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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-28632
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2006/2863/


Biomechanische Evaluation von Patiententransfertechniken

Biomechanical Evaluation of Patient Handling Tasks

Molatta, Stephan

pdf-Format:
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Basisklassifikation: 44.11 , 44.83 , 44.12
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Rehder, Uwe (PD Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 03.03.2006
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 27.03.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Zusammenfassung
In dieser Studie ist ein umfangreiches Mess- und Auswertungsverfahren entwickelt worden, mit dem Ziel, die Wirksamkeit einer neuen Patiententransfertechnik für Pflegeberufe, im Vergleich zu verschiedenen konventionellen Hebetechniken, zu überprüfen. Die An-nahme und Ausgangslage war, dass die Pflegekraft, insbesondere über eine Verbesserung der Körperhaltung und eine verbesserte Arbeitsweise, die Reduktion der Rückenbelastung durch die neue Transfertechnik erreichen kann (LWS-Schonung). In den meisten der be-schriebenen Arbeitsschritte wird die Haltungsverbesserung durch ein zur Verlängerung der Arme eingesetztes (hauptsächlich in vertikaler Richtung, also ohne Verlängerung der aktiven Hebelarme), unter den Patienten gezogenes Stecklaken erreicht. Diese funktionelle Armverlängerung vergrößert den Spielraum der Körperhaltung während der Aufgaben und ermöglicht die aktive Arbeit über eine Gewichtsverlagerung. Zu überprüfen war, ob dies für die Pflegekraft zur Belastungsverringerung im Bereich der LWS führt.

Fünf Probandinnen führen vergleichend identisch definierte Patiententransfers, fünfmal mit herkömmlichen und fünfmal mit neuen Techniken, in jeweils vierfacher Wiederholung aus. Diese Vorgänge werden über ein 6-Kamera-Bewegungsanalysesystem der Fa. Oxford Metrix, Typ Vicon, aufgezeichnet. Anschließend werden, in einem mathematischen 3-D-Ganzkörpermodell, aus den Bewegungen im Raum, den an den Körper angreifenden Kräften und den Körperteilmassen die Belastungsparameter der LWS berechnet. Über eine speziell auf die Aufgaben ausgerichtete Auswertungsprozedur werden die Daten, nach entsprechender Anpassung, gegenübergestellt und die Techniken mit gleicher Aufgabe verglichen. Die hierbei betrachteten Parameter sind die Haltungswinkel, die übernommene Patientengewichtskraft sowie die Kräfte und Momente in der LWS. Zunächst wird eine Einzelbetrachtung der Parameter vorgenommen und im Folgenden eine Gesamtdarstellung der verschiedenen Komponenten.

Alle Versuche zeigen, dass es trotz zum Teil guter und ermutigender Wirksamkeit der Methode der neuen Technik einen Optimierungsbedarf gibt. In den meisten analysierten Fällen zeigt sich durch die neue Technik eine deutliche Verbesserung der Haltung, bei teils deutlicher bis keiner Reduktion der angreifenden Kräfte und Momente in der LWS. Aus den Ergebnissen sind spezifische Empfehlungen und Verbesserungsvorschläge für die jeweilige Technik entwickelt worden.

Teilweise, z.B. beim Aufstellen des Kopfteiles mit aufliegendem Patienten, zeigten nur eine bis wenige Probandinnen ein eindeutig besseres Ergebnis. Dieses erschien jedoch so deutlich, dass aus den Besonderheiten des Transfers Verbesserungsvorschläge erarbeitet wurden. Diese bestehen insbesondere in der Körperstellung zur Last, der Haltung durch Optimierung der gefassten Lakenlänge und dem Arbeiten um die Neutralposition, insbesondere zur Vermeidung von Extrempositionen. Neben der Verbesserung der Körperhal-tung ergibt sich auch die Möglichkeit, über eine Anpassung der Gewichtsverlagerung und der richtigen Höheneinstellung des Bettes die Belastung zu reduzieren. Ist der Bewegungsablauf durch das Bett vorgegeben, so stellt die Betthöhe einen der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Belastung dar.

