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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-39705
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/3970/


Die Analyse des Bewegungsverhaltens jugendlicher Mädchen mit depressiver Symptomatik. Eine explorative Bewegungsanalyse mit Vergleichsgruppe anhand der Laban Bewegungsanalyse

Analysis of Movement Behaviour of Adolescent Females with Depressive Symptomatology. An Explorative Movement Analysis with Comparison Group utilising Laban Movement Analysis

Welsche, Simone

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SWD-Schlagwörter: Bewegungsanalyse , Depression , Weibliche Heranwachsende , Laban, Rudolf von , Bewegungsverhalten , Bewegung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Adoleszenz , Laban Bewegungsanalyse , Bewegung als Bedeutungsphänomen
Freie Schlagwörter (Englisch): Laban Movement Analysis , Movement Behaviour , Depression , female Adolescence
Basisklassifikation: 76.24 , 77.56
Institut: Sportwissenschaft
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Funke-Wieneke, Jürgen (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.12.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 15.01.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die Annahme, dass sich das Bewegungsverhalten verändert, wenn ein Mensch an einer psychischen Erkrankung leidet, ist im Sinne Buytendijks Allgemeiner Theorie der menschlichen Haltung und Bewegung, in welcher er darstellt, dass ein funktioneller Aspekt des Bewegungsverhaltens im Ausdruck innerer Zustände liegt, nicht nur im klinischen Kontext, sondern auch im alltäglichen Verständnis akzeptiert. In der frühen Literatur der Psychiatrie werden in der Beschreibung psychischer Erkrankungen verschiedene Bewegungsmerkmale als typisch für einzelne Krankheitsbilder benannt. Besonders bei Patienten mit depressiver Symptomatik wird häufig die Hypothese vertreten, dass sie eingeschränkte und wenig lebendige Bewegungen gemeinsam haben, die nicht nur das Erscheinungsbild des jeweilig Betroffenen beschreiben, sondern auch als Ausdruck der psychischen Erkrankung und somit als mögliche Indikatoren gelten können. Diese „typische“ Art des Bewegens wurde bereits in Studien untersucht, die hauptsächlich aus der Psychologie und den Sportwissenschaften stammen. Einen Schwerpunkt bilden die Untersuchung der mimischen Expression, die Analyse von Gangmustern und der Grad der Aktivität im Allgemeinen. Hauptsächlich wurde die Altersgruppe der Erwachsenen untersucht. Bei Recherche der bisherigen Forschungsprojekte zum Zusammenhang von Bewegungsverhalten und psychischer Erkrankung im Jugendalter wird deutlich, dass es keine gibt Studien gibt, die sich explizit mit der Altersgruppe der Jugendlichen befassen. Weiterhin können durch die sehr eng gefassten und unterschiedlichen Beobachtungsparameter der bisherigen Studien mit Erwachsenen lediglich ausschnitthafte Informationen zum Bewegungsverhalten der untersuchten Patienten gegeben werden, die aufgrund der verschiedenen Beobachtungskriterien und Methoden nur bedingt oder nicht vergleichbar sind.
Die vorliegende Studie exploriert die Fragestellungen: Welche Bewegungsmerkmale im Sinne Labans zeigen jugendliche Patientinnen mit depressiver Symptomatik im Unterschied zu einer klinisch unauffälligen Vergleichsgruppe? Besteht ein Zusammenhang zwischen Bewegungsverhalten und depressiver Symptomatik, Körperbewertung und Stimmungslage der Probandinnen? Inwieweit sind die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung mit den Bewegungsmerkmalen bei depressiven Erwachsenen vergleichbar?
Methode: explorative Bewegungsanalyse eines 10–15min videographierten Interviews anhand eines Laban Bewegungsanalyse Codingsheets. Probandinnen der Untersuchung waren Mädchen zw. 16-18 J., klinische Gruppe mit depressiver Symptomatik (n=10), klinisch unauffällige Vergleichsgruppe (n=10). Auswertung im Querschnitt- und Längsschnittdesign. Instrumente der Erhebung der Rahmendaten: DIKJ, FBK-20, DAS Kurzform.
Ergebnisse:
Die Auswertung ergab zum Teil deutliche Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen. Diese wurden besonders im signifikant kleineren Repertoire der klinischen Gruppe in den sprachbezogenen Gesten deutlich. Darüber hinaus zeigten die Probandinnen der klinischen Gruppe durch alle LMA Kategorien und alle Bewegungskategorien ein zum Teil drastisch kleineres Repertoire, als die Probandinnen der Vergleichsgruppe. Besonders deutlich waren Unterschiede in der Kategorie Form und in der (Aus-) Nutzung des persönlichen Raumes. Auch wurden bei den Probandinnen der klinischen Gruppe vermehrt ankämpfende Antriebsqualitäten beobachtet, während das Repertoire der Vergleichsgruppe ausgeglichen zu sein schien. Weiterhin waren in der klinischen Gruppe mehr Schattengesten und weniger PGMs zu sehen als in der Vergleichsgruppe.
