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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-25613
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2005/2561/


Die außenpolitische Stellung der Türkei im Nahen und Mittleren Osten, besonders nach dem Kalten Krieg bis Ende 1999, Kontinuität oder Wandel?

Biyikli, Derya

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Türkei , Türkische Außenpolitik , Beziehungen der Türkei zu ihren Nachbarstaaten , Westorientierung , Kemalistische Staatsdoktrin
Basisklassifikation: 89.90
Institut: Wirtschaftswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Politik
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Paech, Norman (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.06.2005
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 02.08.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Die außenpolitische Ziele und Orientierungen der Türkei gehen seit der Gründung der türkischen Republik am 29. Oktober 1923 in Richtung einer Westorientierung. Die türkische Außenpolitik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Eintritt in die NATO sowie durch die politische, militärische und ökonomische Ausrichtung auf Europa und die USA bestimmt. Die atlantische Orientierung führte zu einem eindimensionalen außenpolitischen Verhalten unter Vernachlässigung der regionalen Komponente in der außenpolitischen Interessenwahrnehmung des Landes. Eine starke Isolation war die Folge dieser Politik. Erst in der ersten Hälfte der 60er Jahre setzte unter veränderten internationalen und regionalen Bedingungen (Entspannung im Ost-West Verhältnis, Zypernkrise) und nach einem innenpolitischen Wandlungsprozess ( Entstehung eines ideologisch-politischen Pluralismus, Auswirkungen der liberalen Verfassung von 1961) eine Entwicklung zur Multidimensionalität in der Außenpolitik ein. Dies bedeutete eine stärkere regionale Interessenwahrnehmung unter strikter Beibehaltung der Westbindung und Bündnisverpflichtungen. Folgende Prinzipien bestimmten primär die Nah- und Mittelostpolitik der Türkei:
- Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Staaten dieser Region sowie in die zwischenstaatlichen Konflikte, d.h. politische Neutralität und Äquidistanz gegenüber Staaten, die miteinander in Konflikt geraten sind.
- Der Verzicht der Türkei, eine Führungsrolle und einen Ordnungsmachtstatus in der Region zu erlangen
- Die Bevorzugung bilateraler Beziehungen vor multilateralen Beziehungen.

Die Türkei ist aufgrund ihrer geopolitischen Nähe zum Nahen und Mittleren Osten in ihren nationalen Interessen unmittelbarer von den Entwicklungen in der Region als ihre westlichen Partner betroffen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion hat sich die geopolitische Position der Türkei geändert. Während der Golfkrise (Irak-Kuwait) 1990/91 rückte die Türkei von der traditionellen Politik der gutnachbarlichen Beziehungen mit dem Irak ab, unterstützte bedingungslos die Interventionspolitik der USA und aktiv die UN-Sanktionen durch konkrete Schritte. Im zweiten Golfkrieg gab die Türkei aufgrund externer und interner Faktoren die traditionelle nahostpolitische Linie der Neutralität und Nichteinmischung zugunsten einer aktiven Politik des engen Zusammengehens mit den USA auf. Somit wurde zum ersten Mal in der türkischen Geschichte ein arabischer Nachbarstaat vom türkischen Boden aus angegriffen. Die Formulierung und Implementierung der Golfpolitik stand damals unter dem dominanten Einfluss des Staatspräsidenten Turgut Özal. Er hoffte sich dadurch eine deutliche Verbesserung der strategisch-politischen Position der Türkei im westlichen System, die insbesondere angesichts des Wegfalls des Ost-West-Konfliktes abzunehmen drohte. Zentrale außenpolitische Zielsetzung war es die Türkei als regionale Führungs- und Ordnungsmacht zu etablieren sowie einen raschen EU-Beitritt.

Eine der Dimensionen der neuen politisch-strategischen Rolle der Türkei nach dem Zerfall der Sowjetunion ist die zunehmende Bedeutung ihrer Beziehungen mit den Staaten in Zentralasien und im Kaukasus. Mit den sechs Ländern, wovon fünf turksprachig sind, Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan und Kasachstan hat die Türkei politische, ökonomische und kulturelle Beziehungen. Die zentralasiatische Staaten sind mit der Türkei historisch, kulturell und sprachlich verwandt. In den Erörterungen der internationalen strategisch-politischen Veränderungen nach dem Sowjetunion hat sich das Bild der Türkei erheblich gewandelt. Es ist von einer neuen Rolle als Regionalmacht die Rede, die eine stabilitätsorientierte Ordnungsfunktion ausüben oder als Entwicklungsmodell dienen Kann. Die Türkei ist weniger Brücke zwischen Europa und dem Nahen und Mittleren Osten als vielmehr zwischen Europa und Zentralasien oder aber zwischen Europa und der islamischen Welt. Ferner nimmt die Türkei in der Frage der Pipeline für das kaukasische und zentralasiatische Erdöl bzw. Erdgas eine Schlüsselposition ein. Aufgrund ihrer ethnischen und sprachlichen Verwandtschaft mit den Turkvölkern Mittelasiens kann sie den Zugang zu den dortigen Märkten erleichtern. Die Türkei ist in der Lage, einen Beitritt zur Entwicklung der zentralasiatischen Staaten zu leisten. Dieser Beitrag ist im kulturellen und politischen Bereich größer als auf dem wirtschaftlichen Sektor. Da die ökonomischen Ressourcen der Türkei begrenzt sind, ist das Land ohne westliche Unterstützung nicht in der Lage, die von den neuen Partnern finanziellen Mittel bereitzustellen.

Seit 1996 hat die Türkei ein Zollunionsabkommen mit der EU. Damit gelang ein wesentlicher Schritt in Richtung einer Integration. Ende Dezember 2004 steht die Entscheidung über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei an. Für die Türkei in ihrer heutigen Form als säkularer und demokratischer Staat in einem unsicheren geopolitischen Umfeld, ist der Weg nach Europa auf lange Sicht alternativlos.

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