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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-30604
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2006/3060/


Zur Bewältigung von Arbeitsbelastungen im Lebenszusammenhang von erwerbstätigen Frauen am Beispiel von Erzieherinnen und Lehrerinnen

Boni-Tamm, Gabriela

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SWD-Schlagwörter: Arbeitsbelastung , Bewältigung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Frauen , Familie , Erzieherinnen , Lehrerinnen , Gesundheit
Basisklassifikation: 44.10 , 71.33 , 81.31
Institut: Wirtschaftswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Oppolzer, Alfred (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 05.07.2005
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 31.10.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Zur Bewältigung von Arbeitsbelastungen im Lebenszusammenhang von erwerbstätigen Frauen am Beispiel von Erzieherinnen und Lehrerinnen.

Mit der Gesundheit von Frauen unter den Bedingungen von Doppelbelastung aus Berufstätigkeit und Haus- und Familienarbeit setzt sich die vorliegende Studie auseinander.
Ziel der Studie ist es, Informationen über die Gesundheitssituation von berufstätigen Frauen einzuholen, den Zusammenhang zwischen Belastung und Bewältigung in Abhängigkeit von Ressourcen zu erhellen, um schließlich auf der Basis der Ergebnisse Empfehlungen für die gesellschaftliche Handlungsebene zu erarbeiten.

Ausgehend von den Prämissen der Frauengesundheitsforschung wird einerseits die verbindende Besonderheiten des weiblichen Lebenszusammenhanges und die daraus resultierenden Beanspruchungen zu thematisiert, andererseits aber dabei die Unterschiedlichkeit des Belastungs-Beanspruchungszusammenhanges zwischen Frauen in Abhängigkeit von ihrer sozialen Lage berücksichtigt.
Entsprechend eines ressourcenorientierten Gesundheitsbegriffes werden die Gesundheitspotentiale der Frauen, die dazu befähigen Alltagsbelastung zu bewältigen, in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.
115 Erzieherinnen und Lehrerinnen wurden als Expertinnen in „eigener Sache Gesundheit“ in Interviews und schriftlicher Befragung um Auskunft darüber gebeten.

Belastung
Der Belastungszusammenhang von Frauen scheint nach den Befragungsergebnissen durch den Versuch gekennzeichnet zu sein, Anspruch und Wirklichkeit erfüllten Frauendaseins, welches sich nicht auf die Tätigkeit als Hausfrau und Mutter beschränken ließe, in Einklang zu bringen. Berufsorientierung, die mit einem hohen Anspruch an eine qualitativ hochwertige Durchführung einhergeht, genauso wie der Anspruch an die Qualität der Arbeit im „Privatbereich“ und darüber hinaus noch die Alleinverantwortung dafür, führen dazu, dass sich die Befragten beider Berufsgruppen einen belastenden physischen und psychischen Arbeitsaufwand zuziehen mit wenig Spiel- und Erholungsräumen. In der Folge stellt sich für viele der Befragten häufig Stress ein.
Der quantitative Umfang von häufig erlebten Belastungsfaktoren, zeitliche Eingebundenheit in verschiedene Anforderungsbereiche, Zerreißproben durch widersprüchlich strukturierte Aufgabenbereiche, mangelnde Unterstützung von Seiten der Familienmitglieder sowie ein zu geringes Maß an Freizeit sind zwischen den hier befragten Berufsgruppen allerdings unterschiedlich einzuschätzen. Alle Bereiche weisen für die Erzieherinnen eine höhere Relevanz auf.

Gesundheit
Über die Hälfte der Erzieherinnen und drei Viertel der Lehrerinnen fühlen sich als gesunde Frau, ihren momentanen Gesundheitszustand dagegen geben weitaus weniger der Befragten als gut an. Körperliche Beschwerden des Bewegungsapparates sowie Symptome vegetativer Dystonie werden von beiden Berufsgruppen am häufigsten benannt. Beschwerdeanzahl sowie Berufs-Ausfalltage wegen Krankheit überwiegen bei den Erzieherinnen.
Als Ressourcen lässt sich für die Befragten eine vorherrschende ganzheitliche Gesundheitsauffassung im Sinne der Weltgesundheitsorganisation WHO mit körperlichen, seelischen und sozialen Faktoren, ansehen, die dazu befähigen kann, sich wohl zu fühlen, obwohl sich eine Anzahl von Beschwerden eingestellt haben. „Gesundheit ist im ganzen, dass ich das Gefühl hab, komm mit meinem Leben klar“, scheint diesen Sachverhalt zu fassen. Eine solche Auffassung kann dann dazu führen, die umfangreiche Alltagsbelastung angemessen zu bewältigen und mit dem Leben zufrieden zu sein. Dies lässt sich aus den Ergebnissen der Befragung für viele der Befragten schließen, gilt für die schichthöheren Lehrerinnen aber in deutlich größerem Umfang.

