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URN: urn:nbn:de:gbv:18-52402
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2011/5240/


Kritik des Nationalsozialismus und des Sowjetkommunismus in der Zeitschrift "Der Monat"

Criticism of National Socialism and Soviet Communism in the Magazine "Der Monat"

Gmehling, Joachim

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SWD-Schlagwörter: Deutschland , USA , Ost-West-Konflikt , Totalitarismus , Nationalsozialismus , Kommunismus , Vergangenheitsbewltigung , Intellektueller
Freie Schlagwörter (Deutsch): Kongress für kulturelle Freiheit , Totalitarismustheorie , CIA
Basisklassifikation: 89.15
Institut: Sozialwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Politik
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Greven, Michael Th. (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.04.2011
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 22.07.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Die 1948 im Auftrag des US-amerikanischen Militärgouverneurs in West-Deutschland, General Lucius D. Clay, von dem Journalisten Melvin J. Lasky gegründete Zeitschrift Der Monat besaß für die politische und geistige „Westernisierung“ der frühen Bundesrepublik eine kaum zu überschätzende Bedeutung. Sie gehörte in eine Reihe der zahlreichen politisch-kulturellen Zeitschriftenorgane, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unter der Ägide der westalliierten Besatzungsbehörden, zumal der US-amerikanischen, im Nachkriegsdeutschland mit dem Ziel ins Leben gerufen wurden, nationalsozialistisches Gedankengut durch demokratisches zu ersetzen. Gleichwohl steht Der Monat gemeinhin im Ruf, ein Kind des Kalten Krieges und ein spezielles Instrument des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA im Kampf gegen den Kommunismus gewesen zu sein. Insbesondere nach der Aufdeckung, dass die international bekannte linksliberal-antikommunistisch ausgerichtete Intellektuellenorganisation Kongress für kulturelle Freiheit jahrzehntelang finanzielle Unterstützung von der CIA erhalten hatte, bekam diese Kritik neue Nahrung. Denn Der Monat war organisatorisch, personell, inhaltlich und funktional mit dem Kongress eng verbunden.
Während der Beitrag des Monat (wie auch des Kongresses) für die Genesis der westdeutschen Nachkriegsdemokratie durch diverse Untersuchungen erforscht ist, stellt hingegen die vergleichende Analyse des Totalitarismus nationalsozialistischer und sowjetkommunistischer Couleur ein Forschungsdesiderat dar. Dabei besaß aus politischen Gründen insbesondere die Auseinandersetzung mit der Geschichte des „Dritten Reiches“ und des Sowjetkommunismus sowie vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Totalitarismustheorien der Vergleich zwischen diesen beiden totalitären Herrschaftssystemen in dem Periodikum eine herausragende Bedeutung. Hier setzt die vorliegende Arbeit an. Die Kritik des Nationalsozialismus und des Sowjetkommunismus in der Zeitschrift „Der Monat“ lässt sich von folgenden zentralen Fragestellungen leiten: Welches Bild zeichnete die Zeitschrift vom nationalsozialistischen und sowjetkommunistischen Herrschaftssystem? Wie wurden die beiden totalitären Herrschaftssysteme vergleichend analysiert? Wie ist der Vergleich zwischen der „braunen“ und der „roten“ Diktatur ausgefallen? Welche Rolle spielten in diesem Zusammenhang die zeitgenössischen Totalitarismustheorien? Auf welches totalitarismustheoretische Modell stützte sich die Zeitschrift bei der Kritik der beiden totalitären Herrschaftssysteme in erster Linie? Gab es bei der (vergleichenden) Auseinandersetzung mit der Geschichte des „Dritten Reiches“ und dem aktuellen sowjetischen Kommunismus erkennbare Lücken der Berichterstattung und der kritischen Reflexion? Mit Blick auf die Geschichte der „Hitler-Diktatur“ heißt das insbesondere: wurden bestimmte Aspekte und Themenfelder der politisch-justitiellen Auseinandersetzung mit den Folgen des nationalsozialistischen Herrschaftssystems und seiner Verbrechen ausgeblendet? Erfüllte der „Monat“ hinsichtlich der Kritik des Nationalsozialismus und des Sowjetkommunismus den von der Redaktion propagierten Antitotalitarismus? Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges wird zudem danach gefragt, ob sich bei der Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Totalitarismus und seinen vergangenheitspolitischen Dimensionen in der inhaltlichen Ausrichtung zeigen lässt, dass sich die Imperative der US-amerikanischen Besatzungspolitik in Westdeutschland gewandelt hatten? Und lässt sich angesichts der CIA-Finanzierung des „Kongresses für kulturelle Freiheit“ beim „Monat“ eine Redaktionspolitik feststellen, die auf Direktiven des US-amerikanischen Geheimdienstes zur Steuerung des Publikationsorgans hindeuten?
