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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-27120
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2005/2712/


Zur psychischen und psychosozialen Symptombelastung von Kokain- und Cannabiskonsumenten : eine empirische Untersuchung an 72 Probanden der BfArM-Ecstasystudie

Dobrozemsky, Franziska

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SWD-Schlagwörter: Drogenabhängigkeit / Cocain , Drogenabhängigkeit / Haschisch , Drogenabhängigkeit / Marihuana , Drogenabhängigkeit , Rauschgift
Freie Schlagwörter (Deutsch): psychische Symptombelastung , Kokain , Cannabis , Untersuchung
Freie Schlagwörter (Englisch): cocain , cannabis , psychological symptomatology , dependence , cannabis/ kokain use
Basisklassifikation: 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Thomasius, Rainer (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.11.2005
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 22.11.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Repräsentativbefragungen zur Risikoeinschätzung von Cannabis und Kokain aus dem Jahr 1998 im Vergleich mit 2000 zeigen, dass Cannabis zunehmend als harmlos eingestuft wird, während Kokain immer mehr Gefährlichkeit beigemessen wird. In dieser Arbeit wird untersucht, ob sich auf der Ebene der psychiatrischen Symptombelastung neue Fakten bezüglich des Konsumrisikos finden lassen.

Die Gruppeneinteilung dieser Untersuchung entstand aus der Stichprobe der empirischen Studie: „Welche neurologischen und psychiatrischen Langzeitschäden induziert Ecstasy? Welche Hochrisikogruppen für derartige Schäden durch Ecstasy lassen sich beschreiben?“, die im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (im folgenden BfArM-Studie genannt) im Zeitraum Januar 2000 bis März 2003 an der Universitätsklinik Hamburg- Eppendorf durchgeführt wurde. Sie schließt Probanden ein, die während der letzten sechs Monate vor den Untersuchungen ausschließlich Cannabis konsumiert hatten
(= Cannabiskonsumenten), und Probanden, die im selben Zeitraum Kokain konsumierten und zusätzlich den Beikonsum von Cannabis aufwiesen (= Kokainkonsumenten). Zum Vergleich wurde eine Kontrollgruppe, die keine illegalen Drogen bis zum Zeitpunkt der Untersuchungen konsumierte (= Abstinente), untersucht. Die neue Stichprobe besteht aus insgesamt 72 Probanden (davon 49% weiblich), deren drei Teilstichproben bezüglich soziodemographischer Daten gleich verteilt sind. Das mittlere Alter der drei Gruppen beträgt 23.67 Jahre. Als Untersuchungsinstrumente wurden die psychiatrischen Ratingverfahren: Pattern of Individual Changes Scale (PICS), Global Assessment of Functioning (GAF), Brief Psychiatric Rating Scale (BPRS) sowie Psychischer und Sozial- Kommunikativer Befund (PSKB) ausgewählt.

Die einfaktorielle Varianzanalyse erbrachte folgende Ergebnisse: die Vergleiche zwischen Cannabiskonsumenten und Abstinenten ergaben signifikant niedrigere Werte der Konsumenten bezüglich „Selbstsicherheit“ und den Einschätzungen des GAF. Signifikant bis sehr signifikant höhere Werte der Cannabiskonsumenten ergaben sich zu den Merkmalen „Zwangsgedanken“, „Leistungsfähigkeit“, „Hilflosigkeit“, „Krankwerden“, „Innere Unruhe“, „Konzentration gestört“, „Schuld“, „Motorische Verlangsamung“, „Depressive Anteile“, „Antrieb“, „Schuldgefühle“, „Affektsteuerung“ sowie für den „Gesamtwert BPRS“. Sehr signifikant niedrigere Werte resultierten aus der Einschätzung anhand des GAF für Kokainkonsumenten im Vergleich zu den Abstinenten. Durch signifikant bis hoch signifikant höhere Werte fallen Kokainkonsumenten im Vergleich zur Kontrollgruppe bei den Merkmalen „Misstrauen, paranoide Inhalte“, „Affektsteuerung“, „Innere Unruhe“, „Leistungsfähigkeit“, „Bindungsschwierigkeiten“, „Hilflosigkeit“, „Krankwerden“, „Problemverleugnung“, „Depressive Stimmung“, „Misstrauen“ und dem „Gesamtwert BPRS“ auf. Vergleiche zwischen Cannabis- und Kokainkonsumenten ergaben hoch signifikant höhere Werte beim Merkmal „Schizoide Anteile“ der Kokainkonsumenten.

Die Ursachen der eingeschränkten „Leistungsfähigkeit“ der Cannabiskonsumenten könnten im Vorliegen einer depressiven Symptomatik bestehen bzw. in einem Amotivationssyndrom, welches bereits in der Literatur bei Langzeitkonsumenten beschrieben wird. Ein geringeres Maß an „Selbstsicherheit“ könnte auch mehr soziale Ängstlichkeit zur Folge haben, wie in dieser Untersuchung deutlich wird. Über häufiges Auftreten sozialer Ängstlichkeit bei Cannabiskonsumenten wird auch in anderen Studien berichtet. Auffällige Merkmale der Kokainkonsumenten, wie z.B. „Misstrauen, paranoide Inhalte“ könnten möglicherweise auf das soziale Milieu, in dem sie aufgrund ihres Konsums verkehren, zurückzuführen sein. Zudem könnte auch eine Störung des Dopaminstoffwechsels bei Langzeitkonsumenten für das Auftreten von Persönlichkeitsveränderungen angenommen werden. Weitere erhöhte Merkmale, wie z.B. „Bindungsschwierigkeiten“ bei Kokainkonsumenten sind vermutlich Indikatoren möglicher Veränderungen im psychosozialen Bereich. Die Werte des Merkmals „Schizoide Anteile“, welche die Gruppe der Kokainkonsumenten von den Cannabiskonsumenten unterscheiden, könnten auf einer prolongierten Substanzeinwirkung beruhen. Neben diesen Erklärungsansätzen sind auch vorhandene Prädispositionen, die möglicherweise durch den Drogenkonsum verstärkt bzw. aktiviert wurden, zu berücksichtigen. Weiter ist zu bedenken, dass Entzugserscheinungen aufgetreten sein könnten, die sich in Form depressiver Symptome manifestierten. Dieser Aspekt kommt für beide Untersuchungsgruppen in Frage.

Die Überwindung des derzeitigen Forschungsdefizits zu den Auswirkungen von Cannabis- und Kokainmissbrauchs kann die Effektivität von Präventionsmaßnahmen bei Jugendlichen und Erwachsenen verbessern.

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