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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-32911
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2007/3291/


Effekte von Geschichtslernen im traditionellen und experimentellen Geschichtsunterricht unter Einsatz des Internets in zwei unterschiedlichen Lernaltern

Mrotzek, Katrin

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SWD-Schlagwörter: Geschichtsunterricht , DNS <Internet> , Unterrichtsmethode , Mediendidaktik , Entdeckendes Lernen , Computerunterstütztes Lernen , Geschichtsdenken
Freie Schlagwörter (Deutsch): Multiperspektivität , Kontroversität , Pluralität , Geschichtsbewusstsein , reflektierendes Denken
Basisklassifikation: 80.10 , 80.03
Institut: Erziehungswissenschaft
DDC-Sachgruppe: Erziehung, Schul- und Bildungswesen
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Borries, Bodo von (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.07.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 29.05.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Sozial- und kulturanthropologisch bedingt, kann sich der Mensch der Begegnung mit Geschichte nicht entziehen. In der Lebenswelt, in die der Einzelne hineingeboren wird und die allgegenwärtig ist, agiert und reagiert das Individuum. An diesem Ort der Kommunikation und Interaktion entsteht eine Vertrautheit, bevor ein durch die Erfahrung entwickeltes Bewusstsein vorhanden ist. Erst durch den Sozialisationsprozess ordnet sich das Individuum in die Gesellschaft ein und konstituiert sich. Diese zweite Geburt oder auch sogenannte zweite Natur (1) ist der Beginn der Herausbildung einer sozialen Identität. Die Frage nach der Rolle von Geschichte im Vorgang der Sozialisation kann mit der Feststellung beantwortet werden, dass die Lebenswelt "randvoll mit Geschichte"(2) ist. Sie tritt in der Vielfalt der Quellen, in Gestalt der Darstellungen und der Normen, Traditionen und Werte auf. Die Aneignung von Geschichte als Lebenswelt erfolgt durch die historische Sozialisation und Tradition in Form von nicht-organisierten und nicht intentionalen Lernprozessen.(3) Im Prozess der historischen Sozialisation bildet sich bewusst oder unbewusst historische Identität heraus. Geschichtsbewusstsein ist somit bei jedem Individuum vorhanden ist. Die bewusste bzw. unbewusste Begegnung mit der Vergangenheit fordert eine Haltung zum jeweiligen historischen Geschehen bzw. Gegenstand in unterschiedlichen Formen. Die Auseinandersetzung mit allgemeiner und individueller Geschichte kann demnach keinesfalls umgangen werden. Daraus resultiert die wesentliche Aufgabe des Geschichtsunterrichtes, Kinder und Jugendliche zu historischem Denken in der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen historischen Auslegungen zu befähigen. Eine weitere unterrichtsrelevante Dimension ergibt sich aus der Erkenntnis, dass der historische Prozess "in der Gegenwart noch nicht zu Ende ist, dass er sich in die Zukunft fortsetzt, ja, dass er ,von der Zukunft her gezogen' wird"(4). Historie endet nicht an der Stelle zur Gegenwart, sondern ist ein interaktiver Prozess zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der die Reflexion und Selbstreflexion über das eigene historische Denken fordert und fördert. Dieser kritische Umgang mit Geschichte und die damit einhergehende Herausbildung von Geschichtsbewusstsein ist zwingend notwendig für die Gegenwartsorientierung, Handlungsbestimmtheit und historische Identität.

Das vorliegende Dissertationsthema beschäftigt sich mit den Problemen des Geschichtslernens im Fachunterricht und leistet damit u. a. einen empirisch angelegten Beitrag zu dem durch Waltraud Schreiber initiierten, europäischen Projekt "FUER Geschichtsbewusstsein". Schwerpunkt dieses Vorhabens ist die "Förderung und Entwicklung von reflektiertem und (selbst-)reflexivem Geschichtsbewusstsein". Auf dem internationalen Kongress in Tutzing vom 20.-23. 03. 2003 wurde wiederholt deutlich, wie wichtig die Verbindung zwischen dem Theoriekonzept und Unterrichtsmodellen bereits in der Pilotierungsphase ist, um wissenschaftliche Erkenntnisse der Praxis zugute kommen zu lassen. "FUER" befindet sich in der Abschlussphase der Erfassung des Status quo und versucht zeitgleich die theoretisch erarbeiteten Basisoperationen des Re-konstruierens und De-konstruierens(5) zu operationalisieren. Als äußerst innovativ erscheint dieser Ansatz im Hinblick darauf, dass auf der Basis eines vorhandenen Theoriefundaments erste Unterrichtsstrategien entworfen und erprobt wurden. Das regelmäßig auf den Tagungen der Arbeitskreise zur Diskussion gestellte Feedback dient sowohl der Verbesserung in der Anwendung im Fachunterricht Geschichte als auch der Weiterentwicklung der theoretischen Überlegungen.

