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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-34548
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2007/3454/


Gewaltbedingte Verletzungen in der chirurgischen Notaufnahme des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Injuries caused by violence in the surgical part of the emergency department of the Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Kühne, Olivia-Cathleen Eva-Maria

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Freie Schlagwörter (Deutsch): gewaltbedingte Verletzungen , Rechtsmedizin , chirurgische Notaufnahme
Basisklassifikation: 44.72
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.09.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 30.10.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Gewalt ist ein vielschichtiges Phänomen, das im 20. Jahrhundert in seiner Komplexität in vielen Ländern von großer gesellschaftlicher Relevanz ist, so auch in Deutschland. Medizinische Notaufnahmen stellen für die Versorgung von Betroffenen eine wichtige Anlaufstelle dar. Das Gesundheitssystem hat hierüber viele Kontakte zum kriminalistischen Dunkelfeld.
Für den Zeitraum November 2003 bis April 2004 wurden die ärztlicherseits dokumentierten gewaltbedingten Verletzungen in dem Patientenkollektiv der chirurgischen Notaufnahme des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ausgewertet, um Erkenntnisse zur Häufigkeit gewaltbedingter Verletzungen, zu Verletzungscharakteristika (Art und Schwere) und zur Behandlung von Gewaltopfern in Deutschland zu gewinnen.
In dem Untersuchungszeitraum wurden in der chirurgischen Notaufnahme 8.274 Patienten untersucht. Davon berichteten 290 Patienten (3,5%) über gewaltbedingte Verletzungen, 73,45% der Betroffenen waren Männer. Fast die Hälfte der Geschädigten (49,7%) waren junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 35 Jahren.
Der größte Teil der Verletzungen (84,95%) war als nicht lebensgefährlich einzustufen. Bei 11% der von Gewalt betroffenen Patienten erfolgte eine stationäre Aufnahme mit einer Gesamtliegezeit von insgesamt 187 Tagen (durchschnittliche Liegezeit: 5,8 Tage). Bei 14,8% der Patienten wurde der Bedarf für eine ambulante Weiterbehandlung gesehen.
In etwa der Hälfte der Fälle (50,3%) existierte in den Unterlagen keine Angabe zum Täter. In 18,3% war der Täter ein Unbekannter, in 17,9% kam der Täter aus dem sozialen Nahraum und in 10% aus dem direkten familiären Umfeld des Patienten. Bei 91% der Betroffenen wurden Folgen stumpfer Gewalteinwirkungen diagnostiziert. Hierbei dominierten Schläge mit Händen oder Fäusten (62,8%) sowie mit Gegenständen (16,3%). Verletzungen durch scharfe oder halbscharfe Gewalt fanden sich in 4,5%. Der Kopf mit 70,6% und die oberen Extremitä-ten (13,8%) waren am häufigsten betroffen. Fast jeder zweite Patient wies Mehrfachverletzungen auf. Am häufigsten fanden sich Prellungen; 89 gewaltbedingte Frakturen wurden diagnostiziert. Eine Patientin erlag ihren Verletzungen.
51 der 290 Patienten (17,6%) wurden zusätzlich rechtsmedizinisch untersucht. Da bei diesen Untersuchungen zu rekonstruktiven Zwecken auch medizinisch nicht relevante Verletzungen besonderes Augenmerk finden, war die Zahl der festgestellten Mehrfachverletzungen hier deutlich größer.
Diese Arbeit belegt, dass gewaltbedingte Verletzungen bei wenigstens 3,5% der chirurgischen Notfallpatienten mit 32 resultierenden stationären Aufnahmen ein relevantes Phänomen darstellen. Es besteht daher die dringende Notwendigkeit, Ärzte und Ärztinnen hinsichtlich des Vorkommens von Gewalt, spezifischer Charakteristika sowie geeigneter Dokumentation und Spurensicherung zu schulen. In Ergänzung hierzu müssen Ärzte mit den lokalen Hilfsangeboten für Gewaltopfer vertraut sein und diese zusätzlich zur medizinischen Untersuchung vermitteln.

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