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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-55697
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2012/5569/


Sozialer Einfluss auf Werthaltungen und seine Konsequenzen für kulturelle Diffusion

Social influence on personal values and its consequences for cultural diffusion

Gollan, Tobias

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: Wert , Wertwandel , Wertorientierung , Kulturelle Entwicklung , Einfluss , Interaktion , Computersimulation
Freie Schlagwörter (Englisch): Wertestruktur , Werteveränderung , Kulturelle Diffusion
Basisklassifikation: 77.60
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Witte, Erich H. (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.01.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 23.03.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Werte sind in den vergangenen Jahren zunehmend ins Blickfeld von Sozialwissenschaftlern geraten, um psychologische und makrosoziale Phänomene zu erklären. Dennoch ist, trotz zahlreicher theoretischer und empirischer Fortschritte seit den 1980er Jahren, bislang wenig verstanden, a) wie kulturelle Werte (als Merkmale von Gesellschaften) und persönliche Werthaltungen (als Merkmale von Individuen) miteinander interagieren und b) wie und unter welchen Bedingungen sich Werte und Werthaltungen verändern.
Die vorliegende Dissertation setzt an diesen Lücken an und untersucht das Wertekonzept aus einer interdisziplinären Perspektive, mit besonderem Fokus auf seine dynamischen Aspekte.
In Studie 1 wird die in jüngerer Zeit sehr erfolgreiche Theorie zur universellen Struktur von Werten untersucht, das Circumplex-Modell (Schwartz, 1992). Anhand zweier Survey-Datensätze wird analysiert, ob das Modell nur eine statistische Generalisierung ist und sich allein auf Stichproben- bzw. Populationsebene zeigen lässt oder ob es auch dazu geeignet ist, die Struktur intraindividueller Werteprofile zu beschreiben. Für 70% der Personen in repräsentativen Stichproben stellt das Modell eine gute Abbildung ihrer intraindividuellen Wertestrukturen dar.
In den Studien 2.1. und 2.2 werden Werte im Kontext sozialer Interaktion untersucht. Die zentralen Fragen sind, wie andere Personen mit bestimmten Werthaltungen wahrgenommen werden und wie sich die Wahrnehmung der eigenen Werthaltung durch sozialen Kontakt verändert. Zwei empirische Studien zeigen, dass Ähnlichkeit in den Werthaltungen zu positiveren Einschätzungen des Gegenübers führt und dass die Ähnlich- oder Unähnlichkeit eines Interaktionspartners eine temporäre Werteverschiebung auslöst, die − im Sinne der Social Judgment Theory (SJT; Sherif & Hovland, 1961) − Ähnlichkeit weiter erhöht bzw. Unähnlichkeit weiter vergrößert.
In der Studie 3 wird anhand mehrerer Computersimulationsexperimente untersucht, welche Konsequenzen unterschiedliche Prozesse sozialen Einflusses auf Werthaltungen zwischen Individuen für die höhere Systemebene, die Gesellschaft, haben. Es zeigt sich, dass Einfluss nach der SJT sowohl Homogenität als auch Pluralität kultureller Werte ermöglicht, letztere allerdings nur, wenn er lediglich bei großer Ähnlich- oder Unähnlichkeit stattfindet. Einflussprozesse mikrosystemischer Natur, die vorrangig durch das Bedürfnis nach positiver sozialer Identität begründet sind, führen jedoch unweigerlich zu Wertehomogenität, es sei denn, externe Störeinflüsse werden wirksam.
Die drei Kernkapitel und ihre Studien schlagen den Bogen von einer persönlichkeits- über eine sozialpsychologische zu einer soziologischen Betrachtung von Werten. Neben der Integration der verschiedenen, üblicherweise getrennt betrachteten Systemebenen wird die Dynamik von Werthaltungen (als Merkmale von Individuen) und Werten (als Merkmale von Kultur) beleuchtet. Ferner wird argumentiert und durch die Studie 3 illustriert, dass die Methode der Computersimulation ein hilfreiches Instrument sein kann, um sozialwissenschaftliche Theorie (weiter) zu entwickeln.
Kurzfassung auf Englisch: In the last years, the value concept has gained importance in explaining a variety of psychological and macro-social phenomena in the social sciences. Despite significant progress on a theoretical and empirical level, however, some of its aspects are still hardly understood: a) how cultural values (as characteristics of societies) and personal values (as characteristics of individuals) interact with each other and b) how and under what circumstances cultural and personal values change.
The present dissertation addresses these gaps and examines values from an interdisciplinary perspective, with a special focus on their dynamics.
Study 1 investigates the circumplex model of values (Schwartz, 1992) which has become the most prominent theory on the structure of personal values in the last decades. Using two large survey datasets, it tests whether the model is only a statistical generalization, describing value structure on a population level, or whether it also accounts for intraindividual value structures. According to the results, the model is also a good representation of intraindividual value profiles for around 70 % in representative samples.
Studies 2.1 and 2.2 focus on values in a social interaction context. Central questions are how other persons are perceived, depending on their value orientations, and how the perception of one’s own values changes as a consequence of interpersonal contact. The studies show that similarity in personal values results in more positive attitudes towards the other person and that the level of similarity elicits a temporary shift in the perceiver’s value position, following the logic of the Social Judgment Theory (SJT; Sherif & Hovland, 1961): prior similarity further increases whereas prior value divergence further deepens.
Study 3 uses computer simulation experiments to analyse what consequences different processes of social influence on personal values have on a higher systems level, i.e. on cultural values. The results suggest that social influence according to the logic of the SJT (influence between dyads) may result in cultural homogeneity or value plurality, the latter, however, only if influence is restricted to both high similarity and high dissimilarity. In contrast, micro-systemic influence which is grounded in the need for affiliation and a positive social identity (influence reflecting the social context) inevitably leads to homogeneity unless external factors (noise) come into effect.
The three main chapters and the respective studies link different scientific perspectives in values research: personality psychology, social psychology, and sociology. In the present work, the different system levels that underlie these perspectives are integrated, paying particular consideration to value change processes. It is argued that the simulation method can be an effective tool to further develop social scientific theory.

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