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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-46842
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2010/4684/


"Revised Clinical Institute Withdrawal Assessment for Alcohol Scale" als Prädiktor für die Schwere des Alkoholentzugs

Weitzdörfer, Luise

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SWD-Schlagwörter: Alkoholismus , Drogentherapie
Freie Schlagwörter (Deutsch): Alkoholentzug , CIWA-Ar , Entzugsskala
Basisklassifikation: 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Haasen, Christian (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.11.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 23.07.2010
Kurzfassung auf Deutsch: 409 Patienten erschienen im Laufe eines Jahres im UKE zum Qualifizierten Alkoholentzug. Ihre Daten wurden erfasst, um die Bedeutung der Alkoholentzugsskala CIWA-Ar zu überprüfen. Die CIWA-Ar ist ein geeignetes Instrument zur Einschätzung der Schwere des Entzugs. Sie wird vielfach eingesetzt als Hilfsmittel zur kontinuierlichen Dosisfindung im Entzugsverlauf. Interne Konsistenz und Reliabilität der Skala wurden überprüft. In der vorliegenden Studie konnte ein starker Zusammenhang zwischen dem CIWA-Ar-Ergebnis und der verabreichten Medikamentendosis erwiesen werden. Ein bis dato nicht beschriebenes Verfahren wurde in dieser Arbeit überprüft: Die mittels CIWA-Ar quantifizierte Symptomatik des ersten Abends wurde als prognostischer Faktor für den Entzugsverlauf untersucht. Die erhaltene Punktzahl korreliert nicht mit allen üblicherweise eingesetzten Entzugsverlaufsparametern. Blutdruck und Laborwerte MCV und GGT beispielsweise standen in keinem Zusammenhang mit dem Ergebnis. Pulsfrequenz sowie vegetative Symptomatik korrelierten dagegen stark mit der Punktzahl. Als größter Einflussfaktor für das Ergebnis konnten Atemalkoholkonzentration bei Aufnahme und Anzahl an vorherigen Entzügen identifiziert werden. Die Dauer des betriebenen Alkoholkonsums sowie die tägliche Trinkmenge standen in keinem Zusammenhang mit der errechneten Punktzahl. Diese aus anamnestischen Angaben gewonnenen Daten schienen im Bezug auf die medikamentöse Therapieplanung keine Relevanz zu haben. Für die weiteren Untersuchungen wurden die Patienten je nach erreichter Punktzahl in Niedrig- und Hochrisikogruppe (G1 und G2) eingeteilt. Patienten aus Gruppe 1 erlebten halb so viele Tage mit erhöhtem Puls oder vegetativer Symptomatik und bekamen ein Drittel weniger Medikamente. Acht der neun Patienten, die ein Delir entwickelten, gehörten zu Gruppe 2. Es konnte folglich gezeigt werden, dass eine schon zu Beginn des Entzugs erstellte CIWA-Ar prognostische Aussagekraft für den weiteren Entzugsverlauf hat. Für den klinischen Alltag bedeutet ein solches Hilfsmittel die Möglichkeit der Patientenselektion schon zu Beginn der Behandlung anhand eines objektivierbaren numerischen Ergebnisses.
Im zweiten Teil der Arbeit wurde jede einzelne Bewertungseinheit der Skala getrennt überprüft. Für Item 10 Orientiertheit und Trübung des Bewusstseins konnte eine sehr geringe Trennschärfe errechnet werden. Die Streichung des Items erhöhte die Aussagekraft der Gesamtskala und ist durch eine zukünftige Studie zu überprüfen. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass ein zusammengefasstes Item „Halluzinationen“ die bisherigen Items 6 – 8 (taktile, akustische und visuelle Wahrnehmungsstörungen) ersetzen könnte. Die Bildung nicht-parametrischer Korrelationen ergab einen sehr starken Zusammenhang der einzelnen Bewertungseinheiten. Sie bildeten außerdem eine der drei Hauptkomponenten der Skala bei der Faktorenanalyse. Sowohl Streichung von Einheit 10 als auch Zusammenführung der Einheiten 6 – 8 würde zur Optimierung der Skala bezüglich Zeitaufwand und Aussagekraft führen.
Die Einführung der CIWA-Ar als Hilfsmittel zur Entzugsverlaufseinschätzung erscheint sinnvoll. Als Risikofaktoren für die Entstehung eines Delirium tremens wurden bisher Begleiterkrankungen, Delir- und Krampfgeschehen in der Vorgeschichte und hohe Trinkmengen identifiziert. Nach den Ergebnissen dieser Arbeit stellt eine hohe CIWA-Ar-Punktzahl am Aufnahmetag ein weiteres Kriterium zur Einschätzung der Schwere des Entzugs dar.
Mit Hilfe der CIWA-Ar Punktzahl als quantifiziertes Ergebnis können wichtige Hinweise zur Identifizierung von Risikopatienten relativ objektiv gestellt werden. Das Verfahren ermöglicht die gezielte und engmaschige Untersuchung der gefährdeten Patienten von Anfang an. Das Ergebnis kann zudem als Richtlinie für die Findung der bestmöglichen Therapiebedingungen gesehen werden. Die Entscheidung, ob ambulant oder stationär entzogen werden soll oder ob medikamentöse Unterstützung überhaupt nötig ist, kann auf Basis der CIWA-Ar-Punktzahl erfolgen. Eine prospektive Überprüfung ist durchzuführen, um den prognostischen Wert der CIWA-Ar zu bestätigen.
In Anbetracht der erwiesenen Effektivität der CIWA-Ar als Hilfsmittel zur medikamentösen Dosisfindung im Verlauf des Entzug und der damit verbundenen deutlichen Reduzierung der verabreichten Medikation sollte eine Einführung dieser Skala in deutschen Suchtkliniken diskutiert werden.

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