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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-24910
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2005/2491/


Die Prävalenz und Ausprägung von Persönlichkeitsstörungen bei Ecstasykonsumenten

Personality Disorders in Ecstasy Abusers

Schindler, Frank

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SWD-Schlagwörter: Ecstasy , Dissoziale Persönlichkeitsstörung , Persönlichkeitstyp , Persönlichkeitsveränderung , Persönlichkeitsstörung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Personality Disorder Questionaire , PDQ , Inventar Klinischer Persönlichkeitsakzentuierungen , IKP
Freie Schlagwörter (Englisch): Ecstasy , Personality Disorders , PDQ-R
Basisklassifikation: 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Thomasius, Rainer (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.03.2005
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 27.06.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Zusammenfassung

Ecstasy ist die am häufigsten konsumierte synthetische Droge, im Jahr 2000 erreichte die Anzahl der vom BKA beschlagnahmten Tabletten erneut eine Rekordhöhe. Gleichzeitig steigt die Zahl der Berichte über medizinische Komplikationen – auch mit Todesfolge. Inzwischen mehren sich Hinweise darauf, daß der dauerhafte Konsum größerer Mengen von Ecstasy neurotoxische Auswirkungen haben könnte, deren langfristige Folgen nicht absehbar sind.
Welche Faktoren tragen zur Entwicklung eines Risikokonsums beziehungsweise einer Abhängigkeit bei? Bei Alkohol- und Drogenabhängigen konnte gezeigt werden, daß Persönlichkeitsstörungen, allen voran die antisoziale und Borderline Persönlichkeitsstörung, einen starken Einfluß auf die Entstehung, Aufrechterhaltung und den Verlauf der Erkrankung haben. Zum Missbrauch von Ecstasy ist die Datenlage diesbezüglich noch unzureichend.

Dies ist die erste Studie, die der Frage nach der Prävalenz und Ausprägung von Persönlichkeitsstörungen an einer größeren Stichprobe von Ecstasykonsumenten nachgegangen ist. Dazu wurden unter Verwendung zweier Selbstratinginstrumente (Personality Disorder Questionaire, PDQ-R und Inventar Klinischer Persönlichkeitsakzentuierungen, IKP) 57 Ecstasykonsumenten (31 männlich, 26 weiblich, Durchschnittsalter 23 Jahre) mit 30 Konsumenten anderer illegaler Drogen (19 männlich, 11 weiblich, Durchschnittsalter 22 Jahre) sowie 7 Abstinenten (3 männlich, 4 weiblich, Durchschnittsalter 22 Jahre) verglichen. Im nächsten Schritt wurden die Ecstasykonsumenten nach dem Schweregrad des Konsums drei Gruppen zugeteilt, die ebenfalls miteinander verglichen wurden.
Nach den Ergebnissen der vorliegenden Studie haben Ecstasykonsumenten und insbesondere –abhängige im Vergleich zu ecstasy- sowie drogenabstinenten Kontrollen mit identischem subkulturellem Hintergrund, aber auch gegenüber der Allgemeinbevölkerung und gleichaltrigen Studenten eine erhöhte Prävalenz und Ausprägung von Persönlichkeitsstörungen. Die Zahlen liegen etwa auf dem Niveau von Patienten eines stationären Drogenentwöhnungsprogramms. Weiterhin zeigen sich teilweise signifikante Zusammenhänge zwischen der Ausprägung einzelner Persönlichkeitsstörungen und dem Schweregrad des Konsums von Ecstasy und anderen Drogen.
Ecstasykonsumenten fallen durch teilweise signifikant erhöhte Werte insbesondere für Persönlichkeitsstörungen aus dem Cluster B auf, was konsistent ist mit anderen Studien, die bei Ecstasykonsumenten eine Prägnanz von Persönlichkeitszügen gefunden haben, die den Cluster B Persönlichkeitsstörungen zugrunde liegen. Diejenigen Ecstasykonsumenten, deren Gebrauchsmuster die ICD-10 Abhängigkeitskriterien erfüllen, unterscheiden sich von den Kontrollen darüber hinaus durch eine stärkere Belastung bei den Cluster C Persönlichkeitsstörungen, was als Hinweis auf Probleme aus dem ängstlich-dysphorischen Bereich gewertet wird. Dieses Ergebnis deckt sich mit Ergebnissen anderer Studien, die auf eine erhöhte depressive Belastung von Ecstasykonsumenten hindeuten.

Die Frage, inwieweit diese Ergebnisse durch vorbestehende Persönlichkeitseigenschaften, mögliche neurotoxische Folgen des Ecstasykonsums, den Konsum anderer Drogen sowie durch methodische Schwierigkeiten insbesondere bei der Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen beeinflußt worden sind, wird ausführlich diskutiert.

Als weiteres wichtiges Ergebnis dieser Studie ist die niedrige Prävalenz der antisozialen Persönlichkeitsstörung zu nennen, die mit 9% in der Gesamtgruppe der Ecstasykonsumenten und 14% bei den Ecstasyabhängigen unter der Zahl liegt, die bei Alkohol-, Opiat- und Kokainabhängigen gefunden werden. Dieses Ergebnis ist wahrscheinlich auf verschiedene Faktoren wie eine größtenteils bessere soziale Integration von Ecstasykonsumenten, substanzspezifische Unterschiede sowie die mangelnde Validität der antisozialen Persönlichkeitsstörung zurückzuführen.

Zusammengefaßt weist diese Studie auf die wichtige Rolle von Persönlichkeitsstörungen bei der Entwicklung von Mißbrauch- und Abhängigkeitsmustern von Ecstasy hin. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, diejenigen Konsumenten, bei denen Hinweise auf das Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung vorliegen beispielsweise unter Verwendung semistrukturierter Interviews genauer zu betrachten. Darüber hinaus weist diese Studie auf die Unterschiede zu Abhängigen herkömmlicher Drogen und die daraus folgende Notwendigkeit für speziell auf Ecstasykonsumenten zugeschnittene Hilfsangebote hin.

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