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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-56406
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2012/5640/


Sexueller Missbrauch und körperliche Misshandlung im Kindesalter. Vergleichende Analysen empirischer Studien aus Deutschland, Polen und Frankreich

Sexual abuse and physical maltreatment in the childhood. Comparative analysis of empirical studies from Germany, Poland and France

Bleiker-Buth, Natalia

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Freie Schlagwörter (Deutsch): sexueller Missbrauch , körperliche Misshandlung , Kinder , Risikofaktoren , Prävention
Freie Schlagwörter (Englisch): sexual abuse , physical maltreatment , children , risk factors , prevention
Basisklassifikation: 77.70 , 77.85
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Richter-Appelt, Hertha (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.06.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 15.05.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund
In den letzten Jahren ist das Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern immer stärker in den Fokus psychologischer Diskussionen getreten. In einer Reihe von Ländern sind hierzu empirische Untersuchungen vorgenommen worden. Da diese Studien jedoch insbesondere hinsichtlich der Methodik und der Definition von sexuellem Missbrauch sehr unterschiedlich angelegt sind, ist ein direkter Vergleich der Studienergebnisse oftmals nur schwer möglich (Finkelhor, 1997).

Zielsetzung
Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, länderspezifische Unterschiede (Deutschland, Polen, Frankreich) in Bezug auf Risiko- und Schutzfaktoren sexuellen Missbrauchs und körperlicher Misshandlung im Kindesalter (Alter: 0 bis 11 Jahre) zu erfassen, zu beschreiben und zu analysieren. Darauf aufbauend soll ein entsprechendes Frühwarnsystem für gefährdete Kinder entwickelt werden, das sich u. a. vom Gesundheitswesen zur Prävention und Frühintervention einsetzen lässt.

Methodik
Die deutsche Teilstichprobe (D) umfasst 616 Frauen, die polnische (PL) 634 Frauen und die französische (FR) 324 Frauen. Die Datenerhebung erfolgte in Deutschland im Jahr 1993 und in Frankreich im Jahr 1998 jeweils in Form eines schriftlichen Fragebogens, der in den Universitäten Hamburg und Bordeaux verteilt wurde. In Polen ist in den Jahren 2002/2003 eine Onlineerhebung durchgeführt worden. Erfragt wurden demografische Angaben zur Person, Angaben zur sozialen und familiären Situation in der Kindheit, zur Eltern-Kind-Beziehung, die elterliche Anwesenheit zu bestimmten Tageszeiten, gesundheitliche Probleme der Eltern und deren Fähigkeit, eine adäquate Fürsorge zu gewährleisten sowie körperliche Misshandlungs- und sexuelle Missbrauchserfahrungen. Der in deutscher Sprache entwickelte Fragebogen ist ins Französische und Polnische übersetzt worden. Die Datenaufbereitung und -auswertung erfolgte mit den Statistikprogrammen SPSS und PRELIS. Neben deskriptiven Analysen wurden eine Vielzahl von Chi-Quadrat-Tests, logistischen Regressionen und polychorischen Korrelationen durchgeführt.

Ergebnisse
Das Durchschnittsalter der Stichproben beträgt 24,5 Jahre (D), 23,6 Jahre (PL) und 20,0 Jahre (FR). Der Anteil der Studentinnen an allen befragten Frauen beträgt in D 72%, in PL 51% und in FR 60%. 24% der deutschen Frauen geben an, im Kindes- oder Jugendalter sexuell missbraucht worden zu sein. In Polen sind es 26% und in Frankreich 19%. Von körperlicher Misshandlung berichten 28% (D), 37% (PL) und 24% (FR). Bedeutsame Risikofaktoren für das gleichzeitige Auftreten von sexuellem Missbrauch und körperlicher Misshandlung (SM&KM) bzw. ausschließlicher körperlicher Misshandlung (KM) in Deutschland sind das Erziehungsverhalten der Eltern (SM&KM: R2=53%; KM: R2=33%), die Vernachlässigung in der Erziehung und Pflege im Kindesalter durch die Eltern (SM&KM: R2=55%; KM: R2=10%) sowie die familiäre Situation (SM&KM: R2=42%; KM: R2=18%). In Polen sind es die Faktoren Erziehungsverhalten der Eltern (SM&KM: R2=23%; KM: R2=42%) und Vernachlässigung in der Erziehung und Pflege im Kindesalter durch die Eltern (SM&KM: R2=20%; KM: R2=11%) und in Frankreich die Faktoren Erziehungsverhalten der Eltern (SM&KM: R2=15%; KM: R2=21%) und familiäre Situation (SM&KM: R2=6%; KM: R2=15%). Zudem konnte gezeigt werden, dass in allen drei Ländern das Risiko des Auftretens von SM&KM bzw. KM mit der Anzahl der für eine Person zutreffenden Risikofaktoren steigt.

