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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-39944
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/3994/


Gewaltbedingte Verletzungen in der chirurgischen Notaufnahme der Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg

Süße, Andrea

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Notaufnahme , Gewalt , Gewaltopfer , Rechtsmedizin
Basisklassifikation: 44.72 , 44.80
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.01.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 11.02.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Das Phänomen „Gewalt“ wird erst seit jüngster Zeit in unserer Gesellschaft öffentlich thematisiert und wissenschaftlich bearbeitet. So existieren nur wenige Zahlen und darüber hinaus gehende Informationen über die Betroffenen.
Im medizinischen System bieten Notaufnahmen als potentielle Anlaufstellen für Gewaltopfer eine wichtige Möglichkeit der Datenerhebung. Die in dieser Arbeit untersuchte chirurgische Notaufnahme ist besonders durch ihre zentrale Lage in einer deutschen Millionenstadt und geographische Nähe zur Hauptbahnhofgegend sowie einem Rotlicht- und Vergnügungsviertel charakterisiert. Im untersuchten Zeitraum vom 01.11.2003 bis 30.04.2004 (6 Monate) wurden 503 der 3849 Patienten (13,1%) als Opfer gewalttätiger Übergriffe dokumentiert. Mehrheitlich handelte es sich bei den Betroffenen um Männer (428/503;85,1%). Nur 14,9% (75/503) waren weiblichen Geschlechts. Nahezu 60% der Geschädigten (250/433) waren zum Tatzeitpunkt zwischen 21 und 40 Jahre alt. In 42,7% der Fälle (215/503) standen die Betroffenen unter Alkoholeinfluss. Über die Hälfte der Verletzten (236/490;55,2%) beanspruchte den medizinischen Notfalldienst in den nächtlichen Stunden zwischen 22.00 und 5.59 Uhr. Am Wochenende suchten 44,8% der Gewaltopfer (225/503) die Notaufnahme auf. Häufigste Tatorte waren die Stadtteile St. Pauli (39,4%) und St. Georg (25,3%). In 39,6% der Fälle lagen Angaben zu den Tätern vor. Es handelte sich in 63,9% um Unbekannte und in 36,1% um bekannte Personen. In 29,4% der Fälle agierten die Täter in Gruppen. Die Opfer berichteten in 58,3% der Fälle mit Händen und Fäusten geschlagen worden zu sein. In 134 Fällen war ein Tatwerkzeug verwendet worden. Dabei handelte es sich am häufigsten um Flaschen- und Glaswerkzeuge (29,6%) und Stichwaffen (20,7%). Demzufolge wurden 86,7% der Betroffenen Opfer stumpfer und 11,5% scharfer Gewalt. Die resultierenden Verletzungen waren mehrheitlich an der Kopf- und Halsregion (63,5%) sowie an der oberen und unteren Extremität (23,8%) lokalisiert. Am häufigsten wurden Prellungen (32,9%), Platzwunden (26,1%) und Frakturen (10,9%) diagnostiziert. In 20 Fällen (4,0%) lagen potentiell lebensgefährliche Verletzungen vor. Vierundzwanzig Betroffene (4,8%) wurden stationär aufgenommen mit einer medianen Verweildauer von 5 Tagen. Ein rechtsmedizinisches Gutachten wurde nur in 2,4% der Fälle (12/503) erstellt.
Durch die besondere geographische Lage wird die Notaufnahme der Asklepios Klinik St. Georg mit einem Gewaltopferanteil von 13,1% konfrontiert. Im Vergleich mit internationalen Studien sind das mehr als drei- bis viermal so viele Betroffene. Daraus ergeben sich vor allem personelle Anforderungen, insbesondere eine Gewaltopfer-orientierte Fort- und Weiterbildung des medizinischen Personals sowie strukturelle Anpassung an das erhöhte Patientenaufkommen in den nächtlichen Stunden sowie den Wochenendtagen. Der geringe Anteil an rechtsmedizinischen Gutachten fordert einerseits eine vermehrte Öffentlichkeitsarbeit, anderseits müssen sich die Kontaktpersonen ihrer Vermittler- und Beraterfunktion gegenüber den Betroffenen bewusst werden. Daten aus Notaufnahmen bieten vergleichende und ergänzende Informationen zu den Polizeilichen Kriminalstatistiken, da sie unabhängig vom Anzeigeverhalten der Betroffenen den zeitnahen Versorgungsbedarf von Gewaltopfern anzeigen. Neben einer rein somatisch orientierten Behandlung wird sich der Zuständigkeitsbereich von Notaufnahmen zukünftig auch auf gewaltpräventive Aufgaben ausweiten müssen.

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