Bewältigung
Nach den Ergebnissen der Stressforschung gehören die Qualifikation und soziale Netzwerke zu den Gesundheitspotentialen. Gesundheitspotentiale entscheiden grundlegend mit darüber, welchen Umfang Alltagsbelastung annehmen kann, welche gesundheitlichen Folgen sie zeigt und wie sie bewältigt werden kann
Gemeinsamkeiten ließen sich für beide Berufsgruppen hinsichtlich ihrer Belastungs-Bewältigungsmaßnahmen erkennen. Ihre Tendenz eher zu emotionsregulierenden Maßnahmen zu greifen, wie „Dampf ab zu lassen“ stimmt mit frühen Ergebnissen der Frauengesundheitsforschung überein. Belastungs- und Stressreduzierung durch situationsverändernde Maßnahmen dagegen, wie sich Unterstützung holen, Erwerbsarbeit reduzieren, konnten von den Erzieherinnen seltener realisiert werden.
Unterschiede ließen sich auch hinsichtlich der vorbeugend, stärkenden Maßnahmen nachweisen, die die Erzieherinnen dieser Befragung deutlich seltener zur Belastungs- und Stressbewältigung ergriffen. In der, der Gesundheit abträglichen Stressbewältigung, wie z.B. durch Rauchen, waren sie dagegen in der Überzahl.

Hinsichtlich der sozialen Netzwerke lassen sich einige günstige Merkmale für die Lehrerinnen erkennen. Sie weisen in formellen wie informellen Bezügen eine größere Bandbreite der Kontaktpersonen auf, die der Netzwerkforschung zufolge zu differenzierterer Erfahrung und Information verhelfen können und damit zu erhöhter Wahlmöglichkeiten bei den Bewältigungsstrategien.
Auch wenn sich viele Frauen beider Berufsgruppen durch Gegenleistung an ihre helfenden Netzwerkmitglieder, belastet fühlen, empfinden dies deutlich mehr Erzieherinnen.

Die Lehrerinnen dieser Befragung beurteilen doppelt so häufig wie Erzieherinnen ihren Gesundheitszustand als gut, schätzen sich in weitaus größerem Maße als eine „gesunde Frau“ ein und klagen über weniger gesundheitliche Beschwerden.

Wie festgestellt werden konnte, haben sie eine geringere Belastungs- und Stresshäufigkeit, verfügen über differenziertere Unterstützung, haben ein größeres Ressourcenpotential und ergreifen Maßnahmen, die sich für die Erhaltung der Gesundheit als förderlicher erweisen. Für die Erzieherinnen und Lehrerinnen dieser Befragung lässt sich feststellen, dass sich hier die Unterschiede zwischen den Frauen gravierend für den Belastungs- Bewältigunszusammenhang zeigen. Gesundheitschancen haben sich vermehrt auf Seiten der Lehrerinnen entwickelt.

Für die Querschnittsaufgabe Frauengesundheit lassen sich entsprechend Maßnahmen auf dem weiten Spektrum der unterschiedlichen Politikfelder entwickeln und ihre Umsetzung ist im Interesse von Chancengleichheit aber auch Kosteneinsparung auf dem Gesundheitssektor dringend zu fordern.
Dies reicht von den Maßnahmen für eine entlastende Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wie flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuungsmöglichkeiten über die Neuorganisierung der regionalen Gesundheitsdienste in der Primärprävention, Maßnahmen der gesundheitsförderlichen Lebensraumgestaltung, Stärkung von Selbsthilfe und Netzwerken bis hin zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz durch Organisationsentwicklung und Kooperation und baulicher, materieller Arbeitsschutzmaßnahmen.









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