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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-24599
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2005/2459/


Erst- und Zweitspracherwerb im Vergleich (Französisch / Deutsch) : Der Erwerb der Wortstellung bei bilingualen Kindern und erwachsenen Lernern

Möhring, Anja

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SWD-Schlagwörter: Fremdsprachenlernen , Mehrsprachigkeit , Spracherwerb , Generative Syntax
Freie Schlagwörter (Deutsch): Deutsch , Französisch
Freie Schlagwörter (Englisch): German , French
Basisklassifikation: 17.31 , 17.23 , 17.52 , 17.43
Institut: Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Sprache, Linguistik
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Meisel, Jürgen Michael (Prof. Dr. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.06.2004
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 06.06.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Dissertation behandelt die Frage, inwieweit das Alter, ab dem mit dem Zweitspracherwerb begonnen wird, einen Einfluss auf die Qualität dieses Spracherwerbs hat. Im Rahmen nativistischer Grammatiktheorien wird diesbezüglich diskutiert, ob erwachsene Zweitsprachenlerner noch uneingeschränkten Zugang zur Universalgrammatik (UG) haben bzw. parametrisierte Prinzipien neu fixieren können. In der Literatur werden im wesentlichen zwei Ansätze vertreten: 1. Die UG ist im Erwachsenenalter nicht mehr vollständig verfügbar. 2. Die UG ist im Erwachsenenalter noch vollständig verfügbar. Die beiden Hypothesen machen unterschiedliche empirische Vorhersagen. Während die erste Hypothese impliziert, dass im Erwachsenenalter keine neuen Parameterwerte mehr fixiert werden können, sagt die zweite Hypothese vorher, dass parametrisierte Prinzipien auch noch im Erwachsenenalter auf neue Werte gesetzt werden können.
Das Ziel dieser Dissertation ist die empirische Überprüfung dieser beiden Ansätze auf Basis eines Vergleichs von französischen und deutschen bilingualen Erst- und erwachsenen Zweitspracherwerbsdaten. Die Arbeitshypothese ist, dass die UG im Erwachsenenalter nicht mehr vollständig verfügbar ist. Diese Hypothese sagt vorher, dass die bilingualen Kinder Parameter auf die entsprechenden Werte in den jeweiligen Zielsprachen setzen, erwachsene Lerner hingegen diejenigen Parameterwerte, die nicht in ihrer L1 implementiert sind, nicht neu fixieren können.
Zur Überprüfung dieser Hypothese wurden zunächst Kriterien für den empirischen Nachweis von Parameterfixierung formuliert – Kriterien, die in vielen Arbeiten zum Erst- und Zweitspracherwerb als Diskussionsgrundlage fehlen. Im Anschluss wurde ein für die empirische Analyse notwendiger syntaxtheoretischer Rahmen (Chomsky 1995, Kayne 1994) ausgewählt, im Rahmen dessen die Beschreibung des zu untersuchenden grammatischen Phänomens, des OV/VO Parameters, stattfindet. Im dritten Teil der Arbeit erfolgt die empirische Analyse der französischen und deutschen bilingualen Erst- und erwachsenen Zweitspracherwerbsdaten. Das Datenkorpus bilden im Wesentlichen verschiedene Langzeitdatenkorpora von deutsch/französisch bilingualen Kindern und von romanischsprachigen erwachsenen Lernern des Deutschen. Ferner wurden für die Analyse Querschnittdaten von deutschsprachigen erwachsenen Lernern des Französischen hinzugezogen. Bei der empirischen Untersuchung wurden die in den Korpora beobachteten Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet und hinsichtlich der Arbeitshypothese und ihren empirischen Vorhersagen diskutiert.
Die empirische Untersuchung der verschiedenen Datenkorpora liefert folgende Ergebnisse:
Auf Basis der deutschen Kinderdaten lässt sich die Fixierung des OV/VO-Parameters den zuvor formulierten Kriterien gemäß eindeutig nachweisen. Bei diesen Ergebnissen ist besonders hervorzuheben, dass die Fixierung des OV-Werts der empirische Analyse entsprechend erst in einer späteren Entwicklungsphase stattfindet, als bisher angenommen wurde (Clahsen 1988, Neeleman & Weerman 1997, Wexler 1998). Die französischen bilingualen Erstspracherwerbsdaten lassen dagegen keinen eindeutigen Nachweis der Fixierung des VO-Werts zu, da eines der beiden Kriterien für den Nachweis von Parameterfixierung nicht erfüllt ist. Die Erwerbsasymmetrie wird auf die intonatorischen Unterschiede der beiden Sprachen zurückgeführt, die bewirken, dass die Kinder im Französischen auch ohne eine zielsprachliche Fixierung des Parameters Objekte zielsprachlich stellen.
Im Gegensatz zu den deutschen Daten der bilingualen Kinder ist auf Basis der Daten der erwachsenen Lerner des Deutschen kein Nachweis der Fixierung des OV-Werts möglich. Der Kontrast zwischen den deutschen Erst- und Zweitspracherwerbsdaten bestätigt die Arbeitshypothese der vorliegenden Dissertation: Die Fixierung eines in der L1 nicht vorhandenen Parameterwerts ist im Erwachsenenalter nicht mehr möglich und ist damit als Evidenz dafür zu werten, dass die UG im Erwachsenenalter nicht mehr vollständig verfügbar ist.
Die Kontrastierung der erwachsenen Zweitspracherwerbsdaten des Französischen mit den französischen Daten der bilingualen Kinder liefert hingegen keine Unterschiede. Die französischen L2-Daten erfüllen die Kriterien für den Nachweis der Fixierung des VO-Werts. Nach eingehender Diskussion wird diese Asymmetrie jedoch nicht darauf zurückgeführt, dass Erwachsene bestimmte Parameterwerte, beispielsweise den VO-Wert, noch fixieren können, andere Werte hingegen nicht. In Einklang mit der Arbeitshypothese wird die Asymmetrie darauf zurückgeführt, dass die deutschsprachigen Lerner im Gegensatz zu den romanischsprachigen Lernern bestimmte grammatische Phänomene aus der Erst- in die Zweitsprache übertragen und somit die zielsprachliche Stellung der Objekte im Französischen leichter lernen können, nicht aber den VO-Wert „neu“ fixieren.

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