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URN: urn:nbn:de:gbv:18-54312
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2011/5431/


"Goyas Velázquez" — Francisco Goya: Zeichnungen, Radierungen und Gemälde nach Velázquez

"Goya's Velázquez" — Francisco Goya: Drawings, prints and paintings after Velázquez

Hoffmann-Samland, Jens

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SWD-Schlagwörter: Goya y Lucientes, Francisco Jos de , Velzquez, Diego Rodrguez de Silva y , Reproduktionsgraphik , Siglo de oro , Aufklrung , Radierung , Aquatinta
Basisklassifikation: 21.39 , 20.10 , 20.07
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Künste, Bildende Kunst allgemein
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Warnke, Martin (Prof. emer. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.07.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 05.12.2011
Kurzfassung auf Deutsch: An zwei Terminen, im Juli und im Dezember 1778, veröffentlichte Francisco Goya in Madrid insgesamt elf Radierungen, die er nach Gemälden Diego Velázquez’ geschaffen hatte. Von noch einmal so vielen Gemälden wissen wir, dass er sie in irgendeiner Form „kopierte”. Jedoch hat er selbst von diesen keine mehr veröffentlicht. Unsere Kenntnis des Konvoluts setzt sich aus Zeichnungen (in Graphit, Rötel, Kreide und Tusche), Druckplatten, Probedrucken, Editionen
und Gemälden zusammen, die alle deutlich den Bezug zu Velázquez herstellen, in vielen Drucken und einigen Zeichnungen sogar ausdrücklich formuliert. Da aber nicht alle Zeichnungen radiert wurden und nicht alle Zeichnungen zu den vorhandenen Radierungen bekannt sind, Druckplatten nicht erhalten blieben oder Quetschfalten im Papier lediglich auf ihre Existenz schließen lassen, darüber hinaus in zwei Fällen neben den Radierungen auch Gemälde ausgeführt worden sind und eine Arbeit ausschließlich als Gemälde existiert, ist die Lage etwas unübersichtlich und hinterlässt in der Forschung immer wieder differierende Angaben. Die vorliegende Arbeit führt in ihrem Katalog erstmals alle bekannten Arbeiten Goyas (inklusive der ihm ehemals zugeschriebenen) nach Velázquez zusammen, und zwar in der Reihenfolge, die das Konvolut selbst nahe legt und in einer Struktur, die all die unterschiedlichen Techniken und Darstellungsmittel berücksichtigt. Dabei orientiert sie sich am Arbeitsablauf des Künstlers: Skizze, Vorzeichnung, Reinzeichnung (oder Nachzeichnung); Druckplatte; Probedrucke je nach Ätzung und/oder Bezeichnung; Edition; im Anschluss die Gemälde. Der Aufbau wurde zudem so organisiert, dass künftige Entdeckungen ohne Schwierigkeiten integriert werden können.

Die Zeichnungen, Radierungen und Gemälde Goyas nach Velázquez werden im Einzelnen diskutiert und es wird herausgearbeitet, nach welcher Systematik Goya Veränderungen vornimmt und wie er seine Gesamtintention in konsequenter wie vielfältiger Weise umsetzt. Am auffälligsten dabei ist die Herauslösung der Figuren aus dem ‚alten’ Kompositionssystem und ihre Neuinszenierung als primär auf sich selbst bezogene Figuren. Mit der Verminderung des aristokratischen Ambientes einerseits und der Erhöhung der Ausdrucksstärke bei Bürgern und
Bauern andererseits überführt er die ‚alten’ Arbeiten in die Aktualität des 18. Jahrhunderts. Seit dem 17. Jahrhundert eines Velázquez hatte sich der kulturelle und politische Hintergrund spürbar gewandelt. Wenn auch die grundlegende Ordnung der Monarchie und der Gesellschaftsstruktur noch bleibt, innerhalb dieser vollziehen sich Veränderungen, die insgesamt auf ein Weniger an Status und ein Mehr an Person ausgerichtet sind.

Das Ansehen, dass Spanien, das Land ,hinter den Pyrenäen’ vor allem in kultureller Hinsicht in Europa genoss, beschrieben in Reiseberichten, diplomatischen Kontakten und, wenig später (1782/83), laut geäußert in der Encyclopédie méthodique, war dürftig. Wenige kannten das Land, noch weniger die königliche Gemäldesammlung. Engagierte Intellektuelle wie Antonio Ponz und Anton Raphael Mengs formulierten Mitte der 1770er Jahre Aufrufe, die unbekannten und verborgenen Schätze des künstlerischen Erbes Spaniens zu publizieren und öffentlich zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck wurde noch 1789 eigens für die Gemälde aus den königlichen Palästen die private „Compañía para el grabado de los cuadros de los Reales Palacios” gegründet.

Letztlich zeigt die Rezeptionsgeschichte der Arbeiten, die jede vorstellbare Sicht auf Goyas Arbeiten bereit hält, dass sie nur wenig zu einem neuen Bild Spaniens beitragen konnten. Untersuchungen der Auswirkungen auf sein eigenes späteres Werk sind viel deutlicher und schließen die Studie ab.
Kurzfassung auf Englisch: In July and December of 1778, Francisco Goya published eleven prints, which he created after paintings by Velázquez. He „copied” another eleven paintings without publishing them. There are drawings in black lead, red chalk, chalk and ink, plates, trial proofs, printed editions and paintings, which are all closely related to paintings by Velázquez. This catalogue brings them all (including formerly attributed drawings) together, following methodically the artist’s working process: sketches, drawings, preparatory drawings, copies (?); the plates; trial proofs; editions; paintings. It has been organised being able to easily incorporate future discoveries.

The drawings, prints and paintings after Velázquez are discussed closely, the principles of the changes he made and to which extent he followed clearly his intentions is being carved out. Most demonstrative is the way, how the figures are disembedded out of their ”old” setting and becoming characters basically referring to themselves, leaving behind any old kind of ”superstructure”. Reducing the aristocratic ambience and intensifying the personal profiles of peasants, citizens and even the aristocrats themselves, Goya transfers the ”old works of art” to the up-to-dateness of the 18th century. He shows how the cultural and political setting had been changed since the 17th century, though the basic system of the monarchy remained.

Furthermore, this series of ”copies” stands as well in a national context: Spain had a very poor reputation in Europe, especially regarding cultural matters. This was reported by travellers and diplomatic agents, and could also be read in the article on Spain published in France still a couple of years later, in 1782/83, within the Encyclopédie méthodique. Very few people knew Spain, and even less knew the Royal Collections of paintings. Highly engaged intellectuals like Antonio Ponz and Anton Raphael Mengs appealed yet in the 1770ies to publish the unknown and hidden treasures of Spain. For this purpose focussing on the paintings belonging to the Court, a private association, the ”Compañía para el grabado de los cuadros de los Reales Palacios”, was founded in 1789. Though there seems not to have been any commissioner, Goya’s works could have met perfectly those demands.

But the early as well as the later acceptance of Goya’s prints show the complete range of possible estimations, making clear that they barely contributed to a change of Spain’s image in Europe. The effects they had on his own later works are far more explicit, and complete this study on the first of Goya’s printed series.


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