK in Tamil Nadu und ADS im Punjab) fest etabliert. Das Congress System der Omnibus Partei war durch Indira Gandhi zumindest in der Weise zerstört, daß sich auf dem rechten Flügel zwei Parteien behaupten konnten (SWA und BKD). Dies wurde möglich, da neue Segmente in der Gesellschaft Bewußtsein ihrer Stärke erlangt hatten. Dies galt jedoch nur für einige Bundesländer. Statt durch Ausgleich und Verhandlungen, die Dissidenten wieder in die Congress Party zu integrieren, versuchte Indira Gandhi mittels der Presidents Rule (Bihar, Punjab, Rajasthan, Gujarat), die alte Dominanz wieder herzustellen. Dazu dienten auch Versuche, andere Parteien zu spalten.

Da ein Großteil der abgespaltenen Teile der Congress Party Vertreter der höheren Kasten waren, versuchte Indira Gandhi im Bundeswahlkampf 1971 ganz bewußt, die unteren Kasten direkt anzusprechen, ohne den Umweg über die sie bis dahin anweisenden Kasten zu nehmen. Durch diese Maßnahme, und durch ihre charismatische Persönlichkeit erzielte sie einen überragenden Wahlsieg. Diese Strategie konnte nur deshalb erfolgreich sein, da die Förderung der Kastenlosen mittlerweile deren politisches Bewußtsein geweckt hatte.

Bundeswahlen 1971 - Ergebnisse der Congress Party in den wichtigsten Ländern

Sitze Gesamt

Sitze INC

% Sitze INC

Karnataka

27

27

100,00

Maharashtra

45

42

93,33

Uttar Pradesh

85

73

85,88

Punjab

13

10

76,92

Bihar

53

40

75,47

Orissa

20

15

75,00

Andhra Pradesh

41

28

68,29

Rajasthan

23

14

60,87

Madhya Pradesh

37

21

56,76

Gujarat

24

11

45,83

West Bengal

40

13

32,50

Kerala

19

6

31,58

Tamil Nadu

39

9

23,08

Quelle: Butler/Lahiri/Roy 1995, eigene Berechnungen

Obschon sich Ende der sechziger Jahre auf Landesebene Regierungen ohne Beteiligung der Congress Party etablieren konnten, erlitt Indira Gandhi bei den Bundeswahlen 1971, lediglich in den kommunistisch dominierten Staaten West Bengal und Kerala, Niederlagen. Als einzige Regionalpartei war die TDP in Tamil Nadu in der Lage ihren Erfolg bei Landeswahlen, auch bei den Bundeswahlen zu wiederholen. Indira Gandhi hatte mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen.

1975 rief Indira Gandhi den Notstand aus. Sie stand kurz davor, entscheidende Wahlen zu verlieren und verwandelte so ihren persönlichen Notstand in einen der ganzen Nation (Rothermund 1993:36). Darüber hinaus befand ein Richter vom Obersten Gericht in Allahabad sie der Wahlfälschung für schuldig (Mehta 1997:219ff).

7.3. 1977 – 1980: Die erste große Koalition. Janata Party

Die außergewöhnlichen Umstände des Notstandes ermöglichten die außergewöhnliche große Koalition fast aller wichtigen Oppositionsparteien. Diese Koalition bildet den Kulminationspunkt der Entwicklung der Opposition und durch ihr Scheitern gleichzeitig den Ausgangspunkt der weiteren Entwicklung des Parteiensystems. Kulminationspunkt, weil in ihr verschiedene politische Parteien zusammen gefaßt wurden. Ausgangspunkt, weil sich die politische Landschaft nach der Zeit in der der Congress in der Opposition war gewaltig geändert hatte.