Schlussfolgerungen
Ein Ergebnis der vorliegenden Untersuchung ist die Identifizierung von Schutz- und Risikofaktoren für körperliche Misshandlung und sexuellen Missbrauch von Kindern. Es ist aber auch deutlich geworden, dass keiner der genannten Risikobereiche für sich (allein) genommen erklären konnte, weshalb in manchen Familien Gewalt gegen Kinder ausgeübt wird oder weshalb Kindesmissbrauch und/ oder -misshandlung in bestimmten Kontexten eine höhere Prävalenzrate aufweist als in anderen. Genau wie bei anderen Formen von Gewalt ist auch Kindesmissbrauch am ehesten zu verstehen, indem man die komplexen Interaktionen der unterschiedlichen Risikofaktoren auf den verschiedenen Ebenen analysiert. Mithilfe der Korrelationsanalyse konnten die Risikofaktoren hinsichtlich ihrer Bedeutung gewichtet und zueinander in Beziehung gesetzt werden, was eine noch präzisere Einschätzung der Gefährdungssituation eines Kindes erlaubt. Das darauf aufbauende, neu entwickelte Konzept der Checkliste ist ein valides Instrument zur Risikoeinschätzung insbesondere bezüglich einer Gefährdung durch sexuellen Missbrauch in Verbindung mit körperlicher Misshandlung und für ausschließliche körperliche Misshandlung.
Der Vergleich der Ergebnisse aus den drei europäischen Ländern macht aber darüber hinaus deutlich, dass sich trotz vieler Gemeinsamkeiten die Ergebnisse aus einem Land nicht immer eins zu eins auf ein anderes übertragen lassen. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sich das Risiko eines Kindes missbraucht oder misshandelt zu werden, nur vor dem Hintergrund der kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die seine Sozialisation (mit-)bestimmen, wirklich erfassen lässt.
Kurzfassung auf Englisch: Background
The problem of sexual abuse of children has appeared stronger in the focus of psychological discussion for the last few years. In many countries empirical studies were carried out. Because these studies were very differently, in particular concerning the methodology and the definition of sexual abuse, a direct comparison of the studies results is often only hardly possible (Finkelhor, 1997).

Objective
The present dissertation has the aim to describe and to analyse differences which are specific for some countries (Germany, Poland and France) concerning risk and protective factors of sexual abuse and physical maltreatment in the infancy (age: from 0 to 11 years). A suitable early warning system for children at risk of it should be developed, which could be used together with other things from the health service to prevention and early intervention.

Methodology
The German sample (D) encloses 616 women, the Polish (PL) 634 women and the French (FR) 324 women. Data were collected in D in 1993 and in 1998 in FR in the form of written questionnaires which were distributed in the universities of Hamburg and Bordeaux. In PL an online questionnaire was carried out in the years 2002/2003. Demographic civil status was asked, information about the social and informal situation in the childhood, about the parent-child relationship, the parental presence at certain time of day, health problems of the parents and their ability to guarantee an adequate care and physical abuse and sexual abuse experiences of women surveyed. The questionnaire, which was developed in Germany, was translated into French and Polish. The data processing and data evaluation occurred with the statistics programmes SPSS and PRELIS. Beside descriptive analysis, a number of Chi-square tests, logistic regressions and polychoric correlations were carried out.

Results
The average age of the samples amounts 24.5 years (D), 23.6 years (PL) and 20.0 years (FR). The portion of the students of all questioned women amounts in D 72%, in PL to 51% and in FR 60%. 24% of the German women indicate to have been sexually abused at the child age or youth age. In PL there are 26% and in France 19%. 28% (D), 37% (PL) an 24% (FR) tell about physical maltreatment.
Significant risk factors for the simultaneous occurrence of abuse and maltreatment (SM&KM) or maltreatment without sexual abuse (KM) in Germany are the parental rearing behavior (SM&KM: R2=53 % or KM: R2=33 %), neglecting of the education and the parental care in the infancy (SM&KM: R2=55 % or KM: R2=10 %) as well the family situation (SM&KM: R2=42 % or KM: R2=18 %). In Poland the parental rearing behavior (SM&KM: R2=23 % or KM: R2=42%) and the neglect of the education and the care in the infancy by the parents (SM&KM: R2=20 % or KM: R2=11 %) are important factors. In France are these the parental rearing behavior (SM&KM: R2=15 % or KM: R2=21 %) and the family situation (SM&KM: R2=6 % or KM: R2=15 %). In addition, it was shown, that in all three countries the risk of occurrence of SM&KM and KM increases with the number of risk factors, which apply for a respondent.

Conclusions
A result of the present investigation is the identification of protective factors and risk factors for physical maltreatment and sexual abuse of children. However, it has also become clear that none of the factors can be explain alone, why in some families physical and sexual violence is applied against children. Like in case of other forms of violence, it is necessary to understand the complicated interactions of the different risk factors.
With the help of the correlation analysis the risk factors could be weighted regarding to their meaning, which permits an even more exact appraisal of the child hazard. The anew developed check list basing on the study results is a valid instrument to estimate the risk for the occurrence of SM&KM and KM.
In addition, however, the comparison of the results from the three European countries makes clear that in spite of many common characteristics the results from one country not always can be transferred one to one to another. That means, that the risk of a child to be abused can be grasped only before the background of the cultural and social basic conditions which determine its socialization.


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