FAQ
© 2015 Staats- und Universitätsbibliothek
Hamburg, Carl von Ossietzky

Öffnungszeiten heute09.00 bis 24.00 Uhr alle Öffnungszeiten

Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-41265
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/4126/


Evaluation eines Spritzentauschprogramms zur Prävention von HIV, Hepatitis B und C in der Justizvollzugsanstalt II Am Hasenberge in Hamburg

Evaluation of a syringe exchange for the Prevention of HIV, Hepatitis B and C in the Prison No. 2 Am Hasenberge in Hamburg

Glet, Erik

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (4.309 KB) 


Freie Schlagwörter (Deutsch): Spritzentauschprogramm , Hepatitis C , HIV , JVA
Freie Schlagwörter (Englisch): syringe exchange
Basisklassifikation: 44.00 , 44.75 , 44.72
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.05.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 19.05.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Spritzentauschprogramme gehören national wie auch international zu den anerkanntesten Schadensminimierungsmaßnahmen in der Auseinandersetzung mit dem problematischen Drogenkonsum. Diese vorliegende Studie evaluiert ein von der Hamburger Justizbehörde in der Hamburger Justizvollzugsanstalt 2 „Am Hasenberge“ initiiertes Spritzentauschprogramm. Es beinhaltete eine Hand-zu-Hand-Vergabe von Injektionsmaterialien für i.v.Drogenkonsumenten. 1.Methodik: Im Rahmen der wissenschaftlichen Evaluation wurden eine zweizeitige Längsschnittuntersuchung (erste Erhebung zu Beginn der Spritzenvergabe, zweite Erhebung 8 Monate später) mit Interviewerhebung sowie eine Infektionsstatusbestimmung bei einer Stichprobe von insgesamt n= 145 Inhaftierten als auch eine parallele Mitarbeiterbefragung (n=72) durchgeführt. Die wesentlichen Fragestellungen bezogen sich auf die Erwartungshaltung, die Akzeptanz und die Effektivität des Projekts. Speziell interessierte die Auswirkung auf die Drogenkonsumgewohnheiten sowie auf die Inzidenz von HIV und Hepatitis-B und -C. Einzelgruppenanalysen bezogen sich auf bekannte intravenös-drogenkonsumierende Insassen und Personen mit negativer Lebenszeitprävalenz für Drogen und Insassen mit Methadonsubstitution. 2. Ergebnisse Die Erwartung einer potentiellen Steigerung des Konsums von Drogen durch die Bereitstellung von Spritzen wurde im Gegensatz zu den meisten Mitarbeitern von 75% der Insassen verneint. Bestätigen ließ sich diese These im Verlauf des Projekts allerdings nicht. So konsumierten 23% aller Insassen Heroin in Freiheit. Zu Beginn des Projekts nahmen noch 7% mehrmals im Monat Heroin in der Haftanstalt ein, acht Monate später sank dieser Anteil auf 2%. Dagegen stieg jedoch der Anteil der intravenös konsumierenden Häftlinge im zeitlichen Verlaufe des Projekts leicht an: Während 56% der Heroinkonsumenten in Freiheit einem i.v. Konsum nachgegangen waren, taten dies vor der Spritzenvergabe in Haft noch 18%, acht Monate nach der Vergabe stieg der prozentuale Anteil leicht auf 26% an. Vor Beginn des Projekts hatten 22% der Insassen eine und 8% mehr als eine Spritze zur Verfügung. Zum zweiten Befragungszeitpunkt hatten 27% mehr als eine Spritze zur Verfügung. Das so genannte „Needle Sharing“, also der Tausch von kontaminiertem Spritzenequipment untereinander, sank unter i.v. Konsumenten zwar von 41% auf 0% ab, dabei wurde eine Verlagerung auf seltenere Frequenzen beobachtet. Gemeinschaftliches „Fixen“ fand aufgrund empfundener mangelnder Anonymität und der Befürchtung vor Sanktionen statt. Die Prävalenz für HIV bei allen untersuchten Insassen betrug 3% (chronische Hepatitis- B 2%, aktive Hepatitis-B 2%, Immunschutz gegen Hepatitis-B 2% und Hepatitis-C (32%). Intravenös drogenkonsumierende Insassen (IVDA) zeigten dagegen eine HCV-Prävalenz von 86%, eine Prävalenz für eine aktive Hepatitis B Infektion von 6% sowie eine HIV-Prävalenz von 16%, bei allerdings kleinen Teilnehmerzahlen in diesem Kollektiv.Demgegenüber fand sich eine Hepatitis C-Prävalenz bei Personen mit negativer Lebenszeitprävalenz für Drogen (sogenannte „Abstinenzler“) hinsichtlich Hepatitis-C von 10%, kein Nachweis einer HIV- oder aktiven/akuten Hepatitis B-Prävalenz. Bei 4% der Probanden in diesem Kollektiv konnte ein Immunschutz gegen Hepatitis-B nachgewiesen werden. Die Inzidenzen bezogen sich auf die Zeiträume zwischen den Vorbefunden und dem Zeitpunkt L1 (zwischen 5 und 126 Personenjahren) und dem Zeitraum zwischen L1 und L2 (zwischen einem bis 75 Personenjahren). Im Wesentlichen konnte eine Hepatitis C Inzidenz in dem Zeitraum zwischen Aktenbefund und L1 von 14,7% und zwischen L1 und L2 von 0% bei allen Getesteten festgestellt werden. Bei den intravenösdrogenabhängigen Insassen stellte sich eine Inzidenz für Hepatitis-C in dem Zeitraum zwischen Vorbefund und L1 von 21,6% dar. Eine Hepatitis-C und HIV-Inzidenz konnte bei den untersuchten Insassen innerhalb des 8-monatigen Untersuchungszeitraumes zwischen L1 und L2 ausgeschlossen werden. Innerhalb des Untersuchungszeitraumes wurden keine Serokonversionen erfasst. Retrospektiv fanden sich jedoch zwei Hepatitis C-Transmissionen bei späteren Tauschteilnehmern, wobei sich eine innerhalb von zwei Monaten vor Projektbeginn ereignet haben muss. Darüber hinaus wurde bei einem Teilnehmer des Methadonprogramms eine Hepatitis B-Transmission im Vorfeld gefunden. Bei den untersuchten Methadonsubstituierten konnte bei 62% nach eigenen Angaben ein Beikonsum an illegalen Drogen registriert werden. Die Inanspruchnahme des Projekts lag deutlich unter den Erwartungen der Initiatoren (ca. 30 ausgegebene Spritzen pro Monat). Im Durchschnitt nahmen monatlich 15 häufig wechselnde Teilnehmer an dem Projekt teil.

Zugriffsstatistik

keine Statistikdaten vorhanden
Legende