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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-40931
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/4093/


Geschlechtsspezifische Unterschiede in der ambulanten Versorgung von Demenzpatienten

Gender specific differences in the ambulant care of dementia patients

Groell, Astrid Elisabeth

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: geschlechtsspezifische Unterschiede in Demenzversorgung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Demenz Geschlechtsspezifische Unterschiede
Freie Schlagwörter (Englisch): gender dementia ambulant care
Basisklassifikation: 44.06
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Bussche, Hendrik van den (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.02.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 09.04.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die Versorgung von Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen und Demenzen gewinnt durch die demographische Entwicklung weltweit eine immer größere Bedeutung. Das erklärt ein wachsendes Interesse der Versorgungsforschung am Thema Demenzen. Im Jahr 2004 wurde im Rahmen des vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) geförderten Kompetenznetzes Demenzen eine postalische Befragung durchgeführt, die zum Ziel hatte, die Wirklichkeit der hausärztlichen Versorgung zu untersuchen und sie mit der ambulanten Versorgung durch Neurologen und Psychiater zu vergleichen. Während an anderer Stelle die Unterschiede zwischen allgemeinärztlich tätigen Hausärzten und Gebietsärzten in den Mittelpunkt der Analysen gestellt wurden, widmet sich diese Arbeit schwerpunktmäßig den geschlechtsspezifischen Unterschieden - sowohl bei Hausärzten als auch bei Neuropsychiatern - in Bezug auf die Versorgung von Patienten mit kognitiven Störungen und Demenzen. Es handelt sich demnach um eine Sekundäranalyse der postalischen Befragung.

Der Fragebogen umfasst 46 Items zu verschiedenen Aspekten der Demenzversorgung und wurde im Mai 2004 an drei verschiedene Ärztegruppen versandt: hausärztliche Teilnehmer am Kompetenznetz Demenzen (KND-Ärzte; N=129), zufällig ausgewählte Hausärzte (HÄZ; N=260) sowie zufällig ausgewählte niedergelassene Neuropsychiater (N/P; N=239). Die Rücklaufquoten betrugen 83,7% bei den KND-Ärzten, 39,6% bei den HÄZ und 40,2% bei den Neuropsychiatern.
Die Analyse der Daten erfolgte mit Hilfe des SPSS-Programms, Version 13.0. Die detaillierte Ergebnisbeschreibung wurde in Kapitel 3 vorgenommen. Im Mittelpunkt der Analyse standen mögliche arztseitige geschlechterspezifische Unterschiede in der Demenzversorgung, die jedoch nur in geringem Ausmaß nachgewiesen werden konnten.

Die Hypothese, dass Ärztinnen eine generell positivere Einstellung zu Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz haben als Ärzte konnte ebenso wenig bestätigt werden wie die Hypothese, dass Frauen vermehrt kognitive Tests zur Diagnosefindung einsetzen. Ärztinnen sind jedoch etwas stärker vom Nutzen einer Früherkennung der kognitiven Defizite überzeugt. Im Kooperationsverhalten zwischen Gebietsärzten und Hausärzten lassen sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede nachweisen. Hinsichtlich der medikamentösen Therapie der Demenz treten geringe Differenzen ans Licht: Ärztinnen schätzen die Wirksamkeit von Ginkgo, Nimodipin und Vitamin E etwas unkritischer ein als ihre männlichen Kollegen.

Auch bezüglich der Aufklärung gibt es einige tendenzielle Differenzen. Entgegen der Annahme, dass Frauen ausführlicher aufklären, kann man den Ergebnissen der Studie entnehmen, dass mehr Frauen als Männer im Aufklärungsgespräch die Begriffe „Alzheimer“ und „Demenz“ vermeiden. Sie schätzen die Aufklärung auch etwas häufiger als schädigend ein und berichten häufiger, dass Patienten mit Scham auf die Aufklärung reagieren. In der Interaktion mit Angehörigen konnten keinerlei Unterschiede zwischen Ärztinnen und Ärzten gefunden werden. Frauen sehen im Unterschied zu Männern noch größeren Verbesserungsbedarf in der Demenzversorgung und zeigen ein größeres Interesse an Angeboten für die Ärzteschaft im Sinne von Leitlinien oder Übersichten im Internet über kooperierende Einrichtungen in der Demenzversorgung.

Es ist zu hinterfragen, ob diese geringen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigen, dass tatsächlich die Behandlung durch männliche und weibliche Ärzte sehr ähnlich ist, oder ob methodische Gründe ein Aufdecken von Unterschieden verhindert haben.

Wenn man die Gesamtheit der Ärzte betrachtet, fällt die Selbsteinschätzung der aktuellen ambulanten Versorgung von Patienten mit kognitiven Defiziten besser aus als auf Grundlage der bisher veröffentlichten Studien angenommen. Diese Diskrepanz könnte einerseits auf eine tatsächlich verbesserte Versorgung zurück zu führen sein, resultiert zu einem Teil aber sicher auch aus einer positiven Selektion von Antwortenden sowie eventuell aus sozial erwünschtem Antwortverhalten.

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