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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-48612
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2010/4861/


Geschlechtsangleichende Operationen bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen mit Phalloplastik - Vergleich verschiedener Operationstechniken sowie Einschätzung der Operationsergebnisse

Sex reassignment surgery in female-to-male transsexuals with phalloplasty - comparison of different surgical techniques, and assessment of surgical results

Steinmetz, Yves

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SWD-Schlagwörter: Operationstechnik , Penisprothese , Plastische Chirurgie , Harnröhre , Harnentleerung , Operationsrisiko , Geschlechtsumwandlung , Spätkomplikation
Freie Schlagwörter (Deutsch): Frau-zu-Mann-Transsexualität , freier Radialislappen , Hospitalisations- und Arbeitsunfähigkeitsdauer , Folgeoperationen , Komplikationsraten
Freie Schlagwörter (Englisch): female-to-male transsexual surgery , free radialis flap , treatment duration , follow-up operations , rate of complications and hospitalization
Basisklassifikation: 44.74 , 44.88 , 44.72 , 44.65
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.09.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 07.12.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit untersucht die Ergebnisse nach Phalloplastik im Rahmen der
operativen Geschlechtsanpassung von Frau zu Mann, die nach verschiedenen Techniken
durchgeführt wurde. Es wurden 2 Behandlungsgruppen verglichen: 49 Patienten, die nach
verschiedenen mehrzeitigen Techniken in Vertragskliniken operiert wurden (Gruppe 2) und
37 Patienten, die nach der von Daverio etablierten Technik operiert wurden (Gruppe 1). Von
Daverio wird primär ein einzeitiges Verfahren zur Phalloplastik angewendet, i. d. R. zeitgleich
mit Hysterektomie, Ovarektomie und Mastektomie, sekundär erfolgt die Implantation von
Erektions- und Silikonhodenprothesen. Von den 49 Patienten der Behandlungsgruppe 2
wechselten nach einer Behandlungsdauer von 1 Jahr bis zu 10 Jahren 8 Patienten in die
Behandlungsgruppe 1, wo die weitere Behandlung und Prothesenimplantation erfolgte.
Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen bei den nach Daverio operierten Patienten
der Gruppe 1 in 81,1 bzw. 84,5 (mit Arztwechslern) Prozent das Erreichen des
Gesamtoperationsziels (abgeschlossene Geschlechtsangleichung) bei einer
Komplikationsrate von insgesamt 27 Prozent. Von den urethralen Komplikationen traten nur
Fisteln auf, die Fistelrate lag bei 5,7 Prozent. Bei 11,4 Prozent traten Prothesen-
Komplikationen auf.
Die Ergebnisse in Gruppe 2 waren signifikant schlechter: Erreichen des
Gesamtoperationsziels in weniger als 5 Prozent bei einer Komplikationsrate von insgesamt
79 Prozent. Teilweise kumulierten verschiedene Komplikationen bei einem Patienten.
Urethrale Komplikationen: 49 % Fisteln, Harnröhren-Stenosen/-Strikturen 42,9 Prozent,
sowie Hypospadie-Situation oder Meatus feminius bei 20,4 %; die urethralen Komplikationen
waren bei über 50 Prozent der Patienten rezidivierend. Lappen-Nekrosen traten bei 42,9
Prozent, Infektionen bei 46,9 Prozent, Penoid-Malposition bei 31,4 Prozent und
Komplikationen im Spendergebiet (Hebedefekt) bei 18,4 Prozent auf. Zu Komplikationen mit
Versteifungsmaterial oder Prothesen kam es bei 22,5 Prozent.
Bei den 8 Arztwechslern war der Verlauf in Gruppe 2 zunächst komplikationsträchtig, der
weitere Verlauf nach dem Arztwechsel mit Prothesenimplantation in Gruppe 1 gestaltete sich
unauffällig.
Dies spiegelt sich auch bei den funktionellen, physiologischen und morphologischen
Ergebnissen wieder:
Die Patienten der Gruppe 1 mit zum Zeitpunkt der letzten Befragung abgeschlossener
Behandlung hatten hinsichtlich Funktionalität und Morphologie ein den Anforderungen
entsprechendes Operationsergebnis (erhaltene Orgasmusfähigkeit, gute taktile Sensibilität
und erogene Zone am Penoid, normale und problemlose Miktion im Stehen, normale Grösse
und gutes Aussehen des Penoids und des Skrotums, FKK und Saunagang möglich,
Kohabitationsfähigkeit mit normalem Bewegungsablauf).
Bei den Patienten der Gruppe 2 zeigten sich Ergebnisse, die funktionell, physiologisch und
morphologisch den Anforderungen nicht in jeder Hinsicht gerecht werden, die Herstellung
eines gut aussehenden und normal positionierten Penoids und insbesondere einer
funktionsfähigen penilen Urethra ist ein bleibendes Problem.
Aufgrund der eigenen Ergebnisse wird gefolgert, dass die Operationsergebnisse der
Phalloplastik bei F-z-M-Operation, die an den Vertragskliniken mit verschiedenen Techniken
erzielt wurden, unbefriedigend sind. Dies wird zum einen darauf zurückgeführt, dass hier
verschiedene Operationsschritte erfolgen, von denen jeder einzelne eine hohe
Komplikationsrate hat, die Komplikationen summieren sich. Zum anderen sind die Verfahren
aufgrund der Methodenvielfalt und der Beteiligung mehrerer Chirurgen aus unterschiedlichen
Fachdisziplinen wenig standardisiert.
Dagegen schneidet das von Daverio etablierte einzeitige Verfahren im internationalen
Literaturvergleich besser ab. Hier wird durch Zusammenfassung der einzelnen Operations-