Ein weitaus schwieriger zu beeinflussender Parameter ist die Berufserfahrung der Pflegerin, insbesondere die Berufsdauer, die eine Person mit der über Jahre erlernten Technik arbeitet. Diese Studie lässt darauf schließen, dass mit der Zunahme der Berufsdauer die Fähigkeit des Umlernens sinkt und somit die Notwendigkeit besteht, eine neue Technik früh im Berufsleben zu vermitteln. Einen ähnlichen, aber besser zu beeinflussenden Faktor stellt die sportliche Aktivität dar, denn schwer zu koordinierende Techniken benötigen ein gutes körperliches Koordinationsvermögen. Dies lässt sich durch sportliche Aktivität beeinflussen.

In der Summe zeigt sich eine gute, wenn auch verbesserungswürdige Wirksamkeit der neuen Technik gegenüber den getesteten herkömmlichen Techniken. Zusammenfassend ist eine Optimierung der neuen Techniken zu erreichen durch Verbesserung der individuellen Eigenschaften z.B. über Anregung zu sportlicher Aktivität, durch eine frühe Schulung im Ausbildungsablauf sowie aller zusammenarbeitenden Mitarbeiter, mit verstärkter Akzentuierung der Schulung auf Betthöhe, Gewichtsverlagerung und Arbeiten unter Berücksichtigung der Neutralposition. Eine hiernach erneut durchgeführte Untersuchung dürfte mit Sicherheit ein eindeutiges Ergebnis zugunsten der neuen Technik zeigen.

Neben dem auf die Techniken bezogenen Ergebnis zeigt diese Studie eine deutliche körperliche Belastung für alle hier untersuchten Transfertechniken, bedingt einerseits durch die schweren zu transferierenden Lasten, andererseits durch die einzunehmende Zwangs-haltung. Die Ausführung dieser Aufgaben impliziert generell eine hohe Inzidenz für Rückenbeschwerden, was bei Einstellungsuntersuchungen Beachtung finden sollte. Insbesondere Personen mit niedrigen Belastungsgrenzwerten, wie z.B. Schwangeren, ist von der Ausübung einer, in dieser Studie untersuchten patientennahen Transfertätigkeit dringend abzuraten.

Die Studie zeigt weiterhin, dass die einfache Beurteilung der Belastung über die Kompressionskräfte in der LWS bzw. der zu transferierenden Massen oder den Flexionsmomenten zwar einen Anhalt geben können, jedoch nur eine Betrachtung des gesamten Ablaufes - auch mit den vermeintlich unbelasteten Phasen - einen vollständigen Aufschluss über den Zusammenhang zwischen LWS-Beschwerden und beruflichen Belastungen gibt. Die in einer Zwangshaltung ausgeführten Tätigkeiten stellen eine weitaus höhere Belastung als andere dar, nicht nur im Transfer, sondern insbesondere bei unerwartet eintretenden Belas-tungen in einer solchen Haltung.

Eine objektive Betrachtung der berufsbedingten Belastung und damit auch der Schädigung bedarf einer umfassenden Analyse der Bedingungen, wie in dieser Arbeit durchgeführt. Ein solcher Umfang ist jedoch nicht für jeden Fall möglich, weshalb zumindest schlecht beurteilbare Situationen z.B. mit Rotationshaltungen im Labor nachgestellt werden sollten. Im Bezug auf die neue Transfertechnik in der Pflege, sollte, nach entsprechender Berücksichtigung der möglichen Verbesserungen durch Vorabschulung, eine erneute Untersuchung durchgeführt werden. Der hier verwandte Versuchsaufbau stellt hierbei die optimale Mess- und Auswertungsgrundlage dar.

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