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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-31995
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2007/3199/


Patientenzentrierte Gesprächsführung als Interventionsmethode gegen Zahnbehandlungsangst : Evaluation eines Trainingskurses für Zahnärzte zum Umgang mit ängstlichen Patienten

Hagenow, Frank

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Zahnbehandlungsangst , Patientenangst , Zahnarzt , Gesprächsführung , Angst
Basisklassifikation: 77.93
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Tönnies, Sven (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.11.2006
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 05.02.2007
Kurzfassung auf Deutsch: „Mitunter sitzt die ganze Seele in eines Zahnes kleiner Höhle!“. Dieses Wilhelm-Busch-Zitat bringt den Zusammenhang zwischen Zahnmedizin und Psychologie in prägnanter Weise auf den Punkt. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Weiterqualifizierung von Zahnärzten im Kontakt mit ängstlichen Patienten bzw. in schwierigen Gesprächssituationen.
Gerade ängstliche und hochängstliche Patienten sind auch für Behandler und Helferinnen ein anspruchsvolles Klientel.

Die Angst des Patienten ist in der Zahnbehandlung oftmals ein zeitraubender Störfaktor, der das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Zahnarzt bis zum Behandlungsabbruch hin belasten kann. Angst ist eine Basisemotion und hat in vielen Situationen eine Schutzfunktion, die den Organismus davor bewahrt, sich einer u. U. lebensbedrohlichen Gefahr auszusetzen. Sofern die Angst allerdings im Vergleich zum auslösenden Reiz übertrieben stark auftritt, wirkt sie sich eher leistungsbeeinträchtigend oder sogar lähmend aus. Es kommt zu unangemessenen Reaktionen, die in keinem stimmigen Verhältnis mehr zur jeweiligen Situation stehen. Derartige Störungen der Angstempfindung sind Angsterkrankungen, die in allen Bevölkerungsschichten und in allen Ausprägungen vorhanden sind und sich im Zusammenhang mit der Zahnbehandlung in typischen Verhaltensweisen wie z. B. Behandlungsaufschub oder Nichteinhalten von Recall-Terminen äußern.

In der vorliegenden Untersuchung wurde ein 3-Tage-Seminar mit dem Titel „Vom Umgang mit der Angst“ konzipiert und zunächst viermal mit jeweils 10-12 Zahnärzten durchgeführt. Zielsetzung des Seminars war im Wesentlichen die Verbesserung der Gesprächsführungskompetenz im Umgang mit ängstlichen Patienten, indem die Behandler in Klientenzentrierter Gesprächsführung nach Rogers trainiert wurden. In Kleingruppenübungen hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich im Aktiven Zuhören zu üben und sich anschließend entsprechende Rückmeldungen geben zu lassen. Außerdem wurden während des Seminars kommunikative Störungsprozesse wie z. B. „Interaktive Teufelskreise“ thematisiert und anhand von teilnehmerbezogenen Praxisbeispielen bearbeitet.

Die zu überprüfende Fragestellung der Untersuchung war, ob eine verbesserte Gesprächsführung eine Angst reduzierende Wirkung auf ängstliche Patienten hat, ohne dass hierfür wesentlich längere Gesprächszeiten erforderlich wären.

Es wurden interessierte Zahnärztinnen und Zahnärzte eingeladen, an dem 3-Tage-Seminar teilzunehmen. Die Teilnehmer (N= 38) wählten nach dem Seminar 4-5 ihrer ängstlichen Patienten aus, mit denen sie den Kontakt unter Berücksichtigung der neuen Seminarinhalte gestalten wollten. Diese Patienten (N= 168) erhielten vor und nach dem Kontakt mit ihrem Zahnarzt jeweils einen selbst entwickelten Fragebogen, in dem sie das Gesprächsverhalten ihres Behandlers vor und nach dessen Seminarbesuch einschätzen. Dieser Patientenfragebogen bestand aus 17 Items, aus denen eine informelle Skala gebildet wurde, mit der die Gesprächsführungskompetenz des Zahnarztes aus Sicht seines Patienten gemessen werden sollte. Die Reliabiltität (KR 20) der so gebildeten Scala betrug rtt = 0,95. Die Items konnten auf einer fünfstufigen Ratingskala „überhaupt nicht“ (0), „kaum“ (1), „etwas“ (2), „ziemlich“ (3) und „sehr (4) beantwortet werden. Außerdem wurde anhand eines kurzen Fragebogens mit 4 Items zur Zahnbehandlungsangst (Dental Anxiety Scale nach Corah, 1969) die Ängstlichkeit des jeweiligen Patienten ermittelt. Sofern zwischen Zahnarzt und Patient ein Gespräch stattgefunden hat, wurden beide gebeten, die Gesprächszeit einzuschätzen.