Die Hauptparteien der großen Koalition von 1977 waren die vom Congress unter Desai abgespaltene INCO, die beiden sozialistischen Parteien PSP und SSP, die Vertretung der Kleinbauern aus Uttar Pradesh BLD (ehemals BKD) und die hinduistische BJS. Der Wahlsieg 1977 dieser heterogenen Gruppe von Parteien ist eher ein Reflex auf den von Indira Gandhi ausgerufenen Notstand und die in dieser Zeit verfolgte Politik, wie z.B. Zwangssterilisationen. Die Parteienkoalition war also nicht erfolgreich, weil sie ein überzeugendes politisches Projekt vorgestellt oder sich einer neuen sozialen Basis versichert hatte, sondern nur, weil die Wähler Indira Gandhi einen Denkzettel verpassen wollten. Wichtigster Punkt des Erfolgs war es, jeweils nur einen Gegenkandidaten pro Wahlkreis gegen die Congress Party aufzustellen. Dies läßt sich an der sinkenden Zahl der Kandidaten ablesen (siehe oben).

Nicht Congress Regierungen in den wichtigsten Bundesländern 1977 bis 1980

1977

1978

1979

12/ 1980

Andhra Pradesh

Assam

JP

Bihar

JP

JP

JP

Gujarat

INCO

INCO

INCO

Haryana

JP

JP

JP

JP

Karnataka

Kerala

CPI

ML

CPM

Madhya Pradesh

JP

JP

JP

Maharashtra

PDF

PDF

Orissa

JP

Punjab

SAD

SAD

SAD

Rajasthan

JP

JP

JP

Tamil Nadu

ADMK

ADMK

ADMK

ADMK

Uttar Pradesh

JP

JP

JP

West Bengal

CPM

CPM

CPM

CPM

Quelle: Butler / Lahiri/ Roy 1995

Bei der Betrachtung der Landesregierungen von 1977 bis 1980 wird dies noch deutlicher. Auf der Welle des Protestes konnten in den Jahren 1977 und 1978 in der Mehrzahl der größten Bundesländer oppositionelle Parteien oder Parteienkoalitionen die Regierungen stellen.

Ende 1980 war die Congress Party nur noch in vier Bundesstaaten nicht an der Regierung beteiligt. Dies waren Haryana, wo die nächsten Landeswahlen erst 1982 stattfanden, sowie die schon länger kommunistisch regierten Staaten West Bengal und Kerala. Auch in Tamil Nadu konnte die Regionalpartei DMK ihre Erfolge wiederholen.

Obschon es den oppositionellen Parteien 1977 gelungen war, die Congress Party im Bund und den meisten Ländern abzulösen, waren sie noch nicht in der Lage, sich als wirkliche Alternative zu etablieren. Dies galt aufgrund eines fehlenden gemeinsamen politischen Projekts für die Bundesebene. Auf Landesebene versuchten verschiedene Regionalparteien, sich ohne Rücksicht auf Partner zu profilieren. Erst die Integration der mittleren und unteren Kasten in den politischen Prozeß nach 1980 ermöglichte hier einen Wandel.

7.4. 1980 – 1998: Parteienkonkurrenz

Zunächst schien die Wahl von 1980, die gewohnte indische Ordnung wieder herzustellen. Die Congress Party unter Indira Gandhi gewann die Bundeswahlen mit überragender Mehrheit, die Opposition war wieder zersplittert genug, um an Einfluß (sprich Sitzen im Parlament) zu verlieren. Die als BLD in die Großkoalition eingegangene Gruppe, trat als JPS zu diesen Wahlen an. Mit 41 Sitzen im Parlament wurde sie größte Oppositionspartei. Die Janata Party errang lediglich 31 Sitze. Die kommunistischen Parteien waren wie zuvor in ihrer gewohnten Stärke vertreten.

Die Wahlen von 1984 schienen den Trend, der Wiederauferstehung der Congress Party als Zentrumspartei noch zu bestärken. Die Janata Party hatte sich endgültig in ihre Bestandteile zerlegt. Lediglich die Sozialisten blieben in ihr vereint.

Der Wahlsieg der Congress Party war jedoch, wie von vielen politischen Beobachtern bemerkt, Ausdruck des Mitleidseffektes für Rajiv Gandhi.

Auf Landesebene hatte sich die politische Landschaft weiter verändert. Tamil Nadu wurde schon seit 1967 nicht mehr von der Congress Party regiert. In West Bengal regierten die Kommunisten seit 1977. In Orissa, im Punjab und in Rajasthan hatten Oppositionsparteien schon 1980 große Erfolge zu verzeichnen. 1982 gewann die Janata Party die Wahlen in Haryana und stellte die Regierung. 1983 errang die TDP die Macht in Andhra Pradesh. 1985 gewann die AGP die Wahlen in Assam. In Karnataka regierte die Janata Party seit 1983. Die BJP erzielte gute Ergebnisse in Madhya Pradesh und Uttar Pradesh.

