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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-56013
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2012/5601/


Suizidalität in der Einweisungspraxis des Psychiatrischen Notdienstes und der Sozialpsychiatrischen Dienste in Hamburg

Ballerstedt, Antonia

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SWD-Schlagwörter: Selbstmordgefährdung , Zwangseinweisung , Sozialpsychiatrischer Dienst
Freie Schlagwörter (Deutsch): Psychiatrischer Notdienst , Hamburger PsychKG
Basisklassifikation: 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Götze, Paul (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.03.2012
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 11.04.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Zur Suizidalität von zwangsuntergebrachten Personen gibt es bisher nur wenige
Untersuchungen, meist wird Suzidalität am Rande erwähnt. Es werden selten Fragen gestellt, bei welchen Altersgruppen und in welcher Form Suizidalität auftritt und mit welchen Argumenten die entscheidenden Psychiater ihre Indikationen zu einer Zwangsunterbringung begründen. Diesen Fragen wird in dieser Arbeit nachgegangen.
Zwangsunterbringungen sind komplexe Entscheidungen, in denen vor allem die Autonomie eines Menschen gegen die Gefährdung der eigenen und/oder anderer Personen steht. Der verantwortliche Arzt muss, mehr oder weniger beeinflusst von seinem Umfeld, allein und unter Zeitdruck Entscheidungen treffen. Als Entscheidungshilfe für ihn gibt es bisher keine Leitlinien oder ähnliches; das Unterbringungsgesetz enthält wenige richtungsweisende Kriterien.
Diese Arbeit zeigt, dass Suizidalität bei einem Drittel der Zwangseinweisungen vorkommt und in der Reihenfolge der gebildeten Kategorien am dritthäufigsten (nach Affektzuständen und wahnhaften Zuständen) unter den Einweisungsgründen genannt wird. Suizidversuche treten bei 12 % der Zwangseingewiesenen auf. Dabei ist die Reihenfolge der gewählten Methoden (1.) der Sprung vor ein Fahrzeug oder das Herausspringen aus einem Fahrzeug. Danach folgt: (2.) der Sprung von einem Gebäude (z.B. Balkon oder einer Brücke), (3.) die Verletzung mit scharfen Gegenständen und (4.) die Erhängung. Es begingen mehr Männer (45) als Frauen (34) einen Suizidversuch. Suizidal waren 112 Frauen und 114 Männer. Bei
Männern besteht eine große Häufung bei 25 - 29 Jährigen, bei den Frauen gibt es eine breitere Verteilung. Im Durchschnitt sind sowohl die Frauen als auch die Männer, die einen Suizidversuch begehen, ca. drei Jahre jünger als der Durchschnitt der Gesamtgruppe zwangseingewiesener Personen. In der Risikogruppe für eine Zwangseinweisung sind eher junge Männer und ältere Frauen.
Die zudem durchgeführten halbstrukturierten Interviews mit den Ärzten des PND und des sozialpsychiatrischen Dienstes eröffnen Einblicke in ihre Reflexion der Einweisungsgründe.
Es zeigt sich eine Diskrepanz zwischen der Einschätzung der Häufigkeit von Suizidalität und den reellen Zahlen. In Bezug auf die Einweisungspraxis scheinen im PND und SPD subjektive Faktoren eine große Rolle zu spielen.
Ergebnisse die in dieser Arbeit gefunden wurden, wurden mit Ergebnissen aus der Literatur verglichen. Zahlen zum Einweisungszeitpunkt zeigen eine relativ konstante Verteilung über die Monate, etwas weniger Einweisungen am Wochenende und zwischen 0 - 8 Uhr, dieses zeigen auch andere Studien. Der häufigste Einweisungsort ist das Polizeirevier. In den letzten zehn Jahren steigt die Zwangseinweisungsrate in Hamburg (von 1992 bis 2004), die Quote schwankt auch dies zeigt sich ebenfalls in anderen Studien.
Als häufigste Verdachtsdiagnose werden Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis genannt, gefolgt von Psychische- und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen organisch - somatischen Störungen und affektiven Störungen. Die häufigste Zusatzdiagnose sind psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen.
Zwangseinweisungen sind ein höchst ambivalenter Bereich der Psychiatrie. Deshalb sollte es offenere, vorurteilsärmere und differenzierendere Diskussionen von psychiatrischen Fachleuten geben, die die Indikationen von Zwangseinweisungen letztlich klarer definieren, Leitlinien festlegen und zur Vermeidung von Zwangseinweisungen bessere alternative Hilfestellungen für die Betroffenen und deren Angehörige schaffen. Dieses sollte unter Einbeziehung von Betroffenen, Angehörigen, Politikern und Polizei geschehen.

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