FAQ
© 2015 Staats- und Universitätsbibliothek
Hamburg, Carl von Ossietzky

Öffnungszeiten heute09.00 bis 24.00 Uhr alle Öffnungszeiten

Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-47432
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2010/4743/


Wissen und Einstellung zum Suizid - Eine Befragung von Medizinstudenten, Klinikassistenten, Allgemeinmedizinern, Psychologiestudenten und Angehörigen anderer Berufsgruppen

Richter, Sonja

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (3.673 KB) 


SWD-Schlagwörter: Selbstmord , Einstellung , Einstellungsmessung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Suizid
Basisklassifikation: 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Götze, Paul (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.04.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 26.08.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Ausgehend von einem Instrument von Ritter et.al. (2002) wurde ein "Fragenbogen über Kenntnisse und Haltungen zum Suizid und zur Suizidalität" (FKHS) entwickelt, mit dem Daten von 347 Ärzten, Studenten und Angehörigen anderer Berufsgruppen erhoben wurden. Innerhalb dieses Kollektivs wurden Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den sechs gebildeten Gruppen der Medizinstudenten, Klinikassistenten, Allgemeinmediziner, Psychologiestudenten und der Angehörigen anderer sozialer Berufe sowie jener der nicht primär sozialen Berufe untersucht.

Dabei wird sowohl die Schwierigkeit unterstrichen, bei einem so komplexen Thema wie dem des Suizids eine repräsentative Stichprobe zu bilden, als auch der Wunsch, trotz des Vergleichs einzelner Berufsgruppen miteinander deren interner Diversivität, was Suizidalität und persönliche Erfahrung mit dem Thema betrifft, Rechnung zu tragen.

Mit 52 Items wurde eine Faktorenanalyse durchgeführt, die zu einer sinnvoll zu interpretierenden Neun-Faktoren-Lösung führte, welche 47,4% der Gesamtvarianz erklärt. Verglichen mit den in der Literatur publizierten vergleichbaren Instrumenten wie z.B. dem SOQ und dem ATTS verfügt der FKHS über eine bessere Reliabilität und ein breiteres Spektrum an Fragen. Mit dem FKHS konnten differentielle Fragestellungen gut bearbeitet werden.

Allgemein sind die Probanden der Ansicht, dass suizidales Verhalten ein Ausdruck negativer Gefühle sei, dass Suizidale oft subjektiv hilflose Situationen erlebten und dass ein Suizid häufig durch Verluste ausgelöst werde. Professionelle Hilfe, aber auch vertrauliche Gespräche seien bei Suizidalität sinnvoll. Die Probanden sind nicht der Meinung, suizidales Verhalten sei ein Zeichen menschlichen Versagens. Einerseits lehnen sie heftige Gefühle wie Wut im Zusammenhang mit Suizidalität ab, andererseits aber auch Mitleid oder Verantwortung.

In der Diskussion der zahlreichen signifikanten Gruppenunterschiede werden die Erklärungsansätze, dass Medizinstudenten und Klinikassistenten im Durchschnitt weniger „sozial“ als Allgemeinmediziner eingestellt sind und besonders die Studenten weniger Erfahrung mit Patienten als die Niedergelassenen haben, durch die Literatur gestützt. Des Weiteren wird aufgrund der Ergebnisse angenommen, dass die Klinikassistenten unter den drei Medizinergruppen thematisch am besten informiert sind, wobei es den Medizinstudenten oftmals noch an Erfahrung mangelt und die Auffassung der Allgemeinmediziner stellenweise durch ihren täglichen Umgang mit der typischen Hausarztpraxisklientel stark beeinflusst wird. Trotz einiger Wissenslücken und der Unterschätzung des Suizidproblems verfügen die in dieser Arbeit untersuchten Medizinstudenten und Ärzte über ein relativ breites Wissen, betrachtet man die Ergebnisse vergleichbarer Gruppen ähnlicher Studien. Bemerkenswert ist, dass in den Medizinergruppen zwischen 40% und 50% der Befragten Suizidgedanken in ihrer eigenen Lebensgeschichte angegeben haben. Die Unterschätzung des Suizidrisikos von psychosomatischen und älteren Patienten deutet auf einen Fortbildungsbedarf hin.

Zwischen den Medizin- und Psychologiestudenten sind nur vereinzelt signifikante Unterschiede zu finden. Im Vergleich zu den anderen Gruppen war die der Psychologiestudenten hinsichtlich ihrer Vorgeschichte in der Tendenz die "suizidalste".

Die Angehörigen nicht primär sozialer Berufe sind an einem Großteil der signifikanten Gruppenunterschiede beteiligt, was mit der weniger medizinischen Sichtweise letzterer und deren geringerem Wissen über die Thematik erklärt werden kann.

Auch wenn die vorliegende Arbeit eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen macht, liegt schon mit der ersten Fassung des FKHS ein brauchbares Forschungsinstrument zur Untersuchung von Einstellungen vor. Mit dem Fragebogen konnten sowohl Unterschiede zwischen den Probandengruppen ermittelt werden als auch ein Bild über Stärken und Defizite in den Kenntnissen und Haltungen der Befragten hinsichtlich des Suizids erhoben werden.

Zugriffsstatistik

keine Statistikdaten vorhanden
Legende