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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-50256
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2011/5025/


Verteilungsmuster der Palpationsbefunde, der Initialdiagnosen sowie der Behandlungsursachen (Schmerz / Funktionseinschränkung) in einer tertiären CMD-Sprechstunde

Vahle-Hinz, Kai

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: Zahnmedizin , Palpation , Diagnose , Gesichtsschmerz , Myoarthropathie , Kauapparat
Freie Schlagwörter (Deutsch): CraniomandibuläreDysfunktion, LimitationderUnterkieferbeweglichkeit, CMD, TMD
Freie Schlagwörter (Englisch): TMD, temporomandibulardisorders
Basisklassifikation: 44.96
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Ahlers, Marcus Oliver (Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.02.2011
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 01.03.2011
Kurzfassung auf Deutsch: In einer retrospektiven Studie wurden in einem spezialisierten CMD-Centrum insgesamt 265 Patienten konsekutiv untersucht und die Untersuchungsdaten anonymisiert erfasst. Mit der anonymisierten Erfassung bzw. der späteren Ab-trennung der Untersuchungsdaten von Personendaten waren die strengen Anforderungen des deutschen Datenschutzes erfüllt, die Daten durften daher verwendet werden.
Die Daten wurden in ein Tabellenkalkulationsprogramm (Microsoft Excel) über-tragen und mittels der Standartexcelprozeduren sowie eigener VBA-Makros sortiert. Die nachfolgende mathematische Berarbeitung erfolgte mittels deskreptiver Statisik (Kolmoroff-Smirnoff-Test auf Normalverteilung, Prüfung der Nullhypothesen mittels Wilcoxontest).
Im Ergebnis stellt sich heraus, dass die Verteilung der Muskelbefunde durch eine breite Streuung der Muskelbefunde über alle Muskeln des craniomandibulären Systems gekennzeichnet war. Hieraus ergab sich, dass eine Verengung des Befundkanons auf nur einige wenige Muskelbefunde zu einer unzulässigen Nichtberücksichtigung relevanter Palpationsbefunde führt. Dieses ist bei der Entwicklung künftiger Befundschemata zu berücksichtigen.
Im Hinblick auf die Verteilung der nach der Befunderhebung gestellten Initialdiagnosen ergibt sich, dass regelmäßig bei allen untersuchten Patienten mehr als eine Initialdiagnose gestellt wurde. Die Reduktion der Diagnosestellung auf nur eine Globaldiagnose würde mithin ebenfalls in unzulässiger Weise eine Verengung der diagnostischen Heterogenität zur Folge haben und erlaubt somit keine individuelle Behandlungsplanung. Hieraus ergibt sich, dass fortan regel-haft die Befunde aus der klinischen Funktionsanalyse mittels eines differenzierten Diagnoseschemas ausgewertet werden sollten. In der vorliegenden Studie fand dabei das Diagnoseschema nach AHLERS/JAKSTAT Verwendung.
Im Hinblick auf das Vorkommen von Funktionseinschränkungen im Rahmen craniomandibulärer Dysfunktionen stellte sich heraus, dass Funktionseinschrän-kungen in relevantem Maße (cirka 1/3) bei Patienten mit craniomandibulären Dysfunktionen auftreten. Hieraus ergibt sich, dass bei der Bezeichnung der Erkrankung und bei der Vorgabe von Untersuchungsumfängen das Auftreten und die Erfassung von Funktionsstörungen regelmäßig ausdrücklich zu berücksichtigen sind.
Im Hinblick auf die Erfassung von Stress als ätiologischen Co-Faktor bei Entstehung craniomandibulärer Dysfunktionen konnte im Rahmen der Untersuchung gezeigt werden, dass die Vorlage eines Fragebogens zur Erfassung von Stress verursachen Lebensereignissen in keinem Fall zu einem Abbruch des Behandlungsverhältnisses führte. Eine große Anzahl von Stressfragebögen, die von den Patienten unausgefüllt zurückgegeben wurden, führte nicht zu aggressiven Belastungen des Behandlungsverhältnisses bzw. zum Behandlungsabbruch, sondern ging mit einer entsprechenden Sensibilisierung der Patienten für den diesbezüglichen Zusammenhang einher und ermöglichten im anamnestischen Gespräch die Problematisierung eines entsprechenden kausalen Zusammenhanges. Damit wird die Forderung verschiedener Untersuchergruppen nach der sys-tematischen Einbeziehung entsprechender Fragen im Rahmen der Diagnostik craniomandibulärer Dysfunktionen auch abseits dezidierter Probandenstudien in einer klinischen Patientenstudie erfolgreich erfüllt. Die durchschnittliche Punktzahl, basierend auf dem Score nach HOLMES und RAHE war in der vorlie-genden Untersuchungsgruppe 142, was nach den Arbeiten von HOLMES und RAHE, für eine „erhöhte Belastung“ spricht. Die Kontrolle der durch den Arzt gestellten Einschätzung und somit die Miteinbeziehung der Patienten, die den Bogen nicht ausgefüllt haben, zeigt, dass cirka 75% der untersuchten Patienten unter einer „erhöhten“ oder „extremen“ persönliche Belastung stehen.
Dies bestätigt frühere Publikationen, die einen solchen Zusammenhang beschreiben und zeigt, dass der modifizierte „Fragebogen Stressbelastung“ ein geeingetes Mittel ist, um bei der Mehrzahl der Patienten erhöhte Stressbelas-tung aufzudecken.
Klinische Relevanz
Die vorgestellte Arbeit dient der Verbesserung des Verständnisses für die Ätiologie und Pathogenese. Die Heterogenität der nachgewiesenen Befunde zeigt, dass eine einseitige Eingrenzung der Befundmatrix mit dem Risiko verbunden ist, relevante Befunde außer Acht zu lassen. Dies führt programmiert zu einer einseitigen monokausalen Interpretation des Krankheitsbildes CMD. Eine derar-tige einseitige Erfassung resultiert konkludent in einseitigen und dadurch po-tentiell fehlerhaften Behandlungen. Eine Einschränkung des Untersuchungskanons oder die Fokussierung auf einzelne Leitsymptome ist im Hinblick auf die hier dargestellten Befunde nicht zu empfehlen.

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