Die geplante Dissertation leistet u. a. ihren Beitrag, indem dem Internet eine besondere Rolle zugeschrieben wird. Untersuchungen, die die Nutzung von Medien im Zusammenhang mit geschichtsdidaktischen Prinzipien in den Vordergrund stellen, existieren umfangreich(6). Je doch erfolgten diese Forschungen immer aus der Sicht des Mediums. Empirische Untersuchungen stellen noch ein Desideratum dar (7). Eine Forschungslücke wird ersichtlich, dem sich das vorliegende Dissertationsthema verschrieben hat. Dabei kann es sich nur um die Erfassung eines Status quo handeln, der Chancen und Problem des historischen Lernens im Fachunterricht aufzeigt. Die bereits abgeschlossene Datenerhebungsphase zur genannten Problematik konzentrierte sich auf einen Zeitraum von vier Monaten. Zwei Unterrichtseinheiten, die sich nicht nur methodisch, sondern auch inhaltlich mit den neuen Medien beschäftigen, wurden für die Klassen 8 und 10 konzipiert und von einem Fachlehrer unterrichtet. Vor diesen Unterrichtseinheiten wurde in beiden Klassen durch die Doktorandin hospitiert. Fragebögen mit geschlossenen und offenen Fragen vor bzw. nach der Unterrichtseinheit, die auf das historische Lernen und den Umgang mit dem Internet fokussiert sind, wurden von den SchülerInnen ausgefüllt. Der Pretest bezog sich auf die zuletzt gehaltene Unterrichtseinheit im Geschichtsunterricht und der Posttest auf die Unterrichtseinheit, deren Erarbeitung unter Einsatz des Internets geplant wurde. Die Unterrichtsdokumentation erfolgte durch teilnehmende Beobachtung gekoppelt mit Videografie, Leistungstests mit adäquaten Aufgabenstellungen, Bildschirmkopien während der Internetrecherche (multi-screen-copy) und der Sicherung der Ergebnisse der Schülerpräsentationen. Für die Klasse 8 liegen zwölf und für die zehnte Klasse 10 auf DVD digitalisierte Unterrichtsstunden vor, die größtenteils transkribiert wurden. Die vollständige Daten-Triangulation wird erreicht durch die Kombination visueller (Videoaufnahmen, Beobachtungen) und verbaler Daten (Fragebögen, Leistungstest) mit dem Blick auf den Untersuchungsgegenstand. Die geschlossenen Fragen der Fragebögen sind mit SPSS quantitativ ausgewertet worden.

Prägnante Lernkontrollen der Klassen 8 und 10, die besonders aussagekräftig in Bezug auf das historische Lernen erscheinen, wurden interpretiert und mit den quantitativen Daten, den Unterrichtsaufnahmen bzw. Hospitationsaufzeichnungen und den Schülerpräsentationen kombiniert. Die umfassende Analyse der vielschichtigen Daten lässt auf ein profundes Ergebnis schließen, das deutlich macht, welche Chancen und Probleme das Lernen im Geschichtsunterricht im Umgang mit dem Internet in sich birgt.

1) Pandel, Hans-Jürgen: Sozialisation, in: Handbuch der Geschichtsdidaktik, hg. von Bergmann, Klaus; Fröhlich, Klaus; Kuhn, Annette; Rüsen, Jörn; Schneider Gerhard, Seelze-Velber 1997, S. 17.

(2) Bergmann, Klaus: Identität, in: ebenda, S. 26.

(3) Schörken, Rolf: Geschichte als Lebenswelt, in: ebenda, S. 3ff.

(4) Fürnrohr, Walter: Ansätze einer problemorientierten Geschichtsdidaktik, Bamberg 1978, S. 8.

(5) http://www1.ku-eichstaett.de/GGF/Didaktik/Projekt/ziele.html, Stand 18. 05. 04

(6) vgl. dazu: Fiala, Hans-Joachim: Die Karte im Geschichtsunterricht, Berlin 1967. Beckert, Fritz: Das Hörspiel im Geschichtsunterricht, Berlin 1963. Oestreich, Klaus: Lehrbücher für den Geschichtsunterricht, Halle 1991. Erasmus, Ernst: Tafel und Kreide im Geschichtsunterricht, Berlin 1956. Magull, Gabriele: Sprache oder Bild, Schwalbach/Ts. 2000. Baumann, Heidrun: Audiovisuelle Medien im Geschichtsunterricht, Stuttgart 1978.

(7) Pandel, Hans-Jürgen; Schneider, Gerhard: Einführung, in: Handbuch Medien im Geschichtsunterricht, hrsg. von ders., Schwalbach/Ts. 2002, S. 7.



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