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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-30442
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2006/3044/


Die "Reichsfrauenführerin" Gertrud Scholtz-Klink : Zur Wirkung einer nationalsozialistischen Karriere in Verlauf, Retrospektive und Gegenwart

Berger, Christiane

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SWD-Schlagwörter: Frauen , Nationalsozialismus , Neofaschismus
Basisklassifikation: 89.21 , 71.38 , 15.43
Institut: Wirtschaftswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Lambrecht, Lars (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.07.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 29.08.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Die „Reichsfrauenführerin“ Gertrud Scholtz-Klink – Zur Wirkung einer nationalsozialistischen Frauenkarriere in Verlauf, Retrospektive und Gegenwart

Gertrud Scholtz-Klink war von 1934 bis 1945 die ranghöchste Frau des Nationalsozialismus. Wenngleich mit geringer politischer Entscheidungsbefugnis ausgestattet, unterlag ihr als „Reichsfrauenführerin“ eine wesentliche Funktion: die Integration von Frauen in das nationalsozialistische System.
Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um eine exemplarisch-biographische Analyse, die in drei verschiedenen Perspektiven – Verlauf, Retrospektive und Gegenwart – mit politiksoziologischen Fragestellungen die Wirkung Scholtz-Klinks illustriert. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Frage nach der vermeintlichen Harmlosigkeit, die das äußerliche Bild einer sozial-karitativen Arbeit der nationalsozialistischen Frauenorganisationen präsentiert. Zudem steht der Eklektizismus nationalsozialistischer Ideologie mit der Frage im Zentrum, welche linken und feministischen Fragmente von Scholtz-Klink aufgegriffen werden und wie diese der eigenen rechten politischen Agitation zugeführt sind.
Die Untersuchung zum Verlauf ihrer Karriere, die sich auf ihre Reden und Zeitschriftenaufsätze als „Reichsfrauenführerin“ stützt, verdeutlicht unter einem politiksoziologischen Blickwinkel Funktionsmechanismen, die das Nazi-Regimes zur Integration von Frauen entwickelt. Scholtz-Klink ruft Frauen kontinuierlich und penetrant zum Dienst an Familie und Volk auf und offeriert ihnen im Gegenzug die Zugehörigkeit zum nationalsozialistischen Volkskollektiv. In diesem Dienstaufruf agiert sie deutlich wahrnehmbar gegen drei politisch-ideologische Gefährdungen, die das Nazi-Regime zwecks Sicherung der Frauenloyalität ausmachen musste: 1.) sozialistische Ideen in Kreisen proletarischer Frauen, 2.) Emanzipationsansprüche bürgerlicher Frauen und 3.) die christliche Religionsbindung des Gros der Frauen.
Die Untersuchung zur Retrospektive speist sich – im differenzierenden Abgleich zur entsprechenden zeithistorischen Forschung – aus Stellungnahmen, die Scholtz-Klink nach der faschistischen Diktatur in Deutschland über den Nationalsozialismus allgemein (u.a. Krieg und Genozid) und ihre Karriere darin insbesondere (u.a. nationalsozialistische Gleichschaltung der Frauenverbände) artikuliert. Neben anderem stellt ein umfangreiches Verhörprotokoll, das Teil ihrer sogenannten „Entnazifizierungsakte“ ist, einen Fundus diesbezüglicher Aussagen dar. Der grundlegende Befund dieser Retrospektive lautet: Scholtz-Klink blendet Terror, Tod und Vernichtung der nationalsozialistischen Herrschaft in einer Weise aus, die in politisch-historischer Perspektive als exemplarisch für weite Teile der deutschen Bevölkerung gewertet werden kann: der Krieg wird als Schicksalsschlag begriffen, die eigene erfahrene Not (die der >arischen< Deutschen) besonders hervorgehoben und die Verbrechen von Deutschen einem allgemeinem Welt-Unrecht zugeordnet. Ebenfalls exemplarisch und besonders offensichtlich tritt die Idee von einer >guten< Seite des Nationalsozialismus hervor, die den eigentlichen Kern des deutschen Faschismus ausgemacht hätte.
In der Untersuchung zur Gegenwart wird Scholtz-Klink den rechtsextremen Akteurinnen gegenübergestellt, die etwa ab den 1980er Jahren in der BRD verstärkt in Erscheinung treten. Vielfältiger und zumeist wesentlich vehementer als bei Scholtz-Klink, wenngleich mit deutlichen Affinitäten in der strukturellen Herangehensweise, wird auch bei den rechtsextremen Akteurinnen der Gegenwart ein doppelter Umgang mit der ideologischen Konkurrenz sichtbar: linke und feministische Politikangebote werden diffamierend abgelehnt und zugleich in spezifischen Ausschnitten bedingt kopiert.
Die zusammenfassende Schlussbetrachtung der vorliegenden Untersuchung enthält Überlegungen zum Umgang mit dem rechtsextremen Eklektizismus im Frauensektor. Die Instrumentalisierung gesellschaftlich-fortschrittlicher Ideen wird dabei als Gefahr neuerer faschistischer Tendenzen begriffen und auf das nationalsozialistische Beispiel bzw. >Vorbild< Gertrud Scholtz-Klink verwiesen.


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