Insbesondere auf der Basis einer Inhaltsanalyse sämtlicher Hefte der Zeitschrift in den Jahren 1948 bis 1960 kann u. a. gezeigt werden, wie in dem angezeigten Untersuchungsfeld eine Redaktionspolitik betrieben wurde, die den politisch, ideologischen und kulturellen Interessen der Vereinigten Staaten entsprachen, und in einem direktem Zusammenhang standen mit den CIA-Hintergründen des Kongress für kulturelle Freiheit. Hierbei wurde über die Auswahl und Autoren, die Festlegung von Grundlinien der Berichterstattung und Kommentierung und vor allem durch das Ausblenden von bestimmten Themen im Vorfeld wichtige Weichen gestellt, außerdem die Instrumentalisierung von politischen und wissenschaftlichen Publikationen und Totalitarismusstudien prominenter Autoren (z. B. Hannah Arendts und George Orwells) einschloss. Angesichts der durch den Kalten Krieg ausgelösten Entscheidung der Vereinigten Staaten für die Westbindung und die Wiederaufrüstung des ehemaligen Kriegsgegners stand dahinter das politische Ziel, die Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Massenverbrechen zu relativieren und zu neutralisieren, die Wehrmacht als Institution zu rehabilitieren sowie die Mitverantwortung und Mitwirkung der militärischen, bürokratischen, diplomatischen, medizinischen und wirtschaftlichen Eliten zu kaschieren, was ihr Integration in die Nachkriegsgesellschaft erleichterte, und andererseits den sowjetischen Kommunismus zu delegitimieren. Dieser Prozess der Reintegration der ehemaligen NS-Eliten in die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft koinzidierte mit einer fundamentalen Uminterpretation der Geschichte des NS-Regimes und der deutschen Massenverbrechen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vollzog sich in der veränderten politischen und militärischen Landschaft auch im Monat bei der Auseinandersetzung mit der Totalitarismustheorie ein entscheidender Paradigmenwechsel: weg von einem eher antifaschistischen und antinationalsozialistischen hin zu einem primär antikommunistisch ausgerichteten Totalitarismusverständnis, in dem für den italienischen Faschismus kaum mehr Platz war. Bildete bis dahin der Faschismus bzw. der Nationalsozialismus das Modell, an dem die kommunistische Variante gemessen wurde, übernahm fortan die stalinistische Sowjetunion diese Rolle. Wie in der Wissenschaft wurde auch in dem wichtigen Zeitschriftenorgan der Nationalsozialismus – im Gegensatz zur Sowjetunion – als noch nicht voll ausgereiftes Muster totalitärer Herrschaft gekennzeichnet. Auf diese Weise verblieb der stalinistische Bolschewismus als eigentlicher Modellfall des Totalitarismus.
Quasi als eine Bündelung der einzelnen Untersuchungsergebnisse kann festgehalten werden, dass der von der Zeitschriftenredaktion des Monat propagierte antitotalitäre Anspruch hinsichtlich der vergleichenden Beschreibung und Analyse des nationalsozialistischen und sowjetkommunistischen Herrschaftssystems in erster Linie als Antikommunismus verstanden und nicht eingehalten wurde; hierbei existierten Parallelen zum Kongress für kulturelle Freiheit. Die beiden totalitären Herrschaftssysteme wurden einschließlich ihrer länderspezifischen Vorgeschichte sowohl was quantitative als auch qualitative Aspekte anbelangt mit unterschiedlichen Maßstäben untersucht. Außerdem wurden im Kontext der politisch-justitiellen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte zentrale vergangenheitspolitische Themen und Dimensionen ausgeblendet und gegen die neonazistischen und rechtsradikalen Gefährdungen in der Bundesrepublik erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre deutlich Position bezogen.













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