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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-43875
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/4387/


Aspekte des Hamburger Suizidgeschehens - Eine forensisch-epidemiologische Analyse unter besonderer Berücksichtigung der Alterssuizide, der Suizide durch Sprung von der Köhlbrandbrücke sowie der Hinterlassenschaft von Abschiedsbriefen

Aspects of suicide events in Hamburg - A forensic-epidemiological analysis with special consideration of elderly suicides, suicides by jumping from the Köhlbrand Bridge and the inheritance of suicide notes

Behrens, Kim Benjamin

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SWD-Schlagwörter: Selbstmord , Abschiedsbrief , Hamburg / Köhlbrandbrücke , Hamburg
Freie Schlagwörter (Deutsch): Alterssuizid , Suizidrate , Suizidstatistik
Freie Schlagwörter (Englisch): elderly suicide , jumping , bridges , Köhlbrand Bridge , suicide notes , suicide rates , Hamburg
Basisklassifikation: 44.72 , 44.06 , 44.10 , 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.10.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 26.11.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Im Zeitraum von 2003 bis 2005 haben sich 791 Menschen in Hamburg das Leben genommen. Unter Berücksichtigung der aktuellen Veröffentlichungen des Statistikamtes Nord der Hansestadt Hamburg steigt die Suizidzahl bis einschließlich 2007 auf 1252 an. Bei Betrachtung des gesamten Zeitraumes von 2003 bis 2007 ergibt sich ein Rückgang der Suizidrate von 15,2 auf 13, 8 Suizide pro 100.000 Einwohner. Insgesamt ist im Zeitraum von 2003 bis 2007 eine Stabilisierung der Suizidrate um 14,3 ± 0,7 Suizide pro 100.000 Einwohner eingetreten. Nach den erhobenen Daten nimmt Hamburg weiterhin einen Spitzenplatz in der Suizidstatistik der Bundesrepublik ein. Es fanden sich Abweichungen der erhobenen Zahlen und der berechneten Raten gegenüber den von der Stadt, vom Bund und von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichten Zahlen und Raten für einzelne Jahre. Hiermit wird erneut die Schwierigkeit der Reliabilität und Validität solcher Erhebungen im Rahmen der Gesundheitsforschung deutlich.

Im Erhebungszeitraum von 2003 bis 2005 haben sich 365 Menschen im Alter ab 60 Jahren in der Hansestadt selbst getötet. Ihre Suizidrate ist in diesem Zeitraum um 13,8% von 29 auf 25 Suizide pro 100.000 Einwohner zurückgegangen. Inwieweit sich hier ein Trend abbildet bleibt abzuwarten. Zuletzt 2005 zeigt sich weiterhin eine im Alter ab 60 Jahren höhere Suizidrate der Männer (37/100.000 Einwohner) gegenüber jener der Frauen (16/100.000 Einwohner). Die Suizidrate der Männer dieser Altersgruppe ist um 9,8%, die der Frauen der gleichen Altersgruppe um 20% zurückgegangen bei nahezu unveränderten Einwohnerzahlen der verschiedenen Altersgruppen. Die Gesamtsuizidrate dieser Altersgruppe liegt 2005 um gut das 2,5-Fache über der Gesamtsuizidrate der Menschen im Alter unter 60 Jahren (25,3 : 9,8). Mit einem Anteil von knapp 30% an allen Suiziden der Altersgruppe ab 60 Jahren ist das Erhängen die häufigste angewandte Suizidmethode der alten Menschen.

Seit Freigabe der Köhlbrandbrücke für den Verkehr im September 1974 bis zum 12.04.2009 sind 83 Menschen von der Brücke in den Tod gesprungen. Insgesamt überwiegen bei den Suizidenten die Männer (Männer : Frauen = 4,8 : 1). Bisher haben ein Mann und eine Frau den Sprung von der Köhlbrandbrücke überlebt. Im gleichen Zeitraum konnten die visuellen Sicherungsmaßnahmen an der Brücke sowie das schnelle Eingreifen von Polizeibeamten und anderen Einsatzkräften, aber auch von Passanten, den Sprung von 202 Menschen erfolgreich verhindern. Somit kann gesagt werden, dass die angewandten und weiterentwickelten, bauwerkunabhängigen präventiven Sicherungsmaßnahmen im Bereich der Köhlbrandbrücke als erfolgreich betrachtet werden können.

Von knapp einem Drittel aller Suizidenten (252) von 2003 bis 2005 wurde ein Abschiedsbrief vorgefunden. 162 der Briefe sind von Männern und 90 von Frauen geschrieben. Die meisten Briefe wurden von Menschen im mittleren Alter von 30-59 Jahren geschrieben. In 162 Fällen versuchen die Suizidenten im Abschiedsbrief ihre Tat zu erklären. Gut die Hälfte aller Abschiedsbriefhinterlasser sprechen die Hinterbliebenen mit persönlichen Worten an, die Rückschlüsse auf eine noch verspürte nahe Beziehung zulassen. In 43 Briefen wird ein detaillierter Bestattungswunsch geäußert, dabei wird in 18 Fällen unter anderem eine anonyme Bestattung gewünscht. Es fanden sich bei den Verfassern ab 60 Jahren nicht einmal halb so oft Angaben zu Erbregelungen bzw. zum Thema Hinterlassenschaft (14 Briefe) wie bei jüngeren Verfassern (32 Briefe). Das Vorkommen von Abschiedsbriefen in den Akten der Abteilung Todesermittlung des Landeskriminalamtes ist für den genannten Zeitraum ausreichend hoch für eine weiterführende, umfangreiche psycholinguistische Untersuchung. Die vorhandene Anzahl an Abschiedsbriefen würde, nach dem aktuellen Stand der Literatur, eine Einordnung einer solchen Untersuchung im Bereich der Studien gestatten, die eine eher selten hohe Briefzahl vorzuweisen haben.

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