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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-34390
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2007/3439/


To See Beneath the Surface of Lives: Sherwood Andersons "Winesburg, Ohio", Gertrude Stein und die Kunst der Moderne

To See Beneath the Surface of Lives: Sherwood Anderson's "Winesburg, Ohio", Gertrude Stein and the Art of Modernism

Meier-Dörzenbach, Alexander

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SWD-Schlagwörter: Anderson, Sherwood / Winesburg, Ohio , Stein, Gertrude , Kubismus , Cézanne, Paul , Picasso, Pablo , Kurzgeschichte
Freie Schlagwörter (Deutsch): Malerei und Literatur , Interdisziplinäre Kunst , Epoche der Moderne
Freie Schlagwörter (Englisch): Aesthetics of Gertrude Stein , poetology of Sherwood Anderson , Painting and Literature , Interdisciplinary Art , Modernism
Basisklassifikation: 17.10
Institut: Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Englisch
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Schöpp, Joseph C. (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.07.2006
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 08.10.2007
Kurzfassung auf Deutsch: „Die Kunst ist bestimmt zu beunruhigen; die Wissenschaft macht sicher“ – so jedenfalls trennt Georges Braque, kubistischer Weggefährte von Pablo Picasso, das geheimnisvoll verwirrende Reich der Kunst vom ausdrücklich bestimmenden Reich der Wissenschaft. Gertrude Stein versteht es mit ihrer Kunst schneller zu beunruhigen als Sherwood Anderson, der auf der Textoberfläche noch eine linear erzählte Spannung erzeugt. Doch durch die vom Leser vielfach zu füllenden Leerstellen beunruhigt seine Kunst unter dieser narrativen Oberflächenspannung. Er widmet daher den Erzählzyklus "Winesburg, Ohio" (1919) seiner Mutter, für den von ihr geweckten „hunger to see beneath the surface of lives“: Dieses Blicken unter die Oberfläche von Leben, bedeutet, Beunruhigungen nachzugehen. Stein hat sicher nicht wissenschaftlich geschrieben, aber durch ihre Texte Erfahrungsräume geöffnet, die in der Rezeption nicht eine Sicherheit geben, sondern vielmehr eine Sinnlichkeit, die wiederum derart beunruhigend ist, das die Grenze zwischen Theorie und Praxis der Kunstbetrachtung aufgehoben wird. Ihr „Pictures“ (1934) ist ein vielschichtig beunruhigender Text, der zu einem Verstehen von Kunstrezeption nicht weniger beitragen kann, als wissenschaftlich „sichere“ Arbeiten. Dieses geschieht mit einem Verständnis von Kunst als einem offenen Erfahrungsraum für den mehrfach zur Konstruktion geforderten Rezipienten. Kunst ist also ein Ereignis, das zwischen dem dinghaften Werk und dem erlebenden Rezipienten passieren muss. Es geht um Angebote, die den Betrachter und Leser fordern; nimmt man das ernst, so muss durch eine rezeptionsanalytische Interpretation auch der Rezipient fassbar werden – mehr noch: genau dieser Aspekt ist es, der modern ist und bereits 1855 von Charles Baudelaire in "Über kritische Methode" wie folgt festgehalten wurde: „Es wird oftmals geschehen, dass ich ein Bild einzig nach der Summe von Ideen oder Träumereien einschätzen werde, die es in meinem Geiste rege macht.“ Es ist also weniger eine objektive Sicherheit, sondern vielmehr eine subjektive Beunruhigung, die im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht. Als zentrale Brennstelle der Arbeit ist das dritte Kapitel konzipiert, dass die Rosen nicht nur aus Steinschen Texten exhumiert, sondern in einem Strauß historischer, botanischer, literarischer, sozialer, religiöser Blüten zu buntem Leben erweckt und die Arbeitsmethode zum Äußersten spannt: In Gedankenspiralen, die in der einkreisenden Fahrt des ästhetischen Erfahrungsaktes eine Bewegungsenergie erzeugen, soll die Offenheit der Werke nicht in einen engen Rahmen gepresst werden, sondern möglichst viel Raum haben. Durch die Trennung von Bild und Textanalysen geraten die Bereiche trotz autonomer Behandlung in konstruktive Schwingung. Bei Picasso und Stein oder Anderson und Stein werden dabei die Spiralspulen enger gedreht, als bei Cézanne und Anderson oder Picasso und Masters – auch wenn als eine Schnittstelle aller die Armory Show (1913) hervorzuheben ist, in der die moderne Kunst von Cézanne und Picasso, die Stein besaß, ausgestellt und von Anderson und Masters betrachtet wurde. In Andersons Erzählung „Hands“ wird die Sicherheit von Wortbedeutung durch einen ausweichenden Erzähler aufgeweicht, der immer wieder die Metaphorik des Bildes sucht. In der Forschungsliteratur wird das Thema durch Definitionen allerdings monosemiert. Wings Konstitution wird vorsichtig als „almost affectionate“ oder gegenteilig als „wrongly suspected of homosexuality“ bezeichnet, bis Duane Simolke 1999 überzeugt war: „we can safely call him gay“. Diese Sicherheit, die George Braque im einleitenden Zitat allgemein für die Wissenschaft reklamierte, droht allerdings, das Beunruhigende an der Kunst kaputt zu machen. Plötzlich blitzen Reflektionen über den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema (Homo-)Sexualität auf; damit sind es nicht mehr die instabilen Wirklichkeitskonstruktion per se, die vom Leser abhängen, der genau darin nicht das fehlerhaft Fragmentarische ausbessern, sondern das vollendet Unvollendete erkennen und ertragen soll – es geht in "Winesburg, Ohio" um die Netzmasche von Sprache und nicht um sexuelle Etikettierung. Der Blick unter die Lebensoberfläche wird in der interdisziplinären Verknüpfung von Kunstgeschichte und Literaturanalyse mit dem Fokus auf Stein und Anderson freigegeben.
Kurzfassung auf Englisch: Sherwood Anderson dedicated his most prominent book "Winesburg, Ohio" (1919) – a cycle of short stories – to his mother, because she awoke in him “the hunger to see beneath the surface of lives”. This urge to sensually experience something beyond the ordinary has proven to form an aesthetic approach towards telling a story that leaves ample room for the reader to construct a narrative. Individual words and social correlations of the past and the present will thus be examined. Anderson’s friendship with Gertrude Stein culminates in their musings on art – notably painting. In her theoretical reflections “Pictures” (1934), Stein understands art as something that has to happen between the viewer and the work – an experience. A central part of this thesis is the third chapter in which the famous roses of Gertrude Stein are closely examined. The popular phrase “a rose is a rose is a rose” is elaborately analyzed to present the historic, botanic, literary, social, religious and other connotations of the apparently so simple affirmation of existence. By integrating art historical readings of Cézanne’s and Picasso’s works, this thesis will approximate art in an interdisciplinary manner and show how much active construction is asked for in viewing a painting and reading a text. Hence, both Anderson and Stein will enable us “to see beneath the surface of lives”.

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