Die Congress Party hatte ihre Funktion als Zentrumspartei verloren. Ein Teil ihrer Wählerschaft, d.h. die eher konservativen höheren Kasten, fanden zunehmend eine politische Heimat in der BJP, auch wenn diese erst 1990 die erste Landesregierung stellen konnte. Die Konzentration von Indira Gandhi auf die Kastenlosen seit den Wahlen 1971 hatte ihre Macht gestärkt und die Wahlsiege 1971 und 1980 möglich gemacht. Ein entscheidender Faktor in diesen Wahlen war die charismatische Persönlichkeit von Indira Gandhi. Sie kompensierte die fehlende Unterstützung von Seiten der höheren Kasten und ermöglichten es den Kastenlosen, autonom zu wählen. Die Unterstützung dieser Bevölkerungsgruppe durch das Quotensystem seit der Unabhängigkeit, hatte die Kastenlosen als sich artikulierende Gruppe in den politischen Prozeß integriert.

Erst durch diesen Bewußtseinsprozeß war es Indira Gandhi möglich, sie als Gruppe direkt anzusprechen. Dies galt allerdings nur auf Bundesebene, wo die Persönlichkeit Indira Gandhis direkt zur Wahl stand. In den Bundesländern entschieden die Wähler nach anderen Kriterien.

Vor den Bundeswahlen 1989 kam es zu einer Neuauflage der Parteien Koalition von 1977. Diesmal traten die verschiedenen politischen Gruppen allerdings nicht als eine Partei zu den Wahlen an. Daß es der Congress Party dennoch nicht gelang, eine Mehrheit zu erringen, zeigt deutlich ihren Einflußverlust. Rajiv Gandhi besaß nicht das Charisma seiner Mutter, um die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung zu erlangen.

Die Janata Party, sowie eine Abspaltung der Congress Party und die Lok Dal, fanden sich als Janata Dal zusammen. Die Wählerschaft dieser Partei war allerdings sehr heterogen. Während sie in Uttar Pradesh vor allem aus den mittleren Kasten kam, waren es in Bihar die unteren Kasten und Kastenlosen. In Karnataka fand die Janata Dal Unterstützung in vielen Teilen der Gesellschaft. Wichtigstes Element der Wählermobilisierung waren charismatische Führer in den jeweiligen Bundesländern. Die Janata Dal, obschon nach den Wahlen mit 141 Abgeordneten zweitstärkste Fraktion im Parlament, war anders als die BJP und die Congress Party keine einheitliche Partei. Aus diesem Grunde war sie auch nicht in der Lage, zu bestimmten Politikbereichen und Fragen der aktuellen Politik eine pointierte Position zu beziehen. Während der Congress einen Beitritt zur WTO befürwortete, wurde dieser von der BJP abgelehnt. Die Haltung der Janata Dal schwankte je nach Bundesland.

Zeichneten sich die siebziger Jahre dadurch aus, daß die Kastenlosen sich als politische Gruppe begriffen, so gilt dieser Effekt in den achtziger Jahren für die unteren und mittleren Kasten. Sie wurden als letzte Bevölkerungsgruppe in den politischen Prozeß einbezogen.

Auf Landesebene gelang es den Regional- bzw. Partikularparteien wesentlich besser als dem Congress, sich als Vertretung der jeweils relevanten Kasten darzustellen. Mittel hierzu waren Quoten. Dabei war es je nach Bundesland entscheidend, Quoten einzuführen (im Süden), oder auch nicht (im Norden). Die Scheduled Castes and Scheduled Tribes hatten ihre Erwähnung schon in der Verfassung gefunden. Das für sie geschaffene Quotensystem ermöglichte nicht nur einigen ihrer Mitglieder eine bis dato unbekannte soziale Mobilität (Imhasly 1996:27), sondern schuf auch eine Gruppenidentität unter ihnen. Dies um so mehr, als daß sie nach 1970 direkt von der Congress Party angesprochen wurden. Die ab 1963 eingeführten Quoten für "Other Backward Castes" hatten aus mittleren Kasten "an sich", Kasten "für sich" gemacht. Sie waren nicht mehr länger nur Wählerreservoir. Regionale Parteien konnten sich etablieren, da sie sich erfolgreich als Vertreter eben dieser Bevölkerungsgruppen profilierten. 1990 war die Congress Party nur noch in zwei der wichtigsten Bundesstaaten, Andhra Pradesh und Maharashtra, an der Macht.

