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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-23522
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2005/2352/


Die Parasitengemeinschaften in der Flensburger Förde und die Populationsdynamik ihrer Wirte

The parasite communities in the Flensburger Foerde and the dynamic of population of their hosts

Josten, Neri

pdf-Format:
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Basisklassifikation: 42.36 , 42.92
Institut: Biologie
DDC-Sachgruppe: Tiere (Zoologie)
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Zander, Claus Dieter (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.01.2005
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 22.02.2005
Kurzfassung auf Deutsch: In der Flensburger Förde bei Bockholmwik wurden die Parasitengemeinschaften und die Populationsdynamik ihrer Wirte untersucht. Als Wirtsgruppen wurden planktische Copepoda, Gastropoda, Kleinfische und weitere epi- und suprabenthische Organismen analysiert. Ermittelt wurden gleichzeitig abiotische Faktoren: Temperatur, Salinität, Sauerstoffgehalt und –sättigung sowie der BSB5- und pH-Wert. Anhand verschiedener ökologischer, ökoparasitologischer und statistischer Parameter wurden Biodiversität, Qualität und Stabilität des Lebensraumes charakterisiert; ein Vergleich mit Studien aus anderen Gebieten der westlichen Ostsee wurde erstellt. Anhand des Stufenkonzeptes von ESCH et al. (1975), HOLMES & PRICE (1986), DIETEL (1997) und ZANDER (1997) wurde eine detaillierte Analyse der Parasitengemeinschaften durchgeführt und determi-nierende Faktoren für die Strukturierung derselben diskutiert.
Bockholmwik stellt ein eu-trophiertes instabiles Gewässer dar, das zum Untersuchung-sende einen Übergang zu einem extrem-eutrophierten Zustand aufwies. Die Lebensge-meinschaften zeigen ausgeprägte Dominanzen und selten eine Ausgewogenheit. Die Wirtsgemeinschaften wurden hauptsächlich von juvenilen Rekruten und von weniger adulten langlebigen Tieren gebildet. Es kam im Untersuchungsverlauf zu einer Abnah-me des Artenspektrums und der Individuendichte aller untersuchten Lebensgemein-schaften. Die Hydrobien zeigten sogar Populationszusammenbrüche. Die parasitischen Gemeinschaften wurden vorwiegend von seltenen, polytopischen Arten und Generalis-ten gebildet. Nur wenige Parasitenarten erreichten relevante ökologische Stufen und nur wenige Spezialisten waren vorhanden. Als weitere Anzeichen eines gestressten Le-bensraumes werden die Aufhebung der Gattungsspezifität von C. concavum, seine Mikrohabitatserweiterung, die Abkürzung des Lebenszyklus einiger Microphallidae sowie das Vorkommen von Ektoparasiten, deren Existenz überwiegend in belasteten Gewässern beschrieben wird, bewertet. Zudem trat im Untersuchungszeitraum eine Verschiebung des Artenspektrums sowie eine Verminderung der Arten benthischer Herkunft auf.
Insgesamt wurden in der Flensburger Förde 61 Parasitentaxa gefunden. Vorwiegend treten Digene und Nematoden, weniger Cestoden und Acanthocephala auf. Einige Ar-ten wurden hier erstmals für die Ostsee beschrieben, andere in neuen Wirten festge-stellt. Es waren typisch brackige, marine aber auch Süßwasser-Arten enthalten. Diese Zusammensetzung deutet auf hydrografische Einflüsse der offenen See und Süßwasser-eintrag auf die Lebensgemeinschaften des Untersuchungsgebietes hin. Der Parasitenbe-fall hängt von der Wirtsgröße (größere Wirte wiesen trotz niedrigerer Abundanzen hö-here Prävalenzen auf), der Wirtsdichte (bei höherer Dichte wurden höhere Prävalenzen und Befallsdichten verzeichnet) sowie dem Vorkommen der Infektionsstadien ab, wel-ches an den Infektionsgrad der Zwischen- und Endwirte gekoppelt ist. Für eine Infekti-on spielen zudem die Biologie (Habitatsvorzug, Ernährungsweise, Lebensdauer) und physiologische Eigenschaften (Hunger, Erschöpfung, Immunabwehr) der Wirte sowie die Konkurrenzfähigkeit der Parasiten eine wichtige Rolle. Eine Veränderung der Wirtspopulationen hat dabei Auswirkungen auf die ihrer Parasiten, d.h. die Befallsdy-namik ist an den Fluktuationen der Struktur ihrer Wirtspopulationen (Altersstruktur, Dominanzen, Dichte) gebunden.
Von den abiotischen Faktoren wirken auf die Strukturierung der Parasitozönosen in Bockholmwik vor allem Temperatur, Salinität und Sauerstoffgehalt. Die Temperatur begünstigt bzw. hemmt die Entwicklung der Parasitenstadien aber auch der Wirte. Durch die verhältnismäßig hohe Salinität wird Potamopyrgus jenkinsi, deren Vorkom-men bei diesen Salinitäten eher untypisch ist, stärker gestresst und dadurch anfälliger für einen Befall (mit Microphallidae sp.). Der niedrige Sauerstoffgehalt zusammen mit der Eutrophierung limitierten die Populationen der Hydrobien als Zwischenwirte, aber auch die Entwicklung der Parasitenstadien. Der Brackwasserregel von REMANE (1958) folgend nimmt die Anzahl der Parasitenarten mit steigender Salinität zu.
Die Strukturierung der Parasitozönosen der Flensburger Förde wird dabei nicht von ei-nem isolierten Faktor, sondern von mehreren gleichzeitig determiniert. Als Produkt der Eutrophierung stellt der benthische Lebensraum kein optimales Medium für geeignete Zwischenwirte dar. Durch die Topografie und Hydrografie des Untersuchungsgebietes wird allerdings ein Zugang neuer Wirte und Parasiten ermöglicht. Die Räuber-Beute- Beziehung spielt dabei eine wichtige Rolle: etwa 50% der vorkommenden Parasitenar-ten werden durch die Nahrungskette übertragen. Die Struktur einer Parasitozönose ist demnach nicht stabil und den biotischen und abiotischen Veränderungen im Ökosystem unterworfen.
Kurzfassung auf Englisch: In the Flensburger Foerde at Bockholmwik (Germany) the parasite communities and the dynamic of population of their hosts were investigated. As groups of hosts plantonic Copepods, snails, small fishes and further epi- and suprabenthical organisms were ana-lysed. Due to various ecological, eco-parasitological and statistical parameters the bio-diversity, quality and stability of habitat were characterized. A detailed analysis of the parasite communities was accomplished on the basis of the concept of different levels in ecological parasitology by ESCH et al. (1975), HOLMES & PRICE (1986), DIETEL (1997) and ZANDER (1997) and structuring determinating factors were discussed.
61 parasite taxa were found, which were typical brackish, marine and fresh water spe-cies. That composition indicates hydrographical influences of the open sea and access of fresh water onto the biocoenosis of area of investigation. The structuring of parasite communities in the Flensburger Foerde is not being determined by one isolating factor but by various simultaneously. As product of eutrophication the benthical habitat con-stitues no optimal medium for appropriate intermediate hosts. But by means of the to-pography and hydrography of the area of investigation an access of new hosts and parasites is being enabled. Here the predator-prey relationship plays a significant role: circa 50 % of the appearing parasite species are being transmitted by the food chain. Thus the stucture of a parasite community is not stabil and subjected to biotic and abiotic changes of the ecosystem.

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