FAQ
© 2015 Staats- und Universitätsbibliothek
Hamburg, Carl von Ossietzky

Öffnungszeiten heute09.00 bis 24.00 Uhr alle Öffnungszeiten

Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-35848
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2008/3584/


Abstinenzprogramm im geschlossenen Vollzug - Umsetzbarkeit des therapeutischen Abstinenzparadigmas und prädiktorische Validität des Abstinenzverhaltens im Hinblick auf Legalbewährung und Rückfallprognose

Drug-free Treatment Strategies in Prison - Evaluation of a Drug-free Programme in Vierlande Prison, Germany

Bohlen, Karina E.

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (5.604 KB) 


SWD-Schlagwörter: Abstinenz , Drogenabhängigkeit , Strafvollzug , Freiheitsstrafe , Drogentherapie
Basisklassifikation: 71.66
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.02.2008
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 25.02.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Abstinenzorientierte Interventionsmodelle für drogenabhängige Strafgefangene sind sowohl in Deutschland als auch europaweit bislang kaum evaluiret, weder im Hinblick auf ihre Effizienz noch hinsichtlich ihrer Rolle als Vorbereitung für eine Anschlußtherapie. Vorgestellt werden die Ergebnisse einer Langzeitauswertung der Legalbewährung von Teilnehmern eines sogenannten Abstinenz– Erprobungsprogramms, das in der Untersuchungshaft– und VollzugsanstaltVierlande in Hamburg seit 1990 durchgeführt wird. Auf zwei vom übrigen Vollzug außerhalb von Arbeitszeiten getrennten drogenfreien Stationen wird Abstinenz von harten wie weichen Drogen angestrebt und mit täglichen Urinkontrollen überwacht. Unter den Bedingungen von sukzessiven Vollzugslockerungen werden unter fachlicher Betreuung zunehmend lebensweltnahe Bedingungen erprobt, bevor es zur Überleitung in Anschlußmaßnahmen oder Entlassung in Freiheit kommt. In einer Studie wurden 247 männliche Teilnehmer der Jahre 1990 bis 1998 mit einem als Kontrollgruppe definierten Kollektiv von 64 nicht zugelassenen Bewerbern für das Programm hinsichtlich ihrer Hellfeld– Legalbewährung nach Entlassung verglichen (6,2 Jahre durchschnittliche Follow–up–Dauer, Quelle: Bundeszentralregister bei der Generalbundesanwaltschaft). Insgesamt zeigen die Bewerber keine schlechtere Legalbewährung im Hinblick auf Eigentums– und Drogendelikte als die Programmteilnehmer. Teilnehmer, die das Erprobungsprogramm regulär abschlossen, zeigen eine signifikant bessere Legalbewährung als Personen mit vorzeitiger Beendigung. Dabei fallen die Teilnehmer ohne unmittelbar geplante Anschlußmaßnahme gegenüber solchen mit externer Anschlußtherapie durch signifikant kürzere Rezidivlatenzen auf, wobei sich langfristig aber keine höhere Kriminalbelastung ergibt. Frühabbrecher zeigen gegenüber Spätabbrechern eine besonders hohe Kriminalitätsbelastung mit nahezu 100% Rückfällen im Follow–up. Der Abstinenzerprobungserfolg bestätigt sich als Prädiktor für eine bessere Kriminalprognose. Selektionsmechanismen für behandlungsmotivierte Personen bei der Zulassung zum Programm scheinen allerdings unter dem Evaluationsaspekt der Legalbewährung nicht gerechtfertigt.
Kurzfassung auf Englisch: Drug–free treatment in prison for drug dependent inmates has up until now rarely been evaluated in Germany and other European countries. This is particularly true for its important role in a multi stage model with follow-up treatment after release. In this study, the criminal recidivism of prisoners participating in a drug–free programme in the Vierlande prison in Hamburg was evaluated. The programme started in 1990 in two drug-free wards which ensure a separation from the rest of the prisoners for most of the time. The experience of abstinence is supported by a professional therapist in each ward. Prisoners had to obstain from hard and soft drugs and were monitored by daily urine tests. Increasingly realistic life-conditions were being tested in successive loosening of the penitentiary regime before their release. A majority of the successful participants chooses community–based treatment directly after release.
Methods: The criminal recidivism of 247 male drug users who participated from 1990 to 1998 was compared to a control group of 64 applicants not admitted to the programme. The mean follow-up period was 6.2 years. The Chief State Prosecutor´s register was used for estimating the general and the drug–related delinquency.
Results: The control group showed a worse crime rate in the mean follow–up as well in a standardized 5–years–follow-up period than the participants. Prisoners who finished the programme in a regular way had a significantly lower recidivism rate than drop–outs. Participants who had planned a follow-up treatment after release were significantly longer recidivism–free, but had no advantages on the long–term. A drop out during the first 100 days of treatment predicts a worse outcome with about 100% criminal recidivism after 5 years. Finishing the programme successfully was a predictor for low criminal recidivism. Looking at the results of recidivism into crime, selection criteria for the rejection of motivated applicants should be considered from an more evidence–based perspective.

Zugriffsstatistik

keine Statistikdaten vorhanden
Legende