Die t1 und t2 Untersuchungen zeigten, dass die Ergebnisse keinesfalls zufällige Befunde sind. Sie konnten darüber hinaus darstellen, dass die Größe des Repertoires in Wechselwirkung zu dem Vorkommen einer klinisch auffälligen Depression zu stehen scheint.
Aus den zum Teil sehr deutlichen Ergebnissen konnten Hypothesen und erste Interpretationen abgeleitet werden, die es ermöglichen auf den Ergebnissen dieser Studie aufzubauen und die Erforschung des Zusammenhanges von Bewegung und psychischer Erkrankung wie auch der Symbolik von Bewegungsverhalten voranzutreiben.
Diese Studie stellt einen ersten Schritt in der Untersuchung des Bewegungsverhaltens bei psychisch kranken und klinisch unauffälligen jugendlichen Mädchen dar und zeigt die Laban Bewegungsanalyse als geeignetes Tool, Bewegungsverhalten wertfrei, umfassend und strukturiert zu beschreiben. Aufbauend auf die Ergebnisse soll ein verbessertes Verständnis der Bedeutung des Bewegungsverhaltens bei psychisch kranken im Vergleich zu klinisch nicht auffälligen Jugendlichen gewonnen werden, was die Behandlungsmöglichkeiten nicht nur durch bewegungs- und körperorientierte Therapieformen, sondern auch im allgemeinen Diagnostik- und Behandlungskontext verbessern kann.
Kurzfassung auf Englisch: According to Buytendijks Allgemeiner Theorie der menschlichen Haltung und Bewegung one aspect of movement behaviour is the expression of inner states. Early descriptions of psychiatric diseases show that certain movement characteristics are affiliated with specific mental diseases. Especially in the description of movement behaviour of depressive patients the hypothesis is often found that this particular patient group shares a kind of preference for restricted and less lively movements. This typical´ way of moving and behaving is researched in a variety of studies, mainly in branches of psychology or context of sports science. Studies emphasising movement behaviour of depressive adolescents, by contrast, were not found. Furthermore, the analysed categories in existing studies are mainly related either to facial expressivity, gait description or to the degree of activity in general. It becomes obvious that, in this respect, there are two information gaps: one with regard to research about the age groups of depressive adolescents, and another with regard to the chosen observation categories, which are restricted to only some quite specific parts of human behaviour. This study examines the following questions: which movement characteristics in the sense of Laban do depressive female adolescents show compared to a clinically non-noticeable comparison group? How does the observed movement behaviour correlate with the grade of depression, the body image, and the current mental state? Are the findings of this study comparable with the results found in the movement behaviour of adults?
Method:
Explorative Movement Analysis of an appr. 10-15 min videotaped interview utilising a Laban Movement Analysis coding sheet. Probands were female adolescents aged 16-18 J., clinical group (n=10) with depressive symptomatology, clinically non-noticeable comparison group (n=10), cross-sectional and longitudinal design, further instruments: DIKJ, FBK-20, DAS short form.
Results:
For the most part the results showed clear differences between the clinical and non-clinical group. Compared to the movement behaviour of the comparison group, the movement repertoire of the patients showed less variety of LMA elements in speech related gestures, less or no 3-dimensional movements, and a preference for small kinesphere movements. Further more, a preference for “fighting” effort qualities became apparent, while less PGMs and more shadow gestures were performed.
The results of the longitudinal approach showed that reciprocity between the grade of depression and the size of the movement repertoire seems to be given.
The results allowed stating some hypothesises and making a first interpretation of the meaning of movement characteristics, which can be used for further studies to explore the relation between movement and mental disease as well as the symbolic meaning of movement behaviour.
This study is the first step to investigate movement behaviour of mentally ill as well as clinically non-noticeable female adolescents. Moreover, it showed LMA as a valuable tool to describe movement in a non-judgemental, detailed, and structured way. Building on the outcome of this study, a better understanding of movement behaviour of mentally ill as well as clinically non-noticeable female adolescents could be gained, which has the potential to enhance not only movement therapeutic treatment but also diagnostic procedures and clinical treatment in general.

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