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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-44413
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2010/4441/


Die Mitteilung schlechter Nachrichten: Kommunikative Präferenzen und ärztliches Gesprächsverhalten aus Sicht von Krebspatienten

Breaking bad news: Cancer patients communication preferences and experiences with physicians behaviour

Lehmann, Claudia

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SWD-Schlagwörter: Psychoonkologie , Schlechte Nachricht
Freie Schlagwörter (Deutsch): Arzt-Patient-Kommunikation , Patientenperspektive , Kommunikative Präferenzen , Erfahrungen , Psychosoziale Belastungen , Unterstützungsbedürfnisse
Basisklassifikation: 44.07
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Koch-Gromus, Uwe (Prof. Dr. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.12.2009
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 18.01.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Im deutschen Sprachraum liegt derzeit nur eine begrenzte Anzahl von Studien zu den kommunikativen Präferenzen und Erfahrungen von Krebspatienten mit früher und fortgeschrittener Erkrankung im Hinblick auf die Mitteilung schlechter Nachrichten vor. Die vorliegende Untersuchung zielte daher auf die differenzierte Analyse von (1) Anzahl, Inhalten und Bedeutungsgehalt schlechter Nachrichten aus Sicht von Krebspatienten, (2) patientenseitigen Kommunikationspräferenzen im Zeitverlauf und im internationalen Vergleich, (3) Zusammenhängen zwischen der (Nicht-)Berücksichtigung der Präferenzen durch den Arzt und den patientenseitigen Belastungen und Unterstützungsbedürfnissen. Dazu wurden unter explorativer Zielsetzung in einer prospektiven, naturalistischen Fragebogenstudie erwachsene Patienten mit früher und fortgeschrittener Krebserkrankung während des Krankenhausaufenthaltes (MZP1) sowie vier Monate später (MZP2) mittels international eingesetzter standardisierter Selbstbeurteilungsinstrumente (HADS-D, NCCN Distress-Thermometer, MPP-D, SCNS-SF34-D) und selbstentwickelter Items befragt. Die medizinischen Daten wurden den Arztbriefen entnommen. Bei der Datenauswertung kamen parametrische und nonparametrische Verfahren zur Anwendung.

Zu MZP1 bzw. MZP2 konnten die Daten von N=270 bzw. n=191 Patienten (frühes Stadium: n=115 bzw. n=95, fortgeschrittenes Stadium: n=155 bzw. n=96) analysiert werden. Die Rücklaufquote betrug zu MZP2 71%. Die Patienten waren zu beiden Messzeitpunkten im Mittel knapp 60 Jahre alt, knapp die Hälfte Männer, 75% lebten in fester Partnerschaft, etwa 50% gehörten der Mittelschicht an. Patienten mit früher Krebserkrankung wurden am häufigsten wegen Brustkrebs und urologischen Tumoren kurativ behandelt, Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung vorwiegend wegen hämatologischer Krebserkrankungen und mit palliativer Intention. Männer mit einer frühen Krebserkrankung äußerten die geringsten Belastungen und unerfüllten Unterstützungsbedürfnisse, während Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung unabhängig vom Geschlecht insbesondere durch Ängste höher beeinträchtigt waren. Im Zeitverlauf reduzierte sich die psychosoziale Belastung aller Patienten im Durchschnitt, wobei die Unterstützungsbedürfnisse der Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung jedoch weitgehend persistierten.

Patienten mit früher Erkrankung hatten bis zu sechs, Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung bis zu zwölf schlechte Nachrichten während des Krankheitsverlaufs erhalten. Unabhängig von der Schwere der Krebserkrankung war zeitstabil für mehr als zwei Drittel der Patienten die initiale Krebsdiagnose die subjektiv schlimmste Nachricht. Unabhängig vom Krankheitsstadium handelte es sich bei den prioritären Präferenzen der Patienten in Bezug auf die Mitteilung einer schlechten Nachricht zeitstabil um den persönlichen Kontakt mit dem Arzt, den Erhalt von Informationen über die beste Behandlungsmöglichkeit, ärztliche Fachkompetenz, Ehrlichkeit, Klarheit sowie ausreichend Ruhe und Zeit. Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung hielten den Einbezug von Angehörigen für wichtiger, Frauen das explizite Ansprechen emotionaler Reaktionen. Im internationalen Vergleich zeigten sich kulturspezifische Unterschiede hinsichtlich der Bedeutung der Familie und der Unterstützung durch die körperliche Nähe des Arztes. Patienten mit fortgeschrittenen Krankheitsstadien äußerten einen höheren Anteil unberücksichtigter Präferenzen im tatsächlich erlebten Arztverhalten (Mismatches) und eine größere Unzufriedenheit mit dem ärztlichen Gesprächsverhalten. Ein höherer Anteil von Mismatches führte zusammen mit einer auffälligen psychosozialen Belastung zu höheren Informations- und psychologischen Unterstützungsbedürfnissen der Patienten zu MZP1, wobei die geringe Varianzaufklärung mit 10% auf weitere, nicht identifizierte Prädiktoren hinweist. Zu MZP2 wurde die Höhe des Unterstützungsbedarfs vorwiegend durch die unerfüllten Bedürfnisse zu MZP1 vorhergesagt (Varianzaufklärung jeweils zwischen 10% und 20%). Soziodemographische und medizinische Faktoren spielten insgesamt eine eher untergeordnete Rolle.

Die Ergebnisse der Untersuchung unterstreichen die Relevanz der Mitteilung von schlechten Nachrichten für die onkologische Versorgung, insbesondere in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung, und liefern wichtige Hinweise für die ärztliche Gesprächsführung, die direkt umsetzbar sind. Gleichzeitig weisen die Resultate auch auf die Notwendigkeit hin, Ärzte in der Identifikation patientenseitiger, vermutlich häufig nicht explizit geäußerter Bedürfnisse im Rahmen von Kommunikationstrainingsprogrammen zu schulen. Diese Maßnahmen sollten dann auf ihre Wirksamkeit nicht nur in Bezug auf patientenseitige, sondern auch auf ärztliche Outcome-Parameter überprüft werden.

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