Die Zahnärzte der Trainingsgruppe wurden nach der Teilnahme am Trainingskurs von ihren Patienten in Bezug auf ihre Gesprächsführungskompetenz hochsignifikant positiver beurteilt als vorher.

Anschließend wurde eine Kontrollgruppenuntersuchung durchgeführt. Die Patienten (N= 84) der Kontrollgruppe wurden befragt, bevor deren Behandler (N= 24) an dem Trainingskurs teilgenommen hatten. Um den Untersuchungsrahmen überschaubar zu halten, beschränkte sich die Auswertung der Kontrollgruppe auf einige ausgewählte Vergleiche. Vordergründige Zielsetzung war hierbei, die wichtigsten Ergebnisse der Experimentalgruppe abzusichern. Die signifikanten Ergebnisse, die sich hinsichtlich der Trainingsgruppe zeigen, konnten hier nicht nachgewiesen werden. Insofern kann die verbesserte Gesprächsführung der Zahnärzte der Trainingsgruppe auf deren Seminarteilnahme und die erfolgreiche Umsetzung der neu gelernten Inhalte zurückgeführt werden.

Sowohl die wenig ängstlichen als auch die ängstlichen Patienten gaben an, im Kontakt mit ihrem Zahnarzt nach dessen Seminarteilnahme, ihre Angst noch weiter verloren zu haben als in den früheren Behandlungen. Die durchschnittliche Veränderung betrug in beiden Patientengruppen 1/3 Rangstufen (0,33 bzw. 0,32). Selbst in der Gruppe der hochängstlichen Patienten zeigte sich noch ein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Angstreduktion. Insofern konnten die Zahnärzte nach der Teilnahme am Seminar durch eine patientenzentrierte Gesprächsführung selbst bei dieser Patientengruppe einen Angst mindernden Einfluss nehmen. In der Kontrollgruppe konnten auch in der Gruppe der hochängstlichen Patienten keine Effekte festgestellt werden.

Hinsichtlich der Gesprächszeit wurden Unterschiede zwischen den Zahnärzten der Trainings- und denen der Kontrollgruppe deutlich. Während die Zahnärzte der Trainingsgruppe nach dem Trainingskurs keine längeren Gespräche mit ihren Patienten führten, verlängerte sich die Gesprächszeit innerhalb der Kontrollgruppe nach Einschätzung der Patienten signifikant, ohne dass diese längeren Gespräche einen positiven Einfluss gehabt haben. Die Verbesserung der Gesprächsführungskompetenz lässt demnach nicht mit einer Verlängerung des Gesprächs, sondern eher mit einer gesteigerten Gesprächsqualität in Zusammenhang bringen.

Den größten Nutzen des Seminars sahen die teilnehmenden Zahnärzte in der Fähigkeit, ihren Patienten besser zuhören zu können. Von ihnen gaben 71 % an, ihren Patienten nach dem Seminar nennenswert besser zuhören zu können. Weitere positive Veränderungen gaben die Zahnärzte auf die Frage des Zugewandt-Seins (60,5 %) sowie des Eingehen-Könnens auf den Patienten (52,6 %) an. Diese wesentlichen Veränderungen entsprechen den Inhalten der Klientenzentrierten Gesprächsführung (Empathie und Akzeptanz), deren Vermittlung eines der Ziele des Trainingskurses war.

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