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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-47234
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2010/4723/


Die Ausbreitung der westlichen Kleidermode in Japan mit besonderer Berücksichtigung der Heisei-Zeit

Bertram, Lars

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SWD-Schlagwörter: Kleidung , Mode
Freie Schlagwörter (Deutsch): Modegeschichte , Modewandel
Freie Schlagwörter (Englisch): Fashion
Basisklassifikation: 73.86
Institut: Asien-Afrika-Institut
DDC-Sachgruppe: Bräuche, Etikette, Folklore
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Pohl, Manfred (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.06.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 30.08.2010
Kurzfassung auf Deutsch:
In Japan ist die angemessene Kleidung für den jeweiligen Anlass fast genau so wichtig wie die alltägliche Höflichkeit. Dieses Modebewusstsein spiegelt sich in der gepflegten und modisch stilsicheren Erscheinung seiner Einwohner wider, die vielen westlichen Japanreisenden sofort ins Auge fällt. Aber nicht nur als Absatzmarkt westlicher Luxusmarken ist Japan modisch interessant. Seit über dreißig Jahren haben japanische Designer die westliche Modewelt immer wieder in Erstaunen versetzt und auf Modenschauen für Furore gesorgt. Mit Beginn der Heisei-Zeit wurde die Street-Fashion von Tôkyô zunehmend auch in westlichen Großstädten zu einem Begriff und japanische Designer der neuen Generation erobern die Laufstege und Straßen der Welt.
Die vorliegende Arbeit zeichnet die Entwicklung der westlichen Mode in Japan nach, die seit ihrer Einführung in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in zwei Phasen verlief und sich durch die Akzeptanz bzw. den Gebrauch unterscheidet. Dabei konzentriert sich die Untersuchung auf zwei Fragestellungen.
Die erste Frage verfolgt die Einführung der westlichen Mode in den japanischen Alltag und stellt den Zeitraum heraus, über den sich der Wechsel von der herkömmlichen zur neuen westlichen Mode erstreckte, die der japanischen Alltagskultur seinerzeit völlig fremd war. Besonders in der Anfangsphase zieht dies die Frage nach sich, wie Japan die Einführung der westlichen Moderne während der Meiji-Zeit vollzogen hat, als sich die gesamte Gesellschaft unter dem Begriff bunka-kaika einer kulturellen Aufklärung verschrieb. Diese vom Kaiser verordnete kulturelle Angleichung an den Westen fand nicht nur ihren Weg in die Kleiderschränke der Japaner, sondern löste auch während der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts Diskussionen über das japanische Selbstverständnis, die Individualität aus. Im Nachzeichnen der modischen Entwicklung soll die Trennlinie zwischen dem bloßen Konsum westlicher Mode und dem Emanzipieren von dieser herausstellt werden.
Die zweite zu untersuchende Frage richtet sich daher an die Rolle der japanischen Mode, die gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zunehmend selbstbewusster wurde. Fand hier besonders mit Beginn der Heisei-Zeit ein Paradigmenwechsel statt, in welchem Japan als neues, kulturell bzw. modisch vom Westen emanzipiertes, asiatisches Gegengewicht erscheint? Oder ist der kreative Boom, der während der neunziger Jahre das modische Straßenbild Japans veränderte nur eine weitere Spielart der japanischen, marktorientierten Wirtschaftskraft, die jeden Trend aufgreift, mit dem Geld zu verdienen ist? Der Zweifel drängt sich auf, ob die Bandbreite der Angebote noch mit Eskapismus erklärt werden kann. Ebenso wenig ist wohl nur Kompensation für das Gefühl, nicht richtig zum Westen dazuzugehören, der Grund für diese Vielfalt. Gerade sie weist auf die abnehmende Bedeutung westlicher Einflüsse auf die japanische Modeszene hin, was seit Beginn der neunziger Jahre bei den Jungdesignern der Heisei-Zeit beobachtet werden kann. Anstatt nur um die Anerkennung im Westen zu kämpfen, richteten sie zunehmend ihre Konzentration auf den einheimischen Markt und schufen so eine eigenständige Modeszene.

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