Im Laufe der Geschichte des unabhängigen Staates Indien gab es wiederholt Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes zu Fragen der Einführung von Quoten. Grundtenor all dieser Entscheidungen war es, daß Quoten die Obergrenze von 50% nicht überschreiten dürfen. 1994 wurde die Verfassung vom Parlament dahingehend geändert, daß in Tamil Nadu diese Grenze 69% betragen darf (Paulose/Kaur 1996:1). Verschiedene Landesregierungen bekundeten daraufhin ihre Absicht, nun ihrerseits die Quoten für Reservierungen zu erhöhen. Die Janata Dal Landesregierung in Bihar strebte 80% an, die Congress Regierung in Madhya Pradesh 63%, die BSP in Uttar Pradesh 27% für "Scheduled Castes" und 23% für Other Backward Castes" und die Janata Dal in Karnataka eine Erhöhung von 68% auf 73%.

Derzeit übersteigt die Quote 50% in Tamil Nadu, Karnataka, Arunchal Pradesh, Meghalaya, Nagaland, Madhya Pradesh und Gujarat. Sie erreicht 50% in Bihar, Manipur, Punjab, Sikkim, Uttar Pradesh, Kerala Orissa and Rajasthan (Paulose/Kaur 1996:2).

Jede neue Landesregierung versucht, die bestehenden Quoten auf keinen Fall zu verschlechtern. Dies bedeutet im Süden des Landes in erster Linie eine Ausweitung der Quoten. Im Norden kann eine Reduzierung nötig sein, um Wählerschichten zufriedenzustellen.

Die kurze Regierungszeit der Janata Dal endete mit der Abspaltung der wichtigen Fraktion aus Uttar Pradesh, die sich als SP neu formierte. Sie vertrat eine eindeutige Position und war politische Partei der Kleinbauern. Dies ermöglichte ihr, bei den Wahlen 1996 und 1998 Erfolge zu erzielen. Das gleiche gilt für andere Partikularparteien, die entweder direkt Mitglied der Janata Dal waren, oder mit ihr koalierten. Die BSP vertritt die Kastenlosen in den nördlichen Bundesländern, die RJD die gleiche Gruppe in Bihar. Hier erhält sie von der SAP Konkurrenz, die sich auf die gleiche Wählerschaft stützt. Die BJD in Orissa vertritt eher die Interessen der mittleren und hohen Kasten.

Die Regionalparteien stützen sich nur zum Teil auf bestimmte Teile der Gesellschaft. Dies gilt für Tamil Nadu, da hier mittlere und höhere Kasten kaum vertreten sind. Dementsprechend können sich die DMK, die AIADMK und die TMC-M als Vertreter der unteren Kasten und Kastenlosen geben. Die Situation in Andhra Pradesh ist ähnlich. Auch hier gibt es kaum Vertreter der oberen Kasten, so daß sich die TDP als Vertreterin der unteren Kasten geben kann.

Die SAD im Punjab, die JMM in Jharkhand, die HVP in Haryana, die SHS in Maharashtra, die Janata Dal und die Lok Shakti in Karnataka, die AGP in Assam und die anderen Regionalparteien in den Miniländern des Nordostens stützen sich auf breitere Bevölkerungsgruppen.