Teilschritte in einer Sitzung nicht nur die Komplikationsrate und Hospitalisation drastisch
reduziert, die Patienten erreichen auch innerhalb von kürzester Zeit das Behandlungsziel
(abgeschlossene Geschlechtsanpassung) und können ihre Arbeit wieder aufnehmen, was
nicht nur für sie persönlich vorteilhaft ist, sondern auch aus ökonomischer Sicht. Wenn die
Indikation zur F-z-M-Operation gestellt ist, muss sie innerhalb eines überschaubaren
Behandlungszeitraums erfolgreich durchgeführt werden können. In diesem Sinne hat sich
das Vorgehen nach Daverio bewährt.
Ergebnis der Arbeit ist, dass das Verfahren nach Daverio das derzeit am besten geeignete
Verfahren bei der F-z-M-Operation darstellt. Dies gilt auch unter wirtschaftlichen Aspekten,
weil ein gutes Ergebnis in kurzer Zeit erreicht wird.
Kurzfassung auf Englisch: The present study examined the results after phalloplasty in the context of the surgical
gender reassignment from female to male, which was carried out by various techniques. We
compared 2 treatment groups: 49 patients were treated by various techniques in longer-term
procedures in contract hospitals of public health insurance (group 2) and 37 patients were
treated by the established technique of Daverio (group 1), in which only the private medical
treatment is possible. From Daverio primarily a one-stage procedure is applied in
phalloplasty, normally simultaneously with hysterectomy, oophorectomy and mastectomy,
secondary is the implantation of silicone testicular prostheses and hydraulic prosthesis for
erection. Of the 49 patients in the treatment group 2 after a treatment period of 1 year and up
to 10 years 8 patients changed to the treatment group 1, where further treatment and
prosthesis implantation was carried out.
The results of this study in group 1 (Daverio patients) show in 81.1 or 84.5 (with doctor
changers) percent the achievement of the completed sex reassignment with a complication
rate of 27 percent. Of the urethral complications occurred only fistulas, the rate of fistulas
was 5.7 percent, and 11.4 percent occurred on prosthetic complications.
The results in group 2 were significantly worse: to achieve the overall aim of the operation in
less than 5 percent with an overall complication rate of 79 percent, with partial cumulative
number of complications in a patient. Urethral complications: 49% of fistulas, as well as
urethral stenosis and strictures at 42.9 percent, situation of hypospadias or meatus feminius
at 20.4%, and the urethral complications were recurrent in more than 50 percent of patients.
Flap necrosis occurred in 42.9 percent, 46.9 percent of infections, malposition of the penoid
of 31.4 percent and complications in the donor area at 18.4 percent. Complications with
prosthetic material or stiffening occurred in 22.5 percent.
In the 8 doctor changers, the course in group 2 was first of complications, the further course
after the change of doctor with prosthesis implantation in group 1, was inconspicuous.
This is also reflected in the functional, physiological and morphological results:
Patients in group 1 with the time of the last survey completed treatment had in terms of
functionality and morphology by the requirements of appropriate surgical results (obtained
orgasm, good tactile sensitivity and erogenous zone on the penoid, normal and smooth
urination while standing, the penoid and the scrotum of normal size and good look, possible
nudism and sauna, ability to cohabitation with normal movement).
The patients in group 2 showed results that functionally, physiologically and morphologically
not meet the requirements in every respect, the production of a good-looking and normally
positioned penoid and in particular a functional penile urethra is a constant problem.
Because of our results it is concluded that the surgical results of phalloplasty in FTMoperation
that has been made to the public health insurance contract hospitals with different
techniques are unsatisfactory. This is firstly due to the fact that in this multi-stage techniques
are different surgical steps, each of which has a high complication rate, the complications
add up. Second, the process due to the diversity of methods and the involvement of several
surgeons from different disciplines are not very standardized. However, in comparison with
the international literature, the one-stage procedure established by Daverio performs better.
There is drastically reduced by the aggregation of the individual operations of steps in a
meeting not only the rate of complications and hospitalization, the patients also can reach the
treatment goal (completed sex reassignment) within a short time, can resume to work, which
is not only for them personally advantageous but also from an economic perspective. If the
indication for female-to-male surgery is made, it must be successfully completed within a
foreseeable period of treatment. In this sense, the approach to Daverio has proven
successful.
Result of the work is that currently the procedure under Daverio is the most appropriate
procedure for FTM surgery. This is also in economic terms, because a good result is
achieved in a short time.

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