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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-47021
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2010/4702/


Vorkommen von gewaltbedingten Verletzungen und Gewalterfahrungen bei Patienten in Hamburger Notfallpraxen

Jänner, Johanna Mechthild

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Gewalt , Gewalterfahrungen , Gewalt im sozialen Nahraum , Notfallpraxen , Rechtsmedizin
Freie Schlagwörter (Englisch): Domestic Violence
Basisklassifikation: 44.72
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.06.2010
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 22.07.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Häufigkeit und Charakteristika von Gewalterfahrungen in einem zufälligen Patientenkollektiv zu erfassen. Der Gewaltbegriff wurde auf physische gewaltbedingte Verletzungen eingegrenzt. Zur Datenerhebung wurden im Winter 2007 in den Hamburger KV-Notfallpraxen Altona und Farmsen 426 Patienten mittels fragebogenbasierter Kurzinterviews befragt. Der Altersmittelwert betrug 35,9 Jahre. Nur sieben Patienten (1,6%) suchten die Praxen wegen akuter gewaltbedingter Verletzungen auf. Hingegen berichteten 41,3% (n=176) der Patienten über frühere Gewalterfahrungen mit insgesamt 203 Gewalttaten (teils mehrfache Gewalterfahrungen). Das Geschlechterverhältnis war ausgeglichen, jedoch berichteten weibliche Patienten deutlich häufiger über Angriffe aus dem sozialen Nahraum, während bei den männlichen Personen Fremdtäter überwogen. Den Patienten waren aus den 203 Taten insgesamt 320 Verletzungen erinnerlich. Dabei handelte es sich in mehr als 80,0% um Hämatome sowie Schürf- und Platzwunden. Schwerwiegendere Verletzungen (Stich- und Schnittverletzungen, Frakturen, Zahnabbrüche) wurden in nahezu 20,0% berichtet. In 37,9% der Fälle kam es in der Folge zur Konsultation eines Arztes, 20,6% der Personen waren vorrübergehend arbeitsunfähig und in 14,7% der Fälle führten die Verletzungen zu einem stationären Krankenhausaufenthalt. Nur 30,6% der Patienten haben sich der Polizei anvertraut. Somit sind mehr als zwei Drittel der Fälle dem polizeilichen Dunkelfeld zuzuordnen. Die wichtigste Rolle als Vertrauenspersonen spielten nach der Straftat Freunde und Familie für 64,2% der Betroffenen. Die Gesundheitsberufe spielten hier die zweitgrößte Rolle: 34,6% der Betroffenen hatten sich einem Professionellen im Gesundheitssystem anvertraut. Hierbei spielten sowohl Hausärzte (14,2%), Krankenhausärzte (26,1%) als auch Pflegepersonal (9,6%) eine Rolle. Beratungsstellen und Hilfsorganisationen wurden vergleichsweise selten kontaktiert (insgesamt 5,0%). Die erhobenen Daten erlauben keine epidemiologischen Rückschlüsse, weisen jedoch auf die Dimension des Phänomens Gewalt in einem zufälligen Patientenkollektiv hin. Vergleichbare Zahlen fehlen bislang für den deutschen Raum. Die Zahlen zeigen eine herausragende Rolle des Gesundheitssystems im Rahmen der Versorgung von Gewaltopfern auf. Dies gilt sowohl für die Versorgung von akut Betroffenen als auch für die Berücksichtigung von Gewalt als Stressor bzw. Auslöser von z. B. psychosomatischen Erkrankungen oder einem risikoreichen Gesundheitsverhalten. Die Thematik muss daher in die Aus- und Weiterbildung in den Gesundheitsberufen eingebunden werden. Zudem sollten die Anlaufstellen des Gesundheitssystems verstärkt in den Mittelpunkt von Versorgungs- und Präventionskonzepten zur Thematik „Krankheit Gewalt“ gestellt werden.

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