Die BJP ist als originäre Vertreterin der höheren Kasten zu sehen. Da diese lediglich im Norden große Teile der Bevölkerung stellen, konnte die BJP in erster Linie auch nur hier Erfolge feiern. Sie bemüht sich seit 1992 verstärkt und zum Teil erfolgreich, ihr Image als Vertreterin der höheren Kasten zu verlieren, um ihre politische Basis zu verbreitern. Erfolge außerhalb ihres originären Einflußgebietes konnte sie nur durch Allianzen mit anderen Regional- und Partikularparteien erringen. Diese Bündnisse beruhen allerdings nicht auf einer ideologischen Affinität, sondern auf machttaktischen Überlegungen und sind somit zerbrechlich. Dies zeigen erste Äußerungen nach den verlorenen Landeswahlen im November 1998 in Delhi, Rajasthan und Madhya Pradesh. Bestätigung findet diese These durch den Austritt der AIADMK unter Jajalitha aus der Regierung am 14.4.1999.

Die Congress Party wurde von der Zentrumspartei, die das gesamte politische Spektrum vertrat, zu einer stark regionalisierten Partei. Sie vertritt in den nördlichen Ländern eher die Interessen der Kastenlosen und unteren Kasten, in West Bengal und Kerala die höheren Kasten, und in den Ländern Karnataka, Andhra Pradesh und Tamil Nadu die Interessen der mittleren Kasten.

Regierungsparteien in den Bundesstaaten im

Januar 1999

Land

Regierende Partei(en)

Norden

Jammu and Kashmir

National Conference

Himachal Pradesh

HVC- BJP

Punjab

Akali Dal-BJP

Haryana

Haryana Vikas Party-BJP

Uttar Pradesh

BJP

Rajasthan

BJP

Delhi

BJP

Osten

Bihar

R. Janata Dal

Orissa

Biju JD

West Bengal

Left Front

Assam

Asom Gana Parishad

Manipur

Congress (Keisingh)

Meghalaya

Congress

Mizoram

Congress

Nagaland

Congress

Tripura

CPM

Arunachal Pradesh

Arunachal Congress (M)

Sikkim

Sikkim Democratic Front

Westen

Gujarat

BJP

Maharashtra

BJP-Shiv Sena

Goa

Congress

Madhya Pradesh

Congress

Süden

Andhra Pradesh

Telugu Desam (Naidu)

Karnataka

Janata Dal

Kerala

LDF

Tamil Nadu

DMK

Pondicherry

Congress

Quelle: Internetseiten des indischen Außenministeriums (http://www.indiagov.org/govt/govt.htm)

Im Januar 1999 stellte sie die Landesregierungen nur noch in drei kleinen Länder im äußersten Osten (Meghalaya, Mizoram und Nagaland), in Madhya Pradesh, in Pondicherry und in Goa.

Derzeit hat Sonja Gandhi, die Frau des ermordeten Rajiv Gandhi, den Vorsitz der Congress Party. Es bleibt abzuwarten ob es ihr gelingt, die Congress Party zu revitalisieren, oder ob sie gar ein ähnliches Charisma entwickelt wie ihre Schwiegermutter. Die jüngsten Wahlerfolge der Congress Party im November 1998 sind eher auf eine allgemeine Unzufriedenheit zurückzuführen, die durch steigende Lebensmittelpreise ausgelöst wurde.

8. Schlußbetrachtung

Versteht man unter Modernisierung den Wandel von Gemeinschaften hin zu einer Gesellschaft, hat Indien sich in den letzten 50 Jahren modernisiert. Anders als in den oben erwähnten asiatischen Staaten nahm die Modernisierung Indiens ihren Ausgangspunkt nicht in einer Änderung der Rahmenbedingungen der ökonomischen Reproduktion (die durchaus stattfand), sondern in einer Änderung der politischen Herrschaft.

Mit der Vereinheitlichung der politischen Herrschaft durch die Briten begann auch eine, bis heute unabgeschlossene, Verdoppelung von Staat und Gesellschaft. Die Einführung getrennter Verwaltungen 1813 und 1833 legte hierzu die Grundlagen. Das starke wirtschaftliche Engagement des unabhängigen Indiens förderte diesen Prozeß nicht unbedingt. Erst seit Beginn der neunziger Jahre trennt sich die ökonomische von der politischen Macht stärker.

