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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-35722
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2008/3572/


Wohnarchitektur des mitteleuropäischen Traditionalismus um 1910 in ausgewählten Beispielen : Betrachtungen zur Ästhetik, Typologie und Baugeschichte traditionalistischen Bauens

Ehmann, Arne

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SWD-Schlagwörter: Traditionalismus , Architektur , Haus , Moderne , Mitteleuropa
Freie Schlagwörter (Deutsch): 1910
Basisklassifikation: 56.62 , 20.06
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Architektur
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Kemp, Wolfgang (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.04.2007
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 31.03.2008
Kurzfassung auf Deutsch: »Eine der grössten Lebenslügen der Moderne ist ihre vermeintliche Geschichtslosigkeit«, schrieb 1994 der Architekturhistoriker Werner Oechslin. Tatsächlich kann die Architekturgeschichtsschreibung seit dem zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts meist als eine Propaganda der Avantgarde interpretiert werden. Seit etwa 20 Jahren lässt sich jedoch eine neue Tendenz der architekturhistorischen Forschung beobachten, die sich zunehmend Bauten widmet, die nicht ein ‚rein modernes’ Erscheinungsbild aufweisen. Die Definitionsgewalt über die wichtigsten Strömungen in der Architekturgeschichte haben nicht mehr ausschließlich diejenigen Historiographen, die sich besonders durch die Verteidigung und Popularisierung des revolutionären Aufbruchs in den 1920er Jahren hervorgetan haben.

Ein differenzierteres Bild von der Moderne sowie eine Wiederentdeckung anderer Facetten der Moderne wurde im Umfeld der auf Differenzierung und Pluralisierung angelegten Postmoderne-Diskussion möglich. »Das Interesse am Bruch mit dem Alten, am Auftreten des Neuen besteht weiterhin, jedoch wird zunehmend klarer, dass man der Komplexität von Kunst und Architektur um 1900 nur dann gerecht werden kann, wenn alle Tendenzen, also Brüche und Traditionen, Diskontinuitäten und Kontinuitäten nebeneinandergestellt werden« (Antje Sernaclens de Grancy, 2001).

Besonders die Architektur aus den Jahren um 1910, häufig eine eigenartige Kreuzung aus traditionellen und modernen Formen, erfuhr in den letzten 20 Jahren eine allmähliche Aufwertung. Die Eigenartigkeit dieser Architektur im Sinne einer eigenen Qualität macht es notwendig, von Traditionalismus, so der sich im Laufe der 1990er Jahre etablierte Terminus, als einem wichtigen bauhistorischen Phänomen zu sprechen. Diese Architekturströmung vollzog sich parallel zu den bekannten modernistischen Strömungen des Expressionismus und dem aus dem Bauhaus-Einfluss hervorgegangen sogenannten ‚International Style’. Mit Henry-Russell Hitchcocks und Philip Johnsons Publikation zu ihrer großen New Yorker Ausstellung im Jahre 1932 etablierte sich der Begriff. Sie erhoben die Ästhetik dieses antihistorischen Bauens – erfolgreich – weltweit zum Maßstab.

Insbesondere großbürgerliche freistehende Wohnhäuser bieten sich als Anschauungsobjekte zur Erläuterung der speziellen Ästhetik traditionalistischen Bauens an. Durch eine meist großzügige Budgetierung der Bauprojekte, der Kunstsinnigkeit und Fortschrittlichkeit der Bauherren sowie einer vergleichsweise großen städtebaulichen Unabhängigkeit wurden Villen zum bevorzugten Experimentierfeld für Architekten. Hier soll der Frage nach der speziellen Ästhetik, Typologie und Baugeschichte des Traditionalismus um 1910 für die gesamte Wohnarchitektur dieser Zeit nachgegangen werden. Ein Schwerpunkt wird auf dem Bautypus der Villa liegen. Durch Analysen exemplarischer Architekturen, die eine für diese Zeit so charakteristische Synthese aus Anspruch auf Fortschrittlichkeit und traditionellem Bezugsfeld zeigen, soll der Versuch einer umfassenden Darstellung traditionalistischer Wohnarchitektur in Mitteleuropa gemacht werden: Ein abgerundetes Bild einer architekturhistorischen Epoche am Beispiel einer Baugattung, keine auf enzyklopädische Vollständigkeit ausgerichtete Auslotung eines fest abgesteckten geographischen Feldes. »Der Siedlungsbau in Deutschland in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hat nämlich mit der Orientierung an der Architekturtradition Um 1800 (Paul Mebes) eine eigenständige Identität, die sich den in späteren Epochen entwickelten Kriterien entzieht« , bemerkt Karl Kiem im Zusammenhang mit Paul Schmitthenners Gartenstadt Staaken in Berlin.

Es soll gezeigt werden, dass in Mitteleuropa um 1910 ein Pendeln zwischen Tradition und Moderne möglich war, während sich in den 1920er Jahren die Fronten verhärteten und schließlich die ideologischen Polarisierungen gegen Ende dieses Jahrzehnts so stark wurden, dass sich der Traditionalismus immer mehr als Gegenbild zum ‚International Style’ verstand. Eine Oppositionshaltung des ‚International Style’ gegenüber den Traditionalisten war ebenfalls gegeben. Der Streit um die Stuttgarter Weißenhofsiedlung zeigt die schwindende Liberalität der Architekten aufs deutlichste. Umfasst der architektonische Traditionalismus zwar die Jahre zwischen 1905 und 1930, so kann jedoch – zumindest in Mitteleuropa – ein starker qualitativer Abfall traditionalistischer Architektur in den 1920er Jahren beobachtet werden. Diese Arbeit wird sich demnach auf die interessantere Phase der Jahre um 1910 konzentrieren.

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