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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-27028
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2005/2702/


Aufkommen, Verletzungsschwere und Versorgung polytraumatisierter Patienten des UKE - Eine retrospektive Analyse der Jahre 1990-2001 : Unterscheidet sich der ältere Polytraumapatient vom jüngeren?

Wolff, Alexander

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SWD-Schlagwörter: Polytrauma , Alter , Schwerverletzter , Hamburg , Eppendorf
Freie Schlagwörter (Deutsch): ISS , PTS , Scoresysteme
Freie Schlagwörter (Englisch): multiple trauma , elderly , severe injury
Basisklassifikation: 44.71 , 44.80 , 44.65
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Windolf, J. (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 31.10.2005
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 21.11.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Das Polytrauma stellt in der Bundesrepublik Deutschland die vierthäufigste Todesursache dar, im Alter bis zu 45 Jahren sogar die häufigste. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung, des hohen Anteils alter Menschen in der Gesellschaft und der zunehmenden Mobilität älterer Menschen muß mit einem steigenden Aufkommen verunfallter Personen höheren Alters gerechnet werden.
Ziel dieser Arbeit war es, im Zeitraum 1990 bis 2001 die Epidemiologie, Verletzungscharakteristika und die Behandlung polytraumatisierter Menschen in dem Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf zu analysieren und dabei Patientenkollektive über und unter 60 Jahren gegenüberzustellen.
Dieser Arbeit liegen die Krankenakten von 586 lebend eingelieferten polytraumatisierten Patienten mit einem ISS>16 und einem PTS>8 zugrunde, davon waren 88 Patienten (15%) über 60 Jahre alt. Das Durchschnittsalter aller Patienten lag bei 34 Jahren (30 vs. 72 Jahre), der Anteil männlicher Personen lag bei 68% vs. 43%. In dem Erhebungszeitraum konnte keine relative oder absolute Zunahme älterer Personen beobachtet werden. Die anatomische Verletzungsschwere war im jun-gen Kollektiv größer (ISS=34 vs. 29), die effektive Verletzungsschwere nach PTS jedoch im alten Kollektiv größer (PTS=36 vs. 25). Die meisten Patienten beider Kollektive verunfallten im Straßen-verkehr (65% vs. 67%), junge Patienten eher als PKW-Insassen (35%), alte Patienten eher als Fußgänger (34%). Gewaltunfälle waren im jungen Kollektiv häufiger (7% vs. 3%).
Die meisten Patienten beider Kollektive wurden am Kopf (79% vs. 86%) verletzt, gefolgt von Ex-tremitäten (70% vs. 69%) und Thorax (64% vs. 60%). Abdominelle Verletzungen wurden bei jungen Patienten, Becken- und Wirbelsäulenverletzungen bei alten Patienten häufiger festgestellt. Rund 72% beider Kollektive trugen Verletzungen in 2 bis 3 Körperregionen davon.
Ältere Patienten wurden seltener notärztlich versorgt, seltener intubiert und mit Thoraxdrainagen versehen und erhielten weniger Infusionen als jüngere Patienten. Die mittlere Rettungszeit lag jeweils unter 1 Stunde. Ältere Patienten erhielten seltener Transfusionen und wurden im Verhältnis zu ihren Verletzungen einer vergleichbaren bildgebenden Diagnostik unterzogen. Ältere Patienten wurden seltener primär operiert, Extremitätenverletzungen häufiger ausschließlich primär stabilisierend und nicht definitiv versorgt und außerdem später und seltener sekundär operiert.
Die mediane Beatmungs- und Intensivaufenthaltsdauer älterer Patienten war kürzer, da der Anteil Verstorbener höher war. Die Gesamtaufenthaltsdauer älterer Patienten war kürzer, auch unter Ausschluß der Verstorbenen. Die Letalität war beim alten Kollektiv bei kürzerer Überlebenszeit (8d vs. 10d) doppelt so hoch (40,9% vs. 19,7%). Bei steigender Verletzungsschwere (ISS 31,5 auf 34) sank die Gesamtletalität von 24,9% auf 19,2% im Vergleich der Jahre 1990-95 und 1996-2001.
Zusammenfassend ließ sich zeigen, daß bei anatomisch geringerer Verletzungsschwere älteren polytraumatisierten Patienten eine geringere präklinische Behandlung zukam. Die klinische Be-handlung war gleich zügig, hinsichtlich der Operationen der effektiven Verletzungsschwere ange-paßt. Bei doppelt so hoher Letalität muß überlegt werden, ob die präklinische Behandlung der effektiven (alterskorrigierten) Verletzungsschwere angepaßt werden kann.
Trotz intensiver Bemühungen aller Disziplinen ist die Überlebenswahrscheinlichkeit alter polytrau-matisierter Patienten gering, und es bleibt ein zu bewältigendes Problem, die Prävention und Therapie in diesem Bereich voranzubringen.

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