Das staatliche Gewaltmonopol wurde hingegen schon durch die Briten weitgehend durchgesetzt. Die indische Gesellschaft ist, wie die westlichen kapitalistischen Staaten, durch einen Grundkonsens gekennzeichnet. Beruht dieser Konsens in den westlichen Gesellschaften in erster Linie auf der Akzeptanz der kapitalistischen Produktionsweise, so beruht er in Indien in erster Linie auf der Akzeptanz der Gestaltung der politischen Herrschaft. Nicht die kapitalistische Produktionsweise war die Haupttriebkraft für gesellschaftliche Veränderungen, sondern die Erringung und Ausgestaltung der politischen Macht. Hauptagenten des gesellschaftlichen Wandels in Indien waren die politischen Parteien. Durch sie schwächten sich traditionell-kollektivistische Wertvorstellungen (Kastenwesen) ab. Hiermit sollen andere Einflüsse nicht negiert werden. Andere Einflüsse wirkten allerdings stets nur partiell (räumlich und gesellschaftlich).

Indien ist nach wie vor keine voll entwickelte Bürgerliche Gesellschaft. Betrachtet man die oben skizzierten drei Elementarfunktionen wird dies deutlich.

Auf der Ebene der materiellen Reproduktion weist Indien viele Anzeichen einer entwickelten Bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft auf. Es gibt privates Grundeigentum, aber auch nach wie vor bodenbesitzende Subsistenzbauern. Es gibt freie Arbeiter und freie Lohnarbeit, aber auch quasi feudale Verhältnisse im ländlichen Raum. Selbst da, wo freie Lohnarbeit und freie Lohnarbeiter die Grundlage der Produktion bilden, haben sich über die Vergabe von Arbeit an bestimmte Sprach- oder Kastengruppen traditionell-vorkapitalistische Strukturen erhalten.

Die Politische Herrschaft in Indien ist gekennzeichnet durch den modernen Staat als allein legitime Quelle physischer Gewalt, legale Herrschaft, formal rationale Ordnung, formales Recht und bürokratische Verwaltung. Entscheidendes Kriterium für die Charakterisierung der politischen Herrschaft als bürgerlich-kapitalistisch, ist der Wandel von der Einparteienherrschaft der Congress Party, (mit den charismatischen Führern Nehru und Indira Gandhi) hin zu einer Pluralisierung des Parteienspektrums.

Ausgelöst durch diesen Wandel veränderte sich auch der soziale Habitus der indischen Gesellschaft. Traditionale Strukturen (Kasten) traten in den Hintergrund. Sie sind zwar nach wie vor präsent, aber abgeschwächt. An ihre Stelle trat nicht etwa das Individuum im westlichen Sinne mit seiner Ich-Identität, sondern es entstanden neue Großgruppen (Kastenobergruppen) innerhalb der Gesellschaft. Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen entscheidet über Bildung und Berufschancen.

Mit der Liberalisierung der indischen Wirtschaft seit 1991 und der verstärkten Integration in den Weltmarkt dürfte sich der Prozeß der Modernisierung der Gesellschaft beschleunigen. Mit ihm sinken die Einflußmöglichkeiten der politischen auf die ökonomische Sphäre. Dies wird die Veränderungen im sozialen Habitus verstärken.

Wie im Falle Indiens nachgewiesen, muß die Entwicklung einer traditionellen Gesellschaft hin zu einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft nicht notwendigerweise von Änderungen in den ökonomischen Reproduktions-bedingungen angetrieben werden.

 

 

 

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Andreas Anton Bloom

Gut Solchstorf 1

29553 Bienenbüttel

Lebenslauf

 

Geboren 12.2.1966 in Lingen / Ems

Schulische Ausbildung 1976 – 1983 Kreisrealschule Lingen/Ems

1983 – 1986 Gymnasium Johanneum

Lingen/Ems

Zivildienst 1986 – 1988 Verein zur Förderung der

Integration Behinderter e.V.,

Marburg / Lahn

Universitäre Ausbildung 1989 – 1990 Grundstudium der Politischen

Wissenschaft am Otto-Suhr

Institut, Freie Universität Berlin

1990 – 1994 Hauptstudium der Politischen

Wissenschaft und des Öffentlichen Rechts an der Universität Hamburg

Berufstätigkeit: 1994 – 1997 Marketing Officer im Indischen

Generalkonsulat Hamburg

Seit 1997 Freiberuflicher Berater für den

indischen Markt