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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-41757
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/4175/


Vorkommen von Schweinswalen (Phocoena phocoena) in Nord- und Ostsee - im Konflikt mit Schifffahrt und Fischerei?

Herr, Helena

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SWD-Schlagwörter: Schweinswal , Nordsee , Ostsee , Wale , Fischerei , Seeschifffahrt , Beifang , Nahrungskonkurrenz
Freie Schlagwörter (Deutsch): anthropogene Einflüsse , Populationserfassung
Basisklassifikation: 42.90 , 42.84 , 42.94
Institut: Biologie
DDC-Sachgruppe: Tiere (Zoologie)
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Ganzhorn, Jörg (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.05.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 25.06.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Der Schweinswal (Phocoena phocoena) in der Nord- und Ostsee lebt in einem stark vom Menschen geprägten Habitat. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Baus von Offshore-Windenergieanlagen wird das Wissen über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten im Meer immer wichtiger, um den Schutz der Tiere in Nord- und Ostsee zu gewährleisten. Über die Auswirkungen und kumulativen Effekte der verschiedenen anthropogenen Einflüsse auf Schweinswale ist jedoch wenig bekannt. Diese Arbeit untersuchte die möglichen Auswirkungen von Seeverkehr und Fischerei auf Schweinswale in deutschen Gewässern. Es wurde analysiert, ob Seeverkehr die Verteilung der Tiere beeinflusst und welche Bedeutung großen Schifffahrtsstraßen hierbei zukommt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bedeutung von treibendem Müll als Nebeneffekt der Schifffahrt betrachtet. Des Weiteren wurde untersucht, welches Konfliktpotential zwischen verschiedenen Fischereien und Schweinswalen besteht und in welchem Ausmaß Beifang in deutschen Gewässern stattfindet.

Die Grundlage für diese Arbeit bildeten umfassende Flugzählungen zur Erfassung von Schweinswalen in Nord- und Ostsee. Während dieser Erfassungen wurden neben Schweinswalen auch Schiffe, Stellnetze und Müll aufgenommen. Die erfassten Daten dienten zur Ermittlung der Schweinswal-, Schiffs-, Stellnetz- und Mülldichte. Außerdem wurde aus den Schiffssichtungen die Seeverkehrsdichte in der Nordsee modelliert. Des Weiteren wurden Daten aus der automatisierten Fischereiüberwachung (Vessel Monitoring System, VMS) analysiert und Daten aus den „German Small-scale Bottom Trawl Surveys“ (GTBS) zur Bestimmung der Zusammensetzung der Bodenfischfauna genutzt. Eine lange Datenreihe (1987–2008) zu Totfunden und Beifängen von Schweinswalen entlang der deutschen Küste wurde ausgewertet, um die Entwicklung des Beifangs in deutschen Gewässern zu erörtern. Es kam eine Vielzahl statistischer Methoden für die verschiedenen Analysen zum Einsatz. Die Verteilung von Schweinswalen in den Verkehrstrennungsgebieten der Nordsee wurde mittels einer Selektivitätsanalyse (nach Jacobs, 1974) untersucht, die Bedeutung der Seeverkehrsdichte in Zusammenhang mit der Schweinswal-Dichte in einer Korrelationsanalyse. Die Einflüsse von Küstendistanz und Wassertiefe wurden mittels eines Verallgemeinerten Additiven Modells (GAM) in die Analyse von Schweinswal- und Schiffsdichte einbezogen. Über die Berechnung von Assoziations- und Überlappungsindizes wurden die Beziehungen zwischen verschiedenen Fischereitypen und der Schweinswal-Verteilung analysiert. Für die Stellnetz- und Schweinswal-Verteilung in der Ostsee wurde ein Konfliktindex berechnet.

Die Ergebnisse der Selektivitätsanalyse in der Nordsee zeigten eine Meidung des Verkehrstrennungsgebiets (VTG) „Tiefwasserweg-Westansteuerung“ durch Schweinswale. Für die Schweinswal-Dichte in der Nordsee allgemein konnte eine negative Korrelation mit der Schiffsdichte aufgezeigt werden. Auch unter Einbeziehung der verteilungsrelevanten Parameter Küstendistanz und Wassertiefe zeigten die Ergebnisse des GAMs, dass für die Schiffsdichte ein negativer Einfluss auf die Schweinswal-Dichte nachweisbar ist. Die Auswertungen der Müllsichtungen in der Nordsee zeigten eine hohe Mülldichte und eine deutliche Korrelation mit der Schiffsdichte, auch unter Einbeziehung von Küstendistanz und Wassertiefe. Alle Beziehungen waren signifikant. In Zusammenhang mit der Fischerei der Nordsee konnte gezeigt werden, dass die Schweinswal-Verteilung in allen Jahreszeiten signifikant positiv mit der Sandaalfischerei und im Sommer auch mit der Stellnetzfischerei assoziiert ist. Im Frühling zeigte sich eine große Überlappung der Schweinswal-Verteilung mit der großen Baumkurrenfischerei. Für die Ostsee wurde ein jahreszeitlich differenziertes Bild des Konfliktpotentials zwischen Schweinswalen und der Stellnetzfischerei erstellt. Dabei wurde ein insgesamt weit verbreiteter Konflikt festgestellt. Hohe Stellnetzdichten und eine große Beteiligung der kleinen Küstenfischerei am Gesamtaufwand der Stellnetzfischerei wurden nachgewiesen. Die Auswertung der Totfunde aus der Ostsee ergab einen signifikanten Anstieg der Gesamtzahl sowie eine signifikante Zunahme an Beifang-Verdachtsfällen. Es konnten Hinweise darauf erbracht werden, dass aktuelle Beifangzahlen wahrscheinlich das empfohlene Höchstmaß von 1% Beifang an der Population überschreiten.

Insgesamt zeichnet diese Arbeit ein negatives Bild über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf Schweinswale in der Nord- und Ostsee. Es ist davon auszugehen, dass Schweinswale kontinuierlich durch Seeverkehr gestört werden und bestimmte Gebiete aufgrund dieser Tatsache tendenziell meiden. Besonders im Sommer muss davon ausgegangen werden, dass es in der Nordsee zu einer Ressourcenkonkurrenz mit der Sandaalfischerei kommt. In der Ostsee bedrohen hohe Beifangzahlen den Erhalt besonders der Baltic-Proper-Subpopulation der Schweinswale und durch sehr hohen Stellnetz-Aufwand scheint eine Lösung des Konflikts nicht einfach umsetzbar. Da Deutschland in seinen nationalen Gewässern einen bedeutenden Teil der Schweinswalpopulationen der Nord- und Ostsee beheimatet, trägt es eine große Verantwortung für den Schutz und Erhalt der Art. In der Ostsee erscheinen dringende Maßnahmen zur Reduktion des Beifangs notwendig, um dieser Verantwortung nachzukommen. In der Nordsee muss gewährleistet werden, dass der derzeitig noch günstige Zustand der Population erhalten wird, die industrielle Sandaalfischerei kritisch überwacht wird und der bedeutende Lebensraum im Sylter Außenriff für Schweinswale nicht beeinträchtigt wird.

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