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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-24156
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2005/2415/


Zur Siedlungsgeschichte des ehemaligen Lübecker Kaufleuteviertels im 12. und frühen 13. Jahrhundert : Nach den ältesten Befunden der Grabung Alfstraße-Fischstraße-Schüsselbuden, 1985 - 1990

Legant-Karau, Gabriele

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Lübeck, Mittelalter, Siedlungsgeschichte, Holzbau, Archäologie
Freie Schlagwörter (Englisch): Lübeck, middleage, wooden settlement, archaeology
Basisklassifikation: 15.18
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Alte Geschichte, Archäologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Ziegert, Helmut (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.12.1998
Erstellungsjahr: 1998
Publikationsdatum: 18.04.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Die großflächigen Ausgrabungen in ehemaligen Kaufleuteviertel stellen die archäologischen Quellen zur Entstehung der Hansestadt Lübeck auf eine breite Materialbasis. Freigelegt wurden rund 7.800 feinstratigraphisch vernetzte Einzelbefunde. Diese dokumentieren über 800 Jahre lübeckische Stadtgeschichte und veranschaulichen exemplarisch die räumliche und bauliche Entwicklung eines Stadtviertels seit der deutschen Stadtgründung Mitte des 12. Jahrhunderts. Über 10 Prozent der dokumentierten und dendrochronologisch datierten Befunde entstammen der Aufbauphase der Stadt vor Entstehung der Hanse. Es war die Zeit der deutschen Landnahme und Kolonisation der Slawen. Diese Phase Lübecks erstreckte sich über acht Jahrzehnte und war architektonisch geprägt durch Holzbauten.

Auf dem Grabungsgelände zwischen der oberen Alfstraße und der Fischstraße fanden sich keine Belege einer slawischen Vorbesiedlung. Überreste der bis 1985 nicht lokalisierten deutschen Gründungssiedlungen von 1143 und 1159 konnten erstmals archäologisch nachgewiesen werden. Von diesen erfasst sind Teile der gärtnerisch/landwirtschaftlichen Nutzfläche der schauenburgischen Erstgründung (1143), die Grundstücks-, Haus- und Bebauungsstrukturen seit der welfischen Neugründung (1159) sowie Spuren eines Stadtbrandes in dänischer Zeit (1201 – 1225).

Die Neugründung unter dem Welfen Herzog Heinrich der Löwe entstand auf der gärtnerisch/landwirtschaftlichen Nutzfläche der schauenburgischen Erstgründung. Der städtische Ausbau der Marktsiedlung begann zwischen geraden Straßenfluchten mit Großgrundstücken gehöftartigen Zuschnitts. Bestimmend für die Entwicklung des Grundstücksgefüges war die mittige Teilung des Baublocks zwischen den Hafen/Ufermarkt und Marienkirche/Zentralmarkt verbindenden Straßenzügen. An diesen standen die von Anfang an giebelständig ausgerichteten Haupthäuser der Grundstücke. Die zunächst spärlich bebauten Urparzellen wiesen Hausgärten und größere Hofflächen auf. Diese wurden ab 1175 in dicht bebaute Stadthöfe mit handtuchartigem Parzellenzuschnitt aufgeteilt. Die Hofflächen der Kleinparzellen lagen jeweils in der rückwärtigen Grundstückshälfte. Dort befanden sich Hebebrunnen in unmittelbarer Nähe mehrgeschossiger Hinterhäuser. Die Abfälle und Fäkalien wurden an den rückwärtigen Grundstücksgrenzen in offenen Holzschächten, aber auch innerhalb von Hofgebäuden entsorgt.
Die Verknappung des Bodens durch die Vervielfältigung der Einwohnerzahl bei zugleich begrenztem Siedlungsraum wurde durch eine verdichtete Bebauung, Unterkellerung und mehrgeschossige Bauweise ausgeglichen. Technische Voraussetzungen lieferte die hoch
entwickelte Holzbautechnik mit Unterrahmverzimmerung, Ständerfußblatt und Stabbauweise. Das hölzerne Lübeck der Zeit um 1200 kannte das Nebeneinander von Pfosten-, Ständer-, Stab- und Blockbauweise und brachte diese Techniken auch als Mischkonstruktionen innerhalb eines Bauwerks ein. An den Straßen standen ab 1159 geräumige Hallenhäuser in Pfostenbauweise. Diese waren zunächst mit einer offenen Feuerstelle, ab 1175 vermutlich auch mit einem Kachelofen ausgestattet. Hinter den Hallenhäusern wurden ab 1180 auf den Kleinparzellen mehrgeschossige, unterkellerte Ständerbauten errichtet, die erstmals Lagerkapazitäten für größere Warenmengen boten. Der kleinteilige Parzellenzuschnitt in Kombination mit der mehrgeschossigen Bauweise markiert den Wandel von der frühstädtischen, noch in agrarischen Traditionen stehenden, zur eigentlich städtischen Phase Lübecks. Nach 1217 wurde die hölzerne Stadt ein Opfer der Flammen, die Raum brachten für die ersten Häuser aus Stein.


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