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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-45313
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2010/4531/


Psychisches Trauma und Versöhnung bei ehemaligen Kindersoldaten – eine Feldstudie aus Uganda und der Demokratischen Republik Kongo –

Psychological trauma and reconciliation among former child soldiers - a field study in Uganda and the Democratic Republic of Congo -

Bayer, Christophe Pierre

Originalveröffentlichung: (2008) Bayer, C. P.; Klasen, F. und Adam, H. (2007): Association of trauma and PTSD symptoms with openness to reconciliation and feelings of revenge among former Ugandan and Congo-lese child soldiers, Jama 298 (5), Seite 555–9.
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SWD-Schlagwörter: Psychisches Trauma , Posttraumatisches Stresssyndrom , Depression , Versöhnung , Kind , Soldat , Krieg , Afrika
Freie Schlagwörter (Deutsch): Kindersoldaten
Freie Schlagwörter (Englisch): PTSD , Depression , Psychological Trauma , Child Soldier , Reconciliation
Basisklassifikation: 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Adam, Hubertus (PD Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.12.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 22.03.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Die Zahl der Kindersoldaten weltweit wird auf 250 000 geschätzt. Diese Kinder tragen häufig eine besonders schwere Last. Sie sind zugleich Täter und Opfer unvorstellbarer Grausamkeiten. Für den Wiederaufbau der von Krieg und Gewalt zerstörten Gesellschaften kommt aber gerade Kindersoldaten eine besondere Bedeutung zu. Besinnen sie sich auf das, was sie während des Krieges gelernt haben, so kann dies einen Friedensprozess entscheidend behindern. Um eine Rehabilitierung und Reintegrierung der ehemaligen Kindersoldaten zu gewährleisten, ist es wichtig, zu verstehen, wie sich die erlebten traumatischen Erlebnisse auf die Psyche der Kinder auswirken und welchen Einfluss eine psychische Traumatisierung auf ihre Versöhnungsfähigkeit hat. Ziel der Studie war es daher, den Zusammenhang zwischen traumatischen Erlebnissen, der Symptomausprägung von PTSD und komorbiden Depressionen und der Versöhnungsfähigkeit bei ehemaligen Kindersoldaten zu erfassen.

Im Frühjahr und Sommer 2005 wurden 169 ehemalige Kindersoldaten in Rehabilitations- und Übergangszentren in Uganda und der D.R. Kongo im Rahmen der Querschnittsstudie untersucht. Soziodemografische Variablen und erlebte potenziell traumatisierende Ereignisse wurden mit auf die Stichprobe angepassten Fragebögen erfasst. PTSD- und Depressionssymptome wurde mit dem Child Posttraumatic Stress Disorder Reaction Index (CPTSD-RI) und der Birleson Depression Self-Rating Scale (DSRS) gemessen. Darüber hinaus wurden die Versöhnungsbereitschaft und der Wunsch nach Rache anhand von strukturierten Fragebögen festgestellt.

Die an dieser Studie teilnehmenden Kindersoldaten waren im Mittel 15,3 Jahre alt. Sie wurden in einem Durchschnittsalter von etwa 12 Jahren rekrutiert und verbrachten im Schnitt mehr als drei Jahre bei den bewaffneten Gruppen. Die Kinder waren zum Zeitpunkt der Datenerhebung seit durchschnittlich 2,3 Monaten demobilisiert. Die Kinder berichteten vielen potenziell traumatischen Situationen ausgesetzt gewesen zu sein. Am häufigsten berichtetet wurde das Zeuge-Werden von Schüssen oder Bombardierungen aus nächster Nähe (92,9%). Insgesamt 54,4% gaben an, selbst jemanden getötet zu haben, und 27,8% berichteten, zu sexuellem Kontakt gezwungen worden zu sein. Ein Drittel der untersuchten ehemaligen Kindersoldaten litt unter posttraumatischen Belastungsstörungen und ein weiteres Drittel unter Depressionen, so dass etwa jedes zweite Kind unter PTSD und/oder Depressionen litt. Ehemalige Kindersoldaten, die mehr PTSD-Symptome zeigten, hatten eine signifikant geringere Versöhnungsbereitschaft (r= -0,34, p < 0,001) und signifikant mehr Rachegefühle (r= 0,29, p < 0,001).

Diese Studie konnte zeigen, dass die untersuchten ehemalige Kindersoldaten häufig unter PTSD und Depressionen litten. Je ausgeprägter die PTSD-Symptome waren desto geringer war die Versöhnungsbereitschaft und desto größer war der Rachewunsch der Kinder. Dieser Zusammenhang unterstreicht die Notwendigkeit der Umsetzung der Verpflichtung aus der UN-Kinderrechtskonvention, von Krieg betroffenen Kindern eine psychische Rehabilitierung zu gewähren, und belegt zugleich die Bedeutung psychischer Traumatisierung für Friedensprozesse in von Krieg und Gewalt geprägten Gesellschaften.

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