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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-49919
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2011/4991/


Das Metabolische Syndrom bei Frauen mit koronarer Herzkrankheit - Daten der Coronary Risk Factors for Atherosclerosis in Women Studie (CORA)

Schöffauer, Mark

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SWD-Schlagwörter: Metabolisches Syndrom , Koronare Herzkrankheit , Arteriosklerose , Body-Mass-Index , Fettsucht
Freie Schlagwörter (Deutsch): Frauen , KHK , Metabolisches , Syndrom , CORA
Basisklassifikation: 44.61
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Windler, Eberhard (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.01.2011
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 07.02.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Das Thema der Dissertation ist das Metabolische Syndrom bei Frauen mit Koronarer Herzerkrankung innerhalb der CORA-Studie, einer in den Jahren 1997-2000 durchgeführten Fall-Kontroll-Studie von Prof. Dr. E. Windler und Fr. Dr. B. Zyriax.
Die Auswertungen zeigen, dass nicht die Adipositas per se, sondern speziell die abdominelle Adipositas für das koronare Risiko verantwortlich ist. Während die anthropometrischen Parameter BMI, Taillenumfang und WHR annähernd gleichwertig das Diabetes-Risiko vorhersagen, diskriminieren sie unterschiedlich stark das KHK-Risiko. Der BMI ist nicht aussagekräftig und kann sogar irreführend sein, denn normalgewichtige Frauen sind bei Vorliegen einer zentralen Adipositas dennoch KHK gefährdet. Taillenumfang und WHR unterscheiden sich wiederum in ihrer Aussagekraft. Während der Taillenumfang die klassischen Risikofaktoren des Metabolischen Syndroms widerspiegelt und nicht unabhängig davon wirkt, reflektiert eine erhöhte WHR koronares Risiko auch unabhängig und über die kardiovaskulären Risikofaktoren hinaus. Die Studienergebnisse hinterfragen ebenfalls den Stellenwert des LDL-Spiegels als primären Risikomarker bei koronargefährdeten Personen. Frauen mit Metabolischem Syndrom kennzeichnet eine Dyslipidämie, die vorrangig den HDL-Spiegel und die Triglyceride betrifft und sich im Routinelabor durch nicht darstellbare small-dense-LDL-Partikel auszeichnet. In der Studie ist daher der LDL-Cholesterinspiegel nicht signifikant höher für Frauen mit einer KHK oder einem Metabolischen Syndrom gegenüber gleichaltrigen gesunden Frauen.
Die Ergebnisse der CORA-Studie sind mit der Annahme vereinbar, dass die Entstehung des Metabolischen Syndroms vorwiegend auf einen Mangel an körperlicher Bewegung und auf ungesunde Ernährungsmuster zurückzuführen ist. Dieser Zusammenhang wird nur zum Teil durch die Ergebnisse erkennbar, weil sich die Entwicklung des Metabolischen Syndroms schon zu einem frühen Zeitpunkt im Leben der Studienteilnehmer vollzieht. Ein höheres Körpergewicht ab dem 30. Lebensjahr ist ein signifikanter Risikofaktor für die Entwicklung eines Metabolischen Syndroms.
Nach den Ergebnissen der CORA-Studie ist die Herabsetzung des Taillenumfangs als Marker für die abdominelle Adipositas von 88 cm auf 80 cm für ein älteres Patientenklientel weniger geeignet. Das bessere Verhältnis zwischen Sensitivität und Spezifität zur Diagnostik von KHK-Ereignissen und einer Insulinresistenz bietet ein Grenzwert von 88 cm. Ebenso ändert sich die Prävalenz der Risikofaktoren, die durch eine zentrale Adipositas von 80 cm als diagnostisches Kriterium erfasst werden, innerhalb der Fallgruppe nicht. Im Gegensatz dazu sinkt die Prävalenz an Risikofaktoren, die innerhalb der Kontrollgruppe durch einen Taillenumfang von 80 cm als diagnostisches Kriterium erfasst werden. Aus diesem Grund scheint für ein älteres Kollektiv die Definition eines Metabolischen Syndroms mit einem Grenzwert von 88 cm nach der AHA/NHLBI für die abdominelle Adipositas geeigneter zu sein, als ein niedrigerer Grenzwert von 80 cm, wie von der IDF gefordert. Die Ergebnisse der CORA-Studie stützen jedoch den Vorschlag der IDF, die abdominelle Adipositas als zentrales Kriterium in der Definition anzusehen, weil 25 % aller normalgewichtigen (BMI < 25 kg/m²) Frauen ein Metabolisches Syndrom hatten und davon wiederum 75 % bereits eine KHK aufzeigten. Darüber hinaus hatten im gesamten Kollektiv nur weniger als 20 % der Frauen eine zentrale Adipositas (Taille ≥ 80 cm), ohne die Diagnose des Metabolischen Syndroms zu erfüllen.
Ein wesentlicher Punkt ist, dass das Metabolische Syndrom kein von seinen Kriterien unabhängiger Risikofaktor zu sein scheint, aber neben anderen Faktoren wie Ernährungs- und Lebensstilmustern. Dabei entspricht das mit dem Metabolischen Syndrom assoziierte KHK-Risiko in der Studie in etwa dem koronaren Risiko von Rauchern. Dies ist insofern von Bedeutung, da nach Einstellen der Rauchgewohnheiten gewöhnlich eine Gewichtszunahme zu verzeichnen ist und das KHK-Risiko durch Rauchen erst über einen längeren Zeitraum rückläufig ist. Die Studienergebnisse unterstreichen den Sinn der Diagnose des Metabolischen Syndroms, weil kardiovaskuläre Risikofaktoren häufig im Cluster auftreten und in ihrer Akkumulation wahrscheinlich exponentiell das Risiko erhöhen. Ca. 80 % aller Studienteilnehmerinnen, die einen positiven Risikofaktor für das Metabolische Syndrom aufzeigten, waren auch von der Diagnose betroffen.
Aufgrund der Limitationen der Studie ist nicht auszuschließen, dass das Metabolische Syndrom ein größeres Risiko verkörpert als die Summe seiner Einzelfaktoren. Schon allein der höhere CRP-Spiegel bei den Frauen mit einem Metabolischen Syndrom innerhalb der Studie befürwortet diesen Standpunkt. Die Annahme, dass das kardiovaskuläre Risiko des Metabolischen Syndroms nur durch den Einschluss von Diabetikern in die Definition vermittelt wird, konnte durch die Ergebnisse der CORA-Studie widerlegt werden.

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