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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-31737
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2007/3173/


Todesursachen von Wohnungslosen in Hamburg

Causes of death of homeless people in Hamburg

Grabs, Julia

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Wohnungslose , Obdachlose , obdachlos , Todesursachen , Hamburg
Freie Schlagwörter (Englisch): homeless , homeless people , causes of death
Basisklassifikation: 44.99 , 71.99 , 44.72
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.09.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 17.01.2007
Kurzfassung auf Deutsch: In dieser Studie wurden die Todesumstände, Todesursachen und bestehenden Vorerkrankungen von 272 männlichen und 35 weiblichen in Hamburg verstorbenen Wohnungslosen untersucht. Die Untersuchung bezieht sich auf den Zeitraum von 1999 bis 2004 und ist als Anschlussarbeit an die Dissertation von Ishorst-Witte (2001) angelehnt. Die Todesfälle wurden über eine Recherche bei dem Landeskriminalamt 417 (zuständig für die Todesursachenermittlung bei ungeklärten Todesfällen) ausfindig gemacht. Ausschlaggebend für die Aufnahme in die Arbeit war der Vermerk in der Polizeiakte „ohne festen Wohnsitz“ oder die Adressangabe eines bekannten Wohnheims oder Hotels/Pension für Wohnungslose. Weitere Daten (Leichenschau-, Obduktionsprotokolle, toxikologische und serologische Untersuchungen) stammen aus dem Hamburger Institut für Rechtsmedizin und dem mikrobiologischen Institut des Uniklinikums.
Eine Zu- oder Abnahme der Todesfallzahlen über die 6 Jahre konnte nicht beobachtet werden, es lagen jedoch größere Schwankungen vor. Betrachtet man die jahreszeitliche Verteilung der Todesfälle, bemerkt man, dass 60% der Todesfälle im Winter und Frühling vorlagen. Die meisten Todesfälle ereigneten sich in Wohnheimen, darauf folgen die Krankenhäuser. Rund ein Viertel der Wohnungslosen verstarb im öffentlichen Raum. Die Gruppe der Frauen und der Drogenabhängigen starb häufiger in Krankenhäusern oder Wohnungen von Bekannten.
Es wurde ein Sterbealter von durchschnittlich 46,5 Jahren festgestellt, wobei die Drogenabhängigen, Frauen und Ausländer ein niedrigeres mittleres Todesalter aufwiesen. Gegenüber der Vorgängerarbeit lag das Todesalter etwas höher, was vor allem durch das höhere Todesalter der Drogenabhängigen bedingt war.
Die Obduktionsrate betrug in dieser Arbeit ca. 55% und lag somit über der der Vorgängerarbeit.
Nahezu ein Viertel der untersuchten Wohnungslosen war verwahrlost. Mehr als ein Drittel wies entzündliche Hautveränderungen auf. Ein Viertel zeigte Verletzungen. 9% wurden in einem Stadium der fortgeschrittenen Fäulnis aufgefunden.
Der Anteil an Suchtkranken war hoch, 45% der Wohnungslosen waren alkoholabhängig (diese Zahl liegt vermutlich aufgrund der Erhebungsmethoden noch zu niedrig), 19% drogensüchtig und 6,5% kombiniert abhängig. Die häufigste Todesursache war daher auch die Intoxikation (25%), meist durch Drogen, seltener durch Alkohol bedingt. Unter den nicht Drogenabhängigen überwogen die Todesfälle durch Herzkrankheiten (v.a. Infarkte) und Infektionen (v.a. Pneumonien), gefolgt von den Suiziden. Von den 21 obduzierten Frauen starben ebenfalls die meisten an einer Drogenintoxikation. Der prozentuale Anteil war allerdings größer als in der Gesamtgruppe. Dies lag an der hohen Zahl der Drogenkonsumentinnen unter den Frauen, die jedoch die Zahl in der Vorgängerarbeit deutlich unterschritt. Auch bei den Frauen ging die zweithäufigste Todesursache vom Herzkreislaufsystem aus und die dritthäufigste war eine Infektion.
Unter den alkoholabhängigen Wohnungslosen fiel die gegenüber der Gesamtgruppe hohe Zahl der an gastrointestinalen Blutungen Verstorbenen auf.
In den sechs Jahren wurden drei Morde an Hamburger Wohnungslosen in den Akten des LKA ausfindig gemacht. Alle Morde geschahen innerhalb der Szene.
Vergleicht man die prozentuale Verteilung der Todesursachen des Gesamtkollektivs mit denen der Arbeit von Ishorst-Witte, so fällt die geringere Zahl der Intoxikationen (hier:24,6%; dort:31%) und eine etwas geringere Zahl der Infektionen, Suizide und Unfälle auf. Dafür starben mehr als doppelt so viele Wohnungslose an Erkrankungen des Herzkreislaufsystems und an gastrointestinalen Erkrankungen.
Es wurde nur bei einer geringen Zahl der Wohnungslosen serologische Untersuchungen durchgeführt. Nahezu alle positiv getesteten HIV- und HCV Serologien fanden sich bei den Drogenabhängigen, was auf eine hohe Infektionsrate schließen lässt. Abgelaufene HBV-Infektionen waren auch bei den nicht Abhängigen häufiger zu finden.
In der Betrachtung der toxikologischen Daten der Drogenabhängigen fiel ein ausgeprägter polytoxikomaner Konsumstil auf. In ca. 80% der Fälle wurden neben Heroin oder Methadon weitere Rauschmittel in den Körperflüssigkeiten nachgewiesen.
Unter den hier untersuchten Wohnungslosen fand sich, wie bereits in anderen Studien belegt, eine hohe Rate an Komorbidität. Bei über 50% der Wohnungslosen ließen sich an mehr als zwei Organsystemen wesentliche Vorschäden aufzeigen. Am häufigsten waren Lunge (chron. Bronchitis (37%), Emphysem (31%)), Herz (Hypertrophie (43%), ausgeprägte Koronarsklerose (19%), Infarktnarben (16%)), Gefäße (ausgeprägte Verkalkung (20%)) und Leber (Verfettung (24%) und Fettleber (34%)) krankhaft verändert. Auch bei den Frauen lagen bereits Organschäden vor, allerdings aufgrund des niedrigeren Durchschnittsalters in geringerem Ausmaße. Betroffen war vor allem die Leber. Im Vergleich zur Vorarbeit lag die Zahl der chronischen Vorschäden insgesamt höher.
Kurzfassung auf Englisch: This dissertation analysed 307 deaths of homeless people and people living in facilities provided by the social service in Hamburg. The analysis relates to deaths which occured between 1999 and 2004. The dissertation consideres demographic data, post-mortem results and autopsy findings. The manner of death was either unnatural or unascertained. The rate of autopsy was 55,4%. The average age of death was 46,5 years. In average drug addicts, women and foreigners had a lower age when they died. The most frequent cause of death was intoxication. If drug addicts are excluded from the results the main causes of death are diseases of the heart (particularly infarc) and infections (primarily pneumonia), followed by suicide.
This dissertation is a follow up study of the dissertation of Dr. F. Ishorst-Witte (Publication: Ishorst-Witte F, Heinemann A, Pueschel K (2001) Erkrankungen und Todesursachen bei Wohnungslosen. Archiv fuer Kriminologie 208 (5,6):129-138)

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