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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-30755
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2006/3075/


Rueckblick auf das eigene Leben : Inhalte und seelische Auswirkungen ; eine empirische Untersuchung

Looking back on one's life : its essence and mental consequences ; an empirical research

Tietz-Adlam, Julia-Minette

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (1.483 KB) 


SWD-Schlagwörter: Lebensberatung , Bewältigung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Lebensrueckblick , Selbsthilfmanual
Freie Schlagwörter (Englisch): Life review , coping , counseling , self help
Basisklassifikation: 77.57 , 77.99 , 77.84
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Tausch, Reinhard (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.08.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 31.10.2006
Kurzfassung auf Deutsch: In der Zeit von Krisen und Veränderungen blicken Menschen öfter auf ihr Leben zurück. Es wird vermutet, dass dies für sie seelisch bedeutsam und förderlich sein kann. Der Lebensrückblick hat allerdings in der deutschen Forschung bisher wenig Beachtung gefunden. Das Ziel dieser Untersuchung ist die Klärung seelischer Vorgänge beim Lebensrückblick und die Feststellung von Zusammenhängen mit Persönlichkeitsmerkmalen.
Durchführung: Zwei Untersuchungen mit insgesamt 210 Personen im Alter von 23 bis 91 Jahren (Durchschnittsalter 49 Jahre) wurden durchgeführt. Die Teilnehmer wurden gebeten, sich an schöne sowie schmerzliche und prägende Ereignisse, an Entscheidungen u. a. zu erinnern und diese aufzuschreiben. Weiterer Bestandteil des Untersuchungsbogens war ein Aussagebogen sowie Persönlichkeitsskalen.
Ergebnisse Untersuchung A: Das Ausfüllen des Untersuchungsbogens und die rückblickende Beschäftigung mit dem eigenen Leben wurden von 75% der Untersuchungspersonen als hilfreich empfunden sowie interessant, lehrreich und klärend. Depressive Personen verspürten z. T. zusätzlich Traurigkeit.
Die Gruppe der depressiven Personen (gemäß ADS-Skala) unterschied sich von der Gruppe der nicht-depressiven Personen statistisch signifikant in Folgendem: Depressive Personen waren weniger zufrieden mit ihrem Leben; hatten bisher weniger Freude im Leben erfahren; meinten, weniger Einfluss auf ihr Leben gehabt zu haben; berichteten über weniger günstige Erfahrungen mit dem Partner und Freunden; würden, wenn sie ein zweites Mal leben würden, einen anderen Partner wählen (40%); berichteten häufiger über schöne Kindheitserinnerungen; empfinden ihr gegenwärtiges Leben als weniger sinnerfüllt; konnten Krankheiten nicht positiv umdeuten; haben weniger Ereignisse positiv umdeuten können und sind unzufriedener mit ihrer Arbeit.
Depressive und nicht-depressive Personen unterschieden sich nicht hinsichtlich der Ereignisse, die als prägend empfunden wurden und ihrer Zukunftserwartungen.
Ergebnisse Untersuchung B:
Die Auswirkungen des Lebensrückblickes mit Hilfe des Untersuchungsbogens waren:
70% betrachteten den Rückblick als hilfreich: Auseinandersetzung mit Gefühlen (39%), Selbstbestätigung erhalten (25%), größere Bewusstheit über Verhalten und Eigenschaften (21%),
Zusammenhänge klarer sehen (13%).
Eine größere Anzahl von Personen konnte nach Ausfüllen des Untersuchungsbogens Geschehnisse ihres Lebens in anderer Bedeutung sehen und Umdeutungen vornehmern: mangelhaftes Verhalten und mangelhafte Eigenschaften (25%), alle Schwierigkeiten (20%), Erkrankungen (16%), Partnerschaftsprobleme (16%).
Ausgelöst durch das Nachdenken über das eigene Leben möchten: 67% gute Eigenschaften beibehalten, 49% Eigenschaften und Verhaltensweisen ändern, 37% Freundschaften und Kontakt bewahren, 27% zwischenmenschlichen Kontakt verbessern, 21% ihren Glauben erhalten
Sich selbst beeinträchtigt haben die Befragten mit: Eigenschaften und Verhaltensweisen (79%), schlechtem Umgang mit anderen Menschen und Freunde (15%) etc.
Sinn und Halt gebend sind v. a. die Mitmenschen/Freunde und Eigenschaften (beide über 50%) sowie der Glaube, die Familie, der Partner und der Beruf.
Alter und Geschlecht führten zu keiner unterschiedlichen Beurteilung des Lebenrückblickes.
Zufriedene Untersuchungsteilnehmer (gemäß Lebenszufriedenheitsskala des FPI-R) gaben häufiger positive Kindheits- und Jugenderlebnisse an als unzufriedene. Jedoch: negative Kindheitserlebnisse hingen häufig nicht mit einem weniger zufriedenen Leben zusammen. Die Jugend wurde als eine prägendere Zeit angesehen als die Kindheit; die Jugend war ferner die unzufriedenste Zeit im bisherigen Leben.
Einige Personen waren der Meinung, dass ein Gespräch nach dem Ausfüllen des Bogens mit einer verständnisvollen Person obige Effekte noch verstärken würden. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist ein derartiger Arbeitsbogen innerhalb der Psychotherapie, bei Gruppen zur Persönlichkeitsentwicklung und eventuell bei psycho-edukativen Gruppen sinnvoll einsetz-bar.
Fazit: Die vorliegenden Befunde legen den Schluß nahe, dass die seelischen Vorgänge beim Lebensrückblick als bedeutsam und förderlich anzusehen sind. Die Zusammenhänge zwischen Inhalten der Erinnerung, gegenwärtigen Gefühlen und Stimmungen sowie Persönlichkeitsmerkmalen sind weiter zu klären.

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